Aus KI-Gatsch Wert schaffen: Chancen statt Chaos

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

KI-Video à la Sora erzeugt massenhaft „KI-Gatsch“. Wie Industrie-KMU daraus echten wirtschaftlichen Wert statt Chaos machen – mit klarer Strategie und Pilotprojekten.

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Aus KI-Gatsch Wert schaffen: Chancen statt Chaos

Mit dem Start von OpenAIs Sora 2 vor zwei Monaten ist ein neuer Rekord gefallen: Noch nie war es so einfach, in Sekunden täuschend echte Videos zu erzeugen – ohne Kamera, ohne Drehteam, nur mit Text. Gleichzeitig sprechen Medien und Fachleute zunehmend vom „KI‑Gatsch“: einer Flut aus mittelmäßigen, beliebigen Inhalten, die soziale Netzwerke zustopft und die Orientierung erschwert.

Für österreichische Industrie‑KMU stellt sich gerade im Dezember 2025 eine sehr konkrete Frage: Wie kann man diese Technologie nutzen, um echten wirtschaftlichen Wert zu schaffen – und nicht nur mehr digitalen Gatsch zu produzieren?

In diesem Beitrag geht es nicht um Hype, sondern um Praxis. Ich zeige, was KI‑Video à la Sora für Ihr Unternehmen bedeutet, wo reale Geschäftsmodelle liegen, welche Risiken (Desinformation, Urheberrecht, Vertrauensverlust) relevant sind – und wie Sie als KMU einen klaren, verantwortungsvollen Fahrplan entwickeln können.


Was hinter dem „KI-Gatsch“ steckt – und warum er Ihnen schadet

Der Kern des Problems ist simpel: KI macht Content extrem billig, aber die Aufmerksamkeit der Menschen bleibt knapp. Das erzeugt Gatsch.

KI-Video mit Sora & Co.: ein kurzer Überblick

Modelle wie Sora 2, Runway oder Pika können aus einem Textprompt:

  • realistische Produktvideos generieren
  • animierte Anleitungen und Schulungen erstellen
  • komplexe Szenen mit Menschen, Maschinen und Umgebungen darstellen

Die Kosten pro Clip sinken damit von mehreren tausend Euro für einen professionellen Dreh auf teilweise unter 100 Euro an internen Aufwand – manchmal sogar nur auf wenige Minuten Arbeitszeit.

Warum „KI-Gatsch“ für KMU ein echtes Risiko ist

Der Begriff beschreibt die Masse austauschbarer Inhalte, die:

  • visuell beeindruckend, aber fachlich flach sind
  • Urheberrecht und Markenrechte missachten
  • Vertrauen in Bilder und Videos allgemein untergraben

Für Industrie‑KMU entstehen dadurch drei konkrete Probleme:

  1. Vertrauensverlust bei Kund:innen – Wenn niemand mehr sicher ist, ob ein Video echt ist, wird jedes Testimonial, jede Referenz skeptischer betrachtet.
  2. Signal geht im Rauschen unter – Ihre seriösen Inhalte verschwinden im Strom der KI-Clips auf LinkedIn, TikTok und Co.
  3. Rechtliches Minenfeld – Unsauber eingesetzte KI kann zu Urheberrechtsverletzungen, Markenrechtsproblemen oder Datenschutzrisiken führen.

Die Realität: Wer KI‑Video einfach nur „auch irgendwie“ nutzt, trägt meist selbst zum Gatsch bei. Wert entsteht erst, wenn Technologie mit klarer Strategie verbunden wird.


Wie sich mit KI-Video wirklich Geld verdienen lässt

Die direkte Monetarisierung über Apps oder Plattformen ist für die großen Tech‑Konzerne selbst noch offen. Für KMU in der Industrie sieht es anders aus: Geld verdienen Sie nicht mit der Technologie an sich, sondern mit besseren Prozessen, effizienterem Vertrieb und neuen Services.

1. Vertrieb und Marketing: Mehr Abschlüsse bei gleichen Leads

Der stärkste Hebel liegt im B2B‑Vertrieb.

Konkrete Anwendungsfälle:

  • Produktvideos on demand: Varianten Ihrer Maschinen oder Anlagen als KI‑Video für bestimmte Branchen (z.B. Lebensmittel, Automotive, Bau).
  • Angebotsvideos: Zur Angebotserstellung gehört ein kurzes, personalisiertes KI‑Video, das dem Kunden zeigt, wie die Lösung in seiner Halle aussehen könnte.
  • Erklärvideos für komplexe Produkte: KI generiert Visualisierungen von Prozessen, die sonst nur in technischen Zeichnungen existieren.

