Googles neue KI-Suche mit bevorzugten Quellen und AI-Summaries zeigt, wohin sich Sichtbarkeit verschiebt – und wie Sie Ihr Marketing und Ihren Vertrieb darauf ausrichten.
Wie Googles neue KI-Suche Ihr Marketing verändert
Die Zahl ist brutal: Schätzungen zufolge besteht ein schnell wachsender Teil des Webs aus „AI Slop“ – automatisch erzeugten Texten, Bildern und Fake-Webseiten, die vor allem eines sollen: Werbeeinnahmen abgreifen. Für Nutzer bedeutet das: mehr Müll, weniger Relevanz. Für Marketer: mehr Lärm, höhere Kosten pro relevanten Kontakt.
Genau hier setzt Googles neueste Ausbaustufe der Suche an – mit bevorzugten Quellen, KI-Zusammenfassungen und einem stärker personalisierten Sucherlebnis. Das ist nicht nur ein technisches Update, sondern ein ziemlich klares Signal: Ohne KI-Verständnis wird Sichtbarkeit in Suchmaschinen und damit im Marketing deutlich schwieriger.
In dieser Ausgabe der Reihe „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ schauen wir uns an, was Google konkret ändert – und wie Sie diese Entwicklungen für Ihr Marketing, Ihren Vertrieb und Ihre Content-Strategie in Deutschland nutzen sollten.
1. Was Google ändert – und warum das Ihr Marketing direkt betrifft
Googles Suche wird in mehreren Punkten neu ausgerichtet:
- Preferred Sources (bevorzugte Quellen): Nutzer können Websites als Lieblingsquellen markieren.
- Stärkere Personalisierung: angemeldete Nutzer sehen häufiger Inhalte ihrer bevorzugten Marken und Medien.
- Mehr KI-Zusammenfassungen (AI Overviews, AI Mode): Suchergebnisse werden durch KI-Antworten und Artikel-Summaries ergänzt.
- Hervorhebung von Abo-Inhalten: Inhalte, fĂĽr die Nutzer ein Abo haben, werden deutlich prominenter angezeigt.
Die Tests zeigen: Rund 90.000 unterschiedliche Webseiten wurden bereits als bevorzugte Quelle markiert, und Nutzer klicken auf diese Quellen ungefähr doppelt so häufig wie auf „normale“ Ergebnisse.
FĂĽr Marketing und Vertrieb heiĂźt das ganz nĂĽchtern:
Ihre Marke muss es in die bevorzugten Quellen und in die KI-Antworten schaffen – oder Sie verlieren Sichtbarkeit an Wettbewerber.
Die gute Nachricht: Die Logik hinter Googles Änderungen lässt sich 1:1 auf Ihre eigene Marketing-Strategie übertragen: mehr Personalisierung, mehr KI-gestützte Zusammenfassungen, mehr Fokussierung auf Nutzersignale statt auf Traffic um jeden Preis.
2. Preferred Sources: Was sie sind – und wie Marken davon profitieren
Preferred Sources machen die Google-Suche ein Stück weit zu einem personalisierten Newsfeed. Nutzer können Websites als bevorzugte Quelle markieren, deren Inhalte sie dann bei passenden Suchanfragen häufiger und prominenter zu sehen bekommen.
Warum das fĂĽr Marken hochspannend ist
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Höhere Klickwahrscheinlichkeit
Nutzer klicken doppelt so oft auf Ergebnisse aus ihren bevorzugten Quellen. Wenn Ihre Website so eine Quelle ist, steigert das organisch Reichweite und Trafficqualität. -
Stärkere Markenbindung
Wer Ihre Seite als bevorzugte Quelle markiert, hat Ihnen im Grunde ein Suchmaschinen-Lesezeichen gegeben. Das ist nichts anderes als Brand Loyalty ĂĽber die Suche. -
Wichtiger Hebel in umkämpften Märkten
Besonders in B2B-Nischen, in denen wenige Anbieter um dieselben Keywords konkurrieren, kann der Status als bevorzugte Quelle den Unterschied machen, ob Sie wahrgenommen werden oder nicht.
Was Sie konkret tun sollten
1. Content-Qualität vor Volumen stellen
Bevorzugte Quellen werden von Menschen markiert, nicht von Algorithmen. Das heiĂźt:
- Tiefgehende Ratgeber, statt dĂĽnner SEO-Texte
- Meinungsstarke Analysen statt auswechselbarer News
- Konkrete Anleitungen mit Beispielen, Checklisten und Templates
2. Nutzer aktiv zur „Bevorzugung“ bringen
Wenn das Feature in Deutschland flächendeckend live ist, können Sie:
- in Newslettern oder auf Ihrer Website erklären, wie Leser Ihre Seite als bevorzugte Quelle markieren
- in Schulungs- und Onboarding-Materialien (z. B. fĂĽr Kundenportale) dezente Hinweise einbauen
3. Markenaufbau ernst nehmen
Niemand markiert eine austauschbare „SEO-Seite“ als bevorzugte Quelle. Wer in Googles persönlichem Feed Ihrer Zielgruppe auftauchen will, braucht:
- klare Positionierung
- wiedererkennbare Inhalte (Ton, Design, Perspektive)
- Konstanz statt Kampagnen-Hopping
Für Marketing & Vertrieb ist die Botschaft klar: Sichtbarkeit wandert von anonymen Klicks zu bewusst gewählten Quellen.
