KI-Kunst statt AI-Slop: Wie aus Prompts echte Werke werden

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

KI-Bilder sind entweder AI-Slop oder Auktionsware – dazwischen liegt ein riesiges Feld. Wie aus generativer KI echte Kunst und wertvoller Marketing-Content wird.

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KI-Kunst statt AI-Slop: Wie aus Prompts echte Werke werden

Derzeit entstehen weltweit Millionen KI-Bilder pro Tag – der Großteil davon ist das, was viele spöttisch „AI-Slop“ nennen: eine visuelle KI-Brühe aus Memes, belanglosen Fantasy-Szenen und „Shrimp Jesus“-Ästhetik. Trotzdem erzielen einzelne KI-Kunstwerke fünfstellige Beträge bei Auktionen und hängen längst in Museen.

Diese Spannung ist kein Randphänomen mehr. Für Kreative, Marken und Entscheider in Marketing & Vertrieb stellt sich 2025 eine sehr konkrete Frage: Wo hört Spielerei auf, wo beginnt Kunst – und wo entsteht echter geschäftlicher Wert?

In diesem Beitrag geht es darum, wie ernstzunehmende KI-Künstler arbeiten, warum KI tatsächlich „nur ein weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten“ ist – und wie Sie denselben Ansatz für Markenkommunikation, Content-Marketing und visuelles Storytelling nutzen können, ohne im AI-Slop zu landen.


1. KI als Werkzeug, nicht als Zauberstab

Wer KI als Zauberknopf für „coole Bilder“ sieht, produziert fast zwangsläufig Belanglosigkeit. Wer KI als Werkzeug behandelt, kann damit ein konsistentes künstlerisches oder markenstrategisches Konzept umsetzen.

Der Künstler Jacob Adler beschreibt es klar: Mal braucht man eine Kamera, mal Farbe, mal eben KI. Das Medium ist austauschbar – die künstlerische Haltung nicht. Genau diese Sichtweise ist auch für Unternehmen hilfreich.

Was professionelle KI-Kunst von „AI-Slop“ unterscheidet

Gute KI-Kunst entsteht nicht durch einzelne Prompts, sondern durch einen bewussten Prozess:

  • Klares Konzept: Thema, Stimmung, Zielgruppe, ästhetische Referenzen stehen vorher fest.
  • Iteratives Prompting: Ein Bild ist nicht „fertig“, nur weil der erste Output „okay“ aussieht.
  • Kuratiertes Aussortieren: 90 % der Ergebnisse landen im digitalen Papierkorb.
  • Weiterverarbeitung: Compositing, Retusche, Typografie, Animation – KI ist höchstens die erste Schicht.

Übertragen auf Marketing heißt das: Der Prompt ersetzt kein Briefing. Wer heute „Logo auf KI-Bild kleben“ mit Visual Branding verwechselt, schadet der Marke eher, als dass er Kosten spart.

„KI ist nur ein weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten. Entscheidend ist, wer ihn in der Hand hat.“


2. Demokratisierung der Kreativität – Chance und Risiko für Profis

Generative KI senkt die EinstiegshĂĽrden fĂĽr visuelle Inhalte radikal. Das ist gesellschaftlich spannend, aber fĂĽr professionelle Kreative und Agenturen auch unbequem.

Tools wie Midjourney, DALL·E oder Runway erlauben jeder Person, ohne Vorwissen Bilder und Videos zu erzeugen. Das erklärt, warum TikTok, Instagram & Co. überlaufen von generierten Clips, Tassen-Ballerinen und absurden Mischformen aus Disney, Anime und Gaming-Memes.

Warum „Jede:r kann KI-Künstler:in sein“ nur die halbe Wahrheit ist

Der Designer Henry Daubrez, dessen KI-Arbeiten als Bitcoin-NFT bei Sotheby’s für 24.000 US-Dollar verkauft wurden, formuliert es deutlich: KI wird keine ganze Generation von Genies hervorbringen. Technischer Zugang reicht nicht. Entscheidend sind:

  • Geschmack und ästhetisches Urteil
  • Bildaufbau, Komposition, Storytelling
  • Konsequente stilistische Linie
  • Verständnis fĂĽr Zielgruppe und Kontext

Genau das gilt im Marketing: Nur weil jede Person im Unternehmen ein Bild generieren kann, heiĂźt das nicht, dass dabei markenkonforme Kommunikation entsteht. Wer seine Brand-Assets schĂĽtzen will, braucht klare Regeln.

