openBIM Awards 2025: Was Ă–sterreichs Bauindustrie lernen muss

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Die openBIM Awards 2025 zeigen, wie KI, openBIM und digitale Zwillinge internationale Bauprojekte prägen – und was die österreichische Bauindustrie jetzt daraus lernen sollte.

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Warum die openBIM Awards 2025 fĂĽr Ă–sterreich relevant sind

Neun prämierte Projekte, zwei Special Mentions – und ein klares Signal: openBIM und KI sind nicht mehr Experiment, sondern globaler Standard. Auf dem buildingSMART International Summit in Berlin wurden am 24.09.2025 die Gewinner der buildingSMART openBIM Awards 2025 ausgezeichnet. Was auf den ersten Blick wie eine weitere Preisverleihung wirkt, ist in Wahrheit ein Blick in die Zukunft der Bauwirtschaft.

Für die österreichische Bauindustrie ist das hochinteressant. Viele Themen, für die hierzulande noch Pilotprojekte gestartet werden, laufen international bereits in Großserie: digitale Zwillinge im Betrieb, KI-gestützte openBIM-Klassifikation, automatische Mengenermittlung, openBIM-basierte Nachhaltigkeit. Wer jetzt weiter mit PDFs, Insellösungen und proprietären Datenformaten arbeitet, verliert mittelfristig den Anschluss.

In diesem Beitrag geht es nicht primär darum, wer welchen Preis gewonnen hat, sondern was diese Gewinnerprojekte konkret vormachen – und wie sich das für digitale Baustellen, KI und openBIM in Österreich nutzen lässt.


KurzĂĽberblick: Die Gewinner der openBIM Awards 2025

Die Awards decken den gesamten Lebenszyklus von Bauprojekten ab – von Planung über Bau und Betrieb bis Forschung und Technologie. Hier die Kategorien mit den jeweiligen Gewinnern:

  • Construction – Buildings: Terminal 3, Flughafen Guangzhou Baiyun (China)
  • Construction – Infrastructure: openBIM-Management fĂĽr groĂźe Eisenbahnprojekt-Cluster (China)
  • Design – Buildings: „BIM is Magical“ – datengetriebener Hochhausentwurf (Deutschland)
  • Design – Infrastructure: Automatisierte Datenkopplung von Planung zu Mengenermittlung (Japan)
  • Operations: „The Henderson“ – openBIM ĂĽber den gesamten Gebäudelebenszyklus (Hongkong)
  • Professional Research: Open-Source Digital Twin Plattform fĂĽr staatliche Liegenschaften (Kanada)
  • Student Research: openBIM-basierter Datensatz fĂĽr Scan-to-BIM (China)
  • Sustainability: „Lee Garden Eight“ – digitales Nachhaltigkeits-Vorzeigeprojekt (Hongkong)
  • Technology: Qonic Intelligence – openBIM-Klassifikation mit KI (Belgien)
  • Special Mentions: Verkehrsministerium Queensland (Australien) und HDR (USA) fĂĽr nationale openBIM-Standards

Das Muster dahinter ist klar: Offene Standards + strukturierte Daten + KI + klare Prozesse. Genau diese Kombination braucht es, um echte „digitale Baustellen“ aufzubauen.


Was die Gewinner ĂĽber den Stand von openBIM und KI verraten

Die Gewinnerprojekte zeigen sehr deutlich, wohin die Reise geht. Sie lassen sich grob in vier Schwerpunkte einteilen, die auch fĂĽr Ă–sterreich direkt relevant sind.

1. Großprojekte brauchen offene Daten – sonst explodieren die Kosten

Die ausgezeichneten Infrastruktur- und Flughafenprojekte beweisen: Je größer und komplexer ein Projekt, desto teurer werden proprietäre Dateninseln.

  • Der Terminal 3 in Guangzhou nutzt openBIM, um Planung, Bau und Qualitätssicherung ĂĽber viele Gewerke und Lieferanten hinweg zu koordinieren.
  • Die chinesische Eisenbahngesellschaft steuert Super-Cluster von Bahnprojekten mit offenen Standards – ein Szenario, das sich 1:1 auf lange Bahntrassen, Tunnel oder Autobahnprojekte in Ă–sterreich ĂĽbertragen lässt.

FĂĽr heimische Bauherren und Generalunternehmer bedeutet das:

Wer heute Infrastrukturprojekte ohne konsequente openBIM-Strategie startet, zahlt morgen mehrfach drauf – in Koordination, Nachträgen und Betrieb.

2. KI und openBIM wachsen zusammen

Besonders spannend für die Kampagne „KI in der österreichischen Bauindustrie“: Das Technologie-Projekt „Qonic Intelligence (QI): Applying openBIM Classification through Advanced AI“ zeigt, wo KI aktuell echten Mehrwert stiftet.