Messbare Effekte, die andere Unternehmen bereits sehen:

  • höhere Angebotsakzeptanz (z.B. +15–25 %, weil Kund:innen das Ergebnis besser verstehen)
  • kürzere Sales‑Zyklen (schnellere interne Freigaben beim Kunden)
  • reduzierte Reisekosten, weil ein Teil der Vorführung digital passiert

2. Service und Schulungen: Kosten runter, Qualität rauf

Auch im After‑Sales‑Bereich entsteht direkt wirtschaftlicher Nutzen.

Beispiele:

  • Schulungs‑Videos für Bediener:innen: Statt mehrtägiger Vor‑Ort‑Trainings: modulare KI‑Videos mit animierten Maschinen, Schritt‑für‑Schritt‑Abläufen und Sicherheitshinweisen.
  • Fehlerdiagnose visualisieren: KI generiert kurze Clips zu typischen Störungen – Techniker:innen vor Ort sehen exakt, was zu tun ist.
  • Mehrsprachige Versionen: Aus einem deutschen Basisskript lassen sich automatisch englische, tschechische, polnische oder ungarische Varianten erstellen.

Das senkt:

  • Schulungsaufwand der eigenen Mitarbeiter:innen
  • Stillstandszeiten beim Kunden
  • Reisekosten für Serviceeinsätze

3. Interne Prozesse: Know-how sichern

Viele Industrie‑KMU stehen vor einem demografischen Problem: Know‑how geht mit der Pensionierung erfahrener Fachkräfte verloren. KI‑Video kann helfen, dieses Wissen zu konservieren.

Praktische Ansätze:

  • Aufnahme von Interviews oder Arbeitsabläufen mit erfahrenen Mitarbeiter:innen
  • Umwandlung dieser Inhalte in strukturierte, animierte KI‑Erklärvideos
  • Aufbau einer internen Wissensmediathek für neue Kolleg:innen, Lehrlinge und Quereinsteiger:innen

Hier wird zwar kein Geld „verdient“, aber sehr wohl verhindert, dass Know‑how verloren geht – was langfristig Millionen sparen kann.


Die Schattenseiten: Desinformation, Urheberrecht, Wahrnehmung

Während Anbieter wie OpenAI hauptsächlich die Potenziale bewerben, warnen Fachleute weltweit vor massiven gesellschaftlichen Nebenwirkungen – und die betreffen auch Ihr Unternehmen.

Desinformation und Fake-Videos: Risiko für Marken

Mit Sora & Co. sind Deepfakes nicht mehr nur ein Polit‑Thema. Denkbare Szenarien für österreichische Industrie‑KMU:

  • gefälschte Videos, in denen angeblich Ihre Maschine Unfälle verursacht
  • manipulierte „Kundenvideos“, die Qualitätsmängel suggerieren
  • erfundene „Stellungnahmen“ einer Geschäftsführung, die nie stattgefunden haben

Unternehmen brauchen daher klare Prozesse für den Umgang mit Fake‑Inhalten:

  • Monitoring von Social Media und wichtigen Branchenplattformen
  • vorbereitete Kommunikationslinien („Wenn ein Falschvideo auftaucht, reagieren wir innerhalb von X Stunden so und so…“)
  • verständliche Erklärung für Kund:innen, wie echte Inhalte verifiziert werden können

Urheberrecht: KI ist nicht rechtsfrei

Auch wenn ein Video von einer KI generiert wurde, bedeutet das nicht automatisch, dass alles erlaubt ist. Kritische Punkte:

  • Trainingsdaten: Viele KI‑Modelle wurden mit urheberrechtlich geschütztem Material trainiert. Juristisch ist hier noch vieles in Bewegung.
  • Stilkopien: Wenn Sie bewusst den Stil eines bestimmten Künstlers oder Filmemachers imitieren lassen, kann das zu Konflikten führen.
  • Logos, Marken, reale Personen: Deren Erscheinungsbild ohne Erlaubnis in KI‑Videos zu nutzen, ist in der Regel nicht zulässig.

Mein Rat: Recht früh juristischen Rat einholen, zumindest auf Ebene der Grundsatzfragen. Ein einstündiges Gespräch mit einer IP‑Kanzlei kostet weniger als eine einzige Abmahnung.

Wahrnehmung der Welt: Wenn alles „synthetisch“ wird

Je mehr KI‑Videos unseren Feed füllen, desto stärker verschiebt sich die Wahrnehmung:

  • Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.
  • Menschen gewöhnen sich an „perfekte“ Szenen, die es real gar nicht gibt.
  • Vertrauen in echte, unperfekte Aufnahmen sinkt.

Für Kommunikationsverantwortliche stellt sich daher eine ethische Frage: Wie kennzeichnen wir KI‑Inhalte transparent, ohne uns selbst zu schaden? Ich bin klar der Meinung: Ehrlichkeit zahlt sich langfristig aus. Wer offen mit KI umgeht, baut Vertrauen auf, statt es auszunutzen.


