Microsoft Copilot verstehen: Wie Uhrzeit und Gerät die KI-Nutzung verändern

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Microsofts Copilot-Studie zeigt: TagsĂĽber ist KI BĂĽro-Kollege, abends Vertrauensperson. Was das fĂĽr Marketing, Vertrieb und deine KI-Strategie bedeutet.

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Warum die Copilot-Studie fĂĽr Marketing & Vertrieb ein Weckruf ist

Zwischen Januar und September 2025 haben Menschen 37,5 Millionen Unterhaltungen mit Microsoft Copilot geführt. Ausgewertet wurde nicht, was sie im Detail gesagt haben, sondern wofür sie die KI genutzt haben – und vor allem wann.

Das Ergebnis: Copilot verhält sich tagsüber wie ein Kollege im Büro und abends wie ein vertrauter Ratgeber in der Hosentasche. Genau das macht die Studie so spannend für alle, die Marketing, Vertrieb und Customer Experience verantworten. Denn sie zeigt, wie sich Nutzererwartungen an KI-Assistenten in Rekordtempo verschieben – weg vom reinen Produktivitäts-Tool hin zum persönlichen Sparringspartner.

In diesem Beitrag schauen wir uns an:

  • wie Menschen Copilot je nach Uhrzeit und Gerät nutzen,
  • warum KI schon heute aktiv in Entscheidungen einbezogen wird,
  • was das fĂĽr Marketing- und Vertriebsteams in Deutschland konkret bedeutet,
  • und wie du aus den Erkenntnissen eine eigene KI-Strategie fĂĽr deinen Arbeitsalltag ableitest.

1. Copilot am Desktop vs. Smartphone: Ein System, zwei Rollen

Die Kernbotschaft der Microsoft-Studie ist klar: Der Kontext bestimmt die Rolle der KI.

Desktop: Die KI als Kollegin im Arbeitsalltag

Auf Desktop-Rechnern dominiert Copilot zwischen 8 und 17 Uhr mit klaren Business-Themen:

  • Arbeit und Karriere
  • Technologie
  • Wissenschaft und Bildung

Nutzer:innen fragen nach:

  • UnterstĂĽtzung bei Dokumenten, Präsentationen und E-Mails
  • Hilfe bei technischen Problemen, Programmierung, Fehlersuche
  • Strukturierung von Reports, Analysen und Argumentationen

Die KI ist hier ein Produktivitäts-Boost: Sie übernimmt Routine, sortiert Informationen und formuliert erste Entwürfe, damit Menschen schneller entscheiden oder produzieren können.

Smartphone: Die KI als persönliche Vertrauensperson

Auf dem Smartphone sieht das komplett anders aus. Rund um die Uhr dominiert ein Thema:

Gesundheit und Fitness – kombiniert mit Informationssuche und persönlicher Beratung.

Das ist ein starkes Signal: Viele Menschen nutzen Copilot (und ähnliche Assistenten) auf dem Handy nicht nur wie eine Suchmaschine, sondern wie eine vertraute Person, die man zu unsicheren oder privaten Themen befragt.

Typische Nutzungsszenarien:

  • „Was bedeutet dieser medizinische Begriff aus meinem Befund?“
  • „Wie strukturiere ich meinen Tag, um Stress zu reduzieren?“
  • „Was könnte hinter diesen Symptomen stecken – und ab wann sollte ich zum Arzt?“

Die KI wird zur Low-Barrier-Anlaufstelle: anonym, immer verfĂĽgbar, nicht wertend. Genau deshalb trauen sich Nutzende, Fragen zu stellen, die sie einem Menschen vielleicht nicht sofort stellen wĂĽrden.


2. Vom Code-Helfer zum Alltagsberater: KI-Nutzung wird breiter und emotionaler

Zwischen Januar und September 2025 hat sich der Fokus in den Copilot-Chats spĂĽrbar verschoben.

