Stuttgarter Sägetagung 2025: Sägen neu denken mit Daten & KI

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Die Stuttgarter Sägetagung 2025 zeigt, wie moderne Sägetechnik mit Daten, Digitalisierung und KI zu mehr Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit in der Produktion führt.

SägetechnikKI in der ProduktionIndustrie 4.0RessourceneffizienzFraunhofer IPAAutomobilindustrieFertigungstechnik
Share:

Featured image for Stuttgarter Sägetagung 2025: Sägen neu denken mit Daten & KI

Stuttgarter Sägetagung 2025: Sägen neu denken mit Daten & KI

2025 investieren deutsche Industrieunternehmen so viel in Digitalisierung und KI wie noch nie. Trotzdem verharren viele Zerspan- und Trennprozesse im Status quo von vor zehn Jahren. Ein Paradebeispiel: die Sägetechnik. Sie ist in fast jeder Fertigungslinie zu finden, aber strategisch wird sie oft behandelt wie eine banale Hilfsoperation.

Die Stuttgarter Sägetagung 2025 am Fraunhofer IPA setzt genau hier an. Am 20.11.2025 treffen sich in Stuttgart Forschung, Werkzeughersteller, Maschinenbauer und Anwender, um zu zeigen, wie moderne Sägetechnologie – unterstützt durch Daten, KI und Nachhaltigkeitskonzepte – zur echten Stellschraube für Produktivität, Qualität und Ressourceneffizienz wird.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die Tagung so relevant macht – gerade für Unternehmen aus der deutschen Automobilindustrie und deren Zulieferer – und wie Sie die Themen der Sägetagung konkret für Ihre Produktion nutzen können.


Warum die Sägetechnik aktuell wichtiger ist als vielen lieb ist

Sägen ist einer der ersten Schritte in vielen Wertschöpfungsketten: Rohre ablängen, Profile zuschneiden, Stabstahl vorbereiten, Halbzeuge trennen. Wer hier Geld verbrennt, trägt diesen Effizienzverlust durch die gesamte Prozesskette.

Kernpunkt: Moderne Sägetechnik entscheidet heute messbar über Materialausnutzung, Energiebedarf, Durchlaufzeit und Anlagenverfügbarkeit – und ist damit direkt mit den strategischen Zielen der Industrie 4.0 und der Klimaziele verknüpft.

Ein paar typische Beispiele aus der Praxis:

  • Ein Automobilzulieferer, der Stabmaterial sägt, kann durch optimierte Schnittpläne und Prozessdatenanalyse 2–4 % Material sparen.
  • Eine intelligente Ăśberwachung von Bandsägen reduziert WerkzeugbrĂĽche und unplanmäßige Stillstände – und spart schnell fĂĽnfstellige Beträge pro Jahr.
  • Durch gezielte Schneidkantenverrundung an Kreissägewerkzeugen lassen sich Standzeiten um 20–30 % erhöhen, ohne am Prozessfenster drehen zu mĂĽssen.

Die Stuttgarter Sägetagung nimmt genau diese Hebel in den Fokus – nicht akademisch, sondern anwendungsnah. Vormittags mit Fachvorträgen, nachmittags mit Workshop und Laborführungen.


Fokus 1: Ressourceneffiziente Sägeprozesse – von Hartmetall bis Life Cycle Assessment

Wer heute ĂĽber Produktionsoptimierung spricht, kommt an Ressourceneffizienz nicht vorbei. Material, Energie, Hilfsstoffe und Werkzeuge sind Kosten- UND Nachhaltigkeitstreiber.

Innovative Hartmetalle für zukunftsfähige Sägeanwendungen

Ein Highlight der Tagung: Einblicke in aktuelle Entwicklungen bei Hartmetalllösungen für Sägewerkzeuge. Moderne Hartmetalle und Beschichtungen ermöglichen:

  • höhere Schnittgeschwindigkeiten bei gleicher oder besserer Standzeit
  • stabilere Prozesse bei schwierigen Werkstoffen (z. B. hochlegierte Stähle, Alu-Gusslegierungen)
  • geringeren WerkzeugverschleiĂź und damit weniger Werkzeugwechsel

Für die Automobilindustrie bedeutet das: höhere Ausbringung pro Schicht, besser planbare Instandhaltung und geringere Werkzeugkosten pro Teil. Vor allem in hoch automatisierten Sägezellen, in denen jeder ungeplante Werkzeugbruch Stillstand und Ausschuss erzeugt, wirkt sich das direkt auf die OEE aus.

