Twin Transformation: Was Oberfranken jetzt konkret tun kann

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Twin Transformation verbindet Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Der Forschungsdialog in Bayreuth zeigt, wie Unternehmen – besonders in Oberfranken – davon konkret profitieren.

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Twin Transformation: Was Oberfranken jetzt konkret tun kann

Am 09.12.2025 sitzen in Bayreuth Mittelständler, Forschende und Bürgerinnen und Bürger an einem Tisch – wortwörtlich. Thema: Twin Transformation, also das gleichzeitige Vorantreiben von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Für viele Unternehmen in Oberfranken hängt daran inzwischen ganz nüchtern die Frage: Wie sichern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit in den nächsten fünf Jahren?

Die Erfahrung aus Projekten gerade in der deutschen Automobilindustrie zeigt: Wer Digitalisierung und Nachhaltigkeit getrennt denkt, zahlt doppelt – in Form von höheren Kosten, verpassten Effizienzgewinnen und weniger Innovationskraft. Die Twin Transformation dreht dieses Muster um und verbindet beides systematisch.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was hinter dem Forschungscampus und dem Forschungsdialog zur Twin Transformation in Bayreuth steckt, warum das für produzierende Unternehmen – insbesondere Zulieferer und Automobilindustrie in Oberfranken – so relevant ist und wie Sie ganz konkret starten können.

Was Twin Transformation fĂĽr Unternehmen in Oberfranken wirklich bedeutet

Twin Transformation heißt im Kern: Digitale Technologien werden gezielt eingesetzt, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen – und Nachhaltigkeit treibt umgekehrt digitale Innovation an. Es geht also nicht um zwei getrennte Projekte, sondern um eine gemeinsame Strategie.

Typische Fragen aus der Praxis

Genau darum dreht sich der Forschungsdialog in Bayreuth. Die Leitfrage lautet: Wie können Unternehmen in Oberfranken digitale Technologien nutzen, um Unternehmens- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen? Dahinter stecken sehr konkrete Probleme, die ich immer wieder sehe:

  • Energiekosten explodieren, aber Verbrauchsdaten sind kaum transparent
  • COâ‚‚-Bilanzen werden fĂĽr Kunden und Behörden nötig, sind aber nur mit Excel und BauchgefĂĽhl verfĂĽgbar
  • Produktionslinien laufen technisch stabil, aber nicht energieoptimiert
  • ESG-Anforderungen von OEMs treffen auf ĂĽberlastete IT- und Umweltteams im Mittelstand

Die Realität: Viele Unternehmen haben die Daten bereits – aber nicht in der Form, dass sie für Nachhaltigkeitsentscheidungen nutzbar sind. Genau hier setzt Twin Transformation an.

Warum ausgerechnet jetzt?

Für die Region Oberfranken – mit starkem Fokus auf Automotive, Maschinenbau und Textil – verdichten sich mehrere Trends:

  • Strengere Berichts- und Nachweispflichten (z. B. entlang der Lieferkette)
  • Kostendruck durch Energiepreise und globalen Wettbewerb
  • Technologiesprung in Richtung KI in der Produktion

Wer diese Entwicklungen getrennt managt, verliert Zeit. Wer sie zusammen denkt, kann z. B. KI-gestützte Produktionsplanung nutzen, um Kosten, Durchlaufzeiten und CO₂-Emissionen gleichzeitig zu senken.

Der Forschungscampus Twin Transformation: BrĂĽcke zwischen KI, Produktion und Nachhaltigkeit

Der neue Fraunhofer-Forschungscampus Twin Transformation bĂĽndelt die Kompetenzen von Wirtschaftsinformatik (Fraunhofer FIT), Produktionstechnik und Automatisierung (Fraunhofer IPA) und der regionalen Wirtschaft. UnterstĂĽtzt wird er von der Oberfrankenstiftung.

Die Idee dahinter ist sehr pragmatisch: Wissenschaft soll nicht im Elfenbeinturm bleiben, sondern in konkrete Lösungsbausteine für Unternehmen übersetzt werden.