Strategischer Fahrplan: Wie österreichische KMU starten sollten

Der sinnvollste Weg in Richtung KI‑Video ist kein „Großprojekt“, sondern ein fokussiertes Pilotprogramm mit klaren Zielen.

Schritt 1: Geschäftsziel statt Technikfokus

Bevor Tools verglichen werden, braucht es eine simple Entscheidung: Welches betriebswirtschaftliche Ziel hat unser erster Einsatz? Zum Beispiel:

  • „Konversionsrate im Vertrieb um 10 % steigern“
  • „Schulungskosten pro Mitarbeiter:in um 30 % senken“
  • „Zeit bis zur Einarbeitung neuer Servicetechniker:innen halbieren“

Erst danach wird entschieden, ob KI‑Video das richtige Mittel ist.

Schritt 2: Kleines, messbares Pilotprojekt

Ein brauchbarer Pilot für 3 Monate könnte sein:

  • Auswahl eines Produkts und einer Zielbranche
  • Erstellung von 3–5 KI‑Videos (Produktdemo, Anwendungsfall, kurzer Erklärclip)
  • Einsatz dieser Videos in Angeboten, auf der Website und im Vertriebsgespräch
  • Messung: Abschlussquoten, Rückfragen, Feedback von Kund:innen

Wichtig: Der Pilot braucht klare Verantwortlichkeiten (z.B. Vertrieb + Marketing + IT) und eine einfache Erfolgsmessung.

Schritt 3: Leitlinien für verantwortungsvollen Einsatz

Damit Ihr Unternehmen nicht selbst zum Produzenten von KI‑Gatsch wird, sollten früh interne Richtlinien definiert werden, z.B.:

  • Transparenz: Wann kennzeichnen wir Inhalte als KI‑generiert?
  • Qualitätsstandard: Wer prüft Fakten, technische Daten, Sicherheitsangaben?
  • Rechteklärung: Welche Tools sind approved, welche Prompt‑Regeln gelten (keine Marken, keine realen Personen ohne Einwilligung usw.)?
  • Freigabeprozess: Ab welcher Risikostufe (z.B. Sicherheitsanleitungen) ist eine zusätzliche Fachprüfung nötig?

Solche Leitlinien müssen kein 50‑seitiges Regelwerk sein. Eine zweiseitige, klare „KI‑Hausordnung“ reicht für den Anfang völlig.

Schritt 4: Kompetenzen im Team aufbauen

KI‑Video wird kein reines IT‑Thema. Erfolgreich sind Unternehmen, die Kompetenz dort aufbauen, wo Wert entsteht:

  • im Vertrieb (Storytelling, Kundennutzen formulieren)
  • im Produktmanagement (technische Richtigkeit, Use Cases)
  • im Service (Ablaufbeschreibungen, Fehlerszenarien)

Praxisnah sind kurze „Prompting‑Workshops“ für 6–10 Personen, in denen an echten Unternehmensbeispielen gearbeitet wird, statt an generischen Online‑Tutorials.


Was Sie jetzt konkret tun können

Sora 2 und andere KI‑Video‑Systeme werden 2026 noch mächtiger sein. Warten löst das Grundproblem aber nicht: Wer heute keine Strategie entwickelt, wird morgen vom KI‑Gatsch der anderen überrollt.

Drei konkrete Schritte für die nächsten 30 Tage:

  1. Interne Standortbestimmung: Welche Bereiche (Vertrieb, Service, Schulung) hätten kurzfristig den größten Nutzen von gut gemachten Videos?
  2. Mini‑Workshop organisieren: 2–3 Stunden mit Vertrieb, Marketing und IT, um 2–3 Pilotszenarien zu definieren und ein Ziel festzulegen.
  3. Pilot starten: Ein klar umrissenes Projekt (z.B. Angebotsvideos für eine Produktlinie), begrenztes Budget, definierte Erfolgskennzahlen.

Wer KI‑Video so angeht, produziert kein KI‑Gatsch, sondern baut Schritt für Schritt einen echten Wettbewerbsvorteil auf. Gerade für österreichische Industrie‑KMU ist das eine Chance: nicht die lautesten, buntesten Videos zu machen, sondern die nützlichsten – für Kund:innen, Partner und die eigenen Mitarbeiter:innen.


Hinweis: Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunkts „KI in der österreichischen Industrie: Leitfaden für KMU“ und richtet sich an Geschäftsführungen, Bereichsleiter:innen und Digitalverantwortliche, die KI nicht als Modewort, sondern als Werkzeug für messbaren Nutzen verstehen wollen.

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