secIT 2026 zeigt: KI-Angriffe, Cyberversicherungen und Datenrisiken treffen direkt Marketing & Vertrieb. So machen Sie Cybersecurity zum Umsatz-Booster.
secIT 2026 & KI: Was Marketing und Vertrieb jetzt lernen müssen
Die meisten Unternehmen investieren inzwischen mehr in Leadgenerierung als in IT-Sicherheit. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen des BSI, dass erfolgreiche Cyberangriffe in Deutschland von Jahr zu Jahr zunehmen – und KI-basierte Angriffe wachsen am schnellsten.
Die secIT 2026 in Hannover macht sehr deutlich, wie sich Cybersecurity gerade verändert: Es geht nicht mehr nur um Firewalls und Virenscanner, sondern um KI, Weltraum-Infrastruktur, Passwort-Cracking und ganz konkrete Geschäftsrisiken – inklusive der Frage, wann die Cyberversicherung nicht zahlt.
Für Marketing- und Vertriebsteams ist das keine technische Nebensache, sondern ein direkter Business-Faktor: Daten, Vertrauen und Verfügbarkeit entscheiden heute über Leads und Abschlüsse. In diesem Beitrag zeige ich, was Sie aus dem secIT-Programm 2026 für Ihr Unternehmen mitnehmen können – auch wenn Sie selbst nicht in Hannover dabei sind.
Warum Cybersecurity plötzlich Chefsache im Vertrieb ist
Cybersecurity ist heute ein Umsatzthema. Wer Kundendaten verliert oder längere Ausfälle hat, verliert Leads, Abschlüsse und oft Jahre an Vertrauensaufbau.
Drei Gründe, warum Marketing & Vertrieb aufhorchen sollten
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KI knackt Passwörter immer schneller
Moderne Angriffs-Tools nutzen KI, um Passwörter zu erraten, Phishing-Mails glaubwürdig zu formulieren und Social-Engineering zu automatisieren. Schwache Passwörter oder fehlende Multi-Faktor-Authentifizierung sind 2025 kein „kleiner“ Fehler mehr, sondern ein offenes Scheunentor. -
Cyberversicherungen zahlen längst nicht immer
Ein Highlight im secIT-Programm: der Vortrag „Ihr teuerstes Blatt Papier: Wann die Cyberversicherung nicht zahlt“. Übersetzt heißt das: Wenn Prozesse, Richtlinien oder Schulungen fehlen, bleiben Sie im Ernstfall auf Schaden und Ausfall sitzen – trotz Police. -
Angriffe treffen zuerst die wertvollsten Daten
CRM, Marketing-Automation, Kundendatenbanken, Kampagnendaten – genau diese Systeme sind für Angreifer spannend. Sie enthalten Zahlungsdaten, personenbezogene Informationen und oft auch Zugang zu weiteren Systemen.
Wer Marketing und Vertrieb digitalisiert, digitalisiert immer auch seine Angriffsfläche.
Das klingt hart, ist aber die Realität. Die gute Nachricht: Viele wirksame Maßnahmen sind organisatorisch und kosten weniger als eine größere Kampagne.
secIT 2026: Was steckt hinter den Themen – übersetzt für Business-Entscheider
Die secIT 2026 richtet sich formal an Admins, CISOs und IT-Verantwortliche. Die Inhalte betreffen aber unmittelbar Geschäftsführung, Vertrieb und Marketing.
Pentesting, Innentäteranalysen, Red Teaming & Co. – was bringt das wirklich?
Im Vortrag „Pentesting, Innentäteranalysen, Red Teaming, TLPT & Co.: Was wem wirklich hilft“ geht es darum, welche Tests für welche Organisation sinnvoll sind.
Kurzübersetzung für Nicht-Techniker:
- Pentesting: Externe Spezialisten greifen Ihre Systeme kontrolliert an und zeigen, wo sie einbrechen konnten.