3. KI-Zusammenfassungen: Content-Automatisierung – Chance und Risiko
Google setzt im AI Mode und in Gemini stärker auf KI-Zusammenfassungen von Webseiten und Artikeln. Auch Nachrichtenartikel werden zunehmend automatisch gerafft.
Die Idee: Nutzer sollen schneller den Überblick bekommen. Die Realität: KI-Summaries sind hilfreich, aber nicht fehlerfrei – gerade bei komplexen Themen oder aktuellen Entwicklungen.
Was das fĂĽr Ihre Content-Strategie bedeutet
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Ihr Content wird von KI „weiterverarbeitet“
Rechnen Sie damit, dass Ihre Inhalte als Grundlage fĂĽr Antworten dienen, die Nutzer vielleicht sehen, ohne Ihre Seite direkt zu besuchen. -
Struktur ist wichtiger denn je
KI-Systeme kommen besser mit Content klar, der:- klar gegliedert ist (H2/H3-Struktur, Listen, ZwischenĂĽberschriften)
- wichtige Aussagen frĂĽh platziert (Answer-First-Prinzip)
- eindeutige Begriffe statt Marketing-Floskeln nutzt
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„Summary-gerechter“ Content bringt Sichtbarkeit
Auch wenn Google nicht alles offenlegt: Inhalte, die sich gut zusammenfassen lassen, landen eher in diesen AI Overviews. Das ist Ihr neuer Wettbewerb um Sichtbarkeit.
KI-Zusammenfassungen fĂĽr Ihr eigenes Marketing nutzen
Wenn Google Content zusammenfasst, sollten Sie das auch tun – aber kontrolliert:
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Automatische Kurzfassungen fĂĽr Blogartikel: Nutzen Sie interne KI-Tools, um aus langen Fachartikeln:
- 3-Satz-Zusammenfassungen fĂĽr Teaser zu erzeugen
- Social-Media-Snippets vorzubereiten
- Versionen fĂĽr unterschiedliche Zielgruppen (Management, Fachabteilung, Vertrieb) zu erstellen
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Sales-Unterlagen verschlanken:
Längere Whitepaper lassen sich per KI in- einseitige Produktübersichten,
- Elevator Pitches fĂĽr den Vertrieb und
- FAQ-Listen fĂĽr Kundenservice herunterbrechen.
- Content-Recycling skalieren:
Aus einem einzigen Grundsatzartikel können Sie mit KI ableiten:- mehrere Newsletter-Absätze,
- Webinar-Beschreibungen,
- Landingpage-Texte fĂĽr Kampagnen.
Die Parallele zu Google ist offensichtlich: Wer KI geschickt für Content-Automatisierung einsetzt, erhöht die Effizienz im Marketing massiv – ohne Qualität zu opfern.
4. Personalisierte Suche als Blaupause fĂĽr personalisiertes Marketing
Die neue Google-Suche fĂĽhlt sich mehr wie ein individueller Feed an: bevorzugte Quellen, hervorgehobene Abo-Inhalte, mehr Kontext durch KI. Genau diese Logik sollten Unternehmen in ihrem eigenen Marketing nachbauen.
Von Suchpersonalisierung zu Kampagnenpersonalisierung
Hier ist der Kern: Google zeigt nicht mehr „die eine richtige Antwort“, sondern die für diese Person in diesem Moment passende Antwort. Im Marketing ist das nichts anderes als:
- dynamische Landingpages, die sich an Branche, Phase der Customer Journey oder Kanal anpassen
- personalisierte E-Mails, die Inhalte je nach Interesse, Verhalten und Kaufhistorie variieren
- produktrelevante Empfehlungen, die auf Nutzungsdaten und Mustern basieren
Ein praktisches Beispiel aus dem deutschen Mittelstand:
Ein B2B-Softwareanbieter nutzt Website-Tracking und Lead-Scoring. Erkennt das System, dass ein Besucher wiederholt Seiten zum Thema „Schnittstellen & Integration“ aufruft, werden im nächsten Newsletter automatisch Inhalte und Case Studies dazu priorisiert. Vertriebsunterlagen, die der zuständige Sales-Manager erhält, enthalten genau diese Schwerpunkte.
Das ist die gleiche Denke wie bei Google: Welche Inhalte sind fĂĽr diesen Nutzer jetzt am wahrscheinlichsten relevant?