Statt KI als „Zauberstab“ zu verkaufen, adressiert QI ein sehr konkretes Problem: Klassifikation und Strukturierung von BIM-Daten. Genau damit kämpfen viele österreichische Unternehmen:

  • Bauteile werden je nach Software, BĂĽro oder Gewerk unterschiedlich benannt.
  • Automatische Auswertungen (Kosten, Mengen, COâ‚‚, Termine) scheitern an inkonsistenten Attributen.
  • Jede Ausschreibung muss „händisch passend gemacht“ werden.

KI kann hier, basierend auf openBIM-Modellen (IFC), automatisch Vorschläge für Klassifikationen machen, Fehler erkennen und Daten vereinheitlichen. Das funktioniert nur, wenn das Modell:

  • in offenen Standards vorliegt,
  • gut strukturiert ist,
  • und in klaren Prozessen gepflegt wird.

Die Konsequenz für Österreich: Ohne openBIM keine saubere KI – und ohne saubere KI bleiben viele „digitale Baustellen“-Versprechen graue Theorie.

3. Bau und Betrieb verschmelzen – Digital Twin als Normalfall

Gleich mehrere Gewinnerprojekte arbeiten mit Digital Twins und lebenszyklusweiten Informationsmodellen:

  • „The Henderson“ nutzt openBIM vom Entwurf ĂĽber den Bau bis in den Betrieb.
  • Die kanadische Forschungsarbeit baut eine Open-Source Digital Twin Plattform fĂĽr Bundesliegenschaften.

Für Immobilienbesitzer, öffentliche Auftraggeber und FM-Dienstleister in Österreich ist das eine klare Perspektive:

  • Einmal sauber modellieren,
  • ĂĽber Jahrzehnte im Betrieb nutzen,
  • und Daten in Instandhaltung, Umbau, ESG-Reporting und Portfolio-Management verwenden.

Wer seine Daten bis heute bei Übergabe an den Betreiber „hart abschneidet“ (PDF, 2D-Pläne, Excel), verbrennt Wert. Digitale Baustellen müssen den Betrieb von Anfang an mitdenken.

4. Nachhaltigkeit braucht Daten – nicht nur schöne Berichte

Der Sustainability-Award für „Lee Garden Eight“ ist keine Auszeichnung für ein PR-Konzept, sondern für messbare Nachhaltigkeit auf Basis von openBIM-Daten:

  • Ă–kobilanzen basieren auf verknĂĽpften Bauteilinformationen.
  • Variantenvergleiche werden datengestĂĽtzt statt „aus dem Bauch“ getroffen.
  • Betriebsszenarien lassen sich im Digital Twin simulieren.

Österreich steht mit EU-Taxonomie, CSRD und ESG-Druck von Investoren deutlich unter Zugzwang. Ohne belastbare digitale Gebäudedaten wird nachhaltiges Bauen zum Ratespiel.


Konkrete Lektionen fĂĽr digitale Baustellen in Ă–sterreich

Die Awards liefern mehr als schöne Beispiele – sie sind eine praktische Checkliste, wo österreichische Unternehmen ansetzen sollten.

1. openBIM als Unternehmensstrategie, nicht als Software-Feature

Viele Firmen behandeln openBIM noch wie „ein weiteres Exportformat“ im CAD. Die Gewinnerprojekte zeigen: openBIM ist eine strategische Entscheidung.

Was das in der Praxis heiĂźt:

  • Klare BIM- und openBIM-Ziele festlegen (z.B. 100% IFC-basierte Ăśbergabe an den Betrieb, modellbasierte Mengenermittlung, modellbasierte Terminplanung).
  • Vertraglich auf offene Standards bestehen (BAP, AIA, EIR mit expliziten openBIM-Anforderungen).
  • Rollen und Verantwortlichkeiten definieren (BIM-Manager, Information Manager, Data Steward).
  • Schulung und Zertifizierung: Mitarbeitende in Planung, Bauleitung und Kalkulation konsequent auf openBIM ausrichten.

2. Pilotprojekte bewusst wählen – und messbar machen

Die internationalen Preisträger hatten eines gemeinsam: klare Use Cases. Keiner wollte „BIM für alles“, sondern hat spezifische Ziele definiert.

FĂĽr Ă–sterreich sinnvoll sind beispielsweise Piloten zu:

  • modellbasierter Mengenermittlung (analog zum japanischen Gewinnerprojekt),
  • KI-unterstĂĽtzter Bauteilklassifikation (in Anlehnung an Qonic Intelligence),
  • digitalem Baufortschritt mit openBIM und mobilen Tools auf der Baustelle,
  • Ăśbergabe eines Digital Twins an den Betreiber bei einem öffentlichen Neubau.

Wichtig ist, von Beginn an Kennzahlen mitzudenken, etwa:

  • Reduktion von Planungsänderungen um x%,
  • weniger Nachträge,
  • schnellere Freigabeprozesse,
  • messbare Einsparung von COâ‚‚ durch Variantenvergleiche.

