Googles Disco-Browser zeigt, wie Vibe-Coding funktioniert. So nutzen Marketing- und Vertriebsteams diese Ideen schon heute für KI-gestützte Kampagnen.
Disco-Browser: Was Marketer jetzt über Vibe-Coding wissen müssen
Die meisten Unternehmen reden über KI im Marketing – aber nur wenige schauen sich genau an, wie neue KI-Oberflächen arbeiten. Googles experimenteller KI-Browser Disco ist so ein Beispiel: Statt klassischem „Prompt rein, Antwort raus“ setzt Disco auf ein Konzept, das Google Vibe-Coding nennt. Genau das ist spannend für alle, die Marketing, Vertrieb und Customer Experience neu denken wollen.
Für unsere Serie „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ ist Disco ein perfekter Aufhänger. Denn auch wenn dieses Tool (noch) kein Produktivwerkzeug für Kampagnenplanung ist, zeigt es, wohin sich KI-Interaktionen, Content-Erstellung und Personalisierung entwickeln.
In diesem Artikel schauen wir uns an, was hinter Disco und Vibe-Coding steckt – und wie Sie die dahinterliegenden Prinzipien schon heute in Ihren Marketing- und Vertriebsprozessen nutzen können.
Was ist der Google-Disco-Browser – und warum ist er spannend fürs Marketing?
Disco ist ein experimenteller KI-Browser von Google, der mit großen Sprachmodellen arbeitet und Websites nicht nur anzeigt, sondern aktiv mitdenkt. Statt klassischer Tabs und Formularfelder steht eine dialogartige, visuelle Oberfläche im Mittelpunkt. Nutzer interagieren eher wie in einem Chat – aber mit deutlich mehr Kontext aus der aktuellen Seite.
Für Marketing & Vertrieb ist das aus drei Gründen interessant:
- Kontext wird zur Standardzutat: KI versteht Seiteninhalte, Markenauftritt, Tonalität und Nutzeraktionen parallel.
- Interaktion wird dialogisch: Statt statischer Landingpages entstehen KI-gestützte Dialoge, die wie ein guter Verkäufer reagieren.
- Kreativität wird gestaltbar: Vibe-Coding erlaubt, Stimmungen, Stil und Marken-„Vibes“ explizit zu steuern.
Das ist weniger ein neues Produkt – eher ein Blick in die Zukunft von KI-User-Interfaces, die Sie künftig in Marketing-Tools, CRM-Systemen und Content-Plattformen sehen werden.
Vibe-Coding: Vom Prompt zur Marken-Stimmung
Der Kern von Disco ist das Konzept Vibe-Coding. Statt langer technischer Prompts wie „Schreibe mir einen LinkedIn-Post mit 120 Wörtern, sachlich-professionell…“ arbeiten Nutzer mit Stimmungen, Beispielen und leichten Anpassungen in der Oberfläche.
Was bedeutet Vibe-Coding konkret?
Vibe-Coding heißt im Grunde:
Sie steuern KI-Ausgaben über „Vibes“ – also Stimmung, Stil und Kontext – statt über komplexe Anweisungen.
Das lässt sich auf Marketing sofort übertragen:
- Marken-Voice statt Zufallsstil: Sie definieren einmal den Marken-Vibe (seriös, mutig, nachhaltig, humorvoll) und nutzen ihn als Grundlage für alle KI-generierten Inhalte.
- Visuelle Vibes für Creatives: Statt jedes Mal einen detaillierten Prompt zu tippen, wählen Sie Bildstile (minimalistisch, verspielt, urban, High-End) und passen anschließend Details an.
- Zielgruppen-Vibes: Unterschiedliche Personas können unterschiedliche Vibes bekommen – z.B. „CFO-orientiert“ (zahlengetrieben, sachlich) vs. „Marketing-Leitung“ (visionär, bildhaft).
Die Realität: Die meisten Unternehmen lassen ihre KI-Tools heute noch „im luftleeren Raum“ arbeiten. Vibe-Coding erinnert daran, dass Stimmung, Ton und Kontext genauso steuerbar sind wie Textlänge oder Format.
Wie könnte Vibe-Coding in deutschen Marketing-Teams aussehen?
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis:
- Ein B2B-SaaS-Unternehmen definiert drei Kern-Vibes:
- „Faktenklar“: für Whitepaper, Produktseiten, Angebotsunterlagen
- „Zuversichtlich“: für Newsletter, Case Studies, Landingpages
- „Nahbar“: für Social Media, Employer Branding
- Diese Vibes werden in einem Brand-Playbook dokumentiert und als Basis-Prompts und Beispiele in die genutzten KI-Tools eingebaut.