Weniger Programmierfragen, mehr Kultur und Geschichte

Microsoft beobachtet:

  • RĂĽckgang von Unterhaltungen rund um Programmierung und technische Spezialfälle
  • Zunahme von Gesprächen ĂĽber Kultur, Geschichte und allgemeine Wissensfragen

Das zeigt zwei Dinge:

  1. KI ist endgĂĽltig im Mainstream angekommen. Nicht mehr nur Developer oder Techies nutzen Assistenten, sondern Menschen mit sehr unterschiedlichen HintergrĂĽnden und Interessen.
  2. Themen werden breiter, menschlicher, lebensnäher. Es geht nicht mehr nur darum, Code zu generieren, sondern Zusammenhänge zu verstehen, Diskussionen vorzubereiten oder sich Inspiration zu holen.

Deutlich mehr persönliche Beratung und Entscheidungsunterstützung

Parallel dazu steigt laut Studie die Zahl der Gespräche, in denen Nutzer:innen konkret um Rat bitten – also nicht nur: „Gib mir Informationen“, sondern:

  • „Was wĂĽrdest du empfehlen?“
  • „Welche Option ergibt mehr Sinn?“
  • „Hilf mir, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.“

Damit rĂĽckt KI in eine Rolle, die vorher eher Coaches, Kolleg:innen oder Freund:innen hatten: Entscheidungs-Sparringspartner.

Dass auch andere Anbieter wie OpenAI oder Anthropic ähnliche Muster sehen, passt dazu. Besonders Jüngere binden Chatbots bereits so in ihren Alltag ein, dass sie kaum noch eine wichtige Entscheidung treffen, ohne zumindest kurz die KI zu befragen.

FĂĽr Unternehmen bedeutet das:

Wer KI im Kundenkontakt nutzt, baut nicht nur ein weiteres Tool – er baut eine Beziehungsebene.


3. Was das fĂĽr Marketing & Vertrieb in Deutschland konkret bedeutet

Für die Kampagne „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ ist diese Studie ein perfektes Praxisbeispiel. Sie zeigt, wie stark Zeit, Kontext und Endgerät darüber entscheiden, welche Art von KI-Erlebnis funktioniert.

a) Tageszeit-gerechte Inhalte: Andere KI-Jobs um 10 Uhr als um 22 Uhr

Wenn du KI in Marketing und Vertrieb einsetzt (etwa als Chatbot, Copilot im CRM oder Assistent auf deiner Website), solltest du dir eine einfache Frage stellen:

„Welche Aufgaben haben meine Nutzer:innen um 10 Uhr morgens – und welche um 22 Uhr abends?“

Konkrete Ableitungen:

  • Vormittags / BĂĽrozeiten

    • Fokus auf Effizienz, Business Cases, Produktinfos
    • KI-Assistent hilft bei:
      • Produktvergleichen
      • ROI-Rechnungen
      • Einwänden im B2B-Vertrieb
    • Beispiel: Ein Copilot im CRM, der Vertriebler:innen Live-Vorschläge fĂĽr Argumente, Mails oder Angebotsbausteine liefert.
  • Abends / Wochenende

    • Fokus auf persönlichen Nutzen, Sicherheit, Vertrauen
    • KI-Assistent hilft bei:
      • „Passt dieses Produkt wirklich zu meiner Situation?“
      • „Wie wirkt sich diese Entscheidung langfristig auf mich aus?“
    • Beispiel: Ein Versicherungs- oder Finanz-Chatbot, der Szenarien in Alltagssprache erklärt und nichts verkauft, sondern versteht, sortiert, erklärt.

Wer das ignoriert, konzipiert KI-Erlebnisse wie starre FAQ-Listen. Wer es ernst nimmt, baut zeit- und kontextabhängige Journeys, bei denen die KI zur richtigen Zeit die passende Rolle übernimmt.

b) Desktop vs. Mobile: Ein Assistent, zwei Persönlichkeiten

Die Microsoft-Daten legen nahe: Nutzer:innen interagieren mit dem gleichen System anders, je nachdem, ob sie am PC oder am Handy sitzen.

