Sicherheit beim Maschinenumbau: Risiken, Pflichten, Praxis

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Umbau von Maschinen und Anlagen birgt rechtliche Risiken. Der Beitrag zeigt, wie das neue VCG-Praxishandbuch hilft, Retrofit, CE und OT-Security sicher zu meistern.

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Sicherheit beim Umbau von Maschinen und Anlagen: Was Betreiber jetzt wirklich wissen mĂĽssen

80 % aller schweren Arbeitsunfälle in der Produktion hängen direkt oder indirekt mit Maschinen zusammen. Gleichzeitig werden bestehende Anlagen immer häufiger modernisiert statt neu beschafft – Stichwort Retrofit und Nachhaltigkeit. Genau an dieser Stelle wird es heikel: Ein „kleiner Umbau“ kann rechtlich plötzlich eine wesentliche Veränderung sein – und Sie stehen auf einmal in der Haftung wie ein Hersteller.

Hier setzt das neue Praxishandbuch „Sicherheit beim Umbau von Maschinen und Anlagen“ von Vogel Professional Education an. Das Buch ist mehr als ein Kommentar zur EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG bzw. zur neuen EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Es ist ein Werkzeugkasten für alle, die Maschinen beschaffen, umbauen, vernetzen oder weiterverkaufen – also genau das, was in der deutschen Bau- und Bauzulieferindustrie täglich passiert.

In diesem Beitrag zeige ich, warum das Thema Umbau so viele Betriebe kalt erwischt, welche typischen Fehler es gibt und wie das Handbuch dabei hilft, rechtssicher zu planen. Außerdem geht es um ein oft unterschätztes Feld: OT-Security – also Cybersicherheit im Produktionsumfeld.


1. Warum Maschinenumbau 2025 brisanter ist als je zuvor

Maschinen und Anlagen werden immer seltener „aus dem Katalog“ gekauft und dann 20 Jahre unverändert betrieben. Stattdessen sehen wir in Projekten drei klare Trends:

  • Retrofit statt Neubau: Steuerungstechnik, Sensorik, Antriebe werden modernisiert, um Energie zu sparen und Produktionsdaten auszuwerten.
  • Vernetzung: Maschinen hängen heute im Firmennetz, werden ĂĽber Cloud-Dienste ĂĽberwacht oder per Fernwartung betreut.
  • Gebrauchtmaschinenmarkt: Aufgrund hoher Investitionskosten und Lieferzeiten boomen gebrauchte Anlagen – oft ohne lĂĽckenlose Dokumentation.

Das Problem: Jeder Eingriff – sei es ein neuer Schaltschrank, eine zusätzliche Roboterachse oder die Einbindung in ein OT-Netzwerk – kann dazu führen, dass aus einem Betreiber rechtlich ein Hersteller wird.

Wer eine Maschine wesentlich verändert, gilt als Hersteller und muss die Anforderungen der Maschinenrichtlinie bzw. EU-Maschinenverordnung vollständig erfüllen.

Genau hier herrscht in vielen Unternehmen Unsicherheit. Techniker entscheiden über Umbauten, die Rechtsfolgen werden aber erst sichtbar, wenn etwas passiert – oder wenn Behörden nachfragen.


2. „Wesentliche Veränderung“: Der Knackpunkt in der Praxis

Die wichtigste Frage im Maschinenumbau lautet: Ist der Umbau eine wesentliche Veränderung? Wenn ja, startet juristisch gesehen ein „Neubauprojekt“ – mit allen Folgen, von Risikobeurteilung bis CE-Kennzeichnung.

Woran erkenne ich eine wesentliche Veränderung?

Das neue Praxishandbuch führt hier strukturiert durch die Fragestellung und greift u.a. auf die bekannte Bekanntmachung des BMAS zur wesentlichen Veränderung von Maschinen zurück. In der Praxis helfen Ihnen drei Leitfragen:

  1. Ändert sich die bestimmungsgemäße Verwendung der Maschine?
    Beispiel: Eine ehemalige Verpackungsmaschine wird zur Zuschnittanlage umgebaut.

