RechtGPT und Microsoft Copilot machen Rechtsrecherche und Dokumentenbearbeitung in österreichischen Kanzleien deutlich effizienter – wenn sie richtig eingeführt werden.
Warum RechtGPT und Copilot österreichische Kanzleien jetzt ernst nehmen müssen
Die meisten Kanzleien verlieren jeden Tag mehrere Stunden an Arbeit, die eine KI heute schon besser und konsistenter erledigen könnte. Nicht irgendwann, sondern genau jetzt – in ganz normalen österreichischen Rechtsanwaltskanzleien, vom Einzelanwalt bis zur größeren Wirtschaftskanzlei.
RechtGPT und Microsoft Copilot gehören derzeit zu den spannendsten Bausteinen für KI-Rechtsrecherche und Dokumentenbearbeitung im deutschsprachigen Raum. Spätestens seit der Future-Law Legal Tech Konferenz 2025, bei der Michael Berg-Müller (Co-Founder von RechtGPT) einen eigenen Slot zu diesem Thema hatte, ist klar: Hier entsteht kein nettes Gadget, sondern ein neues Standardwerkzeug für Jurist:innen.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie RechtGPT und Copilot in einer österreichischen Kanzlei sinnvoll kombinieren können, wo die realen Produktivitätsgewinne liegen – und wo klare Grenzen und Haftungsfragen bleiben.
1. Was RechtGPT und Microsoft Copilot für Jurist:innen konkret leisten
RechtGPT ist auf juristische Inhalte spezialisiert, Microsoft Copilot ist tief in Office 365 integriert. Zusammen ergeben sie ein sehr schlagkräftiges Set für Rechtsanwält:innen, die ihren Arbeitsalltag strukturierter, schneller und dokumentierbarer gestalten wollen.
RechtGPT: Spezialisierte KI für Rechtsrecherche
RechtGPT zielt auf eine Kernaufgabe von Jurist:innen: Rechtsrecherche und juristische Argumentation.
Typische Einsatzszenarien:
- Strukturierte Recherche zu österreichischem Recht (und DACH-Raum)
- Erste Argumentationsskizzen zu einem konkreten Sachverhalt
- Erstellung von Checklisten (z.B. „Prüfungsschema Gewährleistungsansprüche“)
- Formulierungsvorschläge für Schriftsätze, Stellungnahmen, Gutachten
Statt „allgemeiner“ KI-Antworten erhalten Sie juristisch fokussierte Ausgaben. Wichtig ist: RechtGPT ersetzt nicht Ihre juristische Prüfung, sondern übernimmt den ersten groben Aufschlag, den Sie sonst mühsam in Kommentaren, RIS und Literatur zusammensuchen würden.
Microsoft Copilot: KI direkt in Word, Outlook & Teams
Copilot ist kein eigenständiges Rechts-Tool, sondern ein Assistent in den Programmen, die Sie ohnehin täglich verwenden:
- In Word: Entwürfe erstellen, strukturieren, kürzen, in klarere Sprache bringen
- In Outlook: Mails zusammenfassen, Antwortentwürfe generieren, Tonfall anpassen
- In Teams: Besprechungen protokollieren, To-dos extrahieren, Zusammenfassungen erstellen
- In PowerPoint: Folien aus bereits vorhandenen Dokumenten erstellen (z.B. Mandantenpräsentationen)
Die Stärke von Copilot: Er arbeitet auf Ihren eigenen Dokumenten innerhalb Ihrer Microsoft-365-Umgebung – also genau dort, wo Akten, Vertragsmuster und Schriftsätze ohnehin liegen.
2. Realistische Einsatzszenarien in österreichischen Kanzleien
Der Nutzen entsteht nicht durch bunte KI-Demos, sondern durch konkrete Workflows im Kanzleialltag. Hier ein paar typische Szenarien, die ich für realistisch – und sofort umsetzbar – halte.
a) Erste Rechtsrecherche + Strukturierung in RechtGPT
- Sachverhalt stichwortartig eingeben
- RechtGPT um eine Struktur bitten: einschlägige Rechtsgrundlagen, typische Streitpunkte, Beweisprobleme
- Ergebnis als rohes Gerüst für Ihre eigene Recherche verwenden
Sie gewinnen keine „fertige Lösung“, aber oft 30–50 % Zeit bei der Erstellung der ersten Gliederung und bei der Identifikation der relevanten Problemfelder.
