Wie österreichische Kanzleien KI mit Legora heute schon sinnvoll nutzen können: Dokumentenautomation, Vertragsanalyse, Recherche, Kanzlei-Organisation und Compliance.
Praktische KI-Use-Cases für Kanzleien mit Legora
Die meisten Kanzleien unterschätzen, wie viel Zeit sie täglich mit wiederkehrenden Routinen vergeuden: Standardverträge anpassen, Recherche duplizieren, Fristen koordinieren, E-Mails sortieren. In vielen österreichischen Sozietäten sind das 30–40 % der Arbeitszeit von Konzipient:innen und Berufsanwält:innen.
Genau hier setzt Legal Tech – und speziell KI-gestützte Tools wie Legora – an. Bei der Future-Law Legal Tech Konferenz 2025 zeigt Vadym Kuzmenko, Legal Engineering Lead DACH bei Legora, welche KI-Use-Cases in Kanzleien heute wirklich funktionieren – also nicht nur im Pitch-Deck, sondern im täglichen Mandatsgeschäft.
Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Ansatzpunkte zusammen, ordnet sie für den österreichischen Markt ein und zeigt, wie Sie als Rechtsanwält:in im Dezember 2025 ganz konkret starten können – ohne monatelange IT-Projekte und ohne Kontrollverlust.
Warum KI in der Anwaltskanzlei jetzt ein Wettbewerbsfaktor ist
KI in Kanzleien ist kein Zukunftsprojekt mehr, sondern eine Produktivitätsfrage. Wer die richtigen KI-Use-Cases umsetzt, kann:
- Bearbeitungszeiten um 20–50 % senken,
- Margen im Pauschalhonorar deutlich verbessern,
- Attraktivität für junge Jurist:innen steigern,
- und gleichzeitig Fehlerquellen bei Routinearbeiten reduzieren.
Gerade im österreichischen Markt, in dem viele Mandate über Pauschalen, Rahmenvereinbarungen oder capped fees laufen, bedeutet jede eingesparte Stunde direkt mehr Gewinn. Die Realität: Kanzleien, die KI sinnvoll nutzen, können dieselben Leistungen schneller, konsistenter und oft zu besseren Konditionen anbieten – ohne die Stundensätze zu drücken.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI in der Kanzlei eingesetzt wird, sondern wo sie den größten und sichersten Hebel bietet.
Legora fokussiert genau darauf: praxisnahe Einsatzszenarien, die sich in bestehende Workflows integrieren lassen. Schauen wir uns die wichtigsten Anwendungsfälle an, die auch Vadym Kuzmenko auf der Legal Tech Konferenz diskutiert.
1. Dokumentenautomation: Vom Schriftsatzbaukasten zur KI-Assistenz
Der wichtigste und reifste KI-Use-Case in Kanzleien ist die Erstellung und Anpassung von Dokumenten. Hier liegen die größten Zeitfresser – und gleichzeitig die besten Automatisierungschancen.
Standardverträge in Minuten statt Stunden
Mit Systemen wie Legora können Sie Vertragsmuster, AGB oder NDAs so aufbereiten, dass sie per intelligentem Frage-Antwort-Dialog erzeugt werden. Die KI:
- führt durch die relevanten Fragen (Parteien, Rechtswahl, Gerichtsstand, Besonderheiten),
- wählt passende Klauselvarianten,
- passt Sprache, Genderform und Format an Ihr Kanzlei-CI an,
- und erstellt ein Word-Dokument, das sofort versendet oder feinjustiert werden kann.
Typische Einsatzfelder für österreichische Kanzleien:
- GmbH-Gesellschaftsverträge
- Geschäftsführer-Anstellungsverträge
- Miet- und Bestandverträge
- Arbeitsverträge inkl. Homeoffice-Regelungen
- Standard-NDAs und LOIs
In der Praxis heißt das: Statt einen Konzipienten 2–3 Stunden an einem Erstentwurf schreiben zu lassen, liegt die erste Version in 10–15 Minuten vor – mit deutlich geringerer Fehlerquote.
Schriftsätze und Stellungnahmen vorbereiten
Für komplexere Dokumente wie Klagen, Berufungen oder Stellungnahmen ist KI kein Ersatz für anwaltliche Strategie – aber ein exzellenter Struktur- und Formulierungshilfe:
- Sachverhalt wird als Notiz oder E-Mail-Export übergeben.
- Relevante Punkte (Anträge, Beweismittel, Fristen) werden markiert.
- Die KI erzeugt einen strukturierten Rohentwurf im Stil Ihrer Kanzlei.
Dieser Rohentwurf ist nie „fertig“, spart aber die oft mühsamen ersten 60–70 %: Aufbau, Grundargumentation, Standardformulierungen. Die letzte juristische Feinarbeit bleibt weiterhin bei Ihnen – dort, wo Ihre Expertise den Unterschied macht.
