Second-Hand-Geschenke boomen in Deutschland. Warum der Trend sich vom Gewissensthema zum Lifestyle entwickelt – und wie KI Modehändlern hilft, davon zu profitieren.
Second-Hand-Geschenke: Wie KI den Trend in Deutschland treibt
39% der Menschen in Deutschland haben schon einmal ein Second-Hand-Geschenk verschenkt. 53% können sich vorstellen, es dieses Weihnachten zu tun. Das ist kein Nischenthema mehr, das ist Mainstream – und eine riesige Chance für Modehändler, Plattformen und Marken.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) und Sellpy zeigen in ihrer aktuellen Umfrage klar: Gebrauchte Geschenke sind längst kein „Notnagel“ mehr, sondern Ausdruck von Stil, Individualität und bewusstem Konsum. Nachhaltigkeit bleibt wichtig, wird aber von zwei Motiven überholt: Lust auf Schatzsuche und der Wunsch, das Budget zu schonen.
Für die deutsche Modebranche heißt das: Wer Second Hand nur als Randthema behandelt, verschenkt Potenzial. Vor allem, weil künstliche Intelligenz (KI) genau hier ihren größten Hebel hat – von smarter Sortierung über individuelle Empfehlungen bis hin zu dynamischer Preisgestaltung.
In diesem Beitrag geht es darum,
- warum Second-Hand-Geschenke 2025 so stark sind,
- wie sich die Motive der Kund:innen verschoben haben,
- und ganz konkret, wie Modehändler mit KI aus dem Trend ein profitables, nachhaltiges Geschäftsmodell machen.
1. Second-Hand-Geschenke 2025: Vom Gewissensthema zum Lifestyle
Second Hand ist in Deutschland im Weihnachtsgeschäft angekommen. Die Umfrage von HDE, Sellpy und Appinio zeigt sehr klar, wo wir stehen:
- 39% haben bereits ein Second-Hand-Geschenk verschenkt.
- 53% können sich vorstellen, dieses Jahr eines zu verschenken.
- 83% glauben, dass Second Hand in den nächsten fünf Jahren weiter an Bedeutung gewinnt.
Die Realität ist: Gebrauchte Mode, Accessoires und Lifestyle-Produkte sind kein Makel mehr. Sie signalisieren Geschmack, Individualität und oft auch Insiderwissen – vor allem, wenn es um besondere Marken, limitierte Drops oder Vintage-Stücke geht.
Online dominiert – aber der stationäre Handel zieht nach
Laut HDE werden Second-Hand-Geschenke besonders häufig online gekauft, aber auch stationär gewinnt an Relevanz. Das passt zum typischen deutschen Kaufverhalten:
- Online, wenn es um groĂźe Auswahl, Marken-Vielfalt und bequemen Preisvergleich geht.
- Stationär, wenn Anfassen, Anprobieren und „Schatzsuche im Laden“ im Vordergrund stehen.
Für Händler heißt das: Omnichannel ist Pflicht, auch im Second-Hand-Segment. Die Kund:innen wollen sowohl digital stöbern als auch vor Ort entdecken – und KI kann genau dieses Zusammenspiel intelligenter machen.
2. Der Motivwechsel: Von Nachhaltigkeit zu Einzigartigkeit und Preis
2024 war Nachhaltigkeit noch das Hauptargument fĂĽr Second-Hand-Geschenke. 2025 hat sich das verschoben:
- 2024 nannten 52% Nachhaltigkeit als wichtigsten Grund.
- 2025 sind es nur noch 45% – Nachhaltigkeit rutscht auf Platz 3.
- 47% verschenken Second Hand, weil die Geschenke einzigartiger sind als Neuware (2024: nur 35%).
Der Kern: Second Hand wird persönlicher. Weg von Standardprodukten, hin zu Stücken mit Charakter und Geschichte.
