RFEM 6 & RSTAB 9: Was die neuen Features wirklich bringen

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Neue Features in RFEM 6 und RSTAB 9 bringen Ingenieurbüros näher an Baustelle 4.0 – von Kombinationsassistenten über Köcherfundamente bis zur gRPC-API.

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Warum die neuen RFEM- und RSTAB-Versionen jetzt spannend sind

Viele Büros für Tragwerksplanung stehen aktuell unter doppeltem Druck: Projekte werden komplexer, Normen umfangreicher – und gleichzeitig fehlen im Team schlicht die Köpfe. Wer seine Statiksoftware da nicht intelligent einsetzt, verliert Zeit, Honorar und Nerven.

Genau an diesem Punkt setzen die aktuellen Neuerungen in RFEM 6, RSTAB 9 und den Add-Ons von Dlubal an. Hinter Stichworten wie multiple Kombinationsassistenten, Dlubal API (gRPC) oder 3D-DXF-Export steckt mehr als nur „nice to have“-Funktionalität. Richtig eingesetzt, sind das Bausteine für die Baustelle 4.0 – vom digital durchgängigen Modell bis hin zu automatisierten Routinen mit KI und Skripten.

In diesem Beitrag schauen wir uns die wichtigsten Neuerungen nicht nur funktional an, sondern vor allem aus der Praxisbrille: Wo sparen Sie konkret Zeit? Wie reduzieren Sie Fehler? Und wie zahlen die Funktionen auf Ihr digitales BĂĽro- und Baustellenkonzept ein?


1. Multiple Kombinationsassistenten: Ordnung in komplexen Lastsituationen

Mehrere Kombinationsassistenten in einem Modell zuzulassen, klingt unspektakulär – ist es aber nicht. Für komplexe Projekte mit unterschiedlichen Nutzungsszenarien ist das ein echter Produktivitätshebel.

Was ist neu?

  • Bis zu 5 Lastfallklassifizierungen in einem Modell
  • Bis zu 5 Kombinationsassistenten je Modell
  • Dadurch sauber getrennte Kombinationslogiken z.B. fĂĽr:
    • verschiedene Nutzungseinheiten in einem Gebäude
    • Bau- und Endzustand
    • unterschiedliche Normkonzepte (z.B. GerĂĽst vs. Endtragwerk)

Warum das fĂĽr den Arbeitsalltag wichtig ist

Bisher mussten viele Büros mit Workarounds arbeiten: separate Modelle, händische Anpassungen oder komplizierte Kombinationsstrukturen. Das erhöht das Fehlerrisiko massiv – gerade unter Zeitdruck.

Mit mehreren Assistenten lassen sich jetzt beispielsweise:

  • GerĂĽstzustand, Bauzustand und Endzustand sauber trennen,
  • verkehrsabhängige Lasten anders kombinieren als ständige Lasten,
  • Varianten durchspielen, ohne jedes Mal am gesamten KombinationsgerĂĽst zu schrauben.

Die Realität? In vielen Büros werden Lastkombinationen immer noch „irgendwie“ eingestellt. Wer hier konsequent mit getrennten, logisch aufgebauten Assistenten arbeitet, reduziert nicht nur Rechenzeit, sondern vor allem die Zahl der teuren Korrekturschleifen.


2. Linienkopplung: Saubere Verbindung statt Modellierungs-Tricks

Die neue Linienkopplung als eigener Linientyp sorgt dafür, dass Bauteile sauber verbunden werden – und nicht über unsichere Tricks mit Hilfslinien und Ersatzsteifigkeiten.

Kernfunktionen der Linienkopplung

  • Steife Verbindung zur nächstliegenden Struktur (z.B. Platte–Wand, Träger–Scheibe)
  • Konfigurierbare Suche nach Zielflächen bzw. -stäben:
    • Suchbereich definierbar
    • relevante Objekttypen wählbar
    • auszuschlieĂźende Objekte festlegbar
  • Liniengelenke können direkt in der Kopplung definiert werden

Praxisnutzen: Weniger Modellierungsfehler, klarere Statik

Gerade in 3D-Modellen kennt jeder das Problem: Kleine Abstände, minimale Versätze oder Toleranzen führen dazu, dass Bauteile rechnerisch gar nicht miteinander verbunden sind. Die Folge sind:

  • unplausible Verformungen,
  • scheinbar „freie“ Bauteile,
  • zeitraubende Fehlersuche.

Mit der automatisierten Suche nach nächstliegenden Objekten und definierter Kopplung werden diese Fehler deutlich seltener. Gleichzeitig bleibt das Modell übersichtlich – die Tragwirkung wird so modelliert, wie sie auch im Bauwerk gedacht ist.

