KI-gestützte Rückversicherungsplattformen wie Korra verändern, wie Versicherer Risiko, Kapital und Daten steuern. So profitieren besonders österreichische Häuser davon.
Warum Rückversicherung jetzt digital werden muss
Ein einzelner Rückversicherungsvertrag kann heute hunderte E-Mails, unzählige Excel-Dateien und mehrere Wochen Abstimmung zwischen Versicherer, Makler und Investor verursachen. Und das alles, bevor auch nur ein Euro Risiko tatsächlich platziert ist.
Die Realität: Rückversicherungstransaktionen sind vielerorts noch analog, fragmentiert und intransparent. Genau hier setzen neue Plattformen wie Korra von Ledger Investing an – sie automatisieren den End-to-end-Prozess zwischen Versicherern, Rückversicherern und Kapitalmarktinvestoren.
Für österreichische Versicherer und Rückversicherer, die sich in einem ohnehin engen Markt behaupten müssen, ist das keine nette Spielerei, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Wer Rückversicherung schneller, datengetrieben und mit Zugang zu alternativen Kapitalquellen organisiert, hat bei Combined Ratio, Wachstum und Solvency-II-Kapitalbedarf klare Vorteile.
In diesem Beitrag geht es darum, was KI-gestützte Rückversicherungsplattformen leisten, wie sich das Modell von Ledger/Korra in die europäische und österreichische Landschaft übersetzen lässt – und welche Schritte sich für Häuser anbieten, die 2026 nicht mehr mit Excel ihre Rückversicherungsstrategie steuern wollen.
Was hinter Plattformen wie Korra steckt – und warum das relevant ist
Korra von Ledger Investing steht exemplarisch für eine neue Generation von Rückversicherungs- und Insurance-Linked-Securities-(ILS)-Plattformen.
Kernaussage: Diese Plattformen bündeln Daten, Pricing, Vertragsabwicklung und Kapitalmarktzugang in einer integrierten, KI-gestützten Umgebung und reduzieren damit Transaktionskosten und Friktion deutlich.
Die drei zentralen Funktionen moderner Rückversicherungsplattformen
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Daten- und Risikoaufbereitung
- Import von Bestands- und Schadendaten der Erstversicherer (oft über APIs aus Bestandssystemen)
- KI-gestützte Datenbereinigung, Plausibilitätsprüfungen, Homogenisierung
- Standardisierte Risikomodelle und Szenarioanalysen
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Strukturierung und Pricing von Transaktionen
- Definition von Layern, Attach- und Exhaustion-Points
- Simulation von Verlustverteilungen und Return-Profilen
- Automatisierter Vergleich mehrerer Strukturen (klassische Rückversicherung vs. ILS, Quoten- vs. Stop-Loss-Verträge)
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Marktplatz für Kapital
- Matching von Risikopaketen der Erstversicherer mit Rückversicherern und Kapitalmarktinvestoren
- Standardisierte Dokumentation, Reporting und Abrechnung
- Durchgängiges Monitoring während der Laufzeit
Der eigentliche Hebel entsteht aus der Kombination: Je besser die Datenqualität und Modellierung, desto einfacher lässt sich Risiko handelbar machen – auch für Investoren außerhalb der traditionellen Rückversicherung.
Nutzen für Versicherer: Weniger Reibung, mehr Kapitaloptionen
Für Erstversicherer – ob Komposit, Leben oder Spezialsparten – ist Rückversicherung strategisches Risikomanagement. Der operative Prozess dahinter ist jedoch oft alles andere als strategisch, sondern mühsam.
Plattformbasierte Rückversicherung reduziert Aufwand und erweitert gleichzeitig den Zugang zu Kapital.
Konkrete Effekte im Tagesgeschäft
Versicherer, die auf solche Lösungen umsteigen, berichten typischerweise von:
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Kürzeren Platzierungszyklen
Angebotsprozesse, die früher mehrere Wochen gedauert haben, lassen sich auf wenige Tage reduzieren. Datenpakete sind standardisiert, Pricing-Szenarien liegen vor, Dokumente werden automatisch erzeugt. -
Weniger manuelle Fehler
Wenn Excel-Tabellen und Copy-Paste durch strukturierte Datenpipelines und fachlich geprüfte Templates ersetzt werden, sinkt das Fehlerrisiko spürbar. -
Mehrere Kapitalquellen pro Programm
Klassische Rückversicherer, ILS-Fonds, Private-Equity-Vehikel – alle können parallel angesprochen werden. Das stärkt die Verhandlungsmacht des Erstversicherers. -
Bessere Steuerbarkeit des Rückversicherungsschutzes
Dank Szenarioanalysen lässt sich relativ klar sehen: Wie verändert ein zusätzlicher Stop-Loss-Layer die Solvency-II-Quote? Was bringt eine Quotenrückversicherung in der Motorflotte real für die Combined Ratio?