„Second Hand ist kein Verzicht mehr, sondern ein Upgrade in Sachen Individualität.“ – Nikola Grote, Sellpy
Was Konsument:innen wirklich wollen
Aus diesen Zahlen kann man drei klare Erwartungen ableiten:
-
Einzigartigkeit
Kein zweites Teil im Freundeskreis, keine Massenware. Sondern limitierte Drops, ikonische Vintage-Pieces, seltene Farben, besondere Größen. -
Storytelling
„Pre-loved“ ist nicht nur ein Zustand, sondern ein Narrativ. Mode mit Vergangenheit, die zur Persönlichkeit des:der Beschenkten passt. -
Finanzielle Entlastung
In Zeiten von Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten wird der Preis wieder relevanter. Second Hand bietet Zugang zu Premium- und Luxusmode, die neu oft nicht drin wäre.
Die spannende Frage für die Branche: Wie schaffe ich es, diese drei Motive gleichzeitig zu bedienen – und das skalierbar? Genau hier kommt KI ins Spiel.
3. Wie KI den Second-Hand-Markt strukturiert – und attraktiver macht
Der Second-Hand-Modemarkt ist komplexer als klassischer Retail: Jedes Teil ist anders, die Qualität variiert, Größen fallen unterschiedlich aus, und die Nachfrage ist schwerer vorherzusagen. KI ist prädestiniert dafür, dieses Chaos in kaufbare Erlebnisse zu verwandeln.
3.1 Intelligente Sortierung und Qualitätsbewertung
Modehändler, Re-Commerce-Plattformen und Marken mit Resale-Angeboten können KI nutzen, um Produkte schneller und präziser einzuschätzen:
- Bildanalyse: KI erkennt Gebrauchsspuren, Flecken, Pillings, Verfärbungen und kann automatisch Zustandskategorien vergeben.
- Marken- und Modell-Erkennung: Produkte werden exakt zugeordnet, was besonders relevant fĂĽr Sneaker, Taschen und DesignerstĂĽcke ist.
- Automatische Attributvergabe: Farbe, Stil, Material, Muster – alles wird automatisch verschlagwortet.
Das Ergebnis: Weniger manuelle Arbeit, konsistente Zustandsbeschreibungen und mehr Vertrauen auf Kundenseite.
3.2 Personalisierte Empfehlungen für „Schatzsucher:innen“
Der sogenannte Schatzsucher-Aspekt lebt davon, dass Kund:innen das Gefühl haben: „Dieses Teil habe ich gefunden, niemand sonst.“ KI kann dieses Gefühl verstärken:
- Empfehlungen basierend auf Stil statt nur Kategorie (z.B. „minimalistisch, skandinavisch“, „Y2K, verspielte Prints“).
- „Einzelstück-Alerts“: Benachrichtigungen, wenn bestimmte Marken, Größen oder Stile neu reinkommen.
- KI-gestützte Outfit-Vorschläge aus Second-Hand-Teilen – besonders spannend für Modehändler mit KI-gestützter Styling-Beratung.
Wer diesen Schatzsucher:innen das bestmögliche Erlebnis bietet, wird im Second-Hand-Segment zur ersten Adresse.
3.3 Dynamische, faire Preisgestaltung
Preis ist 2025 wieder ein Top-Argument. KI kann helfen, Preise transparent und marktgerecht zu setzen:
- Berücksichtigung von Zustand, Größe, Marke, Nachfrage, Saisonalität.
- Abgleich mit historischen Verkaufsdaten und aktuellen Marktpreisen.
- Automatische Preis-Updates, wenn Artikel länger online sind.
Das schafft Vertrauen, reduziert den manuellen Pricing-Aufwand und sorgt dafür, dass Artikel schnell die richtige Käufer:in finden.
4. Praxisleitfaden: Wie Modehändler jetzt ein profitables Second-Hand-Angebot aufbauen
Wer in Deutschland heute noch kein Second-Hand- oder Resale-Angebot hat, sollte 2025 als Weckruf sehen. Es gibt verschiedene Einstiegswege – von klein bis ambitioniert.