- Red Teaming: Noch realistischerer Angriff – inklusive Social Engineering, Phishing, Telefonanrufen und physischen Versuchen, ins Gebäude zu kommen.
- Innentäteranalysen: Fokus auf Mitarbeitende und Partner, die Zugriff haben und diesen absichtlich oder unabsichtlich missbrauchen könnten.
- TLPT (Threat-Led Penetration Testing): Tests, die sich an realen, aktuellen Bedrohungsszenarien orientieren.
Für Marketing & Vertrieb wird es spätestens dann relevant, wenn folgende Fragen auftauchen:
- Können Externe über Kampagnen-Landingpages oder Formulare ins System eindringen?
- Können Accounts im CRM leicht übernommen werden (z.B. durch Passwort-Reuse)?
- Können Partner, Reseller oder Dienstleister auf mehr Daten zugreifen als nötig?
Mein Rat:
Wenn Sie sechsstellige Budgets in Marketing-Technologie stecken, aber noch nie ein Pentest dieser Umgebung durchgeführt wurde, ist Ihre Priorisierung falsch.
„Ihr teuerstes Blatt Papier“ – was Cyberversicherungen im Kleingedruckten verlangen
Der secIT-Vortrag zur Cyberversicherung adressiert einen oft unterschätzten Punkt: Viele Unternehmen wiegen sich in Sicherheit, weil sie „versichert“ sind. Im Claim-Fall zeigt sich dann, wie ernst Prozesse wirklich genommen wurden.
Typische Bedingungen, damit eine Cyberversicherung zahlt:
- Aktualisierte Systeme: Kritische Sicherheitsupdates müssen zeitnah eingespielt werden.
- Klare Richtlinien: Passwortrichtlinien, Zugriffsrechte, Löschkonzepte für Daten.
- Mitarbeiterschulung: Nachweisbare Awareness-Trainings, insbesondere zu Phishing und Social Engineering.
- Incident-Response-Plan: Wer macht was, wenn etwas passiert? Nicht nur in der IT, auch in Kommunikation und Vertrieb.
Gerade für Marketing und Sales wichtig:
- Wie reagieren Sie kommunikativ im Schadenfall?
- Gibt es vorbereitete Statements, Landingpages, E-Mail-Templates für Kunden?
- Wer spricht mit Schlüsselkunden, wenn Daten aus CRM oder Kampagnenumgebungen betroffen sind?
Wer diese Punkte erst im Vorfall klärt, verliert Tage – und damit Vertrauen und Umsätze.
KI knackt Passwörter: konkrete Folgen für Ihren Vertriebs-Funnel
Ein Programmpunkt der secIT 2026 dreht sich explizit um KI-gestützte Angriffe und Passwort-Cracking. Das ist kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebte Praxis in Untergrundforen.
Was KI-basierte Angriffe heute schon können
KI-gestützte Tools können heute:
- aus geleakten Daten und Social-Media-Infos wahrscheinlich genutzte Passwörter generieren,
- extrem schnell Millionen Passwortkombinationen testen,
- Phishing-Mails in sauberem Deutsch verfassen – inklusive passender Ansprache, Unternehmensbezug und echter Signatur-Imitation,
- Sprach-Spoofing nutzen, um Stimmen von Geschäftsführern oder Vertriebsleitern täuschend echt nachzubilden.
Für Ihren Funnel heißt das konkret:
- Übernommene E-Mail-Accounts können genutzt werden, um „interne“ Mails an Kund:innen zu schicken.
- CRM-Logins von Außendienst oder Partnern sind attraktive Ziele – oft mit weitreichenden Berechtigungen.
- Self-Service-Portale, B2B-Shops und Partnerportale werden verstärkt angegriffen, weil dort direkt Geld und Daten liegen.