Gerade im österreichischen Markt, in dem viele Häuser Teil internationaler Gruppen sind, kann eine solche Plattform zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: lokale Underwriting-Kompetenz bleibt, die Kapitalanbindung wird global und skalierbar.
Beispiel: Motor-Versicherer in einem volatilen Jahr
Nehmen wir einen mittelgroßen österreichischen Kfz-Versicherer:
- Zunehmende Teuerung bei Ersatzteilen,
- mehr Totalschäden durch höhere Fahrzeugwerte,
- steigender Druck auf Prämien durch Vergleichsportale.
Mit einer KI-gestützten Rückversicherungsplattform kann dieser Versicherer:
- seine Bestands- und Schadendaten tagesaktuell hochladen,
- mehrere Rückversicherungsstrukturen simulieren (Quota Share vs. Stop-Loss),
- die Auswirkung auf Combined Ratio und SCR sofort sehen,
- und anschließend gezielt Rückversicherer und ggf. ILS-Investoren ansprechen.
Der Effekt: weniger Bauchgefühl, mehr datenbasierte Risikosteuerung – bei deutlich geringerem Transaktionsaufwand.
Was bedeutet das für Rückversicherer und Investoren?
Viele Rückversicherer reagieren zunächst skeptisch auf neue Plattformen. Verständlich – die Sorge: „Werden wir austauschbar?“ Die Realität ist differenzierter.
KI-Plattformen verändern die Spielregeln, aber sie ersetzen nicht die fachliche Risikokompetenz.
Rückversicherer: Vom Produktlieferanten zum Portfolio-Architekten
Plattformen wie Korra bringen mehr Transparenz und Vergleichbarkeit in die Programme. Das kann zu Margendruck bei standardisierten Deckungen führen, öffnet aber Chancen in anderen Bereichen:
- Besser kuratierte Risiko-Pools: Rückversicherer können gezielt Portfolios auswählen, die zu ihrem Risikohunger passen – statt jedes Programm einzeln zu bewerten.
- Schnellere Angebotsprozesse: Standardisierte Datenformate und Modelle senken die Kosten pro Transaktion und machen kleinere Tickets attraktiver.
- Partnerschaften mit InsurTechs: Rückversicherer, die selbst in solche Plattformen investieren oder sie aktiv nutzen, werden zum Gestalter des Ökosystems statt zum reinen Kapazitätslieferanten.
Kapitalmarktinvestoren: Zugang zu Versicherungsrisiko ohne Aktuariatsteam
Auf der Investorenseite adressieren Plattformen ein klares Problem: Versicherungsrisiko ist attraktiv, aber komplex. Korrelation zu Aktien- und Anleihemärkten ist oft gering, die Datenlage aber schwer verdaulich.
Plattformen schaffen hier:
- Standardisierte, investierbare Produkte (z.B. ILS-Strukturen, Quotenportfolios)
- Transparente Risiko- und Renditekennzahlen auf Basis harmonisierter Modelle
- Reporting auf Kapitalmarktniveau mit klaren KPIs und Szenariodarstellungen
Für österreichische Versicherer kann das bedeuten:
Erstmalig echten Zugang zu alternativen Kapitalquellen, die bisher primär den großen internationalen Gruppen vorbehalten waren.
Rolle von KI und Data Analytics in der Rückversicherung
Ohne robuste Daten und intelligente Modelle bleibt jede Plattform Fassade. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch KI und Analytics entlang des gesamten Rückversicherungsprozesses.
Wo KI im Rückversicherungsprozess wirkt
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Datenaufnahme und -bereinigung
Natural Language Processing (NLP) liest Vertragsdokumente und extrahiert Klauseln; Machine-Learning-Modelle erkennen Ausreißer und Inkonsistenzen in Schadenhistorien. -
Risikomodellierung und Pricing
- Nichtlineare Effekte (z.B. Häufung großer Schäden in bestimmten Segmenten) werden besser erkannt.
- Modelle können laufend mit neuen Daten nachtrainiert werden.
