KI-Hinweise in der Werbung: Was New York für Marken bedeutet

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

New York führt Kennzeichnungspflichten für KI-Werbung ein. Was das für Marken in Deutschland bedeutet – und wie Sie KI im Marketing transparent und rechtssicher nutzen.

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KI-Hinweis in der Werbung: Warum New York ein Signal für Marketer sendet

2025 ist das Jahr, in dem KI-generierte Menschen in Spots, Bannern und Social Ads endgültig im Mainstream angekommen sind. Avatare, die aussehen wie echte Models, aber in Sekunden aus der Cloud kommen – günstiger, skalierbarer, perfekt optimierbar.

Genau deshalb zieht New York jetzt die Reißleine: Als erster US-Bundesstaat will er Transparenzpflichten für KI-Personen in der Werbung einführen. Gleichzeitig versucht Donald Trump auf Bundesebene, genau solche Regeln wieder auszuhebeln. Für deutsche Marketing- und Vertriebsverantwortliche ist das mehr als eine kuriose US-Meldung – es ist ein Vorgeschmack darauf, was uns hier in den nächsten Monaten erwartet.

In dieser Ausgabe unserer Reihe „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ geht es darum, was hinter dem New Yorker Gesetz steckt, warum der politische Gegenwind aus Washington wichtig ist – und wie Sie Ihr KI-Marketing jetzt so aufstellen, dass es rechtssicher, vertrauenswürdig und wirtschaftlich sinnvoll bleibt.


Was New York konkret plant – und warum das die Branche aufschreckt

New York führt ein einfaches, aber wirksames Prinzip ein: Wenn in Werbung KI-generierte Personen statt echter Menschen auftauchen, muss das klar gekennzeichnet werden.

  • Beim ersten Verstoß drohen 1.000 Dollar Strafe
  • Bei weiteren Verstößen steigt das Bußgeld auf 5.000 Dollar

Der Hintergrund: KI-Avatare sind inzwischen so realistisch, dass Laien sie kaum noch von echten Menschen unterscheiden. Für Verbraucher ist nicht mehr erkennbar, ob eine Person tatsächlich existiert oder nur ein synthetisches Gesicht ist, das perfekt zur Zielgruppe „passt“.

Befürworter des Gesetzes argumentieren:

Wer mit nicht-existierenden Personen Produkte verkauft, schuldet den Menschen Transparenz.

Der McDonald’s-Fall als warnendes Beispiel

Dass dieses Thema hoch emotional ist, hat ein aktueller Fall gezeigt: McDonald’s in den Niederlanden veröffentlichte einen komplett KI-generierten Werbeclip – inklusive KI-Personen. Der Spot wurde nach einem Shitstorm wieder zurückgezogen.

Die Kritik drehte sich weniger um „Technikfeindlichkeit“, sondern um drei Punkte, die auch für deutsche Marketer entscheidend sind:

  • Authentizität: Viele Nutzer fühlten sich getäuscht, weil sie erst spät bemerkten, dass die vorkommenden Menschen nicht real waren.
  • Jobangst: Echte Creator, Fotografen, Models und Filmteams sahen ihre Arbeit durch synthetische Produktionen ersetzt.
  • Ethik: Wenn Marken schon beim Werbegesicht tricksen – wie verlässlich sind dann Produktversprechen?

Für New York ist genau diese Gemengelage der Anlass zu sagen: KI ja, aber nicht heimlich.


Trump vs. New York: Machtkampf um die Regeln für KI

Parallel zum New Yorker Gesetz versucht US-Präsident Donald Trump, bundesstaatliche KI-Regelungen generell auszubremsen. Sein Erlass weist die Bundesregierung an, lokale KI-Gesetze zu prüfen und sie anzufechten, wenn sie nicht zur nationalen KI-Strategie passen.

Die Regierung argumentiert so:

  • Ein „Flickenteppich“ aus 50 verschiedenen KI-Gesetzen schade der Innovationskraft der USA.
  • Die Tech-Industrie brauche möglichst wenige Einschränkungen, um im globalen KI-Wettbewerb mitzuhalten.

Gleichzeitig wurden unter Trump Schutzleitplanken gelockert, die noch aus der Biden-Ära stammten und Schaden durch KI-Nutzung begrenzen sollten. Für Behörden wird zudem gefordert, nur „ideologisch neutrale“ KI einzusetzen – was vor allem ein politisch motivierter Kampfbegriff der rechten Szene ist.

Was hat das mit deutschem Marketing zu tun?