- Jede neue Kampagne startet nicht bei Null, sondern mit einem festen Vibe – die KI variiert Inhalte innerhalb dieses Rahmens.
Dadurch wird KI-Content einheitlicher, markentreuer und schneller produzierbar. Genau hier liegt der Transfer von Disco ins echte Marketing.
Was Marketer von Disco lernen können: 5 konkrete Anwendungsideen
Die spannenden Prinzipien hinter Disco lassen sich direkt in Marketing- und Vertriebsprozesse übersetzen – auch ohne den Browser selbst zu nutzen.
1. Interaktive KI-Erlebnisse statt statischer Landingpages
Disco denkt das Web als Dialograum. Nutzer klicken nicht nur, sie sprechen mit dem System. Übertragen auf Marketing heißt das:
- Produkt-Landingpages mit eingebetteter KI, die Fragen zur Preisstruktur, Integration oder ROI im konkreten Kontext der Seite beantwortet.
- Event-Seiten, auf denen Besucher sich im Chat ein individuelles Konferenzprogramm zusammenstellen lassen.
- Content-Hubs, in denen eine KI Besucher aktiv durch passende Artikel, Whitepaper oder Demos führt.
Wer heute schon mit Chatbots arbeitet, sollte prüfen:
Nutzt der Bot wirklich Seiten- und Kundendaten im Kontext – oder ist er nur ein glorifizierter FAQ-Sucher?
2. Creative Briefings in „Vibes“ statt in PDFs
In vielen Marketingabteilungen gehen Creative Briefings noch als Word-Dokument per Mail raus: Ziel, Zielgruppe, Kanal, Tonalität – alles Text.
Mit Vibe-Coding denken Sie Briefings interaktiver:
- Der Kreativprozess startet mit einer Vibe-Auswahl: „mutig“, „seriös“, „verspielt“, „premium“.
- Die KI generiert erste Varianten von Claims, Visuals oder Layout-Ideen.
- Das Team reagiert darauf mit Feedback auf Vibe-Ebene: „Noch etwas ruhiger“, „Mehr Fokus auf Sicherheit“, „Weniger Tech-Slang“.
So entsteht ein iterativer Prozess, der eher wie ein Gespräch mit einer Agentur wirkt – nur eben innerhalb eines KI-gestützten Tools.
3. KI-gestützte Personalisierung nach Stimmung, nicht nur nach Segment
Die meisten Personalisierungstools sortieren nach Segmenten: Branche, Unternehmensgröße, Funnel-Stage. Disco erinnert daran, dass auch die emotionale Lage wichtig ist.
Praxisidee für den deutschen Markt:
- Newsletter oder Website-Module variieren nicht nur nach Persona, sondern nach erkanntem Informationsstand (z.B. „Einsteiger“, „Fortgeschritten“, „Entscheider kurz vor Kauf“).
- Eine KI passt den Vibe der Inhalte an: Einsteiger bekommen erklärende, ruhigere Texte, Entscheider eher klare ROI-Statements und Deadlines.
Technisch braucht es dafür nicht Disco selbst, sondern:
- Ein KI-Modell, das Besucherverhalten und Content konsumiert
- Scoring-Logik im CRM/Marketing Automation
- Sauber definierte Vibes je Funnel-Phase
4. KI-Copilot für Vertrieb: Kontext statt Copy-Paste
Disco zeigt, wie KI im Hintergrund den Kontext einer Seite ständig im Blick behält. Übertragen auf den Vertrieb bedeutet das:
- Ein KI-Copilot im CRM, der Angebote und E-Mails basierend auf:
- letzten Gesprächsnotizen,
- besuchten Seiten,
- heruntergeladenen Assets,
- offenen Tickets formuliert.
- Statt Standard-Phrasen entstehen kontextsensitive Nachrichten, etwa:
„Sie hatten sich besonders für das Thema Datensicherheit interessiert – hier ist ein kurzes Video, das genau diesen Punkt zeigt.“
Viele Vertriebsorganisationen in Deutschland arbeiten noch mit starren Vorlagen. Der nächste Schritt ist ein disco-ähnlicher KI-Layer, der vorhandene Daten dynamisch nutzt.
5. Content-Erstellung als Dialog mit der Marke
Mit Disco werden Prompt und Ergebnis als laufendes Gespräch gedacht. Für Content-Teams bedeutet das:
- Redaktionsplanung erfolgt mit KI als Sparringspartner:
- Welche Themen passen zu unserer Marke?