- Pricing wird dynamischer und spezifischer, statt pauschal über „Marktgefühl“.
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Portfoliosteuerung in Echtzeit
Dashboards zeigen, wie sich Loss Ratios, Exponierungen und Kapitalanforderungen über das Jahr verändern.
Rückversicherungsstrukturen lassen sich entsprechend anpassen. -
Automatisiertes Reporting
- Erfüllung von Reporting-Anforderungen (z.B. für Aufsicht oder Investoren)
- Standardisierte Indikatoren wie Expected Loss, Tail Value at Risk oder Return on Risk-Adjusted Capital.
Wer hier früh investiert, schafft sich einen skalierbaren Daten-Backbone, auf dem später weitere KI-Anwendungen entstehen können – etwa in Zeichnung, Produktentwicklung oder Schadensmanagement.
Wie österreichische Versicherer jetzt konkret vorgehen können
Der technologische Trend ist klar, die Frage lautet: Wie steigt man als Versicherer oder Rückversicherer vernünftig ein, ohne sich in Großprojekten zu verlieren?
1. Ausgangslage ehrlich analysieren
- Wo entstehen heute im Rückversicherungsprozess die größten Reibungsverluste?
- Welche Daten liegen in welcher Qualität vor (Sparten, Länder, Zeitreihenlänge)?
- Welche Systeme sind bereits vorhanden (Bestand, Data Warehouse, BI)?
Ohne diese Standortbestimmung bleiben Plattformprojekte reines Buzzword-Bingo.
2. Pilot mit klar umrissenem Portfolio
Statt das komplette Rückversicherungsgeschäft auf einmal zu digitalisieren, empfehle ich:
- eine klar begrenzte Sparte (z.B. Motor-Haftpflicht oder Sach-Gewerbe)
- mit überschaubarer Anzahl von Programmen
- und definierten KPIs: Dauer der Platzierung, interner Aufwand, Datenqualität, erzielte Konditionen.
So lässt sich innerhalb eines Jahres erkennen, ob sich der Einsatz einer Plattform strategisch rechnet.
3. Governance und Compliance von Beginn an einbinden
Gerade in Österreich und der EU gilt: ohne Regulierungskompetenz kein nachhaltiges KI-Projekt.
- Einbindung von Risikomanagement, Compliance und Aktuariat in die Plattformauswahl
- Dokumentation der verwendeten Modelle und Annahmen
- Vorbereitung auf Fragen der Aufsicht zu Datenherkunft, Modellrisiko und Outsourcing
Wer das früh sauber aufsetzt, vermeidet spätere Projektstopps und baut Vertrauen bei Vorstand und Aufsicht auf.
4. Partnerschaften statt Insellösungen denken
Plattformen wie Korra leben davon, dass mehrere Marktteilnehmer darauf aktiv werden: Erstversicherer, Rückversicherer, Makler, Investoren.
Für österreichische Häuser kann es sinnvoll sein, sich:
- mit Schwestergesellschaften in der Gruppe,
- mit anderen mittelgroßen Versicherern,
- oder über Branchenverbände
zusammenzutun, um kritisch zu prüfen, welche internationalen Lösungen auch in der DACH-Region Sinn ergeben.
Fazit: Rückversicherung als datenbasiertes Ökosystem denken
Rückversicherung war lange ein Clubgeschäft: wenige Player, viel persönliche Beziehung, begrenzte Transparenz. Plattformen wie Korra von Ledger Investing zeigen, dass dieses Bild bröckelt.
Wer Risiken künftig erfolgreich am Markt platziert, wird drei Dinge beherrschen müssen:
- saubere, granuale Daten zum eigenen Portfolio,
- KI-gestützte Modellierung und Simulation,
- den Zugang zu einem breiteren Spektrum an Kapitalgebern.
Für österreichische Versicherer und Rückversicherer ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die eigene Position zu überprüfen:
Wo stehen wir bei Daten- und Rückversicherungsprozessen – und welche Rolle wollen wir in einem stärker platform-getriebenen Rückversicherungsmarkt spielen?
Wer 2026 noch mit Excel und E-Mail sein Rückversicherungsgeschäft steuert, verschenkt Margen und Flexibilität. Wer jetzt erste, gut strukturierte Schritte Richtung KI-gestützter Rückversicherungsplattform geht, sichert sich dagegen einen spürbaren Vorsprung – bei Kapitalkosten, Reaktionsgeschwindigkeit und Attraktivität für Investoren.