Welche KI-Bausteine Sie dafĂĽr brauchen
- KI-gestĂĽtzte Kundenanalyse: um Muster im Verhalten zu erkennen (z. B. Cluster nach Bedarf, Umsatzpotenzial oder Abwanderungsrisiko)
- Predictive Analytics: um vorherzusagen, welche Leads wahrscheinlich kaufen – und welche Inhalte sie dazu brauchen
- Content-Empfehlungssysteme: um automatisch passende Artikel, Whitepaper oder Produkte auszuspielen
Wer jetzt mit kleinen Projekten startet – etwa einer KI-gestützten Lead-Segmentierung oder automatischen Newsletter-Personalisierung –, baut genau die Fähigkeiten auf, die durch Googles Kurswechsel noch wichtiger werden.
5. Was Marketer aus Googles KI-Strategie konkret lernen sollten
Googles aktueller Umbau der Suche zeigt deutlich, in welche Richtung sich digitale Kommunikation entwickelt. FĂĽr Marketing und Vertrieb lassen sich daraus klare Handlungsfelder ableiten.
1. Autorität aufbauen statt nur Keywords besetzen
SEO geht weg von „Keyword-Listen“ hin zu thematischer Autorität:
- Bauen Sie Content-Hubs zu Ihren Kernthemen auf, statt vereinzelter Artikel.
- Entwickeln Sie Serien (wie diesen Leitfaden), die tief in Themen einsteigen.
- Nutzen Sie eigene Daten, Beispiele und Meinungen, um sich von KI-Massencontent abzusetzen.
2. KI bewusst im Marketing einsetzen – nicht nur experimentieren
KI-Tools sind kein „Nice to have“ mehr, sondern werden zum Produktivitätsstandard:
- Content-Produktion: EntwĂĽrfe, Gliederungen, Varianten, Ăśbersetzungen
- Vertrieb: Gesprächsvorbereitung, Angebots-Zusammenfassungen, Einwandbehandlung
- Analyse: Mustererkennung in CRM-, Kampagnen- und Nutzungsdaten
Der Fehler vieler Unternehmen: Sie lassen einzelne Mitarbeiter „mal ein bisschen mit KI rumprobieren“, statt klare Use Cases, Prozesse und Qualitätsstandards zu definieren.
3. Auf die neue Sichtbarkeitslogik reagieren
Wenn KI-Antworten und bevorzugte Quellen einen größeren Teil der Aufmerksamkeit binden, brauchen Sie eine angepasste Strategie:
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Ziel: in KI-Antworten aufzutauchen
- eindeutige, präzise Formulierungen
- FAQs im Klartext, nicht als Marketing-Blabla
- strukturierte Daten, saubere Seitenstruktur
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Ziel: bevorzugte Quelle fĂĽr Ihre Zielgruppe werden
- kontinuierlich Mehrwert-Lieferant sein
- Newsletter & Community-Aufbau zur Stärkung der Marke
- enge Verzahnung aus Content, Vertrieb und Kundenservice
6. Nächste Schritte: Wie Sie Ihr Marketing jetzt auf KI-Suche ausrichten
Wer sich die Änderungen bei Google genau ansieht, erkennt ein Muster: Mehr KI, mehr Personalisierung, mehr Fokus auf echte Qualität. Genau das ist auch der rote Faden unserer Reihe „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“.
Wenn Sie das fĂĽr Ihr Unternehmen nutzen wollen, sind diese Schritte ein sinnvoller Start:
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Content-Inventur durchfĂĽhren
Welche Inhalte sind so gut, dass sie theoretisch zur bevorzugten Quelle taugen? Was ist austauschbarer SEO-FĂĽlltext und kann ĂĽberarbeitet oder gestrichen werden? -
Mindestens zwei KI-Use-Cases im Marketing definieren
Zum Beispiel:- automatische Kurzfassungen aller neuen Blogartikel
- KI-gestĂĽtzte Segmentierung Ihrer Newsletter-Liste
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Vertrieb an KI-unterstĂĽtzte Vorbereitung heranfĂĽhren
Nutzen Sie KI intern, um Accounts zu recherchieren, Gespräche zu strukturieren und Angebote zusammenzufassen. So merken Teams sehr schnell den praktischen Nutzen. -
Eine klare Roadmap fĂĽr 2026 aufsetzen
Mit Meilensteinen wie:- „Personalisierte Newsletter live“,
- „Predictive Lead Scoring im Test“,
- „Content-Richtlinien für KI-Optimierung definiert“.
Wer sich jetzt ernsthaft mit KI in Marketing und Vertrieb beschäftigt, wird von Entwicklungen wie den neuen Google-Features nicht überrollt, sondern profitiert davon.
Am Ende läuft alles auf eine Frage hinaus: Sind Ihre Inhalte und Prozesse so strukturiert, dass Menschen – und KI-Systeme wie Google – sie als vertrauenswürdige, bevorzugte Quelle erkennen? Genau daran entscheidet sich Ihre Sichtbarkeit in den nächsten Jahren.