Was Top-Hotellerie 2025 erfolgreich macht: 7 Lektionen

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

Internationale Top-Hotellerie setzt 2025 auf Commercial Excellence und KI. Was österreichische Tourismusbetriebe jetzt konkret übernehmen sollten – mit Praxisideen.

KI im TourismusHospitality Sales & MarketingRevenue ManagementGästeerlebnisDirektbuchungenDatenstrategieÖsterreichischer Tourismus
Share:

Warum die „Top 25 Extraordinary Minds“ für Österreich wichtig sind

Ein Detail aus der HSMAI-Liste 2025 sticht sofort ins Auge: Unter den Top 25 Extraordinary Minds im Tourismus taucht der Begriff AI gleich mehrfach in den Jobtiteln auf – etwa „Vice President of AI“ oder „Chief AI Officer“. Vor fünf Jahren war das im Hospitality-Bereich praktisch undenkbar.

Das zeigt ziemlich klar, wohin die Reise geht: Wer im Tourismus 2026 und darüber hinaus vorne mitspielen will, braucht starke Commercial-Kompetenz – und ein klares Verständnis, wie Künstliche Intelligenz das Gästeerlebnis verändert.

Für österreichische Hotels, Destinationen und Tourismusverbände ist diese HSMAI-Auszeichnung mehr als eine internationale Ehrung. Sie ist ein Frühwarnsystem: Die „Extraordinary Minds“ von heute zeigen, welche Strategien morgen Standard sein werden – von AI-gestützter Preissteuerung bis zu hyperpersonalisiertem Marketing.

In diesem Beitrag geht es darum, was Sie aus den HSMAI Top 25 2025 konkret für Ihren Betrieb im österreichischen Tourismus mitnehmen können – inklusive praxisnaher Ideen, wie Sie damit bereits in der Wintersaison 2025/26 starten.


Was die HSMAI-Top-25-Liste wirklich verrät

Die HSMAI zeichnet seit Jahren die 25 einflussreichsten Köpfe in Sales, Marketing, Revenue Management und Distribution aus. Spannend ist nicht nur, wer auf der Liste steht, sondern welche Rollen dort auftauchen.

Drei klare Trends in den Jobtiteln

Wenn man die diesjährigen 25 Namen nebeneinanderlegt, werden drei Linien deutlich:

  1. Commercial First statt Silodenken
    Viele Titel kombinieren mehrere Bereiche: „Vice President, Revenue Management and Commercial Strategy“, „VP of E-Commerce and Revenue“, „Senior Vice President, Data Strategy & Analytics“. Die Trennung zwischen Sales, Marketing, Revenue und Distribution löst sich zugunsten einer integrierten Commercial-Strategie auf.

  2. Data & Analytics als Kernkompetenz
    Rollen wie „Director, Performance Reporting & Analytics“ oder „SVP, Data Strategy & Analytics“ zeigen, dass Entscheidungen in der Spitzenhotellerie konsequent datenbasiert getroffen werden – von Kampagnenplanung bis Preisgestaltung.

  3. AI kommt im Top-Management an
    „Vice President of AI“, „Chief AI Officer“, „Innovation & AI“ im gleichen Titel: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur ein IT-Thema, sondern Teil der Geschäftsstrategie.

Für Österreich bedeutet das: Wer KI im Tourismus heute noch als nettes Zusatztool betrachtet, verliert mittelfristig den Anschluss. Die internationale Benchmark arbeitet bereits mit AI-gestütztem Vertrieb und personalisiertem Guest Journey Design.


Die neuen Spielregeln in Sales & Marketing im Tourismus

Erfolgreiche Köpfe im Hospitality-Vertrieb 2025 haben eines gemeinsam: Sie denken den gesamten Funnel – von der Inspiration bis zur Wiederbuchung – aus einem Guss. Gerade im Alpenraum mit starkem Stammgastanteil ist das eine riesige Chance.

1. Vom Kampagnen-Feuerwerk zur dauerhaften Beziehung

Statt Einzelkampagnen vor Saisonstart setzen die Top-Player auf kontinuierliche, datengetriebene Kommunikation:

  • Automatisierte E-Mail-Strecken vor Anreise, während des Aufenthalts und danach
  • Inhalte, die auf Interessen basieren (Wellness, Familie, Bike, Ski) statt nur auf dem Reisezeitraum
  • Dynamische Angebote, die im Hintergrund auf Auslastung und Nachfrage reagieren

Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein 4*-Hotel in Tirol segmentiert seinen Datenbestand in „Familien“, „Genusspaar“, „Aktivgäste“. KI-gestützte Tools schlagen für jede Zielgruppe unterschiedliche Betreffzeilen, Inhalte und optimale Versandzeitpunkte vor. Ergebnis: Die Öffnungsrate steigt um über 30 %, der direkte Buchungsanteil zieht spürbar an.