3. KI gezielt einsetzen – dort, wo heute manuell gelitten wird

KI in der Bauindustrie ist dann sinnvoll, wenn sie konkrete, repetitive Aufgaben ĂĽbernimmt, etwa:

  • Klassifikation von Bauteilen auf Basis von IFC-Modellen,
  • automatisches Erkennen von Planungs- oder Modellierungsfehlern,
  • Vorschläge fĂĽr Bauteilvarianten unter Kosten- oder COâ‚‚-Gesichtspunkten,
  • Auslesen von Informationen aus gescannten Bestandsgebäuden (Scan-to-BIM).

Das Student-Projekt der Tsinghua-Universität („BIMNet“) zeigt, wie Scan-to-BIM auf openBIM-Datenbasis funktionieren kann. Für die Sanierungswelle im österreichischen Bestand (Wohnbau, öffentliche Gebäude, Infrastruktur) ist genau das zentral.

Mein Rat: Klein starten, klar fokussieren, dann skalieren. KI nicht als „Laborthema“ in der IT lassen, sondern direkt in reale Projekte bringen.

4. Zusammenarbeit neu denken – raus aus dem E-Mail-Chaos

Die ausgezeichneten Projekte eint ein hoher Grad an digitaler Kollaboration:

  • gemeinsame Datenumgebungen (CDE),
  • standardisierte Workflows,
  • eindeutige Verantwortlichkeiten,
  • klar definierte Informationslieferungen (IDS, IDM, BCF etc.).

Für österreichische Projektteams heißt das konkret:

  • Weg von E-Mail-„Ping-Pong“ mit Plänen und PDFs,
  • hin zu modellbasierter Kommunikation mit BCF und CDE,
  • regelmäßige, datenbasierte Koordinationsrunden (Model Checks statt reiner PlanprĂĽfungen),
  • einheitliche Namenskonventionen, Strukturen und Attributsets.

Digitale Baustellen funktionieren nur, wenn Prozesse und Kultur mitziehen – nicht, wenn lediglich Softwarelizenzen gekauft werden.


Was jetzt zu tun ist: Nächste Schritte für Bauunternehmen in Österreich

Wer die openBIM Awards 2025 als Trendbarometer liest, bekommt eine klare Botschaft:

Unternehmen, die openBIM und KI heute strukturiert angehen, setzen den Standard, an dem andere sich in fĂĽnf Jahren messen lassen mĂĽssen.

Sofort umsetzbare Schritte

  1. Statuscheck durchfĂĽhren

    • Welche Projekte nutzen bereits BIM?
    • Wo werden offene Formate produktiv eingesetzt – und wo nur „als Export“?
    • Wo entstehen heute MedienbrĂĽche (Excel, PDF, E-Mail)?
  2. Use Cases priorisieren

    • 1–2 konkrete Anwendungsfälle wählen (z.B. modellbasierte Mengenermittlung + KI-gestĂĽtzte Klassifikation).
    • Beteiligte Rollen, Tools und KPIs definieren.
  3. Kompetenzen aufbauen

    • Mitarbeitende zu openBIM-Standards (IFC, IDS, BCF) schulen.
    • Grundlagenwissen zu KI im Baukontext vermitteln – praxisnah, nicht akademisch.
  4. Partner und Ă–kosystem nutzen

    • mit PlanungsbĂĽros, Softwareanbietern und Forschungseinrichtungen kooperieren,
    • sich in buildingSMART-Communities und Arbeitsgruppen einbringen.
  5. Roadmap 2026–2028 entwickeln

    • Wo soll das Unternehmen 2028 stehen?
    • Welche Projekte eignen sich als weitere „LeuchttĂĽrme“?
    • Wie wird das Thema in Unternehmensstrategie und Vertrieb verankert?

Gerade jetzt – Ende 2025, vor einer neuen Bausaison und verschärften ESG-Anforderungen – ist der richtige Zeitpunkt, das Thema nicht mehr „nebenbei“ laufen zu lassen.


Fazit: openBIM Awards als Kompass fĂĽr digitale Baustellen

Die buildingSMART openBIM Awards 2025 zeigen sehr deutlich, wohin sich die globale Bau- und Immobilienbranche entwickelt: offene Datenstandards, interoperable Prozesse, KI als produktives Werkzeug und digitale Zwillinge ĂĽber den gesamten Lebenszyklus.

Für die österreichische Bauindustrie ist das keine entfernte Zukunft, sondern ein realistischer Fahrplan für die nächsten drei bis fünf Jahre. Wer heute beginnt, openBIM konsequent einzuführen und gezielt KI-Anwendungen auf digitalen Baustellen zu testen, wird morgen zu den Unternehmen gehören, die Projekte sicher, transparent und wirtschaftlich abwickeln – und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele belegbar erreichen.

Die Frage ist also weniger, ob openBIM und KI kommen, sondern wie schnell Sie sich darauf einstellen. Wenn Sie aus den Gewinnerprojekten von 2025 konsequent lernen, könnte Ihr Projekt in ein paar Jahren sehr gut zu den nächsten Preisträgern gehören.