Wie KI und Röntgen unseren Müll sicherer machen

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

Lithium-Akkus verursachen täglich Brände in deutschen Müllanlagen. Wie KI und Röntgentechnik das ändern – und was Kommunen, Entsorger und Bürger jetzt tun können.

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Wie KI und Röntgen unseren Müll sicherer machen

2025 brennen deutsche Müll‑ und Sortieranlagen im Schnitt rund 30‑mal pro Tag – fast immer wegen falsch entsorgter Lithium‑Akkus. Das ist keine Randnotiz aus der Fachpresse, sondern ein sehr konkretes Sicherheits‑, Kosten- und Umweltproblem.

Die gute Nachricht: Moderne Röntgentechnik kombiniert mit Künstlicher Intelligenz erkennt Akkus, Batterien und andere Gefahrenquellen mittlerweile im laufenden Müllstrom. Ein mittelständischer Entsorger aus Baden‑Württemberg zeigt, wie das in der Praxis funktioniert – und was das für Kommunen, Entsorger, Industrie und auch für Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie diese KI‑Lösungen arbeiten, warum sie wirtschaftlich sinnvoll sind, wo ihre Grenzen liegen und was jede und jeder im Alltag tun kann, damit es überhaupt nicht erst brennt.


Warum Akkus im Hausmüll zur Brandfalle werden

Lithium‑Ionen‑Akkus sind technisch gesehen kleine Kraftwerke. Genau das macht sie im falschen Umfeld so gefährlich.

Sobald ein Akku in der Sortieranlage gepresst, geschreddert oder gequetscht wird, kann es zum Kurzschluss kommen. Dann erhitzt sich die Zelle schlagartig, entzündet sich und setzt große Mengen Energie frei. In einer Halle voller trockenen Abfalls ist das der perfekte Nährboden für Brände.

Die Dimension des Problems

  • Laut Fraunhofer IIS kommt es in Deutschland in Müll‑ und Sortieranlagen auf das Jahr gerechnet zu über 10.000 Bränden.
  • Der Branchenverband BDE spricht von etwa 30 Bränden pro Tag – Tendenz steigend.
  • Ein einzelner Vorfall wie in Sontheim an der Brenz verursacht Millionenschäden (dort rund zwei Millionen Euro) und gefährdet Mitarbeitende.

Hinzu kommt: Akkus stecken heute quasi überall.

  • Werkzeug und Gartengeräte
  • Spielzeug, Blink‑Schuhe, Grußkarten mit Soundmodul
  • E‑Zigaretten und E‑Shishas
  • Zahnbürsten, Rasierer, Küchenhelfer
  • Smartphones, Kopfhörer, Powerbanks

Viele dieser Geräte haben fest verbaute Energiespeicher. Wer sie schnell loswerden will, wirft sie in den Restmüll oder in den Gelben Sack – und legt damit eine Zeitbombe in den Müllstrom.


Wie KI und Röntgen Akkus im Müll erkennen

Der Kern der neuen Sicherheitsstrategie: Automatische Erkennung und Aussortierung, bevor etwas brennen kann. Ein Beispiel ist die Anlage des Entsorgers Korn in Albstadt.

Der „BatterySort“-Ansatz in der Praxis

Vor der Einführung der KI‑Anlage mussten Mitarbeitende jede Containerladung visuell nach Elektroschrott absuchen. Was unter mehreren Schichten Müll lag, blieb faktisch unsichtbar. Wärmebildkameras und Rauchmelder konnten nur Brände melden – nicht verhindern.

Heute übernimmt ein schwarzer Kasten namens BatterySort diesen Job:

  1. Röntgentechnik wie am Flughafen
    Der Müll läuft auf einem Förderband durch ein Gehäuse, in dem Röntgenstrahlen das Material durchleuchten. Dadurch werden Form, Dichte und Aufbau von Gegenständen sichtbar – unabhängig davon, wie sie verpackt sind.

  2. KI‑Modell erkennt Akkus
    Eine trainierte KI analysiert die Röntgenbilder in Echtzeit. Sie „kennt“ typische Strukturen von Lithium‑Zellen, Knopfzellen, Akkupacks und zunehmend auch Spraydosen oder Gasflaschen.