  2. Entstehen neue oder höhere Risiken, die vorher nicht vorhanden waren?
    Beispiel: Zusätzliche Bewegungsebenen, höhere Geschwindigkeiten, andere Werkstoffe.

  3. Sind vorhandene Schutzkonzepte nicht mehr ausreichend?
    Beispiel: Vorhandene trennende Schutzeinrichtungen decken neue Gefährdungsbereiche nicht mehr ab.

Wenn Sie hier mehr als einmal mit „Ja“ antworten, sollten Sie sehr vorsichtig sein – das Buch zeigt im Detail, wie Sie systematisch zu einer belastbaren Bewertung kommen.

Typische Fehlannahmen in Betrieben

Aus Projekten sehe ich immer wieder dieselben IrrtĂĽmer:

  • „Wir haben ja nichts an der Mechanik geändert, also ist das kein Problem.“
    Falsch – auch Änderungen der Steuerung (z.B. neue Sicherheits-SPS, neue Software) können eine wesentliche Veränderung sein.

  • „Der Lieferant des UmrĂĽstsatzes ist doch Hersteller, nicht wir.“
    Nicht automatisch. Entscheidend ist, wer die Maschine im veränderten Zustand in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt.

  • „CE war ja schon drauf, das bleibt doch gĂĽltig.“
    Das ursprüngliche CE-Zeichen deckt den veränderten Zustand nicht mehr ab, wenn sich das Risikoprofil ändert.

Genau hier punktet das Praxishandbuch mit klaren Entscheidungsbäumen, Fallbeispielen und Muster-Dokumenten.


3. Gebrauchtmaschinen ohne CE: Risiko oder Chance?

Der Boom bei Gebrauchtmaschinen ist gerade in der Bauzulieferindustrie, Betonwerken, Metallbau- und Holzbaubetrieben deutlich spürbar. Auf Plattformen werden Anlagen gehandelt, die vor 20 oder 30 Jahren gebaut wurden – oft ohne vollständige Unterlagen.

Wie gehen Betreiber mit Maschinen ohne CE-Kennzeichnung um?

Die Autoren des Handbuchs adressieren mehrere typische Szenarien:

  • Maschinen, die vor EinfĂĽhrung der Maschinenrichtlinie in Verkehr gebracht wurden
  • Gebrauchtmaschinen aus Drittstaaten (z.B. USA, Asien)
  • Anlagen, bei denen Dokumentation und Schaltpläne fehlen

Konkrete Pflichten fĂĽr Betreiber:

  • PrĂĽfen, ob die Maschine nach dem heutigen Stand der Technik sicher betreibbar ist
  • Dokumentation nachziehen (Betriebsanleitung, ggf. Risikobeurteilung, PrĂĽfprotokolle)
  • Bei Import aus Drittstaaten: Rolle als „Quasi-Hersteller“ akzeptieren und vollständiges Konformitätsbewertungsverfahren durchfĂĽhren

Das Buch zeigt Schritt für Schritt, wie eine solche Bestandsaufnahme aussehen kann – inklusive Checklisten, wie sie viele Sicherheitsingenieure sonst mühsam selbst erstellen.

Handel mit Gebrauchtmaschinen

Wer Gebrauchtmaschinen verkauft oder vermittelt, bewegt sich schnell im Grenzbereich zwischen Händler und Hersteller. Relevante Fragen:

  • Muss ich eine neue Konformitätserklärung ausstellen?
  • Welche Informationen muss ich dem Käufer mitgeben?
  • Wie dokumentiere ich den Zustand der Maschine beim Verkauf?

Das Praxishandbuch beantwortet genau diese Fragen und bietet Formulierungsvorschläge, wie Sie Haftungsrisiken reduzieren, ohne den Handel komplett auszubremsen.


4. OT-Security: Wenn Sicherheit nicht nur mechanisch ist

Der Umbau von Maschinen ist 2025 kaum noch ohne IT- und OT-Themen denkbar. Produktionsanlagen hängen im Firmennetzwerk, werden über Fernwartung betreut oder sind in KI-gestützte Auswertungen eingebunden – Stichwort Baustelle 4.0 und digitale Fabrik.

Was bedeutet OT-Security im Kontext Maschinenumbau?