Was das fĂĽr Unternehmen konkret bedeutet

Wer KI ernsthaft in Marketing & Vertrieb nutzen will, sollte 2025 mindestens diese drei Dinge tun:

  1. KI-Design-Guidelines definieren

    • Welche Farbwelten, Bildstile, Perspektiven sind „on brand“?
    • Welche Themen und Motive sind tabu (Ethik, Diversity, Stereotype)?
  2. Rollen klären

    • Wer darf KI-Assets erzeugen?
    • Wer kuratiert und gibt final frei (Brand Management, Art Direction)?
  3. Wissen aufbauen statt nur Tools zu kaufen

    • Schulungen zu Prompting, Bildrecht, Urheberrecht, Corporate Design.
    • Interne Best-Practice-Bibliothek fĂĽr erfolgreiche KI-Kampagnen.

So wird aus vermeintlicher Bedrohung eine Skalierungschance, ohne Qualitätsverlust.


3. Glitches, Fehler, Unheimliches: Wenn KI-Kunst spannend wird

Die interessantesten KI-Werke entstehen oft dort, wo das System „scheitert“ – in Glitches, Deformationen und merkwürdigen Details.

Die Künstlerin Beth Frey war genau davon fasziniert: deformierte Hände, leicht verstörende Gesichter, surreale Übergänge. Je „besser“ die Modelle wurden, desto langweiliger fand sie viele Outputs. Heute muss sie bewusst gegen die Perfektion arbeiten, um wieder Brüche zu erzeugen.

Warum Perfektion langweilig ist – für Kunst und Werbung

Glatt polierte KI-Bilder im generischen „Stockfoto“-Look funktionieren vielleicht einmal als Blickfang. Danach verschwimmen sie im Feed. Was im Gedächtnis bleibt, sind:

  • Störmomente (ein unerwarteter Stilbruch, eine irritierende Perspektive),
  • unfertige Ă„sthetiken (Skizzenhaftes, Collagen, Mixed Media),
  • bewusste Imperfektion (Korn, Unschärfe, sichtbare Bearbeitungsschritte).

FĂĽr Markenkommunikation bedeutet das:

  • KI-Bilder dĂĽrfen nach Arbeit aussehen.
    Kombination aus Foto, 3D, KI und Typografie wirkt oft stärker als „fertiges“ KI-Poster.
  • Unperfekte Details können bewusst gesetzt werden.
    Ein bisschen „Glitch“ erzeugt Aufmerksamkeit – solange er gesteuert ist.

Praktische Ideen fĂĽr Marken und Creator

So lassen sich künstlerische KI-Ansätze im Marketing nutzen:

  • Editorial-Cover & Key Visuals mit bewusst surrealen Bildwelten statt plumper Symbolik.
  • Serienhaftes Storytelling: wiederkehrende Figuren oder visuelle Motive, generiert und variiert per KI.
  • Experimente fĂĽr Social Media:
    • „Vorher: reines Produktfoto – Nachher: kĂĽnstlerische KI-Interpretation“
    • Community-Prompts: Follower liefern Ideen, Marke setzt sie in einer klaren Ă„sthetik um.

Wer KI als ästhetischen Spielraum und nicht als „Stockfoto-Maschine“ begreift, hebt sich deutlich von den üblichen AI-Slop-Posts ab.


4. Von der Cloud ins Museum – und ins Marketingbudget

KI-Bilder hängen längst im Museum – und sie spielen zunehmend auch in ernsthaften Marketingbudgets eine Rolle.

Der Kurzfilm „Trickster“ von Kira Xonorika ist das erste Werk mit generativer KI in der ständigen Sammlung des Denver Art Museum. Entscheidend daran ist nicht der Hype um KI, sondern der künstlerische Ansatz:

  • KI dient als Mitgestalter, nicht als Ersatz der KĂĽnstlerin.
  • Unvorhersehbarkeit wird akzeptiert – und gezielt genutzt.
  • Die Arbeit ist in eine klare inhaltliche Erzählung eingebettet.

Was Unternehmen davon lernen können

Ăśbertragen auf Marketing & Vertrieb ergeben sich drei zentrale Prinzipien:

  1. KI nie isoliert denken
    KI-Visuals sind am stärksten, wenn sie Teil einer Kampagnenidee sind: Claim, Narrative, Touchpoints. Ein generiertes Motiv ohne Story ist schnell vergessen.

  2. Unvorhersehbarkeit zulassen – aber einhegen
    Viele Teams erwarten von KI absolute Kontrolle. Paradox: Je enger der Prompt, desto generischer das Ergebnis. Besser ist:

    • Kreative Bandbreite im Prompt zulassen,
    • dann kuratieren,
    • anschlieĂźend gezielt nachschärfen.
  3. Widerstand einplanen
    KI-Design trifft intern oft auf Skepsis: „Sieht künstlich aus“, „Ist das überhaupt erlaubt?“. Wer früh testet, Feedback sammelt und kleine Pilotprojekte startet (z.B. für interne Kampagnen), baut Akzeptanz Schritt für Schritt auf.