Drei Hebel, die Unternehmen sofort nutzen können

  1. Daten als Rohstoff fĂĽr Nachhaltigkeit
    Produktions-, Qualitäts- und Energiedaten werden mithilfe moderner IT-Architekturen und KI so verbunden, dass:

    • COâ‚‚-FuĂźabdrĂĽcke pro Produkt berechnet werden können
    • ineffiziente Maschinen oder Prozessschritte sichtbar werden
    • Szenarien (z. B. „Wie viel COâ‚‚ sparen wir bei anderer Schichtplanung?“) simuliert werden können
  2. Automatisierung und KI fĂĽr ressourceneffiziente Produktion
    Gerade in der Automobilzulieferindustrie bieten sich Anwendungen an wie:

    • KI-gestĂĽtzte vorausschauende Wartung, um Ausschuss und Stillstände zu vermeiden
    • automatisierte Energie-Optimierung von Anlagen in Abhängigkeit von Tarifzeiten und Auslastung
    • adaptive Prozessregelung zur Materialeinsparung
  3. IT- und Nachhaltigkeitsstrategie verzahnen
    Statt zwei getrennte Roadmaps (Digitalisierung vs. Nachhaltigkeit) aufzusetzen, wird im Forschungscampus systematisch geschaut:

    • Welche Digitalprojekte zahlen direkt auf COâ‚‚-Reduktion und Ressourceneffizienz ein?
    • Welche Nachhaltigkeitsziele zwingen uns sinnvollerweise zu neuen Daten- und IT-Strukturen?

Der Forschungsdialog in Bayreuth ist dabei kein Frontalvortrag, sondern ein Marktplatz für Fragen aus der Praxis – von Unternehmensvertreterinnen und -vertretern, aber explizit auch von Bürgerinnen und Bürgern.

Der Forschungsdialog in Bayreuth: Format, Inhalte, Chancen

Die Veranstaltung am 09.12.2025 von 18:00–20:00 Uhr im Europasaal des Jugendkulturzentrums »Das Zentrum« in Bayreuth ist bewusst offen angelegt. Der Ablauf zeigt gut, wie ernst es Fraunhofer und acatech mit dem Dialog meinen.

Keynotes: globaler Rahmen und regionale Realität

  • Prof. Alexander Sauer, Institutsleiter des Fraunhofer IPA, gibt den globalen Ăśberblick: Wie verändert die Twin Transformation Produktionsstandorte weltweit? Welche Rolle spielt KI in der Produktion? Was bedeutet das fĂĽr Standorte wie Oberfranken?
  • Prof. Anna Maria Oberländer vom Institutsteil Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT liefert die regionale Perspektive und Einblicke in eine laufende Studie zur Twin Transformation. Spannend werden vor allem Zahlen dazu sein,
    • wo Unternehmen in der Region heute stehen,
    • welche HĂĽrden sie sehen,
    • und welche Erfolgsfaktoren sich bereits abzeichnen.

Unternehmenspraxis: Sandler und Schlaeger M-Tech

AnschlieĂźend kommen zwei Unternehmen aus der Region auf die BĂĽhne:

  • Sandler (Schwarzenbach an der Saale), vertreten durch Katharina Obergruber, zeigt, wie ein international tätiger Vliesstoffhersteller
    • Nachhaltigkeit in Vertrieb und Produktstrategie integriert,
    • mit digitalen Tools Kundenerwartungen und regulatorische Anforderungen verbindet.
  • Schlaeger M-Tech (Bayreuth), GeschäftsfĂĽhrer Anton Fuchs, steht als Automobilzulieferer fĂĽr das, was viele Betriebe in Oberfranken gerade erleben:
    • hoher Innovationsdruck durch E-Mobilität und neue Antriebskonzepte,
    • steigende Anforderungen an Nachweisbarkeit von COâ‚‚- und ESG-Daten,
    • gleichzeitig Fachkräftemangel in IT und Produktion.

Aus meiner Sicht ist genau diese Mischung entscheidend: Strategische Perspektive aus der Forschung plus Erfahrungsberichte aus der Werkhalle.

