KI knackt Passwörter, Angriffe nehmen zu – und Marketing & Vertrieb sitzen mitten im Feuer. Wie moderne Go-to-Market-Teams Cybersicherheit als Wachstumsfaktor nutzen.
KI, Passwörter & Weltraum: Was CMOs jetzt über Security wissen müssen
2024 wurden in Deutschland laut BKA über 250.000 Cybercrime-Fälle erfasst – Tendenz steigend. Parallel dazu experimentieren Marketing-Teams mit generativer KI, automatisierten Kampagnen und immer mehr Kundendaten. Die Diskrepanz ist offensichtlich: Daten werden wertvoller, Angriffe werden smarter, Sicherheitskompetenz im Marketing bleibt aber oft auf dem Stand von vor fünf Jahren.
Die secIT 2026 in Hannover zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise geht: Cybersicherheit im Weltraum, KI knackt Passwörter, Red Teaming, Cyberversicherungen, Crashkurse für Einsteiger. Klingt nach Nischenthemen für Admins – ist es aber längst nicht mehr. Wer als Marketing- oder Vertriebsverantwortliche:r heute mit Daten arbeitet, trifft Sicherheitsentscheidungen – ob bewusst oder nicht.
Dieser Artikel fasst die zentralen Trends rund um die secIT 2026 zusammen und übersetzt sie in konkrete Handlungsempfehlungen für Marketing, Vertrieb und Geschäftsführung. Ziel: Sie sollen nach dem Lesen genau wissen, welche drei bis fünf Schritte Sie in Ihrem Unternehmen jetzt anstoßen sollten.
1. Warum Cybersecurity plötzlich Chefsache im Marketing ist
Cybersecurity ist heute ein Wachstumshebel – oder eine massive Umsatzbremse. Für Marketing & Vertrieb gilt:
Jede Kampagne, die personenbezogene Daten verarbeitet, ist gleichzeitig ein Sicherheits- und Vertriebsthema.
Was sich durch KI und Automatisierung geändert hat
Früher: Newsletter-Tool, CRM, Website – überschaubarer Tech-Stack.
Heute in vielen deutschen Unternehmen:
- mehrere KI-Tools (Texterstellung, Bildgenerierung, Personalisierung)
- komplexe Marketing-Automation-Plattformen
- zahllose Integrationen (CRM, CDP, Tracking, Ads-Plattformen)
- Workarounds mit „schnell mal eben“ genutzten Cloud-Diensten
Die Folge: Angriffsfläche explodiert, oft ohne dass Security oder IT frühzeitig eingebunden werden. Genau hier setzt ein Teil des secIT-Programms an: Es zeigt, wie man Angriffe auswertet und daraus konkrete Maßnahmen für Unternehmen ableitet – inklusive typischer Fehler in mittelständischen Strukturen.
Was das für CMOs und Vertriebsleiter konkret bedeutet
Sie müssen nicht selbst pentesten, aber Sie sollten:
- die zentralen Risiken für Ihre Systeme benennen können (z.B. exposed APIs, schwache Passwörter, Shadow-IT)
- wissen, welche Maßnahmen wirklich Wirkung haben – und wo nur teuer „Security-Theater“ betrieben wird
- Security als festen Bestandteil Ihrer MarTech-Entscheidungen etablieren (Vendor-Auswahl, Verträge, Einbindung der IT)
Wer das ignoriert, zahlt im Zweifel doppelt: erst für teure Tools, dann im Incident – plus Reputationsschaden.
2. KI knackt Passwörter – und was das für Ihren Vertriebs-Stack heißt
Ein Highlight im secIT-Programm: KI-gestütztes Passwortknacken. Klingt nach Hackerfilm, ist aber bitterer Alltag. KI-Modelle beschleunigen Brute-Force- und Wörterbuchangriffe dramatisch, vor allem wenn Nutzende schwache oder recycelte Passwörter verwenden.
Wo Marketing & Vertrieb besonders verwundbar sind
Gerade dort, wo es um Umsatz geht, sitzen die attraktivsten Ziele:
- CRM-Zugänge (z.B. zu Kundendaten, Angeboten, Forecasts)
- Zugänge zu Ad-Konten (Google Ads, Meta, LinkedIn)
- Zugangsdaten zu Marketing-Automation & Newsletter-Tools
- Partnerportale und Affiliate-Systeme
Wird eines dieser Konten übernommen, drohen:
- massenhafte Phishing-Mails aus Ihrem legitimen System
- Manipulation von Kampagnenbudgets
- Diebstahl von Leads und Kundendaten
- Missbrauch Ihrer Marke für Betrugsversuche
5 konkrete Sofortmaßnahmen gegen KI-gestützte Angriffe
-
MFA überall aktivieren
Kein zentrales System ohne Multi-Faktor-Authentifizierung – egal wie „nervig“ das Team es findet. -
Passwort-Manager einführen
Unternehmensweit, nicht nur optional. Vorgabe: lange, individuelle Passwörter, keine Wiederverwendung. -
Rollen & Rechte bereinigen
Wer braucht wirklich Admin-Rechte im CRM oder Werbeanzeigenmanager? Rechte regelmäßig reviewen. -
Zugänge externer Dienstleister prüfen
Agenturen, Freelancer, Tools: alte Zugänge konsequent entfernen, Onboarding/Offboarding standardisieren. -
Security-Training für Marketing & Sales
Kurz, praxisnah, auf typische Alltagssituationen zugeschnitten (Phishing, Credential-Stealing, Social Engineering).