  3. Aussortierung mit Druckluft
    Wenn das System ein Risiko erkennt, berechnet es die Position auf dem Band. Ein Luftstoß im richtigen Moment bläst das Objekt aus dem Müllstrom in einen Sammelbehälter. Das charakteristische „Zschsch“ läuft dort inzwischen im Minutentakt.

Bei Korn filtert die Anlage aus rund 25 Tonnen Material pro Stunde:

  • bis zu 11 Kilogramm Akkus und batteriebetriebene Produkte pro Stunde
  • etwa 1,5 Tonnen pro Monat

Darunter: Vapes, alte Handys, elektrische Zahnbürsten, Kinderspielzeug, Akkuschrauber – also genau das, was eigentlich über Wertstoffhöfe oder Sammelboxen entsorgt werden müsste.


Wirtschaftlicher Nutzen: Sicherheit, Kostenersparnis, Rohstoffe

Solche KI‑Lösungen sind nicht nur „nice to have“, sie sind handfeste Risikomanagement‑ und Business‑Tools für die Entsorgungsbranche.

1. Sicherheit für Mitarbeitende und Anlagen

Brände in Sortier- und Recyclinganlagen sind kein abstraktes Risiko. Sie bedeuten:

  • unmittelbare Lebensgefahr für das Personal
  • giftige Rauchentwicklung in dicht besiedelten Gebieten
  • Überstunden, Nachlösch- und Aufräumarbeiten

Ein Großbrand wie 2009 bei Korn kann ein Unternehmen an den Rand der Existenz bringen. Wer solche Risiken mit Technik spürbar senkt, schützt nicht nur Menschen, sondern stabilisiert die eigene Geschäftsgrundlage.

2. Direkte Kostenersparnis

Jeder vermiedene Brand spart Geld:

  • keine oder deutlich weniger Sachschäden an Maschinen und Gebäuden
  • geringere Versicherungsprämien langfristig möglich
  • weniger Betriebsunterbrechungen, die sich in Millionenverlusten summieren können

Wenn man konservativ rechnet, dass nur einige wenige größere Brände pro Jahr durch KI‑Sortierung verhindert werden, amortisieren sich die Investitionen in eine solche Anlage oft schneller, als es auf den ersten Blick wirkt.

3. Sekundärrohstoffe statt Sondermüll

In Akkus stecken wertvolle Metalle und seltene Erden, z. B.:

  • Kobalt
  • Nickel
  • Lithium
  • Mangan

Wer diese Energiespeicher gezielt aus dem Müllstrom zieht, schafft die Grundlage dafür, sie stofflich zu recyceln, statt sie unkontrolliert zu verbrennen.

Das zahlt auf mehrere Ziele gleichzeitig ein:

  • geringerer Bedarf an Primärrohstoffen
  • bessere CO₂‑Bilanz von Elektrogeräten
  • Erfüllung von EU‑Vorgaben zur Recyclingquote von Batterien

Technischer Blick: Was die KI wirklich können muss

Der spannende Teil aus KI‑Sicht: Diese Systeme arbeiten nicht mit hübschen Social‑Media‑Bildern, sondern mit industriellen Röntgendaten in rauer Umgebung.

Trainingsdaten und Modelllogik

Damit eine KI sicher zwischen „harmloser Joghurtbecher“ und „gefährlicher Akku“ unterscheiden kann, braucht sie:

  • tausende Beispielbilder verschiedener Batterietypen und -größen
  • unterschiedliche Verpackungsszenarien (versteckt in Kunststoff, Metall, Papier)
  • Negativbeispiele, damit sie nicht jeden zylindrischen Gegenstand als Batterie einstuft

Das Modell lernt typische Muster:

  • wiederkehrende Geometrien von Akkuzellen
  • Materialdichten, die zu Metallen und Elektroden passen
  • Anordnungen von Zellen in Akkupacks

So entsteht ein Klassifikator, der in Millisekunden entscheidet: „Risikoobjekt – ja oder nein?“

Robustheit im Echtbetrieb

Industrieumgebungen sind alles andere als sauber und standardisiert:

  • stark schwankende Beleuchtung
  • Staub, Schmutz, Feuchtigkeit
  • Vibrationen und Erschütterungen

Eine robuste Lösung berücksichtigt all das:

  • automatische Kalibrierung der Sensoren
  • Fehlertoleranz und Plausibilitätsprüfungen
  • Kombination mit anderen Sensoren (z. B. Gewicht, Volumen)

Spannend für KI‑Interessierte: Genau diese Art von „unsichtbarer KI“ wird in den nächsten Jahren in vielen Branchen Standard werden – von der Logistik über die Produktion bis hin zur Abfallwirtschaft.


