pitasc: Smarte Roboterprogrammierung fĂĽr die Autoindustrie

KI in der deutschen Automobilindustrie: Produktion und Innovation••By 3L3C

pitasc zeigt, wie kraftgeregelte (De-)Montage in der Autoindustrie modular, herstellerunabhängig und KI-fähig programmiert werden kann – mit hohem Potenzial für OEMs.

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pitasc: Smarte Roboterprogrammierung fĂĽr die Autoindustrie

Die meisten deutschen Automobilwerke stehen 2025 vor demselben Problem: Roboterzellen sind da, die Hardware ist bezahlt – aber jede neue Variante, jedes neue E-Auto-Modul, jede kleine Prozessänderung kostet Tage an Umrüstzeit und teurer Integratorenarbeit. Variantenvielfalt trifft starre Programme.

Genau hier setzt das Fraunhofer-Framework „pitasc“ an. Das Webinar am 05.11.2025 (10:00–12:00 Uhr, online via Microsoft Teams) zeigt, wie sich kraftgeregelte (De-)Montageprozesse mit modularen Bausteinen programmieren lassen – herstellerunabhängig, flexibel und wiederverwendbar. Für Automobilhersteller und Zulieferer, die KI-gestützte Robotik wirklich wirtschaftlich nutzen wollen, ist das hochrelevant.

In diesem Beitrag ordne ich das pitasc-Webinar in den Kontext „KI in der deutschen Automobilindustrie: Produktion und Innovation“ ein, erkläre, was hinter dem Ansatz steckt, welche konkreten Vorteile er bringt und wie sich Unternehmen gezielt darauf vorbereiten können.


Was ist pitasc – und warum ist es für die Autoindustrie spannend?

pitasc ist ein Roboter-Programmierframework fĂĽr kraftgeregelte (De-)Montage, entwickelt am Fraunhofer IPA in Stuttgart. Kernidee: Standardaufgaben der Robotik werden als wiederverwendbare Module beschrieben, statt jedes Mal von Null an programmiert zu werden.

FĂĽr die Automobilproduktion ist das aus drei GrĂĽnden interessant:

  1. Kraftgeregelte Montage wird zur Norm
    Ob Batteriemodule, Stecker, Clips, Dichtungen oder Interieurteile: moderne E-Fahrzeuge sind voll von Komponenten, die zwar automatisiert montiert werden können, aber hohe Anforderungen an Kraft/Moment-Kontrolle und Prozessstabilität stellen.

  2. Varianz explodiert, Zeit fĂĽr Programmierung nicht
    Fahrzeugplattformen, Derivate, Individualisierung: Die Zahl der Varianten wächst, die Taktzeit bleibt. Wer jede Variante klassisch „hart“ programmiert, verliert.

  3. Hersteller- und Cobot-Mix in den Werken
    KUKA, ABB, FANUC, Yaskawa, UR, Doosan & Co. – in vielen Werken laufen Roboter verschiedenster Hersteller. Ein Framework wie pitasc reduziert diesen Zoo auf eine einheitliche Denkwelt.

Der entscheidende Punkt: pitasc macht aus schwer wartbaren, starren Programmen parametrierbare Bausteine, die sich ĂĽber verschiedene Zellen und Roboter hinweg nutzen lassen.


Wie pitasc kraftgeregelte (De-)Montage vereinfacht

Das Webinar zeigt anhand einer realen Roboterzelle, wie pitasc in der Praxis funktioniert. Der Ablauf im Programm spiegelt ziemlich gut wider, wie Unternehmen später selbst arbeiten können.

1. Herstellerunabhängige Roboterprogrammierung

Zu Beginn (ab 10:00 Uhr) geht es um die herstellerunabhängige und kraftgeregelte Roboterprogrammierung. Heißt konkret:

  • Der Ingenieur denkt nicht mehr in proprietären Robotersprachen, sondern in Aufgaben wie fĂĽgen, schrauben, stecken, prĂĽfen.
  • Jede Aufgabe wird mit Parametern beschrieben: Bahnpunkte, Kraftgrenzen, Toleranzen, Kontaktbedingungen.
  • Die eigentliche Ansteuerung des jeweiligen Roboters (Cobot oder klassischer Industrieroboter) ĂĽbernimmt die pitasc-Abstraktionsschicht.

FĂĽr Automobilwerke bedeutet das:

  • Weniger Abhängigkeit von einzelnen Roboterherstellern
  • Schnellere Schulung – Wer pitasc verstanden hat, kann mit unterschiedlichen Robotern arbeiten.
  • Eine gemeinsame Sprache fĂĽr Inbetriebnehmer, Prozessplaner und Softwareentwickler.