2. KI-gestützte Vertragsanalyse: Risiko erkennen, bevor es teuer wird
Ein zweiter Favorit vieler Legora-Kanzleien ist die automatisierte Vertragsprüfung. Statt jeden Vertrag von A bis Z durchzugehen, konzentrieren Sie sich nur noch auf die kritischen Stellen.
Red-Flag-Analyse für M&A, Immobilien & Commercial
Bei größeren Transaktionen – etwa bei einem Share Deal oder einem umfangreichen Gewerbemietvertrag – kann KI in Sekunden:
- ungewöhnliche Haftungsregelungen
- nachteilige Gewährleistungsbeschränkungen
- fehlende Kündigungs- oder Anpassungsklauseln
- unübliche Verjährungsfristen
herausfiltern und in einem kompakten Red-Flag-Report darstellen.
Für Mandant:innen bedeutet das:
- klare, priorisierte Risikoübersicht,
- bessere Verhandlungsbasis,
- und nachvollziehbare Dokumentation, warum bestimmte Punkte besonders kritisch sind.
Für die Kanzlei bedeutet es: weniger blinde Sucharbeit, mehr wertschöpfende juristische Bewertung.
Vergleich mit Kanzlei-Playbooks
Viele größere Sozietäten verfügen bereits über Klausel-Playbooks – also interne Vorgaben, welche Klauseln akzeptabel, kritisch oder abzulehnen sind. Legora & Co. können solche Playbooks in die KI-Prüfung integrieren:
- automatische Kennzeichnung: „entspricht Standard“, „abweichend, aber akzeptabel“, „rote Linie Ihrer Kanzlei“,
- Vorschläge für alternative Klauseltexte,
- strukturierte To-do-Liste für Nachverhandlungen.
Gerade im laufenden Vertragsgeschäft (Lieferverträge, Rahmenverträge, AGB-Reviews) ist das ein echter Hebel, um unterjährig effizient zu bleiben – insbesondere zum Jahresende, wenn viele Unternehmen ihre Verträge per 31.12. überarbeiten.
3. KI in der Rechtsrecherche: Von der Antwortsuche zur Argumentationshilfe
Reine KI-Recherche im Stil „Frag die Maschine nach dem Gesetz“ ist heikel – gerade im Lichte der strengen berufsrechtlichen Sorgfaltsanforderungen in Österreich. Trotzdem gibt es sinnvolle und sichere Einsatzformen.
KI als Strukturgeber, nicht als Rechtsquelle
Ein pragmatischer Ansatz: Die Maschine strukturiert, der Mensch prüft. Das bedeutet:
- Sie geben Schlagworte, Normen oder grobe Fragestellungen ein.
- Die KI schlägt Struktur und Argumentationslinien vor.
- Sie ergänzen und verifizieren mit echten Quellen (RIS, OGH-Entscheidungen, Fachliteratur).
So sparen Sie sich die weißen Seiten am Anfang einer Recherchearbeit. Gleichzeitig behalten Sie die Hoheit über die zitierfähigen Quellen – ein Punkt, den auch Vadym Kuzmenko regelmäßig betont.
Zusammenfassung von „Dokumentenbergen“
Wo KI heute besonders gut ist: lange Dokumente in kurze, verwertbare Zusammenfassungen verwandeln. Typische Szenarien:
- 200-seitige Konzernrichtlinie bei Compliance-Beratung
- umfangreiche E-Mail-Korrespondenz in Haftungsfällen
- frühere Schriftsätze in langjährigen Verfahren
Die KI:
- erstellt Executive Summaries,
- hebt wichtige Daten, Personen und Sachverhalte hervor,
- generiert Checklisten und To-do-Liste für das weitere Vorgehen.
Sie entscheiden dann, welche Aspekte für Ihre rechtliche Bewertung wirklich relevant sind.
4. Kanzlei-Organisation: Wie KI den Alltag im Backoffice entlastet
Nicht jeder KI-Use-Case ist spektakulär – viele sind schlicht praktisch. Oft beginnt der spürbare Produktivitätsschub im Backoffice und in der Kanzleiorganisation.
E-Mail- und Aufgabenmanagement
Mit KI lassen sich Eingangsmails und Dokumente automatisch:
- Mandaten zuordnen,
- mit Fristen und Deadlines verknüpfen,
- in Aufgaben für das Team übersetzen,
- mit Prioritäten (hoch/mittel/niedrig) versehen.
So haben Sie vor allem in Stoßzeiten (z.B. rund um Weihnachten oder zum Quartalsende) einen besseren Überblick, welche Fristen und Themen kritisch sind – und was warten kann.
Knowledge-Management mit KI
Viele Kanzleien leiden unter einem Problem: Wissen steckt in Köpfen, nicht in Systemen. Moderne Legal-Tech-Lösungen wie Legora können aus bestehenden Dokumenten, Gutachten und Schriftsätzen ein internes „Kanzlei-Wissensnetz“ aufbauen.
- Neue Kolleg:innen finden schneller passende Vorlagen.