Besonders spannend ist das fĂĽr:

  • Bestandsumbauten, bei denen Geometrien selten perfekt passen
  • Fertigteilprojekte, in denen AnschlĂĽsse oft ĂĽber mehrere Bauteile laufen
  • BIM-Workflows, bei denen Geometrien aus externen Modellen kommen

3. Dlubal API (gRPC): Der Weg Richtung KI-gestĂĽtzte Statikprozesse

Die neue gRPC-basierte Dlubal API ist aus Sicht von „Baustelle 4.0“ der vielleicht wichtigste Baustein. Sie öffnet RFEM und RSTAB für automatisierte und KI-gestützte Workflows.

Was die API ermöglicht

  • Zugriff auf nahezu alle Modellierungsfunktionen
  • Erstellen, Ă„ndern und Analysieren von Modellen ĂĽber Skripte oder externe Tools
  • Kommunikation ĂĽber gRPC – also effizient und sprachunabhängig

Damit lassen sich u.a. folgende Prozesse aufsetzen:

  • Serienstatiken fĂĽr wiederkehrende Bauteile (z.B. Hallenrahmen, StĂĽtzenreihen, Standardfundamente)
  • Variantenstudien: automatisiertes Durchrechnen von Geometrie- oder Lastvarianten
  • Qualitätssicherung: Skripte, die Modelle auf typische Fehler prĂĽfen (vergessene Auflager, unklassifizierte Lasten, fehlende Kombinationen)
  • Anbindung an eigene KI- oder Optimierungstools, z.B. fĂĽr materialsparende Tragstrukturen

Warum das zur deutschen Bauindustrie 4.0 passt

Viele deutsche IngenieurbĂĽros sind bereits sehr weit bei BIM und digitaler Planungskoordination. Was oft fehlt, ist die VerknĂĽpfung zur Statik auf Code-Ebene. Genau hier setzt die API an.

Ein realistisches Szenario:

  1. Ein Büro entwickelt ein Python-Skript, das aus wiederkehrenden Projektparametern (Raster, Höhen, Ausbaustufen) automatisch ein RFEM-Modell erzeugt.
  2. Das Skript nutzt die gRPC-API, legt Lastfälle an, startet die Berechnung und liest relevante Nachweise aus.
  3. Eine KI bewertet die Varianten (Materialverbrauch, CO₂, Kosten) und schlägt eine optimierte Lösung vor.

Das ist kein Science-Fiction-Szenario, sondern mit der aktuellen API-Generation technisch machbar. Wer jetzt beginnt, solche Workflows aufzubauen, verschafft sich einen klaren Vorsprung auf dem Markt.


4. Köcherfundamente & Gerüstlager: Mehr Realität in temporären Zuständen

Digitale Tragwerksplanung scheitert oft an den temporären Zuständen: Fundamente im Bauzustand, Gerüste, Baustützen. Genau dort setzen zwei Erweiterungen an: Köcherfundamente im Add-On Betonfundamente und Gerüstlager für temporäre Konstruktionen.

Köcherfundamente im Add-On Betonfundamente

Neu ist die Möglichkeit, im Betonfundament-Add-On Köcher- und Blockfundamente zu bemessen, inklusive:

  • BerĂĽcksichtigung glatter oder rauer Köcherinnenseiten
  • damit differenzierte Erfassung der Interaktion zwischen StĂĽtze und Fundament

In der Praxis heiĂźt das:

  • realistischere Bemessung von StĂĽtzenfĂĽĂźen bei Hallen, Stadien, Masten
  • weniger Sicherheitszuschläge „aus dem Bauch heraus“
  • bessere Dokumentation gegenĂĽber PrĂĽfingenieuren, da das Detail explizit nachgewiesen wird

Gerüstlager für temporäre Tragwerke

Für Arbeitsgerüste, Baustützen und andere temporäre Tragwerke lassen sich jetzt spezielle Gerüstlager definieren.

Besonders wichtig:

  • Nichtlinearität „GerĂĽstgelenk“ bei den Drehfreiheitsgraden φX und φY
  • modelliert das Verhalten gemäß EN 12811-1 und EN 1065

Warum das relevant ist:

  • Temporäre Zustände sind aus Sicht der Haftung kritische Szenarien.
  • GerĂĽste und BaustĂĽtzen werden oft vereinfacht gerechnet – oder nur ĂĽberschlägig.
  • Durch normkonforme GerĂĽstlager können BĂĽros diese Leistungen professionell anbieten und sauber dokumentieren.

Damit rückt ein bisher häufig stiefmütterlich behandelter Bereich stärker in das digitale Abbild des Projekts. Wer im Rahmen von „Baustelle 4.0“ ernsthaft über Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Haftung spricht, darf die temporären Tragwerke nicht ausklammern.


