Viele Handwerker-Websites verschenken Aufträge. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihren Auftritt so strukturieren, dass mehr passende Anfragen reinkommen.
Warum Ihre Handwerker-Website heute Aufträge entscheidet
Die meisten Handwerksbetriebe in der Schweiz haben eine Website – doch die wenigsten holen auch nur annähernd heraus, was möglich wäre. Studien aus dem DACH-Raum zeigen: Viele Handwerker-Websites erreichen bei professionellen Checks nicht einmal ein Viertel der möglichen Punkte. Das spürt man direkt in der Auftragslage und bei den passenden Anfragen.
Hier ist der Punkt: Ihre Website ist längst nicht mehr digitale Visitenkarte, sondern Ihr wichtigster Verkaufsraum. Oft entscheidet sie innerhalb von 10 Sekunden, ob ein Interessent anruft – oder weiterklickt zum nächsten Betrieb.
Im Podcast „Workers Cast – Solo“ stellt Jörg Mosler eine konkrete Muster-Website für Handwerker vor, die genau dieses Problem adressiert: klarer Aufbau, maximaler Kundennutzen, minimale Belastung für den Betrieb. Darauf aufbauend zeige ich Ihnen hier, wie Sie als Schweizer Handwerksbetrieb Ihren Online-Auftritt so gestalten, dass mehr qualifizierte Anfragen reinkommen – ohne dass Sie sich im Digital-Dschungel verlieren.
Was eine gute Handwerker-Website wirklich leisten muss
Eine starke Handwerker-Website hat nur zwei Hauptaufgaben: Vertrauen aufbauen und Kontaktanfragen auslösen. Alles andere ist Beiwerk.
Die drei Kernfunktionen Ihrer Website
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Auffindbar sein
Sie müssen dort auftauchen, wo Ihre Kunden suchen – in Suchmaschinen und zunehmend auch in KI-Suchsystemen. Ohne klare Struktur, lokale Begriffe und saubere Technik passiert das nicht. -
Schnell verständlich sein
Ein Besucher muss in 5–10 Sekunden verstehen:- Was machen Sie genau?
- In welchem Gebiet sind Sie unterwegs?
- Für wen sind Sie der richtige Partner?
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Kontakt kinderleicht machen
Wenn ein Interessent erst Telefonnummer suchen, PDF herunterladen und dreimal klicken muss, ist er weg. Eine gute Website führt wie ein roter Faden zur Kontaktaufnahme.
Eine Handwerker-Website ist gut, wenn ein Laie ohne Erklärung versteht: „Die passen zu mir – die rufe ich an.“
Aufbau einer starken Handwerker-Website: Die Vorlage aus dem Podcast – erweitert
Die im Podcast vorgestellte Muster-Seite verfolgt genau diesen Ansatz: kundenorientiert, klar, entlastend für den Betrieb. Schauen wir uns die wichtigsten Elemente an – und wie Sie sie für Ihren Betrieb in der Schweiz umsetzen.
1. Startseite: Klare Botschaft statt bunter Baukasten
Die Startseite ist Ihre wichtigste Seite. Hier entscheiden Besucher in Sekunden, ob sie bleiben.
Was oben direkt sichtbar sein sollte (ohne Scrollen):
- Ihr Gewerk + Spezialgebiet
„Sanitär- und Heizungsinstallationen für Einfamilienhäuser in der Region Zürich“ - Ihr Einzugsgebiet
„Unterwegs für Privatkunden im Raum Zürich und Zürcher Unterland“ - Kurzer Nutzen-Satz
„Saubere Arbeit, klare Termine, transparente Offerten.“ - Sofort sichtbare Kontaktmöglichkeit
Telefon, Kontaktbutton, idealerweise auch ein einfacher Anfrage-Button.
Darunter kann ein kurzer Abschnitt folgen:
- „Wobei wir Ihnen helfen“ (3–5 Hauptleistungen)
- „Für wen wir arbeiten“ (z.B. Privatkunden, Verwaltungen, KMU)
- 3–5 Vertrauenselemente: Jahre Erfahrung, lokale Verankerung, Zertifikate, Verbandsmitgliedschaften.