2. Direkte Buchungen sind kein Zufall

Die HSMAI bewirbt zeitgleich Zertifizierungen rund um Direct Booking Mastery. Das ist kein Zufall – die Top 25 kommen aus Unternehmen, die den Abstand zu OTAs aktiv ausbauen.

Was diese Häuser anders machen:

  • Klare Value Proposition auf der Website (Mehrwert bei Direktbuchung, nicht nur „Bestpreisgarantie“)
  • Konsequente Nutzung von First-Party-Daten (Newsletter, CRM, Loyalty-Programme)
  • Preis- und Kanalstrategie läuft synchron – gesteuert über Revenue-Systeme, die Prognosen und KI nutzen

Gerade für österreichische Betriebe mit hoher OTA-Abhängigkeit ist das ein Thema, das 2026 ganz oben auf die Agenda gehört. Jeder Prozentpunkt mehr Direktbuchungen zahlt direkt auf Marge und Unabhängigkeit ein.


AI im Tourismus: Vom Buzzword zum Werkzeug für das Gästeerlebnis

Der vielleicht spannendste Aspekt der HSMAI-Liste 2025: AI ist fest in den Commercial-Rollen verankert, nicht isoliert in der IT. Das ist genau der Mindset-Wechsel, den viele österreichische Betriebe noch vor sich haben.

Wo AI heute schon messbaren Mehrwert bringt

Für Hotels, Destinationen und Bergbahnen gibt es vier Einsatzfelder, die sich rasch rechnen:

  1. Preis- und Kapazitätssteuerung (Revenue Management)

    • Forecasts für Auslastung nach Wochentag, Kanal und Zimmerkategorie
    • Dynamische Preis-Anpassungen basierend auf Nachfrage, Events, Wetter, Buchungsverhalten
    • Bessere Steuerung von Mindestaufenthalten, Paketpreisen und Last-Minute-Angeboten
  2. Personalisierung im Online-Marketing

    • Automatische Erstellung und A/B-Testing von Anzeigen- und Newsletter-Texten
    • Dynamische Website-Inhalte, die sich an Herkunftsmarkt, Endgerät und Suchverhalten anpassen
    • Empfehlungslogiken („Gäste wie Sie haben auch gebucht…“)
  3. Gäste-Kommunikation vor Ort

    • Mehrsprachige, AI-gestützte Chatbots für Standards (Check-in-Zeiten, Skipass, Spa-Öffnungszeiten)
    • Upsell-Hinweise: Zimmer-Upgrade, Late Check-out, Zusatzleistungen
    • Digitale Concierges, die Touren, Hütten oder Restaurants vorschlagen
  1. Feedback & Reputation Management
    • Automatische Auswertung von Bewertungen nach Themen (Frühstück, Service, Zimmer, Wellness)
    • Alerting bei kritischen Kommentaren
    • Ableitung konkreter Maßnahmen aus tausenden Gästestimmen

Die HSMAI-„Extraordinary Minds“ arbeiten genau an diesen Schnittstellen. Der Unterschied: Sie betrachten AI nicht als Projekt, sondern als festen Bestandteil ihrer Commercial-Strategie.

Typische Fehler, die österreichische Betriebe vermeiden sollten

Ich sehe in vielen Häusern immer wieder die gleichen Stolpersteine:

  • AI-Tools werden punktuell angeschafft („Wir brauchen auch einen Chatbot“), aber nicht in Prozesse integriert.
  • Es fehlt eine Person, die Vertrieb, Marketing, Revenue und IT zusammendenkt.
  • Entscheidungen erfolgen aus dem Bauch heraus, obwohl Daten da wären – sie werden nur nicht genutzt.

Die Lehre aus der HSMAI-Liste: Erfolgreiche Unternehmen schaffen klare Verantwortlichkeiten. Jemand trägt die Hoheit für „Commercial & AI“ – egal ob die Rolle nun Director of Commercial, Head of Revenue & Digital oder Chief AI Officer heißt.


Was österreichische Tourismusbetriebe konkret übernehmen können

Die gute Nachricht: Man muss kein Megakonzern sein, um von den Strategien der Top 25 zu profitieren. Viele Ansätze lassen sich im 30–80-Zimmer-Haus, im Familienbetrieb im SalzburgerLand oder in der regionalen Tourismusorganisation umsetzen.

1. Rollen und Verantwortlichkeiten schärfen

Starten Sie intern mit einer einfachen Frage: Wer verantwortet bei uns wirklich den kommerziellen Erfolg?