5. Wanderlasten auf Stäben: Komfort bei Verkehrslasten & Kranbahnen

Der Lastassistent Wanderlast konnte bisher schon auf Flächen genutzt werden. Jetzt lassen sich Wanderlasten auch auf Stäben generieren.

Technische Möglichkeiten

  • Generierung von Einzellasten oder Lastmodellen aus mehreren Lasten auf Stäben
  • komfortable Verschiebung der Lastposition entlang des Stabes

Typische Anwendungsfälle

  • Kranbahnen mit wandernden Radlasten
  • BrĂĽckenbauten mit bewegen­den Verkehrslastmodellen (z.B. LM1-artige Szenarien)
  • Fahrbalken und Transportachsen in Industriehallen

Statt dutzende Lastfälle händisch zu verschieben und zu erfassen, übernimmt der Assistent diese Routinearbeit. Die wirkliche Stärke zeigt sich, wenn das mit den multiplen Kombinationsassistenten kombiniert wird: Die Wanderlastfälle werden sauber in die relevanten Kombinationen eingebunden – ohne dass jemand in der Nacht vor der Abgabe noch Kombinationen nachpflegen muss.


6. Optimierte 3D-DXF-Exporte: BrĂĽcke zu CAD und Fertigung

Ein digitaler Workflow endet nicht bei der Nachweisführung. Er muss in Werkstattplanung, Fertigung und Montage anschlussfähig sein. Hier punkten die erweiterten DXF-Exportfunktionen.

3D-Szene als DXF exportieren

Neu ist die Möglichkeit, eine komplette 3D-Szene als DXF zu exportieren:

  • Export von Linien unter BerĂĽcksichtigung der eingestellten Sichtbarkeiten
  • je nach Rendering-Auswahl zusätzlich:
    • Berandungslinien von Stäben und Flächen
    • Mittellinien von Bewehrungen
    • grafische Darstellungen von StahlanschlĂĽssen

Das ist besonders hilfreich, wenn die Tragwerksplanung Grundlage fĂĽr weitere 3D-Bearbeitung ist:

  • Koordination in CAD-Umgebungen
  • Ableitung von Ăśbersichtszeichnungen
  • Ăśbergabe an Planungspartner ohne RFEM/RSTAB

3D-DXF aus dem Add-On StahlanschlĂĽsse

Im Add-On StahlanschlĂĽsse lassen sich nun aus der Anschlussgeometrie 3D-DXF-Modelle erzeugen:

  • Ausgabe eines nachvollziehbaren 3D-Linienmodells der AnschlĂĽsse
  • Einlesbar in gängige CAD-Programme
  • Weiterverarbeitung z.B. fĂĽr Detailplanung oder Fertigung

FĂĽr die Praxis bedeutet das:

  • weniger manuelle Nachzeichnung von AnschlĂĽssen in CAD,
  • weniger Missverständnisse zwischen Tragwerksplanung, Stahlbauer und Werkstattplanung,
  • ein klarer Schritt in Richtung durchgängigem digitalen Modell von der Vorstatik bis zur Fertigung.

Fazit: Jetzt die Weichen fĂĽr Baustelle 4.0 stellen

Die Neuerungen in RFEM 6, RSTAB 9 und den Add-Ons sind mehr als ein Funktions-Update. Sie bilden Bausteine fĂĽr eine integrierte, weitgehend automatisierbare Tragwerksplanung, die zur KI-getriebenen Baustelle 4.0 passt.

Die wichtigsten Hebel sind:

  • Mehr Struktur und Sicherheit bei Lastfällen und Kombinationen durch multiple Kombinationsassistenten
  • Realistischere Modelle dank Linienkopplung, Köcherfundamenten und GerĂĽstlagern
  • Automatisierung und KI-Anbindung ĂĽber die gRPC-basierte Dlubal API
  • Nahtlose Zusammenarbeit mit CAD, Fertigung und Partnern durch verbesserte 3D-DXF-Exporte

Wer diese Funktionen konsequent in seine Büroprozesse integriert, kann Routineaufgaben deutlich reduzieren – und gewinnt Kapazität für das, was in der Tragwerksplanung wirklich zählt: Ingenieurdenken statt Klickarbeit.

Wenn Sie sich fragen, wo Sie beginnen sollen, ist meine Empfehlung klar: Starten Sie mit einem Pilotprojekt, in dem Sie gezielt zwei Dinge kombinieren – z.B. Wanderlast-Assistent + Kombinationsassistenten oder API-Skript + wiederkehrende Bauteilfamilie. Genau dort entsteht der spürbare Produktivitätseffekt, der das Team überzeugt und den Weg Richtung digitaler, KI-unterstützter Tragwerksplanung ebnet.