Life Cycle Assessment für Sägeprozesse

Ein weiterer Vortrag widmet sich der ökologischen Bewertung von Sägeprozessen mittels Life Cycle Assessment (LCA). Das ist deutlich mehr als nur „ökologische Kosmetik“ für den Nachhaltigkeitsbericht.

LCA beantwortet unter anderem konkrete Fragen wie:

  • Welcher Sägeprozess verursacht ĂĽber den Lebenszyklus die geringste COâ‚‚-Belastung?
  • Was bringt eine höhere Schnittgeschwindigkeit wirklich, wenn Energieverbrauch und WerkzeugverschleiĂź steigen?
  • Wie schneiden alternative KĂĽhlschmierkonzepte (MMS, Trockenbearbeitung) ökologisch und wirtschaftlich ab?

Für produzierende Unternehmen, die ihre Scope-3-Emissionen besser verstehen und reduzieren müssen, ist das hochrelevant. Wer seine Trenntechnik sauber bilanziert, kann gegenüber OEMs belegen, wie sich Prozessverbesserungen in der Sägehalle auf den CO₂-Fußabdruck des Gesamtprodukts auswirken.


Fokus 2: Digitale Sägetechnik – Realdaten, Prozessmonitoring und KI

Der große Trend der Sägetagung: Sägen wird datengetrieben und vernetzt. Genau hier schließt sich der Bogen zur Kampagne „KI in der deutschen Automobilindustrie: Produktion und Innovation“.

Realdaten als Basis fĂĽr digitale Planung und Steuerung

Ein Praxisbeitrag zeigt, wie Realdaten aus der Sägebearbeitung genutzt werden, um Abläng- und Anarbeitungsprozesse im Stahlhandel digital zu planen und zu steuern.

Ăśbertragen auf die Automobil- und Zulieferindustrie heiĂźt das:

  • statt theoretischer Planzeiten werden Ist-Zeiten, StillstandsgrĂĽnde und Qualitätsdaten erfasst
  • Sägezellen werden in das MES integriert und liefern Echtzeitinformationen
  • Planer sehen, welche Sägen wann und mit welchem Werkzeug welche Losgrößen am effizientesten bearbeiten

Das Ergebnis: realistische Terminzusagen, weniger Ăśberlastung in bestimmten Zellen und eine belastbare Datenbasis fĂĽr Investitionsentscheidungen.

Prozessmonitoring in Sägemaschinen – der Weg zur KI

Im Workshop-Teil wird „Digitalisierung / Prozessmonitoring in Sägemaschinen“ als Kernthema gesetzt. Damit sind unter anderem gemeint:

  • Sensorik zur Ăśberwachung von Schnittkraft, Schwingungen, Motorströmen
  • Condition Monitoring fĂĽr Sägeblätter und Antriebskomponenten
  • intelligente Algorithmen zur Erkennung von Anomalien (z. B. drohender Blattbruch, fehlerhafte Spannungen, Materialfehler)

Für KI-Anwendungen ist diese Datengrundlage entscheidend. Erst wenn die Maschine „spricht“, kann eine KI:

  • optimale Schnittparameter vorschlagen
  • auf bevorstehenden VerschleiĂź hinweisen
  • Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen Materialcharge, Werkzeug und Qualität erkennen

Pragmatischer Tipp: Wer heute noch nicht über KI nachdenkt, sollte trotzdem sofort damit beginnen, Prozessdaten an der Säge strukturiert zu erfassen. Die Daten von 2025 sind das Trainingsmaterial für die KI-Modelle von 2026 und 2027.


Fokus 3: EcoCut, Steelsuite & Co. – wie Praxislösungen aussehen

Theorie ist gut, aber die Stuttgarter Sägetagung ist klar auf konkrete Anwendungen ausgerichtet. Mehrere Vorträge zeigen, wie Unternehmen die Sägehalle bereits erfolgreich transformiert haben.

