KI-Werbung mit Transparenz: Was New York fĂĽr Marketer bedeutet

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

New York verlangt Hinweise auf KI-Personen in Werbung. Was das fĂĽr deutsches Marketing, Vertrauen in KI-Kampagnen und Ihren Marketing-ROI konkret bedeutet.

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KI-Werbung unter Druck: New York zieht die Transparenzlinie

Im Dezember 2025 hat der Bundesstaat New York ein Zeichen gesetzt: Wer in Werbung vollständig KI-generierte Personen einsetzt, soll das künftig klar kennzeichnen. 1.000 US‑Dollar Strafe beim ersten Verstoß, 5.000 Dollar bei Wiederholung – das ist keine Petitesse, sondern ein Signal.

Warum sollte das deutsche Marketing diese US-Meldung ernst nehmen? Weil sie einen Trend markiert, der direkt in Ihren Alltag in Marketing & Vertrieb hineinragt: Regulierung von KI im Marketing. Während wir in dieser Serie „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ darüber sprechen, wie Sie Ihren Marketing-ROI mit KI steigern, zeigt New York sehr deutlich die andere Seite der Medaille: Vertrauen, Ethik und Compliance.

Die Realität: KI-Creatives sind 2025 Standard. Generierte Models, Deepfake-Videos, synthetische Stimmen – alles verfügbar in Minuten statt Wochen. Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen diese Tools nutzen. Die Frage ist: Wie nutzen Sie KI so, dass Kunden vertrauen, die Rechtsabteilung mitgeht und Ihre Marke langfristig gewinnt?

Genau darum geht es in diesem Beitrag.


Was New York vorsieht – und warum das deutsche Marketing hinschauen sollte

New York verlangt einen expliziten Hinweis, wenn in der Werbung Personen vollständig durch KI generiert sind.

Konkret:

  • Kennzeichnungspflicht fĂĽr KI-generierte Personen in Werbemitteln
  • 1.000 US‑Dollar Strafe beim ersten VerstoĂź
  • 5.000 US‑Dollar fĂĽr jeden weiteren VerstoĂź
  • Ziel: mehr Transparenz, weniger IrrefĂĽhrung von Verbraucher:innen

Die BegrĂĽndung ist einfach und aus Marketing-Sicht schlĂĽssig: KI-Visuals sind inzwischen so realistisch, dass Laien kaum erkennen, ob die Person echt ist oder nicht. Wenn solche Avatare Produkte anpreisen, ohne Kennzeichnung, fĂĽhlt sich das schnell manipulativ an.

Der McDonald’s-Fall als Warnsignal

Ein aktuelles Beispiel: McDonald’s Niederlande veröffentlichte einen komplett KI-generierten Werbeclip. Visuell beeindruckend, technisch sauber – aber der Shitstorm folgte prompt. Kritikpunkte:

  • fehlende Transparenz: Sind das echte Menschen oder nicht?
  • Verlust an Authentizität der Marke
  • Sorge vor Jobverlusten fĂĽr Kreative und Darsteller:innen

Der Spot wurde zurĂĽckgezogen. Aus Kreativperspektive war das Experiment spannend, aus Markensicht war es teuer Lehrgeld.

Für deutsche Marketer ist das ein Lehrstück: Technische Machbarkeit ohne kommunikatives und ethisches Konzept führt sehr schnell zu Reputationsschäden.


Trumps Gegenkurs: Warum die Regulierung trotzdem kommt

Parallel dazu versucht US-Präsident Donald Trump, bundesstaatliche KI-Regeln auszuhebeln. Sein Erlass:

  • Washington soll alle KI-Gesetze der Bundesstaaten prĂĽfen
  • Weichen sie von der nationalen KI-Strategie ab, soll das Justizministerium klagen
  • BegrĂĽndung: Ein „Flickenteppich“ an Regeln bremse Innovation

Gleichzeitig wurden unter seinem Kurs bereits Schutzleitplanken, die unter Joe Biden eingeführt wurden, wieder gelockert. Die Linie ist klar: möglichst wenig Regulierung, viel Geschwindigkeit.

Ich halte das – aus Sicht von Marketing und Vertrieb – für kurzsichtig. Denn:

Ohne Vertrauen kein Absatz, ohne Transparenz keine Kundenbeziehung.

Das sehen Sie bereits an drei Entwicklungen weltweit:

  1. EU-KI-Verordnung (AI Act): Die EU fährt einen deutlich strengeren Kurs, u.a. bei Transparenzpflichten und Risikoklassen.
  2. Werberecht & UWG: Schon heute gilt auch in Deutschland, dass Werbung nicht irrefĂĽhrend sein darf. KI macht das Thema nur dringlicher.
  3. Plattformregeln: Große Plattformen (Social, Ad-Netzwerke) führen eigene Transparenzregeln für KI-Content ein – unabhängig von der Politik.