Sofortmaßnahmen: Was Sie ohne großen IT-Umbau tun können
Wenn Sie heute etwas verbessern wollen, ohne Ihre komplette Systemlandschaft zu erneuern, helfen schon diese Schritte:
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Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) konsequent durchziehen
- für CRM, Marketing-Automation, Newsletter-Tools, Data-Warehouses, Zahlungs- oder Vertragsplattformen.
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Passwort-Politik vereinfachen, aber erzwingen
- Passwortmanager bereitstellen, statt „komplexe, aber merkbare“ Passwörter zu fordern,
- Anmeldeversuche begrenzen und verdächtige Logins melden.
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Vertriebs- und Marketing-Teams schulen – aber praxisnah
- anhand echter Beispiele: gefälschte Meeting-Einladungen, Login-Mails, Gewinnspiele, angebliche Leads,
- mit klaren Regeln: Wie verifiziere ich einen ungewöhnlichen Auftrag? Wie gehe ich mit Dateianhängen um?
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Zugriffsrechte aufräumen
- Wer braucht wirklich Adminrechte im CRM?
- Müssen Externe dauerhaft Vollzugriff auf Kampagnendaten haben?
Sicherheit gewinnt man selten mit einem großen Projekt, sondern mit zehn kleinen, konsequent umgesetzten Entscheidungen.
Crashkurs-Security: Was jedes Go-to-Market-Team 2026 wissen sollte
Die secIT bietet 2026 einen zweitägigen „Crashkurs IT- und Informationssicherheit – Bedrohungen und Maßnahmen heute“, vor allem für Einsteiger. Für Go-to-Market-Teams lassen sich daraus vier Kernfelder ableiten, die ich für unverzichtbar halte.
1. Grundlagen verstehen – ohne Technikstudium
Jede Führungskraft in Marketing und Vertrieb sollte zumindest grob unterscheiden können zwischen:
- Verfügbarkeit (System läuft oder nicht),
- Integrität (Daten sind unverändert und korrekt),
- Vertraulichkeit (nur Berechtigte sehen die Daten).
Warum? Weil jede größere Kampagne und jede neue Plattform diese drei Punkte beeinflusst. Wer nur über „Features“ und „Conversion Rate“ spricht, übersieht die Risiken.
2. Gängige Angriffe kennen – und in Prozesse übersetzen
Typische Szenarien, die im Alltag von Marketing & Vertrieb vorkommen:
- Phishing-Mail, die so aussieht, als käme sie vom eigenen CEO mit der Bitte um „schnelle Zahlung“.
- Gefälschtes Kunden-Onboarding mit manipulierten Bankdaten.
- „Lead“-Formulare, die eigentlich nur dazu dienen, ins Intranet oder ins CRM zu gelangen.
Statt abstrakter IT-Slides helfen hier Playbooks:
- Wie erkenne ich verdächtige Anfragen?
- Wen frage ich nach, wenn ich unsicher bin?
- Welche Schritte sind verbindlich (z.B. Vier-Augen-Prinzip ab bestimmter Auftragshöhe)?
3. Schutzmaßnahmen in den Alltag integrieren
Sicherheit wirkt nur, wenn sie in Prozesse eingebaut ist und nicht als Extra-Aufgabe daherkommt.
Praktische Beispiele:
- Onboarding-Prozess für neue Mitarbeitende enthält verpflichtende Security-Session mit Fokus auf CRM, E-Mail, Kollaborationstools.
- Kampagnen-Briefings enthalten einen festen Punkt „Daten & Sicherheit“ (z.B. Double-Opt-in, Löschfristen, Rollen & Rechte in den Tools).
- Vertriebskick-offs beinhalten einen kurzen Security-Slot mit aktuellen Angriffs-Beispielen aus der Branche.
4. Marketing mit Security verknüpfen – statt gegeneinander auszuspielen
Oft wird Security als „Conversion-Killer“ gesehen: zusätzliche Logins, Verifizierungen, Freigaben. Das ist zu kurz gedacht.