b) Schriftsatz-Entwurf mit Copilot in Word
- Sie füttern Copilot mit: Mandanten-E-Mail, Notizen, einer alten Klage als Muster
- Copilot erstellt einen Entwurf, den Sie juristisch und stilistisch überarbeiten
Das beschleunigt vor allem Standardthemen:
- Leistungsklagen aus Dauerschuldverhältnissen
- Miet- und Wohnungseigentumsstreitigkeiten
- Arbeitsrechtliche Kündigungs- und Entlassungssachen
Der entscheidende Punkt: Sie bleiben Autor:in, Copilot ist nur ein sehr schneller juristischer Sekretär.
c) Vertragsprüfung und Änderungsentwürfe
Ein häufiger Wunsch aus der Praxis: „KI, sag mir, wo das Risiko ist.“ Ganz so einfach ist es nicht – aber einiges geht schon:
- Copilot kann lange Verträge zusammenfassen und wesentliche Klauseln hervorheben
- Sie können Änderungswünsche in natürlicher Sprache formulieren („Haftungsklausel kundenfreundlicher machen“) und Copilot arbeitet Änderungsvorschläge in Word ein
- In Kombination mit RechtGPT können Sie sich dann Argumentationslinien für Verhandlungen skizzieren lassen
d) Wissensmanagement und Kanzlei-Standards
Viele Kanzleien scheitern nicht an der Einzelfallbearbeitung, sondern an der systematischen Wiederverwendung von Wissen.
Kombination aus Copilot + RechtGPT:
- Copilot durchsucht Ihre internen Vorlagen und Schriftsätze und erstellt Vorschläge
- RechtGPT hilft, daraus Standardtexte, Checklisten und Klausel-Bibliotheken zu formen
Wer diesen Schritt konsequent geht, baut in wenigen Monaten ein sehr leistungsfähiges, KI-gestütztes Kanzlei-Wissenssystem auf.
3. Datenschutz, Berufsrecht und Haftung: Was österreichische Anwält:innen beachten müssen
Die Realität: Viele österreichische Rechtsanwält:innen sind nicht aus technischer Skepsis zurückhaltend, sondern aus Datenschutz- und Haftungsgründen. Das ist richtig so – aber es gibt saubere Wege.
DSGVO & Mandatsgeheimnis
Drei Grundregeln, die ich jeder Kanzlei empfehle:
- Keine sensiblen Mandantendaten in öffentliche KI-Tools eingeben
- Nur Lösungen verwenden, bei denen klar definiert ist, wo die Daten verarbeitet werden und wer Auftragsverarbeiter ist
- Technische und organisatorische Maßnahmen dokumentieren (z.B. im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten)
Mit professionell gehosteten Lösungen (z.B. unternehmensweite Copilot-Lizenzen, spezialisierte Recht-KI mit EU-Hosting) lässt sich das in Einklang mit DSGVO und dem anwaltlichen Verschwiegenheitsgebot bringen.
Haftung und „Halluzinationen“ der KI
KI-Modelle können falsche Zitate, erfundene Entscheidungen oder unpassende Argumente liefern. Das ist kein Randproblem, sondern systemimmanent.
Konsequenzen für die Praxis:
- Jeder KI-Output ist wie ein Praktikantenentwurf zu behandeln – nie wie ein Kommentartext
- Zitate und Normen IMMER gegenprüfen (RIS, Kommentare, Judikaturdatenbanken)
- In der internen Kanzlei-Policy klar festhalten, dass KI-Ergebnisse nicht ungeprüft an Mandanten gehen dürfen
Eine klare Haltung hilft auch bei der Kommunikation mit Mandant:innen: „Wir nutzen KI zur Effizienzsteigerung, aber nicht als Ersatz für anwaltliche Prüfung.“
4. Schritt-für-Schritt: So führen Sie RechtGPT & Copilot in Ihrer Kanzlei ein
Der größte Fehler ist der Versuch, alles auf einmal zu machen. Besser ist ein pragmatischer, klar strukturierter Einstieg in drei Phasen.
Phase 1: Pilotprojekt mit begrenztem Anwendungsfall
- Einen Anwendungsfall wählen (z.B. Vertragszusammenfassungen oder Standardklagen)
- Ein kleines Team (2–4 Personen) definiert: Was genau soll KI hier leisten?
- Tools: Copilot in Word/Outlook plus testweise RechtGPT für Recherche und Argumentationen
Ziel der Pilotphase: Konkrete Zeitersparnis messen und Stolpersteine erkennen.