2. Leistungen: Präzise statt „wir machen alles“
Viele Handwerker listen 20 Leistungen auf, aber kein Kunde erkennt, was dieser Betrieb eigentlich richtig gut kann. Besser:
- Pro Hauptleistung eine eigene Unterseite (z.B. „Badumbau“, „Photovoltaik“, „Parkett verlegen“)
- Jede Leistungsseite nach demselben Muster aufbauen:
- Kurz: Was machen Sie genau?
- Für wen ist das interessant?
- Wie läuft ein typisches Projekt bei Ihnen ab?
- 2–3 Fotos aus echten Projekten
- 1–2 Kundenstimmen
- Klarer Call-to-Action: „Offerte anfragen“, „Rückruf vereinbaren“
So verstehen Besucher – und Suchmaschinen – viel besser, wofür man Sie buchen sollte.
3. Referenzen & Beweise: Vertrauen sichtbar machen
Niemand bucht einen Handwerker wegen schöner Überschriften. Menschen wollen Beweise.
Starke Vertrauenselemente sind:
- Vorher-Nachher-Bilder von Projekten
- Konkrete Kurzstories: „Badumbau in Winterthur – 10 Tage, Budget 32.000 CHF“
- Zitate von Kunden (mit Ort und Art des Auftrags)
- Bewertungssiegel (z.B. Google-Bewertungen, Branchenverbände)
Wichtig: Lieber 5 starke, echte Referenzen als 20 austauschbare Bilder aus einer Bilddatenbank.
4. Über-uns-Seite: Menschen statt Floskeln
Die meisten „Über uns“-Seiten klingen gleich: „Qualität, Zuverlässigkeit, Kompetenz…“. Das überzeugt niemanden mehr.
Besser funktioniert:
- Kurzgeschichte, wie der Betrieb entstanden ist
- Gesichter zeigen: Inhaber, Team, Lehrlinge
- 3–5 klare Aussagen, wofür Ihr Betrieb steht, z.B.:
- „Wir verlassen jede Baustelle sauberer, als wir sie betreten haben.“
- „Wir rufen innerhalb von 24 Stunden zurück.“
- „Wir bilden seit 15 Jahren Lernende aus.“
Das wirkt authentisch – und genau darum geht es im Handwerk.
5. Kontakt & Anfrageprozess: So einfach wie möglich
Das Ziel der Website ist nicht Information, sondern Aktion.
Machen Sie die Kontaktaufnahme so leicht wie möglich:
- Großzügig sichtbarer „Kontakt“-Button auf jeder Seite
- Kurzes Formular mit wenigen Pflichtfeldern
- Auswahlmöglichkeiten statt Freitext (z.B. „Art des Projekts“, „Ort“, „Zeitfenster“)
- Optional: Dateiupload für Pläne oder Fotos
Für viele Betriebe hat sich bewährt, zusätzlich einen Rückruf-Button anzubieten, bei dem Kunden nur Namen, Nummer und Wunschzeit angeben.
Kundennutzen im Fokus: Warum die Vorlage aus dem Podcast überzeugt
Die Muster-Website aus dem Workers Cast folgt einem einfachen, aber entscheidenden Prinzip: Alles wird aus Sicht des Kunden gedacht.
Statt zu fragen: „Was wollen wir alles zeigen?“, lautet die Frage: „Was muss ein Kunde sehen, um sicher ‚Ja‘ sagen zu können?“
Typische Fehler, die Kundennutzen zerstören
Ich sehe bei Handwerker-Websites immer wieder dieselben Probleme:
- Startseite voller Logos und News, aber kein klarer Nutzen
- Lange Texte ohne konkrete Beispiele
- Keine Preise oder Preisorientierung – der Kunde bleibt ratlos
- Keine klare Aussage, in welchen Regionen gearbeitet wird
- Formulare mit 15 Pflichtfeldern
Die Vorlage aus dem Podcast macht es anders: Sie reduziert auf das Wesentliche und beantwortet genau die Fragen, die Kunden haben, zum Beispiel:
- „Machen die genau das, was ich brauche?“
- „Sind die in meiner Region unterwegs?“
- „Wie läuft das ab, wenn ich anfrage?“
- „Was sagen andere Kunden?“
Gute Websites nehmen Einwände vorweg – bevor sie entstehen.
Praxis-Tipps für Schweizer Handwerksbetriebe: In 7 Schritten zur besseren Website
Wer einen Betrieb führt, hat selten Zeit, sich tief in Webdesign einzuarbeiten. Darum hier ein konkreter 7-Schritte-Plan, den Sie mit Ihrer Agentur oder einem digitalen Partner durchgehen können.