Konkrete Schritte:

  • Sales, Marketing, Revenue und Reservierung zu einem Commercial-Team zusammenführen (mindestens auf Meeting-Ebene)
  • Einen Commercial Lead benennen, der kanalübergreifend denkt
  • Monatliche Commercial-Runden mit Blick auf: Auslastungsprognose, Kampagnen, Preise, Vertriebspartner

Das muss nicht gleich einen komplett neuen Titel auf der Visitenkarte bedeuten – aber eine klare Rolle bewirkt schon sehr viel.

2. Kleine, fokussierte AI-Piloten starten

Statt „Wir machen jetzt AI“ empfehle ich: ein Problem – ein Pilot – klare Messgröße.

Typische Quick-Wins für Tourismusbetriebe:

  • Pilot 1: Newsletter mit AI-Unterstützung
    Ein bestehender Verteiler wird nach Interessen segmentiert, AI unterstützt beim Formulieren unterschiedlicher Versionen. Erfolgsmessung: Öffnungs- und Klickraten, direkte Anfragen.

  • Pilot 2: Upselling vor Anreise
    AI generiert personalisierte Pre-Stay-Mails (z.B. Ski-Service, Spa-Behandlungen, romantisches Dinner). Erfolgsmessung: Zusatzumsatz pro Buchung.

  • Pilot 3: Review-Analyse
    Alle Bewertungen der letzten 12 Monate werden AI-gestützt nach Themen geclustert. Erfolgsmessung: Erkennbare Muster und konkrete Maßnahmen (z.B. Frühstücksqualität, W-LAN, Skiraum).

Wichtig: Jeder Pilot bekommt einen Owner, ein klares Ziel und einen festgelegten Zeitraum (z.B. drei Monate Wintersaison).

3. Datenqualität als Basis ernst nehmen

Ohne saubere Daten bleibt AI Stückwerk. Die Top-25-Profile mit „Data Strategy & Analytics“ im Titel sind kein Zufall.

Für österreichische Betriebe heißt das ganz praktisch:

  • Gästedaten im PMS und CRM auf Duplikate, veraltete Adressen und Lücken prüfen
  • Standardfelder definieren (z.B. Sprache, Herkunftsmarkt, Interessencluster)
  • Prozesse für Datenerfassung im Front Office schulen (kein Zwang, aber klare Routinen)

Die Faustregel: Lieber weniger Felder, die konsequent gepflegt werden, als 50, die niemand ausfüllt.

4. Gästeerlebnis als roten Faden definieren

Der Kampagnen- und Tech-Fokus bringt nur dann etwas, wenn das Gästeerlebnis spürbar besser wird. Die HSMAI-Preisträger werden genau daran gemessen: Innovation plus messbarer Impact.

Übertragen auf Österreich könnte das heißen:

  • Ein digital unterstützter Check-in, der Wartezeiten reduziert – aber trotzdem Raum für persönliche Begrüßung lässt
  • In-App- oder SMS-Infos, die den Gast zeitlich genau dort abholen, wo er steht (z.B. „Heute Vormittag freie Slots im Spa“ bei schlechtem Wetter)
  • Wintersport-Inhalte, die sich an das Fahrkönnen oder die Familienkonstellation anpassen

Der Punkt ist: Technologie soll persönliche Gastfreundschaft nicht ersetzen, sondern verstärken. Die erfolgreichsten internationalen Beispiele tun genau das.


Wie Sie 2026 zu den Vorreitern im österreichischen Tourismus gehören

Die HSMAI Top 25 2025 zeigen sehr klar, wohin sich der Tourismus weltweit bewegt: Commercial Excellence plus AI-Kompetenz sind kein Nice-to-have mehr, sondern Basis für nachhaltigen Erfolg.

Wer im Alpenraum 2026 vorne sein will, sollte jetzt drei Dinge tun:

  1. Commercial-Struktur klären – weg von Silos, hin zu einem integrierten Ansatz.
  2. Fokussierte AI-Piloten starten, die direkt auf Umsatz, Auslastung oder Gästezufriedenheit einzahlen.
  3. Daten und Gästeerlebnis priorisieren – Technologie immer im Dienst der Gastfreundschaft.

Wenn Sie diese Schritte angehen, orientieren Sie sich an denselben Prinzipien, nach denen die HSMAI ihre „Extraordinary Minds“ auswählt: Innovation, Führung und messbarer Impact.

Wer sich jetzt bewegt, hat die Chance, in zwei bis drei Jahren in seiner Region als Referenzbetrieb für KI im österreichischen Tourismus zu gelten – und genau das zieht neue Gäste, neue Mitarbeitende und neue Kooperationen an.


Wenn Sie konkrete Ideen für Ihr Haus oder Ihre Destination testen wollen, beginnen Sie mit einem kleinen AI-Pilot in der kommenden Saison. Ein klar definiertes Projekt in Sales, Marketing oder Revenue reicht, um den Unterschied zwischen Buzzword und echtem Mehrwert zu spüren.