Translated fĂĽr Marketing & Vertrieb:

  • Am Desktop

    • Nutzer:innen sind oft im Arbeitsmodus.
    • Erwartung: Klarheit, Struktur, Geschwindigkeit.
    • KI sollte wie eine kompetente Kollegin auftreten: präzise, sachlich, mit Fokus auf Aufgaben und Ergebnisse.
  • Am Smartphone

    • Nutzer:innen sind eher im Privat- oder Ăśbergangsmodus (Unterwegs, Couch, Feierabend).
    • Erwartung: Verständnis, Einordnung, niedrigschwellige Hilfestellung.
    • KI darf persönlicher, empathischer, erklärender sein – ohne Marketingdruck.

Praktischer Tipp:

  • Definiere bewusst zwei Personas fĂĽr deinen KI-Assistenten
    • „Business-Kollege“ (Desktop): effizient, direkt, zahlenorientiert.
    • „Vertrauensperson“ (Mobile): ruhig, erklärend, fragend statt drängend.
  • Technisch lässt sich das z.B. ĂĽber unterschiedliche Prompt-Profile je nach Endgerät oder Kanal abbilden.

c) KI als Entscheidungspartner – nicht nur als Automatisierungs-Tool

Viele Unternehmen denken bei KI zuerst an Automation: weniger manuelle Eingaben, weniger Supportaufwand, mehr Self-Service.

Die Studie zeigt aber: Menschen wollen nicht nur Arbeit abgeben, sie wollen auch besser entscheiden.

FĂĽr Marketing & Vertrieb heiĂźt das:

  • Baue Funktionen ein, die Nutzer:innen helfen, sich selbst klarer zu werden:
    • „Formuliere meine Anforderungen an Produkt X.“
    • „Fasse meine wichtigsten Kriterien fĂĽr eine Entscheidung zusammen.“
    • „Zeige mir die Unterschiede zwischen Angebot A, B und C in einfacher Sprache.“
  • Lass die KI transparent argumentieren, statt nur eine Empfehlung auszusprechen:
    • „Auf Basis deiner Angaben sprechen drei Punkte eher fĂĽr Tarif B: …“

Wer das ernst nimmt, schafft echten Mehrwert und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen

  • sich verstanden fĂĽhlen,
  • Entscheidungen nicht aufschieben,
  • und dir die finale Conversion auch zutrauen.

4. Vertrauensfrage: Wie gehst du mit sensibler KI-Nutzung um?

Wenn Nutzer:innen mit einer KI über Gesundheit, Finanzen oder persönliche Sorgen sprechen, reden wir nicht mehr über ein nettes Feature, sondern über ein Vertrauensverhältnis.

Die Microsoft-Studie betont, dass fĂĽr ihre Auswertung

  • 37,5 Millionen Konversationen anonymisiert wurden,
  • personenbezogene Daten automatisiert entfernt wurden,
  • keine menschlichen PrĂĽfer:innen Einblick in die Inhalte hatten,
  • und Business- und Schulkonten auĂźen vor blieben.

Unternehmen, die KI-Assistenten einfĂĽhren, sollten daraus mindestens drei Dinge ableiten:

  1. Datenschutz klar und sichtbar erklären
    Nicht im Kleingedruckten, sondern direkt im Interface der KI: Was wird gespeichert? Was nicht? Wer sieht die Inhalte? Wie lange bleiben sie im System?

  2. Sensibilisierung der Teams
    Vertrieb, Marketing und Service müssen verstehen, dass KI-Chats oft deutlich sensibler sind als klassische Website-Formulare. Datenschutz ist hier nicht nur Compliance, sondern Vertrauenswährung.

  3. Ethik und Grenzen definieren
    Gerade bei Themen wie Gesundheit, Finanzen oder Lebensentscheidungen braucht es klare Leitplanken:

    • Welche Empfehlungen darf die KI geben – welche nicht?
    • Ab wann wird an eine menschliche Beratung ĂĽbergeben?
    • Wie gehen wir mit Unsicherheit um (z.B. kennzeichnen, dass es nur eine Einschätzung ist)?

