Europa, KI & Kreislauf: Was HPE der Bauindustrie zeigt

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

HPECycle, EU-Regulierung und KI: Was die HPE-Herbsttagung 2025 der Bauindustrie über Kreislaufwirtschaft und Baustelle 4.0 verrät – und wie Sie jetzt starten sollten.

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Warum die HPE-Herbsttagung für die Bauindustrie spannend ist

110 Teilnehmer, ein Rekord für eine Branchenveranstaltung rund um Holzpackmittel und Paletten – und mittendrin Themen wie Künstliche Intelligenz, Kreislaufwirtschaft und die neuen EU-Vorgaben zu Verpackungen und Entwaldung. Was auf der HPE-Herbsttagung 2025 in Schwäbisch Gmünd diskutiert wurde, ist viel mehr als Nischenstoff für Palettenhersteller.

Für die deutsche Bauindustrie steckt darin ein klarer Fingerzeig: Wer jetzt nicht systematisch in Daten, KI und geschlossene Materialkreisläufe investiert, verliert in wenigen Jahren den Anschluss. Und zwar nicht nur beim Image, sondern ganz handfest bei Kosten, Genehmigungen und Ausschreibungen.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was der HPE mit seinem System HPECycle, der Fokus auf EU-Regulierung und der KI-Vortrag von Gregor Schmalzried mit „Baustelle 4.0“ zu tun haben – und wie sich Bauunternehmen, Zulieferer und Logistikpartner konkret aufstellen können.


Was hinter HPECycle steckt – und was die Bauindustrie davon lernen kann

Der Kern der Herbsttagung war die Weiterentwicklung des Kreislaufsystems „HPECycle“ für Holzpackmittel. Aktuell beteiligen sich 38 Partnerunternehmen, das Ziel ist gezieltes Wachstum und flächendeckende Etablierung in der Branche.

Die zentrale Idee: Holzverpackungen werden nicht mehr als Einwegartikel betrachtet, sondern als Bausteine eines organisierten Materialkreislaufs. Erfassung, Rückführung, Aufbereitung, Wiederverwendung – möglichst standardisiert und digital unterstützt.

Übertrag auf Baustelle 4.0

Für die Bauindustrie ist das hochrelevant. Viele Unternehmen stehen vor denselben Fragen:

  • Wie lassen sich Baustoffe und Verpackungen im Kreislauf führen?
  • Welche Daten brauche ich, um Materialflüsse transparent zu machen?
  • Wie verbinde ich Logistik, Entsorgung und Einkauf zu einem System statt zu Einzellösungen?

Das HPECycle-Modell zeigt drei entscheidende Punkte, die sich direkt auf Bauprojekte übertragen lassen:

  1. Kreislauf braucht Organisation – nicht nur guten Willen
    Ohne ein gemeinsames System bleibt Recycling Stückwerk. Ob Paletten oder Schalungsholz: Erst definierte Prozesse, Rollen und Datenstrukturen machen aus „Wir recyceln auch ein bisschen“ ein belastbares Kreislaufmodell.

  2. Branchenweite Standards beschleunigen alle
    Der HPE setzt mit HPECycle einen gemeinsamen Rahmen. Wer das auf Bauprojekte überträgt, landet bei Standardisierung von:

    • Typen von Mehrwegverpackungen
    • Datenschnittstellen entlang der Lieferkette
    • Reporting für CO₂- und Ressourceneinsparungen
  3. Digital zuerst denken
    Die Herbsttagung startete den HPECycle-Workshop mit einem Online-Fragebogen im 630-m²-Saal – und 110 Leute tippten gleichzeitig. Das wirkt unspektakulär, ist aber symbolisch: Ohne digitale Erfassung gibt es keine belastbare Kreislaufwirtschaft.

Für Baustelle 4.0 bedeutet das: Materialkreislauf = Datenkreislauf. Wer Paletten, Container, Big Bags, Schalungen oder Gerüstbauteile tracken kann, kann sie auch gezielt wiedereinsetzen.


EU-Regeln als Taktgeber: EUDR und PPWR im Fokus

Die HPE-Junioren haben auf der Herbsttagung zwei Themen prominent auf der Agenda gehabt, die direkt in die Bauwirtschaft hineinwirken:

  • EUDR – Europäische Entwaldungsverordnung
  • PPWR – EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle

Beide Regelwerke sind keine abstrakten Brüsseler Konstrukte, sondern klare Marktfaktoren für die nächsten Jahre.