OT-Security (Operational Technology Security) bezeichnet den Schutz von:

  • Steuerungen (SPS, Sicherheits-SPS)
  • Feldbussystemen und Industrial Ethernet
  • HMI- und Leitsystemen
  • Fernwartungszugängen und Remote-Services

Beim Umbau einer Maschine – etwa bei der Nachrüstung einer neuen Steuerung oder Vernetzung mit einem Leitsystem – entstehen neue Angriffsflächen. Ein erfolgreicher Cyberangriff kann z.B.:

  • Sicherheitsfunktionen auĂźer Kraft setzen
  • unkontrollierte Bewegungen auslösen
  • Datenmanipulationen im Produktionsablauf verursachen

Das Handbuch greift diese Dimension auf und formuliert OT-Security-Anforderungen, die Betreiber im Blick haben sollten, zum Beispiel:

  • Authentifizierung und Rollenmodelle an Bedien- und Servicezugängen
  • Segmentierung von Netzen (Trennung von BĂĽro-IT und Produktion)
  • Protokollierung von Ă„nderungen an Sicherheitsparametern
  • Umgang mit Fernwartungszugängen (zeitlich begrenzt, freigabepflichtig)

Die Verbindung zur EU-Maschinenverordnung ist klar: Cybersecurity wird dort ausdrĂĽcklich als Bestandteil der Maschinensicherheit adressiert. Wer umbaut, muss diese Ebene mitdenken.


5. Von der Betriebssicherheitsverordnung bis zur EU-Maschinenverordnung

Das Handbuch führt durch den Dschungel der Vorschriften – von der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) über die (noch gültige) EG-Maschinenrichtlinie bis zur neuen EU-Maschinenverordnung.

Wichtige Rechtsquellen im Ăśberblick

FĂĽr Betreiber und Planer sind vor allem relevant:

  • BetrSichV: regelt den sicheren Betrieb von Arbeitsmitteln in Deutschland
  • ArbSchG: allgemeine Pflichten des Arbeitgebers zum Arbeitsschutz
  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG / EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230: regelt das Inverkehrbringen und die wesentliche Veränderung von Maschinen
  • Produktsicherheitsgesetz (ProdSG): Umsetzung europäischer Produktvorgaben in deutsches Recht

Der Mehrwert des Praxishandbuchs liegt darin, dass diese Rechtsquellen nicht abstrakt, sondern entlang typischer Praxisfragen sortiert werden:

  • Sie planen einen Retrofit einer Mischanlage?
    → Welche Schritte sind formal nötig, welche Prüfungen müssen dokumentiert werden?

  • Sie importieren eine komplette Fertigungslinie aus einem Drittstaat?
    → Wie weisen Sie nach, dass alle Teilsysteme den EU-Anforderungen entsprechen?

  • Sie vernetzen ältere Maschinen via Gateway und binden sie in ein zentrales Monitoring ein?
    → Wo beginnt hier das Thema OT-Security und welche Nachweise erwarten Prüfer?

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Rechtsabteilung ist diese Übersetzung von „Juristendeutsch“ in anwendbare Checklisten Gold wert.


6. Wie das VCG-Praxishandbuch konkret unterstĂĽtzt

Das Fachbuch „Sicherheit beim Umbau von Maschinen und Anlagen“ umfasst 168 Seiten und wurde von drei Autoren mit starkem Praxisbezug verfasst: Torsten Gast, Berthold Heinke und Alois Hüning. Der Preis von 49,80 Euro ist angesichts des Haftungsrisikos, das es adressiert, ehrlich gesagt überschaubar.

Aufbau und Inhalte in der Praxis genutzt

Aus der Beschreibung lassen sich zentrale Elemente ableiten:

  • Strukturierter Leitfaden von der Bestandsaufnahme bis zur Dokumentation
  • Entscheidungsbäume zur Frage der wesentlichen Veränderung
  • Konkrete Hinweise zum Umgang mit Gebrauchtmaschinen ohne CE
  • OT-Security-Anforderungen bei Umbau und Vernetzung
  • Import-Szenarien aus Drittstaaten, inkl. Handlungsempfehlungen
  • Fallbeispiele mit typischen Konstellationen in Produktion und Instandhaltung
  • Vorlagen und Muster fĂĽr Dokumente, z.B. Checklisten und Nachweise

Was mir daran besonders gefällt: Das Buch setzt nicht bei der Normen-Theorie an, sondern bei den Fragen, die Projektleiter, Instandhalter und Sicherheitsingenieure im Alltag haben.