Konkrete Marketing-Use-Cases jenseits von Stockbildern

Einige wirkungsvolle Einsatzfelder, die 2025 in deutschen Unternehmen gut funktionieren, sind:

  • Personalisierte Visuals fĂĽr Sales-Präsentationen
    Branchen- oder kundenspezifische Szenarien, statt generischer PowerPoint-Grafiken.

  • Schnelle Motiventwicklung fĂĽr Kampagnen
    Dutzende Varianten in wenigen Stunden testen, bevor Shooting oder Illustration gebrieft werden.

  • Content-Serien fĂĽr Social & Newsletter
    Eine konsistente KI-Ästhetik, die sich wie eine Bildmarke durch alle Kanäle zieht.

  • Interne Kommunikation & Employer Branding
    Kreative Visualisierungen der Unternehmenskultur, Onboarding-Guides, Team-Poster, Event-Teaser.


5. Anerkennung, Urheberrecht, Ethik: Was 2025 geklärt werden muss

Der größte Konflikt rund um KI-Kunst ist nicht technisch, sondern kulturell und rechtlich: Wer gilt als Urheber, und wessen Arbeit steckt im Training der Modelle?

Viele Profikünstler sehen KI-Bilder als „Diebstahl auf Datenebene“, weil Modelle auf riesigen Datensätzen trainiert werden, in denen auch ihre Werke landen. Gleichzeitig kämpfen KI-Künstler um Anerkennung, weil ihre Arbeit – Konzeption, Auswahl, Bearbeitung – oft mit der Floskel „Hat doch nur die KI gemacht“ abgetan wird.

Was das fĂĽr Unternehmen konkret bedeutet

Wer KI im Marketing seriös einsetzen will, sollte 2025 mindestens diese Fragen beantworten:

  • Welche Tools sind rechtlich und datenschutzseitig freigegeben?
    Idealerweise mit Unternehmensaccount, klaren Nutzungsbedingungen und dokumentierter Herkunft.

  • Wie gehen wir mit Stil-Nachahmung um?
    Kein „Mach mir ein Bild wie [bekannte:r Künstler:in]“, sondern eigene Stilbibliotheken aufbauen.

  • Wie kennzeichnen wir KI-Inhalte?
    Transparente Hinweise („Visual erstellt mit generativer KI“) stärken Vertrauen, statt es zu schwächen.

  • Wer trägt Verantwortung?
    Am Ende haftet immer das Unternehmen, nicht das Tool. Deshalb braucht es klare Freigabeprozesse.

Anerkennung für KI-Künstler – und für interne Kreativteams

Solange KI nur als „Button“ wahrgenommen wird, bleiben alle, die professionell damit arbeiten, unterschätzt – ob freie Artists oder Inhouse-Designer. Unternehmen verschenken hier Potenzial:

  • KI-Spezialist:innen im Team sichtbar machen
    Präsentationen, interne Showcases, Guidelines mit Namensnennung.
  • Zeit fĂĽr Forschung & Entwicklung einplanen
    Wer ausschließlich „auf Knopfdruck“ liefern muss, wird zwangsläufig wieder AI-Slop produzieren.

Gerade für Marken ist das eine Chance: Wer intern eine starke KI-Bildsprache entwickelt, schafft sich einen Vorsprung, den sich nicht einfach wegprompten lässt.


Fazit: Wie Sie KI sinnvoll in Ihren kreativen Werkzeugkasten einbauen

KI-Kunst ist weder per se Schund noch automatisch genial. Sie ist Handwerk, Haltung und Entscheidungsarbeit – wie jede andere Form von Gestaltung auch.

Wer generative KI im Marketing, in der Kommunikation oder im Vertrieb einsetzen will, sollte sich von zwei Extremen verabschieden: vom blinden Tool-Hype und von der reflexhaften Ablehnung. Der praktikable Mittelweg sieht so aus:

  • KI als Werkzeug unter vielen begreifen, nicht als Feind oder Allheilmittel.
  • Einen klaren Stil und verbindliche Guidelines fĂĽr KI-Visuals entwickeln.
  • KĂĽnstlerische Unschärfen, Glitches und Experimente gezielt zulassen.
  • Rechtliche und ethische Fragen proaktiv klären statt im Zweifel später zu reagieren.

Wer das ernst nimmt, produziert keine visuelle KI-Brühe, sondern Bilder und Videos, die etwas erzählen – und die messbar helfen, Aufmerksamkeit, Reichweite und Umsatz zu steigern.

Wenn Sie 2025 darüber nachdenken, KI systematisch in Marketing & Vertrieb zu integrieren, lohnt sich eine einfache Frage: Wo könnte KI in Ihrem Werkzeugkasten heute schon ein sinnvolles Werkzeug sein – und welches Projekt eignet sich als erster ernstgemeinter Test?