EUDR: Holz ohne Herkunftsnachweis wird zum Risiko

Die EUDR verlangt, dass bestimmte Produkte – darunter Holz und Holzprodukte – nachweislich entwaldungsfrei sind. Für Bauunternehmen heißt das:

  • Lieferanten müssen Herkunft und Lieferkette von Holzprodukten transparent machen.
  • Ohne belastbare Daten steigt das Risiko von Lieferstopps, Verzögerungen oder Vertragsstrafen.
  • Nachhaltigkeitsanforderungen bei öffentlichen Ausschreibungen werden härter und besser überprüfbar.

Der Holzpackmittel-Verband HPE nutzt seine Tagung, um Mitglieder auf genau diese Realität vorzubereiten. Für Bauunternehmen ist das Signal klar:

Wer Holz, Verpackungen und Hilfsstoffe noch wie „Verbrauchsmaterial“ behandelt, wird künftig Probleme mit Compliance und Vergabe bekommen.

PPWR: Verpackungen sind plötzlich strategisch

Die PPWR verschärft europaweit die Anforderungen an Verpackungsvermeidung, Recyclingquoten und Mehrwegsysteme. Paletten, Kisten, Schutzverpackungen, Folien – all das landet in Zukunft viel stärker im Fokus.

Für die Baupraxis heißt das:

  • Planer und Einkäufer müssen Verpackungskonzepte in Projekte einpreisen.
  • Logistik muss Rückhol- und Mehrwegsysteme mitdenken.
  • Anbieter, die standardisierte, kreislauffähige Lösungen liefern, bekommen einen deutlichen Vorteil bei ESG-Ratings und Ausschreibungen.

Dass die HPE-Junioren parallel an ihrem eigenen Markenauftritt arbeiten, passt ins Bild: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden markenprägend. Wer in der Bauindustrie als moderner, zuverlässiger Partner wahrgenommen werden will, muss genau hier sichtbar sein.


KI als Werkzeug für Kreislauf und Baustelle 4.0

Ein Highlight der HPE-Tagung war der Vortrag von KI-Experte Gregor Schmalzried. Sein Kernpunkt: Der Arbeitsmarkt und vor allem die Suche im Netz verändern sich radikal durch Künstliche Intelligenz.

Für die Holz- und Verpackungsbranche ist das eine wichtige Erkenntnis – für die Bauindustrie ist es fast noch kritischer. Denn KI ist nicht nur ein IT-Thema, sondern ein Hebel für Produktivität, Planungssicherheit und Ressourceneffizienz.

Wo KI Bau und Logistik heute schon messbar besser machen kann

Ein paar Beispiele, wie KI-Lösungen sich direkt mit Kreislaufgedanken kombinieren lassen:

  1. Material- und Verpackungsplanung
    KI-Modelle können anhand von Vergangenheitsdaten:

    • den Bedarf an Paletten, Containern und Verpackungen je Projektabschnitt prognostizieren,
    • Überbestände und Leerlaufzeiten reduzieren,
    • Rückführungslogistik für Mehrwegsysteme optimieren.
  2. Baustellenlogistik und Intralogistik
    Der Besuch der Stihl-Markenwelt in Waiblingen im Rahmen der HPE-Tagung hat gezeigt, wie stark sich Unternehmen auf

    • Intralogistik,
    • Akku-Technologien und
    • effiziente Materialflüsse fokussieren. Für Bauunternehmen heißt das: KI-gestützte Systeme können Materialflüsse auf der Baustelle ähnlich fein steuern wie moderne Fertigungslogistik.
  3. Qualität und Dokumentation
    Bildbasierte KI kann Verpackungs- und Transportschäden erkennen, Zustände dokumentieren und automatisch mit Liefer- und Reklamationsprozessen verknüpfen. Das reduziert Streitfälle und beschleunigt Abnahmen.

Warum KI-Kompetenz jetzt aufgebaut werden muss

HPE-Geschäftsführer Marcus Kirschner bringt es sinngemäß auf den Punkt: Die Branche muss Entwicklungen aufmerksam verfolgen und gezielt für sich nutzen. Für Bauunternehmen bedeutet das konkret:

  • KI-Wissen darf nicht nur im IT-Bereich liegen, sondern gehört in Einkauf, Bauleitung, Logistik und Nachhaltigkeitsmanagement.
  • Erste Pilotanwendungen sollten 2026 spätestens laufen, sonst droht die nächste Investitionswelle verpasst zu werden.
  • Wer heute Daten sauber erfasst (Materialflüsse, Verpackungsmengen, CO₂), kann morgen sinnvolle KI-Modelle darauf aufbauen.