Wenn Sie nur diese fünf Punkte sauber umsetzen, haben Sie einen Großteil der realistischen Angriffe auf Ihre Marketing- und Vertriebssysteme bereits stark erschwert.
3. Pentesting, Red Teaming & Co.: Was wem wirklich hilft
Die secIT 2026 greift mit Vorträgen wie „Pentesting, Innentäteranalysen, Red Teaming, TLPT & Co.: Was wem wirklich hilft“ einen Punkt auf, bei dem viele Unternehmen Geld verbrennen: Sie kaufen Security-Maßnahmen, die nicht zur eigenen Reife oder Risikolage passen.
Kurzer Klartext-Überblick
- Pentest: Gezielter Sicherheitstest einer Anwendung oder Infrastruktur. Sinnvoll, wenn Sie z.B. ein neues Kundenportal, eine API oder eine neue Plattform live schalten.
- Red Teaming: Realitätsnaher Angriff auf Ihr gesamtes Unternehmen – inkl. Social Engineering. Teuer, aber extrem aufschlussreich für größere Organisationen.
- TLPT (Threat-Led Penetration Testing): Bedrohungsgesteuerte Tests, oft in regulierten Branchen. Für klassische Mittelständler meist Overkill.
- Innentäteranalysen: Fokus auf Missbrauch durch eigene Mitarbeitende oder Partner – relevant, wenn viele sensible Daten intern breit verfügbar sind.
Was sinnvoll ist – speziell für Marketing- & Vertriebsorganisationen
Für die meisten deutschen Unternehmen außerhalb hochregulierter Branchen gilt:
- Security-Basis sauber aufbauen
- Patch-Management, MFA, Logging, Backup, Rechtekonzepte
- klare Verantwortlichkeiten zwischen IT, Fachbereichen und Geschäftsführung
-
Gezielte Pentests statt „Security-Ausbau auf Verdacht“
- z.B. Pentest für Kundenportal, API zum MarTech-Stack, Login-Bereich für Partner
-
Mindestens einmal im Jahr: Phishing-Simulation & Awareness
- besonders für Vertriebsteams mit hohem Mail-Volumen
Red Teaming lohnt sich meist erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße und Reife. Wenn das Budget begrenzt ist, bringen saubere Baselines plus ein guter Pentest mehr als der spektakulärste Red-Team-Report.
4. Cyberversicherung: Warum die Police oft dann nicht zahlt, wenn es weh tut
Ein anderer secIT-Vortrag trifft einen wunden Punkt: „Ihr teuerstes Blatt Papier: Wann die Cyberversicherung nicht zahlt“. Viele mittelständische Unternehmen wiegen sich in Sicherheit, weil eine Cyberversicherung abgeschlossen wurde – ohne die Klauseln wirklich gelesen zu haben.
Typische Stolperfallen in Cyberversicherungen
Häufige Gründe, warum Versicherer Leistungen kürzen oder verweigern:
- veraltete Systeme ohne Sicherheitsupdates
- fehlende oder nachweislich unzureichende Backups
- keine MFA auf kritischen Zugängen
- fehlende oder nicht dokumentierte Sicherheitsrichtlinien
- mangelnde Schulungen, obwohl vertraglich gefordert
Mit anderen Worten: Die Police ersetzt keine Security-Strategie. Sie setzt sie voraus.
Was Marketing & Vertrieb dazu beitragen sollten
CMOs und Vertriebsleiter:innen sollten drei Dinge tun:
-
Sicherheitsanforderungen der Police kennen
Zusammen mit IT/ISB prüfen: Sind die vertraglichen Mindeststandards an allen relevanten Stellen umgesetzt – gerade in CRM, Marketing-Tools und Kundendatenbanken? -
Dokumentation etablieren
- Policy für den Umgang mit Kundendaten und Tools
- Richtlinie für den Einsatz von KI im Marketing (z.B. keine vertraulichen Kundendaten in externe Tools einfügen)
-
Incident-Prozesse testen
Wer ruft wen an, wenn das CRM ausfällt oder der Newsletter-Dienst kompromittiert ist? Gibt es einen Kommunikationsplan für Kunden und Partner?