Mehr, als es auf den ersten Blick scheint:

  1. US-Regeln wirken global. Was in den USA zu KI-Transparenz, Deepfakes oder Modellhaftung entschieden wird, prägt auch Tools und Plattformen, die deutsche Marketer nutzen.
  2. Der Konflikt spiegelt unsere eigene Debatte. Auch in Deutschland prallen zwei Lager aufeinander: „Innovation first“ vs. „Schutz, Transparenz, Regulierung“.
  3. Der EU AI Act und nationale Gesetze kommen. New York zeigt, in welche Richtung Detailregeln gehen können – Kennzeichnungspflichten, Dokumentationspflichten, Haftungsfragen.

Die Realität: Diese Fragen klärt man besser proaktiv in der Marketingabteilung, bevor der Gesetzgeber es erzwingt.


Warum Transparenz über KI-Werbung für Marken ein Vorteil ist

Viele Unternehmen sehen Kennzeichnungspflichten zunächst als lästige Hürde. Aus Marketingsicht ist das aber zu kurz gedacht. Transparenz bei KI im Marketing ist ein Vertrauensbooster – gerade im deutschen Markt.

Drei harte Fakten, die Sie im Blick haben sollten

  1. Vertrauen schlägt kurzfristige Conversion. Deutsche Konsumenten reagieren sensibel auf Intransparenz. Wer heute Klicks maximiert, aber Misstrauen sät, zahlt morgen mit Markenwert.
  2. Regeln kommen sowieso. Der EU AI Act ist beschlossen, datenschutzrechtliche Leitplanken sind längst da. Wer seine KI-Strategie jetzt auf „saubere“ Füße stellt, spart später viel Umbau.
  3. Transparenz nimmt Angst. Mitarbeitende und Kund:innen akzeptieren KI deutlich eher, wenn klar ist: Wo wird sie eingesetzt? Wofür? Und wo entscheiden weiterhin echte Menschen?

Konkrete Marketingvorteile von KI-Kennzeichnung

  • Stärkere Brand Safety: Sie senken das Risiko von Shitstorms wie im McDonald’s-Fall.
  • Bessere Compliance-Argumentation: Für Legal, Betriebsrat und Datenschutzbeauftragte wird es einfacher, KI-Projekte freizugeben.
  • Differenzierung im Markt: Wer aktiv offenlegt, wo KI zum Einsatz kommt, positioniert sich als verantwortungsbewusste Marke.

Ich empfehle vielen Unternehmen mittlerweile ganz klar:

„Wenn ihr in Kampagnen KI-Avatare, synthetische Stimmen oder Deepfake-Lösungen nutzt, kennzeichnet es lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“


Praxis: Wie Sie KI im Marketing kennzeichnen – ohne Ihre Kampagnen zu schwächen

Die spannende Frage für CMOs und Vertriebsleiter lautet: Wie integriert man KI-Transparenz intelligent in den Marketing-Alltag? Hier ein pragmatischer Ansatz, der auch im deutschen Rechts- und Kulturkontext funktioniert.

1. Klare interne Definitionen schaffen

Bevor es um Außenkommunikation geht, braucht es intern eine saubere Linie:

  • Was gilt bei uns als „KI-generierte Person“? (Avatare, komplett synthetische Gesichter, per KI erstellte Models, digital verjüngte Menschen, etc.)
  • Welche KI-gestützten Inhalte wollen wir grundsätzlich kennzeichnen? (Bilder, Videos, Texte, Stimmen)
  • Wo ziehen wir die Grenze zwischen „nur unterstützt“ und „vollständig KI-generiert“?

Dokumentieren Sie diese Definitionen in Ihrem KI-Policy-Dokument – idealerweise als Teil Ihrer übergeordneten AI Governance für Marketing & Vertrieb.

2. Ein einfaches Kennzeichnungssystem etablieren

Sie brauchen keine komplizierten Piktogramme – wichtig ist Klarheit und Wiedererkennbarkeit. Beispiele:

  • Kurzer Hinweis im Abspann eines Spots: „Enthält KI-generierte Personen.“
  • In Social Ads: Kleine Textzeile à la „Visual erstellt mit KI“.
  • Auf der Website: Fußnote unter Visuals, z.B. „Bild KI-generiert“.

Bewährt hat sich ein dreistufiges Schema:

  1. „Reale Personen, real gefilmt“ (kein Hinweis nötig)
  2. „Reale Personen, KI-optimiert“ (Retusche, leichte Anpassung – optionaler Hinweis)
  3. „Vollständig KI-generierte Personen oder Szenen“ (klarer Hinweis empfehlenswert)

3. Recht, HR und Datenschutz früh ins Boot holen

Wer KI im Vertrieb nutzt – etwa mit synthetischen Sales-Avataren, KI-Sprachbots oder personalisierten Videoansprachen – berührt sofort sensible Bereiche: Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Arbeitsrecht.