Phase 2: Prozesse & Standards definieren
Wenn der Pilot funktioniert, braucht es Regeln:
- Welche Daten dürfen in welches Tool? (internes KI-Handbuch)
- Wie wird der KI-Einsatz dokumentiert? (z.B. Notiz im Akt: „Erstentwurf mit KI, geprüft am …“)
- Welche Prompts funktionieren gut? (Best-Practice-Sammlung für die Kanzlei)
Gerade Prompts sind ein unterschätzter Hebel. Beispiel für eine brauchbare Formulierung:
„Du bist österreichische:r Rechtsanwält:in im Zivilrecht. Analysiere folgenden Sachverhalt, identifiziere die relevanten Anspruchsgrundlagen nach ABGB und strukturiere die Prüfung in römischen Ziffern.“
Phase 3: Skalierung und Schulung
- Schulungen für das gesamte Team (inkl. Sekretariat und Konzipient:innen)
- Aufbau einer Kanzlei-internen Prompt-Bibliothek
- Regelmäßige Reviews: Was bringt messbar Zeit, was nicht?
Wer diesen Prozess ernsthaft durchzieht, landet nicht bei „wir probieren mal KI“, sondern bei einem stabilen, wiederholbaren System.
5. Woran man sinnvollen KI-Einsatz von Spielerei unterscheidet
Viele Kanzleien testen KI, sind kurz beeindruckt – und dann versandet alles. Der Unterschied machen ein paar recht nüchterne Kriterien.
Sinnvoller KI-Einsatz liegt vor, wenn:
- ein Prozess schneller wird (messbar, z.B. -30 % Bearbeitungszeit)
- die Fehlerquote sinkt (z.B. weniger Tippfehler, konsistentere Struktur)
- Wissen besser wiederverwendet wird (Standardtexte, Vorlagen, Checklisten)
Spielerei ist es, wenn:
- nur einmalige „Wow“-Demos gezeigt werden
- kein klarer Anwendungsfall definiert ist
- niemand Verantwortung für den weiteren Ausbau übernimmt
Gerade hier können Veranstaltungen wie die Future-Law Legal Tech Konferenz helfen: Man sieht konkrete Beispiele, spricht mit anderen Kanzleien, die ähnliche Probleme haben, und merkt schnell, was im Alltag tatsächlich funktioniert.
6. Warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist – gerade in Österreich
Österreichische Kanzleien sind im KI-Einsatz nicht so weit hinten, wie oft behauptet wird – aber viele bleiben bewusst abwartend. Das birgt Chancen für jene, die sich jetzt strukturiert damit beschäftigen.
Drei Punkte sprechen aktuell dafür, 2025 ernsthaft mit RechtGPT & Copilot zu arbeiten:
- Technologie-Reife: Die Modelle sind stabil genug, um produktiv genutzt zu werden – nicht perfekt, aber verlässlich als Assistent.
- Österreich-Fokus: Spezialisierte Tools wie RechtGPT berücksichtigen die Besonderheiten des österreichischen Rechts, was für den Alltag entscheidend ist.
- Markterwartung: Mandant:innen erwarten zunehmend nachvollziehbare Effizienz. Wer KI sinnvoll nutzt, kann festere Pauschalen anbieten, ohne Marge zu verlieren.
Die spannende Frage ist weniger „Ob“ als „Wie“: Wer baut sich jetzt die richtigen Workflows, wird in zwei Jahren den klaren Produktivitätsvorsprung haben.
Fazit: KI-Rechtsrecherche und Dokumentenbearbeitung als neuer Kanzleistandard
RechtGPT und Microsoft Copilot sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern Werkzeuge, mit denen österreichische Rechtsanwält:innen heute ihre Rechtsrecherche und Dokumentenbearbeitung deutlich effizienter gestalten können – vorausgesetzt, sie werden bewusst, kontrolliert und mit klaren Prozessen eingesetzt.
Wer klein anfängt, einen klaren Pilotbereich definiert, Datenschutz und Haftung professionell klärt und das Team schult, kann innerhalb weniger Monate spürbare Effekte sehen: schnellere Entwürfe, bessere Struktur, konsistentere Qualität.
Die eigentliche strategische Frage lautet: Wer gestaltet den Einsatz von KI aktiv – und wer lässt sich in zwei, drei Jahren vom Markt dazu zwingen? Wenn Ihre Kanzlei zur ersten Gruppe gehören soll, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit RechtGPT und Microsoft Copilot ernsthaft zu starten.