Scope-3-Emissionen von Banken: Was 2025 wirklich zählt

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Scope-3-Emissionen sind der Prüfstein für Klimastrategien von Banken. Wie gut ist das Reporting 2025 wirklich – und was sollten Institute jetzt konkret tun?

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Scope-3-Emissionen von Banken: Was 2025 wirklich zählt

Am 01.01.2025 ist für viele große Institute in der EU die CSRD-Realität geworden. Während noch an Net-Zero-Strategien gefeilt wird, taucht im Reporting eine Zahl immer wieder als Stolperstein auf: Scope-3-Emissionen – insbesondere die finanzierten Emissionen.

Genau hier entscheidet sich, wie glaubwürdig Klimaziele im Finanzsektor sind. Nicht über die Dienstreise nach Frankfurt, sondern über die Milliarden im Kredit- und Investmentbuch. Wer versteht, wie Banken ihre Scope-3-Emissionen erheben, kann Klimaziele, Net-Zero-Transitionspläne und Portfolio-Strategien deutlich besser bewerten – ob in der Geschäftsführung, im Nachhaltigkeitsbereich oder im Risiko-Controlling.

Dieser Beitrag fasst nicht nur den aktuellen Status der Berichterstattung zusammen, sondern zeigt vor allem: Wo stehen europäische Banken wirklich? Wo hakt es noch? Und was sollten Institute 2025 konkret anpacken, um CSRD- und Investorenanforderungen souverän zu erfüllen?


1. Warum Scope-3-Emissionen fĂĽr Banken der eigentliche PrĂĽfstein sind

Scope-3-Emissionen sind für Banken kein „Nice-to-have“, sondern der Kern ihrer Klimawirkung: Über 90 % der klimarelevanten Emissionen eines Instituts stecken typischerweise in den finanzierten Emissionen – also im Kredit-, Investment- und Versicherungsportfolio, nicht im eigenen Gebäude oder Rechenzentrum.

Mit der CSRD und den ESRS E1 ist klar:

  • Banken mĂĽssen Scope 1, 2 und 3 vollständig berichten.
  • FĂĽr finanzierte Emissionen ist der PCAF-Standard als Referenz gesetzt.
  • Ziele mĂĽssen messbar, terminiert und methodisch erklärt werden.

Das verändert das Spiel: Klimaberichterstattung wird prüfungspflichtig, vergleichbar und direkt mit Kapitalmarkt- und Risikoanforderungen verknüpft. Wer hier nur „irgendetwas“ berichtet, wird 2026 spätestens von Investoren, Aufsicht und NGOs wieder eingesammelt.


2. Wie Banken heute Scope-3-Emissionen berichten – und wo die Brüche liegen

Die gute Nachricht: In einer Analyse von 26 großen europäischen Banken haben alle Institute, die finanzierte Emissionen berichten, quantitative Scope-3-Daten veröffentlicht. Die schlechte Nachricht: Die Vergleichbarkeit ist noch deutlich ausbaufähig.

2.1 Einheiten und Kategorien: noch kein einheitliches Bild

Die meisten Banken berichten in t COâ‚‚e, einige in kt COâ‚‚e oder sogar nur in t COâ‚‚. Klingt nach Detailfrage, ist aber fĂĽr Benchmarks und Portfoliovergleiche relevant.

Bei den Scope-3-Unterkategorien (GHG-Protokoll) zeigt sich ein klares Muster:

  • Kategorie 1: Eingekaufte Waren & Dienstleistungen (häufig berichtet)
  • Kategorie 3: Energie- und brennstoffbezogene Aktivitäten
  • Kategorie 5: Abfall
  • Kategorie 6: Geschäftsreisen (fast ĂĽberall vorhanden)
  • Kategorie 7: Pendeln von Mitarbeitenden

Auffällig: Kategorie 10 (Verarbeitung verkaufter Produkte) und Kategorie 14 (Franchise) tauchen in der untersuchten Stichprobe gar nicht auf. Begründung: für Banken angeblich nicht wesentlich. Nur eine Bank legt offen, nach welchen Kriterien die Wesentlichkeit systematisch geprüft wurde (z.B. Größe, Einfluss, Risiko, Stakeholder-Erwartungen).

Wer heute Transparenz ĂĽber Methodik und Wesentlichkeit herstellt, spart sich morgen unangenehme Nachfragen von PrĂĽfern und Aufsicht.

2.2 GHG-Protokoll ja – aber wie konsequent?

18 der 22 betrachteten Banken nennen das GHG-Protokoll explizit als Grundlage fĂĽr die Scope-3-Ermittlung. In der Praxis bedeutet das oft:

  • Die Kategorien sind formal sauber referenziert.
  • Die tatsächliche Abdeckung entlang der Wertschöpfungskette bleibt aber lĂĽckenhaft.

Gerade für den Finanzsektor reicht ein GHG-Verweis allein nicht. Entscheidend ist, wie konsequent PCAF angewendet wird – und wie granular die Portfolios erfasst werden.