- Argumentationslinien aus früheren Fällen sind leichter auffindbar.
- Die Qualität der Erstentwürfe steigt, weil auf bewährten Mustern aufgebaut wird.
Das entlastet Senior-Partner:innen, weil sie weniger Standardfragen beantworten müssen – und macht die Kanzlei als Arbeitgeber attraktiver für die nächste Generation.
5. Compliance, Datenschutz & Haftung: So nutzen Sie KI rechtssicher
Je mehr KI in den Kanzleialltag einzieht, desto wichtiger werden Compliance und Governance. In Österreich kommen dazu noch DSGVO, anwaltliche Verschwiegenheit und standesrechtliche Vorgaben.
Datensicherheit und Verschwiegenheit
Seriöse Anbieter im Legal-Tech-Bereich – dazu gehört auch Legora – setzen auf:
- Datenhosting in der EU,
- Verschlüsselung im Ruhezustand und bei Übertragung,
- strikte Mandantentrennung,
- und transparente Löschkonzepte.
Ihre Aufgabe als Kanzlei ist es, intern klare Regeln zu definieren:
- Welche Informationen dürfen in KI-Systeme eingespielt werden?
- Wer hat welche Zugriffsrechte?
- Wie wird dokumentiert, wenn KI in der Mandatsbearbeitung genutzt wurde?
Haftung und Qualitätskontrolle
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird: KI entbindet nicht von anwaltlicher Verantwortung. Genau deshalb ist ein sauberer Kontrollprozess entscheidend:
- Klar definieren, wo KI nur Input liefert und wo sie Output erzeugt.
- Sicherstellen, dass jeder AI-generierte Inhalt von einer qualifizierten Person geprüft wird.
- Dokumentieren, welche Version final an den Mandanten ging.
Gut aufgesetzte Workflows machen KI vom Risiko- zum Qualitätswerkzeug: Fehler fallen früher auf, weil Entwürfe standardisiert aufgebaut sind und leichter kontrolliert werden können.
Wie österreichische Kanzleien jetzt konkret starten können
Der größte Fehler vieler Kanzleien: Sie versuchen, zu viel auf einmal zu digitalisieren. Erfolgreiche KI-Einführungen – wie sie auch auf der Future-Law Legal Tech Konferenz präsentiert werden – folgen meist einem einfachen Muster.
Schritt 1: Einen klaren Pilot-Use-Case wählen
Typische Einstiegsfälle, die sich in 4–8 Wochen umsetzen lassen:
- NDA-Generator für wiederkehrende Mandate
- Standard-Mietverträge mit Standort-spezifischen Besonderheiten
- Red-Flag-Analyse für bestimmte Vertragstypen (z.B. Gewerbemiete)
Wichtig: Ein klar abgegrenzter Bereich, messbare Ziele (z.B. „Bearbeitungszeit um 30 % reduzieren“) und ein kleines Kernteam, das Verantwortung übernimmt.
Schritt 2: Prozesse standardisieren, dann automatisieren
KI ist kein Wundermittel für Chaos. Bevor ein Use-Case mit Legora oder einem anderen Tool aufgesetzt wird, sollten Sie:
- interne Muster bereinigen und konsolidieren,
- Zuständigkeiten klären (wer darf was freigeben?),
- Benennungen und Formatvorgaben vereinheitlichen.
Je sauberer der Prozess, desto besser die KI-Ergebnisse – und desto leichter die spätere Skalierung auf weitere Bereiche.
Schritt 3: Schulung und Kanzleikultur
Technik allein bringt wenig, wenn das Team sie nicht akzeptiert. Erfolgreiche Kanzleien investieren bewusst in:
- kurze, praxisnahe Schulungen („Wie spare ich mir heute 30 Minuten mit KI?“),
- klare Guidelines, was erlaubt ist – und was nicht,
- ein offenes Feedback-System, um Use-Cases zu verbessern.
Die Erfahrung aus vielen Projekten: Nach wenigen Wochen will niemand mehr zu rein manuellen Prozessen zurück.
Fazit: KI ist ein Werkzeug – aber ein sehr mächtiges
KI in der Kanzlei ist kein Marketing-Gag mehr, sondern ein handfestes Produktivitäts- und Qualitätsinstrument. Die Use-Cases, die Vadym Kuzmenko und Legora zeigen – Dokumentenautomation, Vertragsanalyse, strukturierte Recherche, Backoffice-Entlastung – funktionieren heute schon im österreichischen Rechtsmarkt.
Wer jetzt gezielt startet, baut sich 2026 einen deutlichen Vorsprung auf: schnellere Bearbeitung, bessere Margen, zufriedenere Mandant:innen und ein moderner Arbeitsplatz für junge Talente.
Die spannende Frage für jede Kanzlei lautet daher: Mit welchem konkreten KI-Use-Case wollen Sie im nächsten Quartal beginnen – und wie lange wollen Sie warten, bis andere Ihnen damit davongezogen sind?