Was Marketer von Luisa-Victoria Boll lernen können: Customer Experience, Female Finance und Markenführung praxisnah erklärt – mit konkreten Ansatzpunkten.
Warum Luisa-Victoria Boll gerade das richtige Vorbild ist
Fast 60 Prozent der Frauen in Deutschland fühlen sich bei Finanzfragen unsicher – und genau da setzt Luisa-Victoria Boll an. Die Marketingmanagerin der Deutschen Bank baut Initiativen auf, die diese Lücke schließen sollen, und zeigt nebenbei, wie modernes Marketing in Konzernen funktionieren kann.
Dieser Artikel schaut nicht einfach nur auf ihren Werdegang. Er zeigt, was Marketer konkret aus ihrem Ansatz für Customer Experience, Female Finance und Markenführung lernen können – und wie Sie ähnliche Prinzipien mit (oder ohne) KI in Ihrem eigenen Marketing nutzen.
1. Customer Experience lernen – nicht aus der Excel, sondern am Kunden
Der rote Faden in Bolls Karriere: Sie hat Customer Experience zuerst an der Front erlebt, bevor sie sie strategisch gestaltet hat.
- Ausbildung zur Bankkauffrau
- Sechs Jahre Filialvertrieb, täglich im direkten Kundendialog
- Danach Wechsel in Zentralfunktionen und schließlich ins Marketing
Das wirkt unspektakulär – ist aber ein massiver Vorteil. Viele CX-Strategien scheitern, weil sie zu weit vom echten Alltag der Kundinnen und Kunden weg sind.
Was Marketer daraus mitnehmen sollten:
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Mindestens einmal „an den Schalter“ gehen
Wer Customer Journeys baut, sollte echte Interaktion erlebt haben: Callcenter, Filiale, Außendienst, Chat-Support – egal was, Hauptsache real. -
Mitarbeitende an der Front aktiv einbeziehen
Erstellen Sie CX-Konzepte nicht im stillen Kämmerlein. Holen Sie systematisch Input aus Vertrieb, Service und Support – am besten strukturiert:- monatliche Feedback-Calls
- kurze Umfragen nach jeder Kampagne
- gemeinsame Workshops mit Marketing, Vertrieb, Service
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Customer Experience als strategischen Hebel verstehen
Boll sieht Marketing nicht als Deko, sondern als Instrument für Unternehmensausrichtung. Das ist ein entscheidender Perspektivwechsel:„Marketing ist ein strategischer Hebel, um die Ausrichtung eines Unternehmens nachhaltig zu verändern.“
Wer CX ernst nimmt, stellt nicht nur die Website hübscher auf, sondern verändert Produkte, Prozesse und Prioritäten.
2. Female Finance: Wie man eine Zielgruppe wirklich ernst nimmt
Der Auftrag an Boll 2023: „Female Finance“ aufbauen – eine Initiative, die Frauen gezielt für Finanzthemen begeistern soll. Das Spannende ist weniger der Name, sondern der Weg:
- von der ersten Idee
- über ein Pilotprojekt
- hin zur bundesweiten Einführung
- Events in über 100 Filialen
- mehr als 5.000 Teilnehmerinnen
Das zeigt, wie zielgruppenspezifisches Marketing in einem konservativen Umfeld – Finanzbranche, Großkonzern – funktionieren kann.
Was macht Female-Finance-Marketing stark?
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Reale Barrieren adressieren
Frauen sind nicht „noch eine Zielgruppe“, sondern eine, die historisch von Finanzkommunikation oft verfehlt wurde:- zu männlich kodierte Sprache
- zu viel Produktfokus, zu wenig Lebensrealität
- zu wenig Safe Spaces für Fragen ohne Blamagegefühl
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Wissen erlebbar machen
Boll und ihr Team setzen nicht nur auf Online-Kampagnen, sondern auf Events, Begegnung, Austausch. Genau dort entsteht Vertrauen. -
Geduld statt Hype
Zwei Jahre vom Start bis zum bundesweiten Roll-out sind in einem Konzern realistisch. Ihre Haltung:„Wirkung entsteht durch Überzeugung und Leidenschaft – nicht durch den schnellen Erfolg.“
Wie Sie ähnliche Programme aufsetzen können
Wenn Sie in Ihrer Branche ein vergleichbares Thema vorantreiben wollen (z.B. „KMU digital fit machen“, „Senioren für E‑Commerce begeistern“, „Azubis für Finanzkompetenz“), lohnt sich dieser pragmatische Fahrplan:
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Sauberen Problemfokus definieren
- Welche Gruppe ist unterversorgt oder unterrepräsentiert?