Kurz gesagt: Selbst wenn Trump die New Yorker Regeln zu Fall bringt, der globale Trend geht ganz klar Richtung Kennzeichnung und Governance von KI im Marketing.


Was heiĂźt das fĂĽr deutsche Marketing- und Vertriebsteams konkret?

Wer KI im Marketing erfolgreich nutzen will, braucht zwei Dinge gleichzeitig: Effizienz und Vertrauen. Nur auf Effizienz zu setzen, ist gefährlich. Das gilt für KI-gestützte Kundenanalyse genauso wie für Content-Automatisierung.

1. Eigene Transparenzstandards einführen – bevor der Gesetzgeber es tut

Warten, bis der Gesetzgeber jedes Detail regelt, ist fĂĽr Marken riskant. Smarte Unternehmen definieren jetzt schon interne Leitplanken:

  • Kennzeichnung von KI-Content:
    • Klare Richtlinie: Ab welchem Anteil (z.B. „vollständig KI-generiert“) kennzeichnen wir?
    • Einheitliche Formulierung (z.B. „Bild KI-generiert“ oder „KI-unterstĂĽtzt erstellt“)
  • Einsatzfelder definieren:
    • Wo ist KI im Marketing erlaubt (z.B. Stock-Visuals, Varianten-Testing)?
    • Wo setzen wir bewusst auf echte Menschen (z.B. Testimonials, Employer Branding)?
  • Freigabeprozess anpassen:
    • Pflicht-Check „KI im Einsatz: Ja/Nein?“ in jedem Creative-Briefing und im Freigabeformular
    • Zusätzliche Freigabe der Rechtsabteilung bei heiklen Formaten (Deepfakes, synthetische Stimmen)

Damit schaffen Sie intern Klarheit und können nach außen glaubwürdig argumentieren, wenn Fragen auftauchen.

2. KI-Werbung mit Ihrem Markenversprechen abgleichen

Viele Unternehmen sagen nach außen: „Wir sind authentisch, menschenzentriert, nahbar.“ Dann aber laufen in Social Ads Gesichter aus der KI-Pipeline, generisch und austauschbar.

Stellen Sie sich drei Fragen:

  1. Passt KI-gene­rierte Werbung zu unserem Markenbild?
  2. Wo hilft sie wirklich, Komplexität zu reduzieren oder Personalisierung zu verbessern – statt nur Kosten zu drücken?
  3. Erkennen unsere Stammkund:innen noch, wofür wir stehen, wenn plötzlich alles „zu perfekt“ aussieht?

FĂĽr viele B2B- und Mittelstandsmarken habe ich erlebt: Echte Mitarbeiter:innen, echte Kund:innen, echte Use Cases funktionieren im Vertrieb nach wie vor besser als KI-Avatare, auch wenn diese kurzfristig gĂĽnstiger erscheinen.


Praxisleitfaden: KI verantwortungsvoll in Werbung und Vertrieb nutzen

Die gute Nachricht: Sie können KI im Marketing sehr effizient nutzen, ohne in die New-York-Falle zu laufen. Entscheidend ist, wie Sie die Technologie in Ihren Funnel integrieren.

1. Content-Automatisierung mit klarer Offenheit

Nutzen Sie KI konsequent dort, wo Transparenz unkritisch ist und Mehrwert klar im Vordergrund steht:

  • Varianten von Betreffzeilen und Anzeigen-Texten fĂĽr A/B-Tests
  • Produktbeschreibungen aus strukturierten Daten generieren
  • Content-Cluster fĂĽr Landingpages planen (Themenrecherche, Outline, ZwischenĂĽberschriften)

Tipp: Fügen Sie intern in Ihrem CMS ein Feld „KI-Unterstützung: Ja/Nein“ hinzu. So behalten Sie die Übersicht, wo welche Systeme genutzt wurden.

2. KI-Avatare und synthetische Personen gezielt einsetzen

Wenn Sie mit KI-generierten Personen arbeiten wollen, dann gezielt – und nicht als heimlichen Ersatz für echte Testimonials.