2. Kraftgeregelte Aufgaben als Bausteine

Kraftgeregelte Prozesse sind in der Praxis oft empfindlich: minimale Lageabweichungen können zu Klemmern, Verkanten oder Bauteilschäden führen. pitasc adressiert das mit:

  • Aufgabenorientierter Regelung: Statt nur Positionen zu fahren, werden Kräfte und Momente aktiv geregelt.
  • Kontakt-Strategien: „Vorsichtig suchen“, „entlang einer Kante gleiten“, „bis definiertes Drehmoment anliegt“ – solche Strategien werden wiederverwendbar.
  • Sensorik-Einbindung: Kraft-Moment-Sensoren, Tastsensoren oder visionbasierte Korrekturen lassen sich in die Module integrieren.

Gerade bei:

  • Batteriemontage (Zellmodule, Stecker, KĂĽhlsysteme),
  • Innenraummontage (Clips, Verkleidungen),
  • Fahrwerks- und Antriebskomponenten

können solche Bausteine dafür sorgen, dass Prozesse robuster laufen und Anlagen weniger empfindlich auf Toleranzen reagieren.


Wiederverwendbarkeit: Der Hebel fĂĽr Wirtschaftlichkeit in KI-Robotik

Der spannendste Teil im Webinar (ab 10:45 Uhr) ist die Demonstration der Wiederverwendbarkeit und Flexibilität in einer realen Roboterzelle. Denn: Genau hier entscheidet sich, ob KI-gestützte Robotik im Automotive-Umfeld wirtschaftlich wird.

Wie sieht Wiederverwendbarkeit konkret aus?

Statt „one-off“-Programmierung entstehen mit pitasc Bibliotheken von Aufgabenmodulen. Beispiele für typische Bausteine in der Automobilproduktion:

  • Steckverbinder fĂĽgen mit Kraftgrenze X und Positionstoleranz Y
  • Batteriemodul ansetzen, nach Kontakt entlang Achse suchen, mit Kraft F einfĂĽgen
  • Clip montieren mit Weg-Kraft-Ăśberwachung
  • Schraubvorgang mit Drehmoment- und WinkelĂĽberwachung

Wer diese Bausteine einmal sauber trennt und beschreibt, kann sie:

  • auf anderen Roboterzellen wiederverwenden,
  • fĂĽr andere Fahrzeugderivate parametrisieren,
  • mit KI-Komponenten kombinieren, z. B. fĂĽr automatische Parameteroptimierung.

Verbindung zu KI in der Automobilproduktion

In unserer Themenreihe zur KI in der deutschen Automobilindustrie zeigt sich ein Muster:

  • KI-Modelle ĂĽbernehmen z. B. Qualitätsbewertung, Bahnoptimierung, Schraubprofil-Optimierung oder Taktzeitprognosen.
  • Diese Intelligenz braucht aber eine saubere, modulare Prozessbasis, um wirken zu können.

pitasc bietet genau diese Basis:

  • KI kann auf Ebene der Aufgabenparameter optimieren (z. B. optimale Andruckkraft je Bauteilcharge).
  • Prozessdaten aus pitasc-Modulen sind standardisiert und damit besser auswertbar.
  • Varianten lassen sich per Parameter-Sets abbilden, statt neue Programme zu schreiben – ideal fĂĽr datengetriebene Optimierungen.

Ohne modulare Programmierung ist KI im Shopfloor oft nur ein teures Pilotprojekt. Mit Frameworks wie pitasc wird sie skalierbar.


Nutzen fĂĽr Automobilhersteller und Zulieferer

Das Fraunhofer-Webinar formuliert den Nutzen recht klar: Teilnehmende lernen, wie sie modulare und flexible Roboterprogramme schnell und einfach erstellen können. Was bedeutet das betriebswirtschaftlich?

1. Schnellere Inbetriebnahme und UmrĂĽstung

  • Neue Varianten, z. B. ein weiteres E-Auto-Derivat, lassen sich durch Parameteranpassung statt Komplett-Neuprogrammierung integrieren.
  • Pilotzellen können schneller in die Serie ĂĽberfĂĽhrt werden, weil das Aufgabenkonzept erhalten bleibt.
  • Techniker gewinnen Routine im Aufgaben- statt Achsdenken, was Einlernzeiten reduziert.

2. Höhere Anlagenauslastung und OEE

  • Robustere kraftgeregelte Montage senkt Fehlerquoten und Nacharbeitsraten.
  • Anpassungen am Prozess (z. B. geänderte Toleranzen oder Lieferanten) schlagen nicht mehr sofort in langen Stillständen nieder.
  • Anlagen lassen sich fĂĽr mehrere Bauteilfamilien nutzen – ein wichtiger Punkt, um Investitionen in Robotik und KI zu rechtfertigen.