- Wo hat Ihr Unternehmen bereits Kontaktpunkte?
- Welches konkrete Hindernis hält diese Zielgruppe zurück (Wissen, Vertrauen, Sprache, Zugang)?
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Kleinen, klar messbaren Piloten starten
- 1–3 Standorte, 3–5 Events oder Formate
- Zielgrößen: Teilnehmerzahl, Zufriedenheit, Folgegespräche, Produktabschlüsse, Newsletter-Sign-ups
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Story vor Zahlen denken – aber Zahlen liefern
Nutzen Sie echte Geschichten, Zitate, Vorher-Nachher-Erlebnisse. Untermauern Sie diese mit Kennzahlen, die auch intern überzeugen. -
Skalierung als eigenes Projekt planen
Bundesweite Einführung ist kein „Nebenbei“. Sie braucht:- Playbooks für Filialen / Standorte
- Schulungen
- einheitliche CX-Standards
- klare Verantwortlichkeiten
3. Marke in Lebenswelten bringen: Vom Logo zum Erlebnis
Boll arbeitet heute daran, Customer Experience konzernweit zu verankern – und die Marke Deutsche Bank „in neue Lebenswelten zu tragen“. Ein Beispiel ist der Deutsche Bank Park in Frankfurt.
Dort verschmelzen:
- Sport
- Entertainment
- Freizeit (Kletterpark, Konzerte, Fußballspiele)
Der Clou: Die Marke ist nicht nur Sponsor auf dem Trikot, sondern Teil eines ganzen Ökosystems von Erlebnissen.
Was dahinter steckt – und was Sie davon übertragen können
- Partnerschaften nutzen, um CX „anzureichern“
Gute Partnerschaften sind nicht nur Branding, sondern CX-Bausteine. Fragen Sie sich:- Wo verbringt meine Zielgruppe Zeit – physisch oder digital?
- Wie kann meine Marke dort nützlich, hilfreich oder inspirierend sein?
- Welche Services oder Inhalte passen in diese Lebenswelt?
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Markenerlebnis jenseits des Kerngeschäfts denken
Banken, Versicherungen, B2B-SaaS – alle haben das gleiche Problem: Der Kern-Use-Case ist selten emotional.
Lösung: Erlebnisse schaffen, bei denen die Marke als Enabler auftritt, nicht als Störfaktor. -
Emotion, Purpose und Wirkung verbinden
Bolls zweites großes Thema ist die Kombination aus:- Purpose (z.B. Finanzbildung, Female Finance)
- Emotion (Erlebnisse, Veranstaltungen, Storytelling)
- Wirkung (messbare Verhaltensänderung, Abschluss, Kompetenzgewinn)
Wer das ernst nimmt, baut Kampagnen anders: Nicht „Wir haben ein Produkt, das wir promoten“, sondern „Wir haben eine Wirkung, die wir erzielen wollen – welches Produkt passt dort hinein?“
4. Psychologie im Marketing: Warum Kopf + Bauch zusammengehören
Boll studiert neben ihrem Vollzeitjob Psychologie. Klingt nach Überleistung, ist aber inhaltlich extrem sinnvoll: Marketing ist angewandte Verhaltenspsychologie.