Sinnvolle Einsatzbereiche:

  • Low-Funnel-Ads mit Fokus auf Funktion und Angebot, nicht auf Storytelling
  • Erklärvideos zu komplexen Produkten, bei denen der Avatar klar als „digitaler Assistent“ erkennbar ist
  • Chatbots mit visueller Komponente auf der Website (z.B. im Self-Service-Support)

Dabei helfen drei Leitlinien:

  1. Keine Fake-Biografien: Wenn die Person nicht existiert, geben Sie ihr keine reale Identität.
  2. Kennzeichnung nutzen: Kurz und deutlich kenntlich machen, dass es sich um eine KI-Figur handelt.
  3. Echte Personen fĂĽr Vertrauensthemen: FĂĽr Referenzen, Erfolgsgeschichten, FĂĽhrungsbotschaften sollten Menschen vor die Kamera.

3. KI für Kundenanalyse und Predictive Analytics – rechtssicher gedacht

Unsere Leitfaden-Serie dreht sich stark um KI-gestützte Kundenanalyse und Predictive Analytics, weil hier der ROI besonders sichtbar ist. Die regulatorische Dimension ist hier anders, aber ähnlich wichtig:

  • Datenschutz (DSGVO): Welche Daten dĂĽrfen Sie fĂĽr Ihr Scoring oder Ihre Lookalike-Modelle nutzen?
  • Transparenz gegenĂĽber Kund:innen: Können Sie verständlich erklären, warum jemand ein bestimmtes Angebot sieht?
  • Bias & Fairness: Diskriminiert Ihr Modell ungewollt bestimmte Gruppen (z.B. bei Pricing oder Lead-Scoring)?

Mein Rat: Führen Sie ein schlankes „KI-Register“ im Marketing – eine einfache Übersicht:

  • Welches KI-System setzen wir ein?
  • FĂĽr welchen Zweck (Lead-Scoring, Churn-Prognose, Pricing, Creatives …)?
  • Welche Datenbasis steckt dahinter?
  • Wer ist verantwortlich?

So sind Sie vorbereitet, falls Datenschutz, Betriebsrat oder Geschäftsführung tiefer nachfragen.


Warum Transparenz in KI-Werbung ein Wettbewerbsvorteil wird

Viele Unternehmen sehen Transparenzpflichten erst mal als Bremse. Ich sehe es anders: Wer KI im Marketing offen kommuniziert, baut Vorsprung im Vertrauen auf.

Drei Effekte, die Sie nutzen können:

  1. Vertrauensbonus bei Kund:innen
    Eine klare Kennzeichnung („Visual KI-generiert“) wirkt ehrlicher als Hochglanzwelten, bei denen niemand weiß, was real ist. Gerade in Deutschland ist das Bedürfnis nach Klarheit besonders ausgeprägt.

  2. Bessere interne Zusammenarbeit
    Wenn Vertrieb, Marketing, Legal und IT einen gemeinsamen Rahmen für KI haben, werden Projekte schneller statt langsamer – weil Debatten über „dürfen wir das?“ bereits geklärt sind.

  3. Stärkere Marke in Zeiten von Über-Automatisierung
    Während andere Marken in austauschbaren KI-Visuals untergehen, können Sie bewusst mit echten Menschen, authentischen Geschichten und gezielt eingesetzter KI arbeiten – und sich so differenzieren.

Gerade Richtung Jahresstart 2026, in dem viele Budgets neu vergeben werden, wird der Druck steigen, KI im Marketing effizient zu nutzen. Wer jetzt die Kombination aus Performance, Ethik und klaren Regeln hinbekommt, gewinnt.


Fazit: KI clever nutzen, statt auf den nächsten Shitstorm zu warten

New Yorks Kennzeichnungspflicht für KI-Personen in der Werbung ist kein exotisches US-Phänomen, sondern ein Vorgeschmack darauf, was uns auch in Europa erwartet. Selbst wenn politische Gegenbewegungen wie unter Trump versuchen, solche Regeln zu bremsen, ist die Richtung klar: Mehr Transparenz, mehr Verantwortung, mehr Governance in der KI-Werbung.

FĂĽr Sie als Marketing- oder Vertriebsverantwortliche bedeutet das:

  • Bauen Sie eigene Transparenzstandards fĂĽr KI-Content auf.
  • Richten Sie Ihren Einsatz von KI an Ihrem Markenversprechen aus.
  • Nutzen Sie KI stark dort, wo sie Kundennutzen und Effizienz erhöht – nicht nur Kosten senkt.

Wenn Sie KI als Werkzeug für besseren Service, relevantere Angebote und klar kommunizierte Inhalte einsetzen, wird sie Ihr Marketing-ROI deutlich steigern – ganz im Sinne unseres Leitfadens „KI für Marketing & Vertrieb“.

Die nächste Frage ist dann nicht mehr: Dürfen wir KI in der Werbung einsetzen? Sondern: Wie setzen wir sie so ein, dass Kund:innen gern zustimmen, statt sich getäuscht zu fühlen?