EcoCut: Ressourcenschonendes Sägen für die Zukunft

Unter dem Schlagwort „EcoCut“ wird gezeigt, wie sich Sägeprozesse systematisch ressourcenschonend auslegen lassen. Dahinter steckt meist eine Kombination aus:

  • optimierter Werkzeugauswahl (Geometrie, Hartmetall, Beschichtung)
  • angepassten Schnittparametern (Schnittgeschwindigkeit, Vorschub, Zustellung)
  • ProzessĂĽberwachung zur Vermeidung von Ăśberlast und Leerläufen
  • angepassten KĂĽhlschmierstrategien

FĂĽr Anwender aus Metall- und Kunststoffverarbeitung bedeutet das ganz pragmatisch:

  • weniger Ausschuss durch stabilere Prozesse
  • geringere Energiekosten je Schnitt
  • reduzierte KĂĽhlschmierstoffmengen

Wer in der Automobilzulieferkette arbeitet, kennt den steigenden Druck durch OEM-Audits zu Energie- und Ressourcenverbräuchen. Ein EcoCut-Ansatz liefert belastbare Argumente und Kennzahlen, statt nur grobe Schätzungen zu präsentieren.

Steelsuite: Transparenz und Effizienz in Produktion und Instandhaltung

Mit „Steelsuite“ wird eine digitale Lösung vorgestellt, die Transparenz in Produktion und Instandhaltung bringt. Übertragen auf die Sägehalle heißt das typischerweise:

  • Maschinendaten laufen in ein zentrales System
  • Stillstände, RĂĽstzeiten, Störungen und Wartungsarbeiten werden transparent
  • Instandhaltung wird von reaktiv auf planbar umgestellt

Konkrete Vorteile fĂĽr Unternehmen:

  • bessere OEE-Kennzahlen, weil chronische Störungsursachen sichtbar werden
  • optimierte Wartungsfenster, die sich an tatsächlicher Belastung orientieren
  • klarere Entscheidungsgrundlage fĂĽr Retrofit oder Neuinvestitionen

Gerade im Kontext KI in der Produktion ist das spannend: Solche Systeme sind perfekte Ausgangspunkte, um Machine-Learning-Modelle zur Ausfallprognose oder Parameteroptimierung zu etablieren.

Feintuning: Schneidkantenverrundung als „kleiner Hebel mit großer Wirkung“

Ein weiterer spannender Beitrag des Fraunhofer IPA zeigt, wie gezielte Schneidkantenverrundung bei Kreissägewerkzeugen die Performance massiv beeinflusst.

Warum das so wichtig ist:

  • zu scharfe Kanten brechen schnell aus
  • zu stark verrundete Kanten erhöhen Schnittkräfte und Wärmeentwicklung
  • eine optimierte Verrundungsgeometrie verlängert die Standzeit und stabilisiert den Schnitt

FĂĽr die Praxis heiĂźt das:

Wer seine Werkzeuggeometrie datenbasiert optimiert, holt mehr aus bestehenden Maschinen heraus, als viele mit einer teuren Neuinvestition erreichen.

Gerade für mittelständische Zulieferer ist das oft der wirtschaftlichere Weg: Werkzeuge intelligenter machen, statt Maschinen hektisch auszutauschen.


Wer sollte sich die Stuttgarter Sägetagung 2025 nicht entgehen lassen?

Die Tagung ist bewusst breit aufgestellt, aber klar fokussiert auf die Sägebranche und angrenzende Bereiche.

Typische Profile, die stark profitieren:

  • Entwickler und Konstrukteure von Sägewerkzeugen und -maschinen
  • Produktmanager in Werkzeug- und Maschinenbau-Unternehmen
  • Produktionsleiter, Fertigungsplaner und Werksleiter in Metall-, Holz- und Kunststoffverarbeitung
  • Fach- und FĂĽhrungskräfte aus der Automobil- und Zulieferindustrie, die Sägeprozesse heute schon nutzen oder einfĂĽhren wollen
  • Digital- und KI-Verantwortliche, die Produktionsdaten bisher vor allem aus spanenden Prozessen (Fräsen, Drehen) kennen und nun auch Trennprozesse einbeziehen wollen

Besonders wertvoll ist die Kombination aus:

  • Fachvorträgen am Vormittag: kompakter Ăśberblick ĂĽber aktuelle Trends, Forschungsergebnisse und Praxisbeispiele.
  • Workshop am Nachmittag: gemeinsames Erarbeiten von Themenfeldern wie Werkzeugweiterentwicklung, Digitalisierung, Prozessmonitoring, Optimierung von Bandsägen und Nachbearbeitung.
  • Exklusiver LaborfĂĽhrung im Forschungsbereich Fertigungs- und Prozesstechnik des Fraunhofer IPA: direkte Einblicke, wie Forschung und Industrieprojekte umgesetzt werden.