- Welche Formate funktionieren bei unserer Zielgruppe?
- Wie lassen sich bestehende Inhalte in neue Vibes übersetzen?
- KI generiert Rohversionen, das Team verfeinert – immer entlang eines definierten Marken-Vibes.
Wer KI im Content nur für „Blogpost erster Entwurf“ nutzt, lässt Potenzial liegen. Denken Sie KI als Marken-Co-Creator, der auf Vibe, Zielgruppe und Kanal trainiert ist.
So bringen Sie Vibe-Coding in Ihren Marketing-Alltag
Sie brauchen keinen Google-Disco-Browser, um mit Vibe-Coding anzufangen. Die Grundlagen lassen sich mit heutigen KI-Tools sofort umsetzen.
Schritt 1: Marken-Vibes klar definieren
Ohne klares Fundament wird jede KI-Ausgabe beliebig. Legen Sie deshalb 2–4 Haupt-Vibes fest, z.B.:
- Vertrauenswürdig & klar – für Finanz-, Versicherungs- oder Gesundheitsprodukte
- Innovativ & mutig – für Tech- und Digitalangebote
- Bodenständig & partnerschaftlich – für B2B-Mittelstand, Handwerk, Industrie
Formulieren Sie diese Vibes in konkreten, promptfähigen Sätzen und ergänzen Sie Beispiele:
- Positives Beispiel: kurzer Social-Post, der gut passt
- Negatives Beispiel: Text, der klar nicht zum Vibe passt
Schritt 2: Vibes als KI-Profile anlegen
Nutzen Sie Ihr bestehendes KI-Setup (z.B. Textgenerator, Bild-KI, internes LLM) und legen Sie Profile an:
- „Marke X – Vibe ‚Vertrauenswürdig & klar‘“
- „Marke X – Vibe ‚Innovativ & mutig‘“
Jedes Profil enthält:
- Zielgruppe
- typische Kanäle (z.B. LinkedIn, Newsletter, Website)
- Sprachrichtlinien (Sie/Du, Fremdwörter, Humorlevel)
- Beispieltexte
So müssen Ihre Teams nicht jedes Mal bei Null anfangen – sie wählen einfach das passende Profil.
Schritt 3: Kampagnen entlang von Vibes konzipieren
Beim nächsten Kampagnenbriefing steht nicht nur „Q1 Lead-Gen, Fokus DACH“, sondern auch:
- Primär-Vibe: „Zuversichtlich & lösungsorientiert“
- Sekundär-Vibe: „Datenbasiert & konkret“
Alle KI-generierten Inhalte – von der Betreffzeile bis zum Whitepaper-Intro – werden daran gemessen. So machen Sie Vibe-Coding operativ nutzbar.
Schritt 4: Vertriebs- und Service-Teams einbinden
Vibe-Coding ist kein reines Marketingthema. Gerade im B2B-Umfeld wirkt es stark in:
- Sales-E-Mails (Tonalität pro Funnel-Phase)
- Follow-Up-Sequenzen (dringlicher vs. begleitend)
- Service-Kommunikation (beruhigend vs. aktivierend)
Schulen Sie Teams darauf, Vibes bewusst zu wählen und die KI darauf auszurichten. Das sorgt für konsistente Kundenerlebnisse über alle Kontaktpunkte hinweg.
Warum Disco und Vibe-Coding in „KI für Marketing & Vertrieb“ gehören
Disco ist vermutlich kein Tool, das deutsche Unternehmen 2026 flächendeckend einsetzen. Trotzdem ist es für Marketing- und Vertriebsverantwortliche relevant – als Prototyp für die nächste Generation von KI-Oberflächen.
Für unseren Leitfaden „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ lässt sich daraus eine klare Erkenntnis ableiten:
Die Zukunft von KI im Marketing entscheidet sich nicht nur an den Modellen, sondern an der Interaktion – wie wir Stimmung, Kontext und Marke in den Dialog mit der Maschine einbringen.
Wer heute anfängt,
- Marken-Vibes strukturiert zu definieren,
- KI-Tools konsequent auf diese Vibes zu trainieren und
- Interaktionen als Dialog statt als Einwegkommunikation zu denken,
wird in den nächsten Jahren deutlich bessere, konsistentere und wirksamere Kampagnen fahren.
Wenn Sie KI aktuell vor allem als Textgenerator „für zwischendurch“ nutzen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den Ansatz zu überdenken:
Nutzen Sie KI als Vibe-gesteuerten Copiloten für Marke, Content, Vertrieb und Customer Experience. Genau dort spielt Disco uns heute schon die Zukunft vor.