4.1 Startpunkt wählen: Plattform, Shop-in-Shop oder eigenes Resale?
Mögliche Modelle für Händler und Marken:
-
Kooperation mit bestehenden Plattformen
Ware wird an spezialisierte Re-Commerce-Partner gegeben, die den gesamten Prozess (Bewertung, Fotografie, Verkauf, Versand) ĂĽbernehmen. -
Shop-in-Shop im eigenen Store
Ein kuratiertes Second-Hand-Sortiment, z.B. nur ausgewählte Kategorien (Denim, Mäntel, Taschen). Ideal, um Kund:innen behutsam heranzuführen. -
Eigenes Resale-Angebot online
Kund:innen können getragene Teile der Marke zurückgeben und erhalten Guthaben. KI unterstützt bei Bewertung, Pricing und Matching.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Marke, Zielgruppe und Logistik ab – aber nicht zu starten, ist mittelfristig die riskanteste Option.
4.2 Daten nutzen: Was Ihre Kund:innen wirklich wollen
Die aktuellen Zahlen (Einzigartigkeit, Preis, Nachhaltigkeit) geben eine grobe Richtung vor. Mit KI-basierten Analysen lässt sich das konkret auf Ihr Unternehmen übertragen:
- Welche Marken und Kategorien werden am häufigsten gesucht?
- In welchen Größen gibt es chronischen Mangel oder Überangebot?
- Welche Produkte funktionieren besonders gut als Geschenk (z.B. Taschen, Strick, Schmuck, Kinderkleidung)?
Wer diese Insights mit KI aus Transaktionsdaten, Suchanfragen und Retouren verknĂĽpft, kann sein Second-Hand-Sortiment gezielt in die Richtung entwickeln, die zur Kundschaft passt.
4.3 Kommunikation: Second Hand als Upgrade inszenieren
Wenn Second Hand ein Lifestyle-Thema ist, muss es auch so erzählt werden. Ein paar wirkungsvolle Ansätze für den deutschen Markt:
- „Pre-loved, aber Premium“: Hochwertige Produktfotografie, klare Zustandsangaben, eigene Markenwelt für Second Hand.
- Geschenkguides mit Second-Hand-Fokus: „Vintage-Geschenke unter 50 €“, „Luxus-Schnäppchen aus zweiter Hand“, „Einzelstücke für Menschen, die schon alles haben“.
- Klare Botschaft zur Nachhaltigkeit – ohne Moralkeule: CO₂-Ersparnis, Lebensdauer-Verlängerung, weniger Ressourcenverbrauch – sachlich, transparent, nicht belehrend.
Wer Second Hand wie eine zweite Klasse behandelt, macht es unattraktiv. Wer es als intelligente, stilvolle Entscheidung positioniert, trifft den Nerv der Zeit.
5. Blick nach vorn: Second Hand als neuer Standard in der deutschen Modebranche
Wenn 83% der Befragten davon ausgehen, dass Second Hand in den nächsten fünf Jahren noch wichtiger wird, dann ist das mehr als ein kurzfristiger Peak im Weihnachtsgeschäft. Es ist eine strukturelle Verschiebung im Konsumverhalten.
FĂĽr die deutsche Modebranche bedeutet das:
- Second Hand wird fester Bestandteil des Geschäftsmodells, nicht nur Marketing-Aktion.
- KI wird zum zentralen Werkzeug, um Prozesse wirtschaftlich zu gestalten und Kundenerlebnisse zu personalisieren.
- Nachhaltigkeit bleibt wichtig, wird aber ergänzt durch Individualität und Preisbewusstsein.
Wer heute investiert – in Daten, KI-Lösungen, Kooperationen und eine kluge Second-Hand-Strategie – sichert sich nicht nur ökologische Glaubwürdigkeit, sondern auch neue Umsatzströme und eine engere Bindung zu Kund:innen, die bewusster, aber nicht asketisch konsumieren wollen.
Gerade im Weihnachtsgeschäft 2025 zeigt sich: Second-Hand-Geschenke sind nicht mehr das „mutige Statement“, sondern für viele einfach die bessere Wahl. Die spannende Frage ist weniger, ob Second Hand bleibt, sondern welche Marken und Händler es schaffen, daraus ein starkes, KI-gestütztes Erlebnis für ihre Kund:innen zu bauen.
Wer diese Entwicklung früh ernst nimmt, wird in den nächsten Jahren zu den Gewinnern der deutschen Modebranche gehören.