Mein Rat aus Projekten mit deutschen Mittelständlern:

  • Holen Sie Legal & Datenschutz in die Konzeption, nicht erst zur finalen Freigabe.
  • Binden Sie HR und Betriebsrat früh ein, wenn KI echte Menschen sichtbar ersetzt oder ergänzt.
  • Erstellen Sie ein Freigabe-Template speziell für KI-Kampagnen (Tool, Trainingsdaten, Risiko, Kennzeichnung, Verantwortliche).

So vermeiden Sie endlose Grundsatzdiskussionen kurz vor Kampagnenstart.

4. Transparenz aktiv in die Markenstory integrieren

Transparenz ist kein notwendiges Übel, sondern kann Teil Ihrer Brand Story werden. Beispielsweise:

  • „Wir nutzen KI, um schneller kreative Varianten zu testen – aber die Markenbotschaft kommt immer von Menschen.“
  • „Unsere KI-Avatare entlasten das Team von Routineaufgaben, damit unsere Berater mehr Zeit für persönliche Kundengespräche haben.“

Vor allem im B2B-Vertrieb funktioniert das gut: KI-gestützte Kundenanalyse und Predictive Analytics werden viel eher akzeptiert, wenn klar ist, dass der finale Vertriebsentscheid weiterhin bei Menschen liegt.


Was deutsche Unternehmen aus New York konkret lernen sollten

New York liefert kein 1:1-Vorbild für Deutschland. Aber es zeigt sehr deutlich, in welche Richtung die Erwartungen an KI im Marketing gehen: Weg von verdeckter Automatisierung, hin zu sichtbarer, verantwortlicher Nutzung.

Fünf Schritte, die Sie 2026 angehen sollten

  1. KI-Inventur im Marketing und Vertrieb

    • Wo setzen Sie heute schon KI ein? (Texte, Bildgenerierung, Targeting, Scoring, Chatbots, Sales-Forecasts)
    • Wo kommen synthetische Personen, Stimmen oder Deepfakes zum Einsatz – direkt oder über Dienstleister?
  2. Einfache KI-Richtlinie für Kommunikation definieren

    • 2–3 Seiten reichen für den Start: Was wir tun, was wir nicht tun, wie wir kennzeichnen.
  3. Pilotkampagne mit transparenter KI-Kennzeichnung

    • Testen Sie in einem Markt oder Kanal, wie Kund:innen und Stakeholder auf klare KI-Hinweise reagieren.
  4. Trainings für Marketing- und Vertriebsteams

    • Nicht nur Tools erklären, sondern vor allem: rechtliche Basics, Ethik, Best Practices aus Fällen wie McDonald’s.
  5. KI als Business-Hebel positionieren

    • Verknüpfen Sie Transparenz mit harten Zahlen: höhere Effizienz, schnellere A/B-Tests, bessere Personalisierung, stabiler Markenwert.

Passt das zur Reihe „KI für Marketing & Vertrieb“?

Ja – denn der eigentliche Hebel liegt nicht darin, noch ein weiteres KI-Tool einzuführen, sondern KI intelligent in Strategie, Prozesse und Kultur einzubauen:

  • KI-gestützte Kundenanalyse funktioniert nur, wenn Kund:innen wissen, dass Daten fair genutzt werden.
  • Content-Automatisierung skaliert, wenn klar ist, welche Assets KI-basiert sind und welche nicht.
  • Predictive Analytics im Vertrieb braucht Vertrauen in die Modelle – intern wie extern.

New York erinnert uns daran: Ohne Vertrauen bringt der beste KI-Stack keinen nachhaltigen ROI.


Fazit: KI nutzen – aber sichtbar, fair und souverän

New York zwingt Marken, offen mit KI-generierten Personen in der Werbung umzugehen, während Trump versucht, solche Regeln zu bremsen. Dieser Konflikt steht exemplarisch für die weltweite Auseinandersetzung: Wie viel Freiheit braucht Innovation – und wie viel Schutz braucht die Gesellschaft?

Für deutsche Marketing- und Vertriebschefs ist die Botschaft klar:

  • Rechnen Sie mit mehr Transparenzpflichten bei KI-Werbung.
  • Nutzen Sie diese Entwicklung, um Vertrauen in Ihre Marke zu stärken.
  • Verankern Sie KI-Transparenz jetzt in Ihrer Leitlinie für Marketing & Vertrieb.

Wer heute beginnt, KI nicht nur effizient, sondern sichtbar verantwortungsvoll einzusetzen, wird 2026 nicht von Regulierung überrascht, sondern ist einen Schritt voraus – technisch, rechtlich und vor allem im Kopf Ihrer Kund:innen.

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