3. Finanzierte Emissionen: Wo Banken wirklich kämpfen

Die finanzierten Emissionen sind das Herzstück des Klimareportings von Banken – und gleichzeitig die größte Baustelle.

3.1 Unterschiedliche Assetklassen, unterschiedliche Bilder

18 Banken berichten finanzierte Emissionen mindestens fĂĽr eine Assetklasse. Besonders deutlich wird die Streuung an zwei Beispielen:

  • Eine deutsche Bank berichtet fein granular nach:
    • Verbraucherkrediten
    • Projektfinanzierungen
    • Investitionen
    • Unternehmenskrediten
  • Eine italienische Bank fasst dagegen zusammen:
    • Geschäftskredite und
    • nicht börsennotierte Beteiligungen

Für Investoren oder Vergleiche im Peer-Group-Reporting ist das ein Problem: gleiche Begriffe, völlig andere Inhalte. CSRD und ESRS werden hier ab 2025 spürbar nachschärfen, weil die Kombination aus GHG-Protokoll und PCAF verbindlicher beschrieben ist.

3.2 Sektorabdeckung: Fokus auf die „üblichen Verdächtigen“

Bei der Sektorberichterstattung konzentrieren sich die meisten Banken genau dort, wo der Druck am größten ist – bei den klimaintensiven Branchen:

  • Energie: 11 Banken
  • Ă–l & Gas: 8 Banken
  • Bergbau, Automobil, Landwirtschaft: je 7 Banken

Das ist aus Risikosicht nachvollziehbar, hat aber eine Folge:

Die Klimawirkung „unauffälliger“ Sektoren (z.B. Gewerbeimmobilien, Teile des Mittelstands) bleibt oft unter dem Radar – obwohl sie im Portfolioanteil massiv sein können.

Für ein ganzheitliches Net-Zero-Portfolio reicht es nicht, nur die lautesten Sektoren zu adressieren. Wichtig ist eine systematische Priorisierung: Wo liegen Emissionsschwerpunkte, wo Einflussmöglichkeiten, wo Transformationschancen?


4. Ziele für Scope-3 und finanzierte Emissionen: Anspruch vs. Realität

Ziele sind das Scharnier zwischen Reporting und Steuerung. Ohne robuste Scope-3-Ziele bleiben Net-Zero-Transitionspläne reine PR.

4.1 Allgemeine Scope-3-Ziele – oft noch zu grob

Nur 12 der betrachteten Banken veröffentlichen überhaupt Ziele zu Scope-3-Emissionen. Und selbst dort ist die Qualität gemischt:

  • Ziele meist in Prozent formuliert (z.B. -30 % bis 2030).
  • Häufig Aggregation von Scope 1, 2 und 3 zu einem Gesamtziel.
  • Nur vereinzelt klare Zuordnung zu konkreten Scope-3-Kategorien.

Drei Banken nennen spezifische Ziele für einzelne Aktivitäten, meist Geschäftsreisen. Beispiel: Reduktion von Emissionen aus Geschäftsreisen bis 2030 und 2050 mit eigenständigen Zwischenzielen.

FĂĽr Banken, die ihr Portfolio ernsthaft dekarbonisieren wollen, reicht das nicht. Entscheidend ist: Wo, in welchen Portfolioteilen, mit welchen MaĂźnahmen sollen Reduktionen erreicht werden?

4.2 Ziele für finanzierte Emissionen – das Entscheidende wird konkreter

Hier wird es spannender:

  • 16 Banken setzen spezifische Ziele zu finanzierten Emissionen fĂĽr mindestens eine Assetklasse.
  • 19 Banken berichten Ziele fĂĽr bestimmte Sektoren – Schwerpunkt Ă–l & Gas und Energieerzeugung.

Typisch sind drei Formen von Zielgrößen:

  • Absolute Werte (t COâ‚‚e)
  • Intensitätskennzahlen (z.B. t COâ‚‚e/Mio. EUR Umsatz oder t COâ‚‚e/kWh)
  • Prozentuale Reduktion ggĂĽ. Basisjahr

Einige Banken mischen diese Einheiten sogar innerhalb eines Berichts – je nach Sektor oder Assetklasse. Für Ratingagenturen und Analysten macht das Vergleiche unnötig kompliziert.

Praxisbeispiel 1: SBTi-validiertes Portfolioziel

Eine große europäische Bank hat sich Netto-Null bis 2050 für das gesamte Kredit- und Investmentportfolio vorgenommen und nutzt dafür SBTi-Methoden:

  • Sektoren mit eigenen Zielen: Luftfahrt, Automobil, Energieerzeugung, Zement, Stahl, gewerbliche & private Immobilien.
  • Reduktionsziele: bis 2030 vs. Basisjahr 2021.
  • Methodik: Sectoral Decarbonization Approach (SDA) und Temperature Score.

Das Entscheidende: Die Ziele sind nach Assetklassen und Sektoren sauber aufgeschlĂĽsselt, SBTi-validiert und mit einem konsistenten Szenario unterlegt.