Das zeigt sich in mehreren Aspekten:
- Verständnis von Biases und Heuristiken (z.B. Status-quo-Verzerrung bei Geldentscheidungen)
- Wissen darüber, wie Menschen Vertrauen, Sicherheit, Risiko wahrnehmen
- Fähigkeit, Emotionen in Erlebnisse zu übersetzen
Konkrete psychologische Hebel für Ihr Marketing
Sie müssen kein Psychologie-Studium haben, um davon zu profitieren. Drei Hebel reichen für den Anfang:
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Soziale Bewährtheit sichtbar machen
Finanzthemen, B2B-Software, Versicherungen – alles vertrauensabhängig. Nutzen Sie:- Erfahrungsberichte
- Zahlen („Über 5.000 Teilnehmerinnen“)
- Community-Formate
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Komplexität reduzieren
Je komplizierter das Thema, desto stärker die Tendenz zum Nichtstun. Helfen Sie durch:- klare Schritt-für-Schritt-Strecken
- visuelle Hilfen
- einfache Sprache, ohne von oben herab zu wirken
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Emotionale Anker setzen
Haribo „Kids’ Voices“ ist Bolls Lieblingskampagne – und ein gutes Beispiel. Warum funktioniert sie?- klare, wiedererkennbare Mechanik (Kinderstimmen für Erwachsene)
- Humor
- starke Markensignatur
Fragen Sie sich: Was ist der eine emotionale Anker, den Ihre Zielgruppe mit Ihrer Marke verbinden soll – Sicherheit, Mut, Leichtigkeit, Klarheit?
5. Karriere im Marketing: Wirkung vor Titeln
Luisa-Victoria Boll zeigt auch, wie eine moderne Marketingkarriere in Deutschland aussehen kann – jenseits von Glamour und Buzzword-Bingo.
Ihre Bausteine:
- Karriere im Konzern, aber von der Basis an (Ausbildung, Filiale)
- konsequente Weiterbildung (komplette akademische Laufbahn berufsbegleitend)
- Fokusthemen mit gesellschaftlicher Relevanz (Female Finance, Finanzbildung)
Dazu passt ihr Lieblingszitat:
„You don’t have to be great to start, but you have to start to be great.“
Was Nachwuchsführungskräfte konkret tun können
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Sich ein Wirkungsfeld suchen
Statt „Ich will ins Marketing“, präziser denken:- Customer Experience
- Brand & Purpose
- Data & MarTech
- Social & Community
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Nah am Kunden bleiben – egal wie hoch die Position
Regelmäßiger Kontakt zu echten Kundinnen und Kunden ist keine Aufgabe „von damals“, sondern Karriereturbo. -
KI als Verstärker nutzen, nicht als Ersatz
Kampagnen wie Female Finance leben von Empathie, Kontext, Marke. KI-Tools können hier helfen bei:- Segmentierung und Datenanalyse
- Personalisierung von Inhalten
- Testing von Botschaften
Aber: Die eigentliche Richtung geben Menschen vor, die Zielgruppen wirklich verstehen.
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Eigene Lernkurve ernst nehmen
Berufsbegleitender Master, zusätzliche Weiterbildung, Zertifikate – das ist kein Selbstzweck. In einem Feld wie „KI im Marketing & Vertrieb“ entscheidet Lernbereitschaft darüber, wer in drei Jahren noch vorne mitspielt.
Fazit: Was Sie ab morgen anders machen können
Bolls Weg zeigt: Customer Experience, Female Finance und starke Markenführung gehören zusammen, wenn Marketing im Jahr 2025 Wirkung entfalten soll.
Wenn Sie das auf Ihr Unternehmen übertragen wollen, können Sie schon morgen starten mit:
- einem Gespräch mit Vertrieb oder Service über echte Kundenprobleme
- einem klar definierten Pilotprojekt für eine unterversorgte Zielgruppe
- der Frage, in welche Lebenswelten Ihre Marke logisch hineinpasst
- der ehrlichen Prüfung, wo Psychologie in Ihren Kampagnen bisher fehlt
Wer Marketing so versteht, braucht weniger „große Ideen“ und mehr konsequentes Dranbleiben. Genau das macht aus guten Marketingmenschen die Future Marketing Leaders, die Deutschland im Bereich KI, Marketing und Vertrieb jetzt dringend braucht.