Schritt 1: Ziel definieren
Entscheiden Sie sich für ein Hauptziel Ihrer Website, z.B.:
- Mehr Offertanfragen für bestimmte Leistungen
- Mehr Service- und Wartungsaufträge
- Mehr Bewerbungen von Fachkräften
Ohne klares Ziel wird die Seite ein Sammelsurium – und performt nicht.
Schritt 2: Kernleistungen auswählen
Definieren Sie 3–5 Leistungen, über die Sie besonders gern Aufträge gewinnen möchten. Für jede dieser Leistungen planen Sie eine eigene Unterseite.
Schritt 3: Texte in Kundensprache schreiben
Vermeiden Sie Fachchinesisch, schreiben Sie so, wie Sie mit einem Kunden am Küchentisch sprechen würden. Ein einfacher Aufbau pro Seite:
- Wobei helfen wir konkret?
- Wie läuft das ab?
- Was kostet das ungefähr / wie kalkulieren wir?
- Was spricht dafür, es mit uns zu machen?
- Was ist der nächste Schritt?
Schritt 4: Lokale Auffindbarkeit (SEO) stärken
Für Handwerksbetriebe ist lokales SEO entscheidend. Nutzen Sie in Überschriften und Texten bewusst Kombinationen wie:
- „Elektriker in Bern für Altbausanierung“
- „Heizungsinstallateur in Luzern für Mehrfamilienhäuser“
- „Gipser in St. Gallen für Innen- und Aussenputz“
Suchmaschinen und KI-Systeme erkennen so besser, dass Sie der passende Betrieb für eine bestimmte Region und Leistung sind.
Schritt 5: Bilder professionell umsetzen
Bilder entscheiden massiv über den ersten Eindruck. Sie müssen nicht Hochglanz sein, aber:
- echte Projekte statt Stockfotos
- gute Beleuchtung, aufgeräumte Baustelle
- wenn möglich: Personen im Einsatz zeigen
Ein halber Tag mit einem Fotografen oder einer guten Smartphone-Kamera mit Plan bringt oft Material für das ganze Jahr.
Schritt 6: Anfrageprozess testen
Machen Sie den „Sofa-Test“: Setzen Sie sich abends mit dem Handy aufs Sofa und rufen Sie Ihre eigene Website auf.
Fragen Sie sich ehrlich:
- Finde ich in 5 Sekunden, was der Betrieb genau macht?
- Könnte meine Mutter problemlos eine Anfrage schicken?
- Funktioniert alles auf dem Smartphone wirklich bequem?
Wenn nicht: überarbeiten.
Schritt 7: Digitalisierung weiterdenken
Eine gute Website ist der Einstieg. Wirklich spannend wird es, wenn Sie digitale Prozesse anschließen, zum Beispiel:
- Automatische Eingangsbestätigung für Anfragen
- Vorgabe, welche Infos Kunden liefern sollen (Fotos, Maße etc.)
- Terminvereinbarung online
So entlasten Sie Ihr Büro deutlich – genau das war auch Ziel der im Podcast vorgestellten Vorlage.
Ausblick: Ihre Website als digitaler Mitarbeiter – nicht als Pflichtübung
Wer seine Handwerker-Website konsequent am Kundennutzen ausrichtet, gewinnt gleich doppelt: mehr passende Anfragen und weniger Telefonate für Aufträge, die gar nicht ins Profil passen.
Für Schweizer Handwerksbetriebe, die ohnehin unter Fachkräftemangel und vollem Terminkalender leiden, ist das keine Spielerei, sondern ein echter Hebel. Eine gut strukturierte Website arbeitet 24/7 für Sie – sie erklärt, filtert, qualifiziert vor.
Wenn Sie die Gedanken aus der Muster-Website und dem Workers-Cast-Podcast als Vorlage nehmen und mit den sieben Schritten aus diesem Beitrag kombinieren, haben Sie eine pragmatische Blaupause: weg von der digitalen Visitenkarte, hin zu einem echten digitalen Handwerkerbetrieb.
Die Frage ist weniger, ob Sie sich darum kümmern sollten, sondern: Welcher Schritt ist der nächste – diese Woche?