3. Stärkere Unabhängigkeit von Integratoren

  • Eigene Teams können Standardaufgaben mit pitasc selbst umsetzen und anpassen.
  • Externe Integratoren werden zwar weiterhin gebraucht, aber eher fĂĽr Spezialthemen, nicht fĂĽr jede kleine Layoutänderung.
  • Das stärkt Know-how im eigenen Haus und sorgt fĂĽr schnellere Reaktionsfähigkeit auf Markt- und Produktänderungen.

Wer sollte das pitasc-Webinar wirklich nutzen?

Das Webinar richtet sich offiziell an Robotik-Anwender und Entwickler. Im Kontext der Automobilindustrie würde ich die Zielgruppe noch etwas schärfen.

Geeignete Rollen in OEMs und Zulieferbetrieben

  • Leiter/innen Montage- und Fertigungsplanung fĂĽr Karosserie, Batterie, Antrieb oder Interieur
  • Robotik- und Automatisierungsexpert/innen in Werken und Zentralbereichen
  • Industrial IT / OT-Verantwortliche, die KI-Projekte mit Robotik verzahnen wollen
  • Projektleiter/innen E-Mobilität, die neue Montagelinien planen

Was sollten Teilnehmende mitbringen?

  • Grundverständnis von Industrierobotern oder Cobots
  • Erste BerĂĽhrungspunkte mit kraftgeregelten Prozessen sind hilfreich, aber kein Muss
  • Offenheit fĂĽr abstrakteres Denken: weg von „Roboterachse fahren“, hin zu „Aufgabe modellieren“

Der Vorteil: Das Webinar ist kostenfrei und in kompakten 2 Stunden machbar. Wer danach tiefer einsteigen möchte, kann mit dem Fraunhofer IPA Folgeworkshops oder Pilotprojekte aufsetzen.


Praktische Vorbereitung: So holen Sie das Maximum aus dem Webinar

Damit das Webinar nicht nur als nette Infoveranstaltung endet, sondern als Startpunkt fĂĽr konkrete Schritte Richtung KI-gestĂĽtzte, flexible Robotik, empfehle ich drei Vorbereitungen.

1. Eigene Use Cases sammeln

Vor dem Termin sollten Sie intern 2–3 Prozesse identifizieren, bei denen:

  • kraftgeregelte Montage oder Demontage bereits läuft, aber instabil ist,
  • aktuell manuell montiert wird, weil man den Robotik-Aufwand scheut,
  • Variantenvielfalt (z. B. verschiedene Stecker, Module, Clips) ein echtes Problem ist.

Mit solchen Beispielen im Kopf können Sie im Q&A-Teil (ab 11:30 Uhr) zielgenau nachfragen.

2. Stakeholder frĂĽh einbinden

Statt nur eine/n Automatisierungsingenieur/in anzumelden, lohnt sich oft ein kleines Kernteam:

  • 1 Person aus der Fertigungsplanung
  • 1 Person aus der Robotik/Automatisierung
  • 1 Person aus einem laufenden KI- oder Digitalisierungsprojekt

So lassen sich unmittelbar nach dem Webinar gemeinsame nächste Schritte skizzieren.

3. Roadmap fĂĽr modulare Robotik denken

Ăśberlegen Sie vorab:

  • Wo wollen Sie in 12–24 Monaten mit Modulbaukästen und wiederverwendbarer Robotik stehen?
  • Welche Linien oder Werke könnten Pilotcharakter haben?
  • Wie passen KI-Projekte (z. B. Qualitätskontrolle, Bahnoptimierung) in dieses Bild?

Das hilft, die vorgestellten Konzepte von pitasc gleich auf die eigene Roadmap zu mappen, statt sie als isolierte Technologie zu betrachten.


Fazit: pitasc als Baustein für KI-fähige Fabriken

Die deutsche Automobilindustrie investiert massiv in KI – von visueller Qualitätskontrolle über vorausschauende Wartung bis zu intelligenten Montagestrategien. Der Engpass liegt selten bei den Algorithmen, sondern fast immer bei der Integration in reale Produktionsprozesse.

Hier hat pitasc eine klare Rolle:

pitasc macht kraftgeregelte (De-)Montage zu einer modularen, herstellerunabhängigen Plattform, auf der KI-Anwendungen sauber aufsetzen können.

Wer Variantenvielfalt, E-Mobilität und Kostendruck ernsthaft adressieren möchte, braucht genau solche Ansätze. Das kostenfreie Webinar am 05.11.2025 von 10:00 bis 12:00 Uhr ist ein sinnvoller Einstieg, um sich ein Bild zu machen – und vielleicht den nächsten Schritt hin zu einer wirklich flexiblen, KI-bereiten Produktion zu gehen.

Die Frage ist weniger, ob Ihre Werke solche Frameworks nutzen werden, sondern wann – und ob Sie dann schon die Lernkurve hinter sich haben.