Clever umgesetzt, kann Sicherheit sogar ein Verkaufsargument sein:
- Transparente Infos zur Datensicherheit auf Landingpages,
- verständliche Hinweise im Checkout, warum bestimmte Prüfungen stattfinden,
- Zertifizierungen und unabhängige Prüfungen sichtbar machen,
- Security-Themen als Thought-Leadership-Content im B2B-Marketing nutzen.
Wer Sicherheit klar kommuniziert, steigert Vertrauen – und damit auch die Bereitschaft, Daten zu teilen oder langfristige Verträge abzuschließen.
Weltraum, kritische Infrastruktur und was das mit Ihrem Business zu tun hat
Ein ungewöhnlicher, aber spannender Programmpunkt der secIT 2026: „Der umkämpfte Orbit: Warum Cybersecurity im Weltraum zur Pflicht wird“. Klingt weit weg? Ist es nicht.
Viele Geschäftsprozesse hängen heute direkt oder indirekt an:
- Satellitenkommunikation (z.B. Logistik, Tracking, internationale Standorte),
- GPS-Signalen (Navigation, Zeitstempel in Finanztransaktionen),
- Cloud-Diensten, deren Infrastruktur über den Globus verteilt ist.
Das zeigt zwei Dinge:
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Abhängigkeiten werden komplexer
Ein Angriff muss nicht Ihr eigenes Rechenzentrum treffen, um Sie lahmzulegen. Es reicht, wenn ein Dienst ausfällt, von dem Sie kaum wissen, dass Sie ihn nutzen. -
Resilienz wird zum Wettbewerbsfaktor
Unternehmen, die Ausfälle einkalkuliert und Alternativen vorbereitet haben (Backup-Kommunikationswege, Offline-Prozesse für bestimmte Abläufe), stehen im Ernstfall schneller wieder im Markt.
Gerade in Marketing und Vertrieb lohnt es sich, einmal im Jahr bewusst zu fragen:
- Welche Kampagnen, Portale, Sales-Prozesse funktionieren noch, wenn zentrale Tools für 24–48 Stunden nicht verfügbar sind?
- Welche Kundengruppen müssen priorisiert werden, wenn Ressourcen knapp sind?
Wer solche Fragen vor einer Krise beantwortet, agiert souveräner und vermeidet hektische Ad-hoc-Entscheidungen.
Fazit: Cybersecurity als Wettbewerbsvorteil im Go-to-Market nutzen
Die secIT 2026 zeigt sehr klar, wohin die Reise geht: KI-getriebene Angriffe, komplexe Infrastrukturen bis in den Weltraum, strengere Versicherungsbedingungen und steigende Anforderungen an Unternehmen. Das betrifft längst nicht nur die IT, sondern jeden, der mit Kundendaten und digitalen Prozessen arbeitet – also insbesondere Marketing und Vertrieb.
Wer 2026 im deutschen Markt erfolgreich sein will, sollte drei Dinge verinnerlichen:
- Sicherheit ist ein Business-Thema, kein reiner IT-Posten.
- KI verändert das Angriffsrisiko, gerade bei Passwörtern, E-Mail-Kommunikation und Identitätsdiebstahl.
- Security kann ein Verkaufsargument sein, wenn sie ehrlich, verständlich und konsequent kommuniziert wird.
Wenn Sie aus diesem Artikel nur einen konkreten nächsten Schritt mitnehmen, dann diesen:
Setzen Sie sich in den nächsten 14 Tagen eine Stunde mit IT, Vertrieb und Marketing an einen Tisch und klären Sie: Welche drei Sicherheitsmaßnahmen haben den größten Einfluss auf unseren Umsatzschutz – und wer setzt sie bis wann um?
Wer diesen Dialog heute startet, muss sich 2026 weniger vor den Themen fürchten, die auf der secIT diskutiert werden – und kann sie stattdessen als Chance nutzen, das eigene Go-to-Market robuster und glaubwürdiger aufzustellen.