Was Kommunen, Entsorger und Bürger jetzt konkret tun können

Technik allein löst das Problem nicht. Es braucht Verhaltensänderung – und klare Zuständigkeiten.

Kommunen und öffentliche Hand

Kommunen haben mehrere Hebel:

  • Aufklärungskampagnen: Klare, einfache Botschaften – z. B. über Abfallkalender, Social Media, Schulen, Kindergärten.
  • Bessere Sammelstrukturen: Sammelboxen in Supermärkten, Drogerien, Schulen, Rathäusern; gut ausgeschilderte Annahmestellen an Wertstoffhöfen.
  • Förderprogramme: Unterstützung für lokale Entsorger bei der Anschaffung von KI‑basierten Sortieranlagen.
  • Rechtliche Vorgaben und Kontrollen: Stichprobenkontrollen, klare Sanktionen bei illegalen Entsorgungswegen im gewerblichen Bereich.

Entsorger und Recyclingunternehmen

Für Entsorger ist jetzt die Phase, in der sich Pioniere einen Vorsprung sichern:

  • Pilotanlagen testen und Kennzahlen (Brände, Ausfallzeiten, Versicherungsschäden) sauber dokumentieren
  • Mitarbeitende gezielt zu Akku‑Risiken und Umgang mit der neuen Technik schulen
  • mit Kommunen und Herstellern Kooperationen aufbauen, um Wertstoffströme besser zu steuern

Wer hier früh investiert, positioniert sich als verlässlicher Partner für sichere Kreislaufwirtschaft – ein starkes Verkaufsargument in Ausschreibungen.

Was jede und jeder im Alltag tun kann

Am Ende beginnt Brandschutz beim Müll zu Hause. Drei einfache Regeln reduzieren das Risiko massiv:

  1. Akkus niemals in den Restmüll oder Gelben Sack werfen – egal wie klein sie sind.
  2. Defekte oder aufgeblähte Akkus (z. B. von Smartphones) separat lagern und schnell über den Wertstoffhof oder Handel entsorgen.
  3. Geräte mit fest verbautem Akku (E‑Zigaretten, Spielzeug, Zahnbürsten) als Elektroschrott abgeben, nicht als normalen Hausmüll.

Wer ganz pragmatisch vorgehen will, legt sich einfach eine „Akku‑Box“ in der Wohnung oder im Keller an. Sobald die voll ist, geht sie gesammelt zum Recyclinghof oder zur Sammelstelle im Handel.


Ausblick: KI wird zum Standard in der Kreislaufwirtschaft

Die Richtung ist klar: Künstliche Intelligenz wird in der Circular Economy zu einer Schlüsseltechnologie.

Schon heute zeigen Projekte wie bei Korn und WeSort AI:

  • KI kann Akkus, Batterien, Spraydosen und Gasflaschen sicher im Müllstrom erkennen.
  • Entsorger reduzieren Brandrisiken massiv und gewinnen wertvolle Rohstoffe zurück.
  • Versicherer und Behörden bekommen belastbare Daten, wie sich Risiken tatsächlich verändern.

Die nächsten Schritte sind absehbar:

  • weitere Gefahrenquellen (z. B. Chemikalienbehälter) per KI erfassen
  • Sortierung nach Materialfraktionen optimieren (Kunststoffe, Metalle, Glas)
  • Daten aus Sortieranlagen nutzen, um Produktdesign zu verbessern (Design for Recycling)

Wer heute Verantwortung für Entsorgung, Stadtwerke oder Recycling trägt, sollte diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern aktiv gestalten. Jede Entscheidung, die jetzt für intelligente Sortierung und saubere Akku‑Entsorgung getroffen wird, spart in den kommenden Jahren Geld, schützt Mitarbeitende – und reduziert Brand- und Umweltgefahren für uns alle.

Die eigentliche Frage ist daher nicht mehr, ob KI in die Abfallwirtschaft kommt, sondern: Wie schnell setzen wir sie klug und flächendeckend ein?

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