Praxisbeispiel 2: Sektorziele auf Intensitätsbasis

Eine andere Bank orientiert sich am IEA Net Zero 2050-Szenario und legt bis 2030 (Basisjahr 2022) u.a. folgende Ziele fest:

  • Ă–l & Gas: -28 % Emissionsintensität
  • Energieerzeugung: -62 % Emissionsintensität
  • Wohnimmobilien: -28 % Emissionsintensität

Das Institut berichtet zusätzlich:

  • Zwischenziele pro Sektor
  • Erreichten Status im Berichtsjahr
  • KontexteinflĂĽsse (z.B. temporäre Verschlechterung im Energiesektor, starke Reduktion im Wohnimmobilienportfolio)

Genau diese Transparenz wird unter CSRD/ESRS zum Standard werden mĂĽssen.


5. Was Banken 2025 konkret tun sollten

Die CSRD ist nicht mehr „coming soon“ – sie wirkt. Für Banken lohnt sich ein klarer Fahrplan, wie sie Scope-3-Emissionen und finanzierte Emissionen professionell in den Griff bekommen.

5.1 Reporting sauber aufstellen

Kernaufgaben:

  1. Scope-3-Mapping professionalisieren
    • Vollständiges Screening aller 15 GHG-Kategorien.
    • Dokumentierte Wesentlichkeitsanalyse mit klaren Kriterien (z.B. Volumen, Einfluss, Risiko, Stakeholder-Druck).
  2. Standardisierung von Einheiten und Methoden
    • Einheitliche Verwendung von t COâ‚‚e.
    • Stringente Anwendung von GHG-Protokoll und PCAF – inkl. Offenlegung der Datenqualität (z.B. PCAF-Score).
  3. Transparente Methodikbeschreibungen
    • Basisjahre, Emissionsfaktoren, Szenarien offenlegen.
    • Annahmen und Grenzen klar benennen.

5.2 Ziele robust definieren – nicht nur ankündigen

Unter ESRS 2 und E1 muss ein Ziel:

  • ergebnisorientiert,
  • messbar und
  • terminiert sein.

Praktisch heiĂźt das fĂĽr Banken:

  • Klare Trennung von Scope 1, 2 und 3 Zielen.
  • Explizite Ziele fĂĽr finanzierte Emissionen mit Bezug auf:
    • Sektoren,
    • Assetklassen,
    • Portfolioanteile.
  • Quantitative Angabe: Welcher Anteil der Gesamtemissionen ist bereits mit Zielen unterlegt?

Wer zusätzlich Zwischenziele (2027, 2030) einzieht, schafft intern einen echten Steuerungsrahmen – und extern Glaubwürdigkeit.

5.3 Datenlücken intelligent schließen – hier kommt KI ins Spiel

Gerade in der Kreditpraxis fehlen häufig belastbare Emissionsdaten der Firmenkunden. Hier lohnt sich ein strukturierter Ansatz, bei dem KI konkrete Mehrwerte bringt:

  • Intelligente Schätzung von Emissionen auf Basis von Branchen, Bilanzen und Aktivitätsdaten.
  • Automatisierte Klassifizierung von Kunden nach Sektor, NACE-Code und Klimarisiko.
  • Laufende Aktualisierung von Emissionsfaktoren und Szenariodaten.

FĂĽr die deutsche Banken- und Modebranche entsteht hier eine besonders spannende Schnittstelle:

Wer Kredite an Mode- und Textilunternehmen vergibt, kann KI nutzen, um Lieferketten-Emissionen, Materialeinsätze und Produktionsstandorte deutlich präziser abzubilden – und damit sowohl Klimarisiken als auch Innovationspotenziale in Richtung Kreislaufwirtschaft zu erkennen.


6. Ausblick: Vom Reporting zur echten Dekarbonisierung

Der Status quo zeigt: Europäische Banken haben bei Scope-3- und finanzierten Emissionen spürbar aufgeholt, aber die Branche steht noch am Anfang eines wirklich vergleichbaren, steuerungsfähigen Klimareportings.

Mit der CSRD, den ESRS und den aufsichtlichen Vorgaben zu ESG-Risiken steigt der Druck, aber auch die Chance:

  • Wer seine finanzierten Emissionen sauber erfasst, kann Portfolio-Entscheidungen gezielt an Klimazielen ausrichten.
  • Wer realistische, transparente Ziele setzt, schafft Vertrauen bei Investoren, Aufsicht und Kundschaft.
  • Wer Daten, KI und Fachwissen kombiniert, wird Dekarbonisierung nicht nur berichten, sondern tatsächlich im Kredit- und Investmentbuch verankern.

Die zentrale Frage für 2025 lautet daher weniger: „Wie kommen wir durch die Prüfung?“ sondern: „Wie nutzen wir Scope-3-Reporting als Steuerungsinstrument für unser Geschäftsmodell von morgen – auch in klimaintensiven Branchen wie Mode, Textil und Handel?“

Wer hier jetzt konsequent vorangeht, verschafft sich einen klaren Vorsprung – regulatorisch, strategisch und nicht zuletzt im Wettbewerb um die besseren Kund:innen.