Dialog an Thementischen: vom Zuhören ins Tun

Nach den Impulsen passiert das eigentlich Wertvolle: Die Referierenden setzen sich an die im Saal verteilten Tische und gehen direkt in den Austausch mit den Teilnehmenden.

FĂĽr Unternehmensvertreter ist das eine seltene Gelegenheit:

  • konkrete Herausforderungen aus der eigenen Produktion zu schildern
  • unverbindlich mit Expertinnen und Experten aus Fraunhofer und acatech zu sprechen
  • mögliche Pilotprojekte oder Förderoptionen anzureiĂźen

FĂĽr BĂĽrgerinnen und BĂĽrger ist es zugleich die Chance,

  • Fragen zur Rolle von KI in der Industrie zu stellen,
  • Bedenken zu adressieren (Datenschutz, Arbeitsplatzveränderungen),
  • und zu sehen, wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung vor Ort tatsächlich umgesetzt werden.

Praxisnutzen fĂĽr Unternehmen: Wo KI in der Produktion ansetzt

Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne „KI in der deutschen Automobilindustrie: Produktion und Innovation“. Viele fragen sich zu Recht: Wo passt KI in meinen Produktionsalltag – und wie zahlt das auf Nachhaltigkeit ein?

Konkrete Einsatzfelder in der Automobil- und Zulieferindustrie

  1. Qualitätssicherung mit Computer Vision
    KI-gestützte Bildverarbeitungssysteme erkennen Fehler an Bauteilen zuverlässiger und konsistenter als manuelle Sichtprüfungen. Der Effekt:

    • weniger Ausschuss,
    • geringerer Material- und Energieverbrauch,
    • dokumentierte Qualitätsdaten fĂĽr Kunden und Auditoren.
  2. Energie- und Ressourcendaten in Echtzeit
    Sensorik und Industrial IoT sammeln laufend Daten zu:

    • Strom-, Gas- und Druckluftverbrauch,
    • Maschinenzuständen und Auslastung,
    • Materialeinsatz pro Los oder Bauteil.

    Mit KI-Analytik werden daraus Handlungsempfehlungen:

    • optimale Lastverteilung ĂĽber den Tag,
    • Identifikation von Energiefressern,
    • Simulation von Szenarien (z. B. andere Reihenfolge der Aufträge).
  3. Intelligente Produktionsplanung
    Klassische Planung zielt meist auf Kosten und Termine. Mit Twin Transformation kommt eine zusätzliche Dimension dazu: CO₂-Fußabdruck pro Auftrag. Moderne Planungssysteme können:

    • Auftragsreihenfolgen nach Energieeffizienz bewerten,
    • stromintensive Prozesse auf Zeiten mit gĂĽnstigeren Tarifen legen,
    • Transportwege und Pufferbestände reduzieren.
  4. Digitale Zwillinge von Anlagen und Produkten
    Ein digitaler Zwilling bildet Maschinen, Produktionslinien oder ganze Werke virtuell ab. In Verbindung mit Nachhaltigkeitszielen lassen sich z. B.:

    • Umbauten vorab energetisch simulieren,
    • Varianten mit minimalem Materialeinsatz auswählen,
    • Auswirkungen von Taktzeitänderungen auf Energie und COâ‚‚ testen.

Der Vorteil: Unternehmen müssen nicht alles neu erfinden. Viele Bausteine entstehen genau in solchen Forschungscampi – praxisnah und übertragbar.

Wie Sie Twin Transformation im eigenen Unternehmen angehen

Die meisten Unternehmen scheitern nicht an der Technologie, sondern an der Umsetzung. Zu viele Projekte, kein roter Faden. Der Ansatz, der sich bewährt hat, ist überraschend simpel.

Schritt 1: Ein gemeinsames Zielbild definieren

Statt einer Digitalstrategie und einer Nachhaltigkeitsstrategie braucht es ein integriertes Zielbild. Leitfragen:

  • Welche geschäftskritischen Kennzahlen wollen wir in 3–5 Jahren verbessert haben? (z. B. OEE, Ausschussquote, Energie pro Teil)
  • Welche Nachhaltigkeitsziele sind gesetzt oder absehbar? (COâ‚‚-Reduktion, Kreislaufwirtschaft, Lieferketten-Transparenz)
  • Welche Daten und Systeme brauchen wir, um diese Ziele messbar zu machen?