Wer diese Fragen sauber beantwortet, schafft die Basis dafür, dass Kund:innen KI-Assistenten gern und regelmäßig nutzen – und sie nicht nach der ersten Unsicherheit wieder meiden.


5. Konkrete Schritte: So nutzt du die Copilot-Erkenntnisse fĂĽr deinen Alltag

Zum Abschluss einige praxisnahe Schritte, wie du die Studienergebnisse direkt in deinem Unternehmen nutzen kannst – egal ob du in Marketing, Vertrieb oder Geschäftsführung sitzt.

Schritt 1: Eigene Nutzungsdaten analysieren

Auch ohne Microsoft-Daten kannst du vieles selbst herausfinden:

  • Zu welchen Uhrzeiten wird dein Chatbot / KI-Assistent genutzt?
  • Von welchen Geräten (Desktop, Mobile, Tablet)?
  • Welche Themenkategorien tauchen besonders oft auf (z.B. Preise, Produktvergleich, Sicherheit, Beschwerden)?

Schon ein einfacher Export aus Analytics- oder Chat-Systemen liefert erstaunliche Hinweise.

Schritt 2: Rollen der KI klar definieren

Formuliere fĂĽr dein Unternehmen schriftlich:

  • Welche Rolle die KI im Arbeitskontext spielen soll (z.B. „Vertriebs-Copilot“ im CRM).
  • Welche Rolle sie im Kundenkontext hat (z.B. „Erklärende Beraterin ohne Verkaufsdruck“).

Diese Klarheit hilft enorm bei:

  • der Prompt-Gestaltung
  • der Tonalität
  • und der Erwartungssteuerung intern wie extern.

Schritt 3: Journeys nach Uhrzeit und Gerät gestalten

Starte klein, aber bewusst:

  • Definiere 2–3 typische Szenarien fĂĽr Desktop tagsĂĽber.
  • Definiere 2–3 typische Szenarien fĂĽr Mobile abends.
  • Passe Prompts, Antwortlängen und Tonalität entsprechend an.

Das ist kein riesiges IT-Projekt, sondern oft eine Frage von konsequentem Design und sauberer Umsetzung.

Schritt 4: Vertrieb & Marketing schulen

Viele KI-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass Teams sie falsch oder gar nicht nutzen.

Sinnvolle Bausteine fĂĽr ein kompaktes Enablement:

  • Beispiele fĂĽr gute Prompts im Vertriebsalltag
  • Do’s & Don’ts fĂĽr Beratungs-Szenarien (was KI darf, was nicht)
  • Klarheit, wie mit Unsicherheiten umzugehen ist („Diese Antwort ersetzt keine rechtliche Beratung …“)

Ausblick: KI als Standard-Begleiter – auch in deutschen Unternehmen

Die Microsoft-Copilot-Studie zeigt, wie schnell sich unser Verhältnis zu KI-Assistenten verändert:

  • vom Technik-Tool zum Alltagsberater,
  • vom reinen Produktivitäts-Helfer zum Entscheidungs-Sparringspartner,
  • vom Desktop-Kollegen zur Vertrauensperson im Smartphone.

Wer in Marketing und Vertrieb in Deutschland heute damit anfängt, KI bewusst entlang von Uhrzeit, Kontext und Gerät zu gestalten, verschafft sich einen echten Vorsprung: bessere Customer Experience, effizientere Teams und vor allem stärkeres Vertrauen in die eigenen digitalen Angebote.

Die Frage ist nicht mehr, ob Kund:innen KI nutzen. Sie tun es bereits – und zwar für Themen, die ihnen wirklich wichtig sind. Die spannendere Frage lautet:

Welche Rolle soll eure KI in diesen Momenten spielen – und wie gut ist sie darauf vorbereitet?