Wer aktiv an der Zukunft der Sägebranche mitarbeiten will – technisch wie strategisch – findet hier die richtigen Kontakte.


Wie Sie den maximalen Nutzen aus der Sägetagung ziehen

Die Veranstaltung schafft beste Rahmenbedingungen. Ob sich die Reise lohnt, hängt aber stark davon ab, wie gut Sie vorbereitet sind.

1. Eigene Sägeprozesse ehrlich durchleuchten

Vor der Tagung lohnt es sich, intern ein kurzes „Säge-Statusblatt“ zu erstellen:

  • Welche Materialien und Querschnitte sägen wir?
  • Wo haben wir aktuell die größten Probleme? (Qualität, Standzeit, Durchsatz, Energie, Personalbindung)
  • Welche Daten erfassen wir bereits an den Sägen – und wie zuverlässig?
  • Gibt es konkrete Vorgaben aus Nachhaltigkeit oder Kundenanforderungen (COâ‚‚, Energie, Ausschussquoten)?

Mit diesen Informationen im Kopf (oder auf Papier) können Sie Vorträge gezielt bewerten: Was davon adressiert tatsächlich unsere Engpässe?

2. Konkrete Zielbilder mitbringen

Statt „wir wollen digitaler werden“ helfen klare Zielbilder, zum Beispiel:

  • „Wir wollen innerhalb von 12 Monaten die Standzeit unserer Kreissägeblätter um 20 % erhöhen.“
  • „Wir wollen alle Sägen in unser MES integrieren und Echtzeitdaten sehen.“
  • „Wir wollen den Energieverbrauch pro Schnitt um 10 % senken.“

Solche Ziele machen Gespräche im Workshop und in den Pausen deutlich produktiver. Sie bekommen fokussierte Rückmeldungen und Kontakte zu passenden Partnern.

3. Nach der Tagung direkt ins Pilotprojekt gehen

Der größte Fehler: inspiriert nach Hause fahren – und die Notizen im Schrank ablegen.

Sinnvoller Fahrplan:

  1. Auswahl von 1–2 Pilotanlagen (z. B. eine Bandsäge im Stahlzuschnitt, eine Kreissäge in der Komponentenfertigung).
  2. Datenerfassung verbessern (Sensorik, Betriebsdaten, Werkzeugwechsel, Störungen dokumentieren).
  3. Workshop-Erkenntnisse übertragen: EcoCut-Ansätze testen, Parameterfenster anpassen, erste Monitoring-Lösungen aufsetzen.
  4. Kennzahlen vorher/nachher vergleichen: Werkzeugkosten, Ausbringung, Energieverbrauch, Ausschuss.

So entstehen in wenigen Monaten greifbare Business Cases, mit denen sich weitere Digital- und KI-Investitionen im Sägeumfeld intern gut argumentieren lassen.


Fazit: Sägetechnik als Baustein für KI-gestützte Produktion

Die Stuttgarter Sägetagung 2025 zeigt sehr klar: Sägen ist kein nebensächlicher Hilfsprozess, sondern ein idealer Hebel, um Produktivität, Nachhaltigkeit und KI-Einsatz in der deutschen Industrie konkret zusammenzubringen.

Wer heute:

  • seine Sägeprozesse ressourceneffizient auslegt,
  • strukturierte Realdaten erfasst und Prozessmonitoring aufbaut,
  • Werkzeugentwicklung und Digitalisierung zusammendenkt,

schafft die Basis fĂĽr eine Produktion, in der KI nicht nur ein Buzzword, sondern ein messbarer Wettbewerbsvorteil ist.

Die Frage ist weniger, ob sich das lohnt – sondern, ob man es sich leisten kann, diesen Baustein in der eigenen Digital- und KI-Strategie zu ignorieren.


Hinweis: Die Stuttgarter Sägetagung findet am 20.11.2025 von 9:00 bis 16:00 Uhr am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart statt. Die Veranstaltungssprache ist Deutsch.