Dieses Zielbild muss von Geschäftsführung, Produktion, IT und Nachhaltigkeit gemeinsam getragen werden – sonst bleiben es Insellösungen.

Schritt 2: Quick Wins identifizieren

Bevor groĂźe Plattformprojekte gestartet werden, lohnt sich der Blick auf schnelle Hebel, zum Beispiel:

  • Energiedaten erfassen und visualisieren (Messpunkte an Hauptverbrauchern, Dashboards)
  • KI-Pilot fĂĽr ein klar begrenztes Qualitätsproblem
  • Digitaler Zwilling fĂĽr eine kritische Anlage, um Stillstände und Ausschuss zu reduzieren

Wichtig ist, dass diese Quick Wins sichtbare Effekte haben – sei es in Euro, CO₂ oder Zeiteinsparung. Das schafft Akzeptanz im Unternehmen.

Schritt 3: Partnerschaften nutzen – zum Beispiel mit Fraunhofer

Gerade Mittelständler müssen nicht jede Kompetenz selbst aufbauen. Der Forschungscampus Twin Transformation bietet:

  • Zugang zu Praxisbeispielen aus ähnlichen Unternehmen
  • UnterstĂĽtzung bei Förderprogrammen und Projektdefinition
  • Einbindung in Studien, die eigene Projekte auf ein stabiles Fundament stellen

Wer am 09.12.2025 in Bayreuth dabei ist, kann den ersten Kontakt ohne Hürden herstellen – niedrigschwellig, ohne Projektzwang und mit viel Raum für Fragen.

Warum der Dialog mit der Gesellschaft entscheidend ist

Der Forschungsdialog in Bayreuth ist Teil der Initiative AHA – The Science Communication Hub, getragen von Fraunhofer, acatech und weiteren Partnern. Gefördert wird das Ganze durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Warum ist das wichtig? Weil Technologien wie KI in der Produktion und umfassende Datenerfassung nur dann funktionieren, wenn Vertrauen da ist – bei Mitarbeitenden, in der Region, in der Politik.

  • Mitarbeitende wollen verstehen, wie sich ihre Arbeit durch KI verändert.
  • BĂĽrgerinnen und BĂĽrger interessieren sich fĂĽr Lärm, Emissionen und Arbeitsplätze.
  • Kommunen und Politik brauchen belastbare Informationen, um Infrastruktur und Förderung auszurichten.

Formate wie der Forschungsdialog sorgen dafĂĽr, dass nicht nur ĂĽber, sondern mit den Menschen gesprochen wird, die von der Twin Transformation betroffen sind.

Fazit: Twin Transformation als Chance fĂĽr Oberfranken und die Automobilindustrie

Twin Transformation ist kein Buzzword mehr, sondern ein sehr konkretes Strategieangebot: Digitalisierung wird so eingesetzt, dass sie direkt auf Nachhaltigkeit zahlt – und Nachhaltigkeit wird zum Motor für sinnvolle Digitalisierung. Für die Automobilindustrie und deren Zulieferer in Oberfranken ist das eine der wenigen Stellschrauben, um im globalen Wettbewerb langfristig erfolgreich zu bleiben.

Wer heute anfängt, Daten, KI in der Produktion und Nachhaltigkeitsziele zusammenzudenken, spart nicht nur Kosten und CO₂, sondern gewinnt auch Innovationsgeschwindigkeit. Der Forschungsdialog zur Twin Transformation in Bayreuth bietet einen idealen Einstieg: kompakte Einblicke, ehrliche Praxisbeispiele und die Chance auf direkte Gespräche mit Expertinnen und Experten.

Wenn Sie Verantwortung fĂĽr Produktion, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit tragen, lohnt sich der Schritt aus der eigenen Fabrikhalle in den Dialograum. Die Frage ist weniger, ob Twin Transformation kommt, sondern wie stark Ihr Unternehmen davon profitiert.