FĂĽr wen lohnt sich das Buch wirklich?

  • Betreiber von Produktionsanlagen in Industrie und Bauzulieferung
  • Instandhaltung und technische Leiter, die Umbauprojekte verantworten
  • Maschinen- und Anlagenbauer, die Retrofit-Leistungen anbieten
  • Händler und Vermittler von Gebrauchtmaschinen
  • Sicherheitsingenieure und Fachkräfte fĂĽr Arbeitssicherheit

Wer in diesen Rollen unterwegs ist, reduziert mit einem strukturierten Vorgehen beim Maschinenumbau massiv sein persönliches Risiko – und spart sich Diskussionen mit Aufsichtsbehörden und Berufsgenossenschaften.


7. Praxisfahrplan: So gehen Sie Umbauprojekte ab morgen an

Damit der Umbau Ihrer Maschinen und Anlagen nicht zur rechtlichen Stolperfalle wird, hat sich folgender pragmatischer Fahrplan bewährt:

  1. Projektstart: Rollen klären
    Wer ist Betreiber, wer Umbauer, wer Lieferant? Wer ĂĽbernimmt welche Verantwortung?

  2. Bestandsaufnahme

    • Aktueller Zustand der Maschine (mechanisch, elektrisch, steuerungstechnisch)
    • Vorhandene Dokumentation (CE, Betriebsanleitung, Schaltpläne)
  3. Bewertung „wesentliche Veränderung“

    • Systematisch anhand der im Handbuch dargestellten Kriterien
    • Ergebnis und BegrĂĽndung schriftlich dokumentieren
  4. Risikobeurteilung & MaĂźnahmenplanung

    • Neue oder geänderte Gefährdungen bewerten
    • Schutzeinrichtungen, Betriebsarten, Not-Halt-Konzept, Softwareanpassungen festlegen
  5. OT-Security mitdenken

    • Netzwerkzugänge, Fernwartung, Nutzerrechte, Logging analysieren
    • Security-MaĂźnahmen in das Gesamtkonzept integrieren
  6. Umsetzung & PrĂĽfung

    • Umbau realisieren, Funktionen und Sicherheitskreise prĂĽfen
    • Ergebnisse protokollieren, ggf. externe PrĂĽfstelle einbinden
  7. Dokumentation & Unterweisung

    • Betriebsanleitung aktualisieren
    • Mitarbeiter schulen und unterweisen
    • Dokumente revisionssicher ablegen

Das Praxishandbuch liefert für fast jeden dieser Schritte Beispiele und Vorlagen – genau das, was im Tagesgeschäft oft fehlt.


Fazit: Maschinenumbau professionell angehen – statt später teuer zu lernen

Maschinen und Anlagen umzubauen ist sinnvoll, nachhaltig und wirtschaftlich – aber nur, wenn Sicherheit und Rechtssicherheit von Beginn an mitgeplant werden. Wer das Thema „wesentliche Veränderung“ ignoriert oder OT-Security als IT-Problem abtut, handelt fahrlässig.

Das neue VCG-Praxishandbuch „Sicherheit beim Umbau von Maschinen und Anlagen“ schließt eine Lücke zwischen Rechtstexten und Werkstattboden. Es hilft Ihnen, Retrofit-Projekte strukturiert anzugehen, Haftungsrisiken zu beherrschen und gleichzeitig die Chancen von Baustelle 4.0 zu nutzen.

Wenn Sie gerade einen Umbau, Retrofit oder den Kauf einer Gebrauchtmaschine planen, sollten Sie zwei Dinge tun: zuerst klären, ob eine wesentliche Veränderung vorliegt – und sich dann die passenden Werkzeuge besorgen. Dieses Handbuch gehört aus meiner Sicht ganz klar dazu.