Die Realität ist einfacher, als viele denken: Man muss nicht mit vollautonomen Baustellenrobotern starten. Oft reicht es, mit klar definierten Use Cases zu beginnen – zum Beispiel KI-gestützte Bedarfsplanung für Paletten und Mehrwegverpackungen oder eine Prognose für Entsorgungs- und Recyclingströme auf Großbaustellen.


Was Bauunternehmen konkret aus der HPE-Tagung mitnehmen sollten

Wer in der Bauindustrie Verantwortung trägt – ob im Vorstand, in der Projektleitung oder im Einkauf – kann aus der HPE-Herbsttagung 2025 mehrere sehr praktische Lehren ziehen.

1. Kreislaufwirtschaft als Projektanforderung verankern

Statt „wir trennen den Müll auf der Baustelle“ braucht es klare, messbare Anforderungen:

  • Definieren Sie Kreislaufziele je Projekt (z.B. x % der Paletten als Mehrweg, Rücklaufquote y %).
  • Machen Sie Kreislauf- und Verpackungskonzepte zum Teil der Ausschreibung für Nachunternehmer und Lieferanten.
  • Fordern Sie von Logistik- und Verpackungspartnern digitale Nachweise über Rückführung und Wiederverwendung.

2. Datenbasis für KI und Compliance schaffen

Ohne Daten keine KI – und auch keine saubere EUDR- oder PPWR-Compliance.

  • Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme: Welche Verpackungen, welche Holzprodukte, welche Lieferketten?
  • Führen Sie eine einheitliche Erfassung ein (z.B. per QR-/RFID-Codes auf Mehrwegträgern, standardisierte Materialschlüssel).
  • Legen Sie früh fest, wem die Daten gehören und wie sie zwischen Partnern geteilt werden – das vermeidet spätere Blockaden.

3. Pilotprojekt „Baustellen-Kreislauf 4.0“ starten

Statt lange Strategiepapiere zu schreiben, funktioniert ein fokussiertes Pilotprojekt meist besser. Ein mögliches Setup:

  1. Wählen Sie eine größere Baustelle mit planbarer Laufzeit (z.B. 18–24 Monate).
  2. Legen Sie fest:
    • welche Verpackungen konsequent als Mehrweg geführt werden sollen,
    • wie Tracking (digital) und Rückführung organisiert werden,
    • welche Kennzahlen Sie messen (Kosten, CO₂, Reklamationen, Durchlaufzeiten).
  3. Binden Sie früh einen oder zwei KI-Use Cases ein:
    • Bedarfsprognose für Paletten & Kisten,
    • Optimierung von Umlaufbeständen,
    • Auswertung von Schadenmeldungen.

4. Zusammenarbeit generationenübergreifend denken

Die HPE-Junioren nutzen ihre Versammlung nicht nur zum Fachlichen, sondern auch, um ihren Markenauftritt weiterzuentwickeln und gezielt den Austausch mit der älteren Generation zu suchen. Genau diese Mischung braucht die Bauindustrie ebenfalls:

  • Erfahrene Profis kennen die praktischen Hürden auf der Baustelle.
  • Jüngere Mitarbeitende bringen oft Digital- und KI-Kompetenz mit.

Wer beides systematisch verbindet, kommt bei Themen wie Kreislaufwirtschaft und KI deutlich schneller voran.


Warum jetzt handeln – und nicht in drei Jahren

Die HPE-Herbsttagung 2025 zeigt, wohin die Reise geht:

  • Kreislaufwirtschaft wird vom „Nice-to-have“ zum Lizenzfaktor fürs Geschäft.
  • EU-Regulierung (EUDR, PPWR) macht Transparenz und Datenqualität zur Pflicht.
  • Künstliche Intelligenz verschiebt Arbeitsweisen, Informationssuche und Entscheidungen – auch im Bau.

Für Unternehmen der Bauindustrie ist das kein Grund zur Panik, aber ein klarer Handlungsauftrag. Wer jetzt pilothaft beginnt, Datenstrukturen aufbaut, Partner für Kreislaufsysteme sucht und interne KI-Kompetenz stärkt, verschafft sich einen Vorsprung bei Kosten, Ausschreibungen und Mitarbeitergewinnung.

Wenn Sie im nächsten Schritt klären möchten, wie ein konkretes KI- und Kreislauf-Pilotprojekt auf Ihrer Baustelle aussehen kann – von der Verpackungslogistik bis zur Materialrückführung – ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, die Weichen zu stellen.

Die Frage ist weniger, ob Baustelle 4.0 kommt, sondern wer 2027 schon Erfahrungen vorweisen kann – und wer dann noch Konzepte schreibt.

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