Wer diese Hausaufgaben erledigt, reduziert nicht nur das Risiko, sondern erhöht auch die Chance, dass die Cyberversicherung im Ernstfall tatsächlich zahlt.
5. Crashkurs Security für Einsteiger: Pflichtprogramm für moderne Go-to-Market-Teams
Die secIT bietet mit dem zweitägigen „Crashkurs IT- und Informationssicherheit – Bedrohungen und Maßnahmen heute“ genau das, was in vielen Unternehmen fehlt: eine strukturierte, verständliche Einführung in die wichtigsten Sicherheitskonzepte.
Warum das gerade für Marketing & Vertrieb so wertvoll ist
Viele Security-Schulungen sind entweder zu technisch oder zu abstrakt. Für Go-to-Market-Teams braucht es etwas anderes:
- reale Beispiele aus Kampagnen, Leads, Events
- konkrete Szenarien („Was passiert, wenn unser Webinar-Anmeldeformular kompromittiert wird?“)
- klare Prioritäten („Welche drei Maßnahmen bringen uns die meiste Risikoreduktion pro investiertem Euro?“)
Ein guter Crashkurs beantwortet genau diese Fragen und sorgt dafür, dass Fachbereiche die Sprache der IT-Security verstehen – und umgekehrt.
Wie Sie Security-Wissen in Ihren Alltag integrieren
Statt einmaliger Schulungen empfehle ich, kleine Routinen aufzubauen:
-
Quartalsweise Security-Review im Marketing-Meeting
- Neue Tools?
- Offene Zugänge?
- Offboarding erledigt?
-
Checkliste für neue Kampagnen
- Welche Daten sammeln wir?
- Wo werden sie gespeichert?
- Wer hat Zugriff?
- Gibt es eine Löschstrategie?
-
Security als Kriterium in Tool-Auswahlprozessen
- MFA, Audit-Logs, Datenstandort, Rollen- und Rechtemanagement
So entsteht nach und nach eine sicherheitsbewusste Marketing- & Vertriebskultur, ohne dass jemand zum Vollzeit-Security-Profi werden muss.
6. Blick nach vorn: Weltraum, Satelliten – und was das mit Ihrem Marketing zu tun hat
Auf der secIT 2026 geht es sogar um Cybersecurity im Weltraum – etwa im Vortrag „Der umkämpfte Orbit: Warum Cybersecurity im Weltraum zur Pflicht wird“. Das wirkt auf den ersten Blick weit weg vom Alltag eines deutschen B2B-Marketers.
Die Botschaft dahinter ist jedoch relevant: Digitalisierung kennt keine physische Grenze mehr.
- Satelliten liefern Internetverbindungen, auf denen auch Ihre Online-Kampagnen laufen.
- Globale Infrastruktur bedeutet globale Angriffsflächen.
- Abhängigkeiten von Cloud-, Hosting- und SaaS-Providern steigen.
Für Marketing & Vertrieb heißt das:
Resilienz wird zum Wettbewerbsfaktor. Wer robuste Prozesse, saubere Datenstrukturen und durchdachte Notfallpläne hat, bleibt auch dann handlungsfähig, wenn es irgendwo knallt – sei es beim eigenen Hoster, im Ad-Tech-Ökosystem oder in globalen Netzen.
Fazit: Security als Wachstumsbeschleuniger begreifen
Die Themen der secIT 2026 – von KI-Passwortangriffen über Pentesting bis zur Cyberversicherung – sind kein Randthema für Nerds, sondern Kernfragen jeder datengetriebenen Go-to-Market-Strategie.
Wenn Sie in Marketing oder Vertrieb Verantwortung tragen, sollten Sie jetzt:
- Ihre kritischen Systeme kartieren (CRM, Automation, Ad-Konten, Formulare)
- MFA, Passwort-Manager und Rechtekonzepte konsequent einführen
- mindestens einen gezielten Pentest einplanen, statt Security nur auf dem Papier abzuhaken
- Ihre Cyberversicherung gegen die gelebte Praxis spiegeln
- Security-Schulungen für Marketing & Sales etablieren – nicht nur für die IT
Die Realität ist einfacher, als sie wirkt: Unternehmen, die Security früh in Marketing- und Vertriebsentscheidungen mitdenken, können mutiger mit KI, Automatisierung und Daten arbeiten, ohne bei jedem neuen Tool Angst vor dem nächsten Vorfall haben zu müssen.
Die Frage ist also nicht, ob Security „auch noch draufpasst“, sondern:
Wie schnell wollen Sie wachsen – und wie stabil soll dieses Wachstum sein?