Global Solutions Summit 2024: Die wichtigsten Learnings für Unternehmen – von Klimarisiken über KI bis zu inklusivem Wachstum. Mit konkreten Handlungsempfehlungen.

Sind wir wirklich bereit für Veränderung?
Beim Global Solutions Summit 2024 in Berlin stand eine unbequeme Wahrheit im Raum: Die meisten Strategien für Nachhaltigkeit und Transformation sind zu langsam für die Geschwindigkeit der Krisen. Klimarisiken, soziale Spannungen, geopolitische Unsicherheit – alles beschleunigt sich. Regulierung auch.
Für deutsche Unternehmen – von der Industrie bis zur Modebranche – bedeutet das: Wer Nachhaltigkeit, Innovation und KI noch als „Zusatztopic“ behandelt, verliert in den nächsten Jahren Marktanteile, Talente und Finanzierungsmöglichkeiten.
Der Gipfel hat aber auch gezeigt: Es gibt einen klaren Weg, wie Unternehmen aus diesem Druck echten Wettbewerbsvorteil machen können. Und genau darum geht es hier: Was sind die wichtigsten Learnings aus dem Global Solutions Summit 2024 – und wie lassen sie sich konkret in Unternehmenspraxis übersetzen?
1. Globale Herausforderungen – sehr konkret für deutsche Unternehmen
Die zentrale Botschaft des Summits lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have, sondern das Betriebssystem der globalen Wirtschaft von morgen.
Diskutiert wurden vor allem:
- Klimawandel und physische Risiken für Lieferketten und Standorte
- Ungleichheit, soziale Spaltung und ihre Folgen für Märkte und Arbeit
- Energie- und Ressourcentransformation samt Finanzierung
- Biodiversitätsverlust und Auswirkungen auf Geschäftsmodelle
Für deutsche Unternehmen hat das sehr konkrete Konsequenzen:
- Regulatorischer Druck steigt: CSRD, EU-Taxonomie, Lieferkettensorgfaltspflichten – die Zeit der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichte ist vorbei.
- Kapital wird selektiver: Banken und Investoren schauen deutlich schärfer auf Übergangspläne, Klimarisiken und glaubwürdige Ziele.
- Kund:innen werden anspruchsvoller: Gerade in Deutschland wächst die Nachfrage nach nachweislich nachhaltigen Produkten – in der Modebranche gilt das besonders.
Die Realität? Wer Nachhaltigkeit immer noch primär als Kostenfaktor betrachtet, sitzt strategisch auf der Bremse.
2. Ohne globale Zusammenarbeit gibt es keine lokale Stabilität
Eine der klarsten Botschaften aus Berlin: Unternehmen können nationale Regulierung nicht mehr isoliert betrachten. Was in Brüssel beschlossen wird, ist mit Afrika, Asien und Lateinamerika verknüpft – ökonomisch, ökologisch und sozial.
Afrika und China als Testfelder für neue Partnerschaften
Diskussionen beim Summit haben gezeigt, wie stark globale Wertschöpfungsketten mit der Frage verknüpft sind, ob Transformation gelingt oder scheitert:
- In afrikanischen Ländern geht es um Energiezugang, nachhaltige Infrastruktur und die Frage, wie lokaler Wohlstand entsteht, statt nur Rohstoffe zu exportieren.
- In China verschieben sich Technologien, Märkte und Standards in einem Tempo, das für deutsche Unternehmen Wettbewerb und Kooperationschance zugleich ist.
Für global aktive Unternehmen bedeutet das:
- Transparente Lieferketten sind Pflicht, nicht Kür.
- Partnerschaften auf Augenhöhe zählen mehr als rein preisgetriebene Beschaffung.
- Lokale Innovation in Produktionsländern kann Stabilität und Resilienz deutlich erhöhen.
Wer das ignoriert, riskiert unterbrochene Lieferketten, Reputationsschäden und regulatorische Konflikte.
3. Bildung, Technologie und KI – der Hebel für nachhaltige Innovation
Eines der wiederkehrenden Themen in Berlin: Ohne Bildung und Technologie gibt es keine nachhaltige Entwicklung. Das klingt selbstverständlich, wird in der Praxis aber häufig zu kurz gedacht.
Warum KI im Nachhaltigkeitskontext so relevant ist
Gerade in Deutschland zeigt sich aktuell: KI wird oft primär als Produktivitäts- oder Marketing-Tool diskutiert. Auf dem Summit wurde deutlich, dass KI für Nachhaltigkeit mindestens genauso wichtig ist:
- Datenqualität und -auswertung: Unternehmen sitzen auf riesigen Mengen an ESG-Daten, nutzen aber nur einen Bruchteil. KI kann Verbrauchsdaten, Emissionen und Lieferanteninformationen so verknüpfen, dass echte Steuerung möglich wird.
- Szenarioanalysen: Physische Klimarisiken, Preisentwicklungen, Nachfrageveränderungen – KI-Modelle helfen, robuste Strategien zu entwickeln.
- Produktdesign: In der Modebranche etwa ermöglicht KI simulationsbasierte Designs, virtuelle Kollektionen und präzisere Bedarfsplanung – mit direkter Wirkung auf Überproduktion und Retourenquoten.
Das funktioniert aber nur, wenn zwei Grundlagen stehen:
- Kompetenzaufbau: Mitarbeitende müssen verstehen, was KI kann – und was nicht.
- Governance: KI-Einsatz braucht klare Leitplanken, gerade im Zusammenspiel mit Nachhaltigkeitszielen.
4. Junge Stimmen: Warum die „Young Global Changers“ ernst genommen werden müssen
Ein starkes Signal des Summits waren die Young Global Changers und ihre Projekte in den Kategorien „Reimagine Business“, „Reimagine Civic Engagement“ und „Reimagine Social & Climate Action“.
Diese Initiativen zeigen sehr deutlich, wohin die Reise geht:
- Wirtschaft wird neu gedacht – weg von reiner Gewinnmaximierung, hin zu Wertschöpfung, die soziale und ökologische Kosten mit einpreist.
- Beteiligung statt Top-down: Junge Talente erwarten echte Mitgestaltung bei Nachhaltigkeitsentscheidungen.
- Impact statt Symbolik: Projekte werden an ihrem messbaren Nutzen bewertet, nicht am Kommunikationswert.
Für Unternehmen liegt hier eine oft unterschätzte Chance:
- Wer junge Mitarbeitende früh in Transformationsprojekte einbindet, erhält ehrliches Feedback, frische Perspektiven und oft überraschend umsetzbare Ideen.
- Programme wie interne „Sustainability Sprints“ oder „Impact Labs“ funktionieren besonders gut, wenn Nachwuchstalente dort bewusst Verantwortung bekommen.
Mein Eindruck: Unternehmen, die diese Generation als Sparringspartner und nicht nur als „Digital Natives“ sehen, handeln heute deutlich zukunftssicherer.
5. Zehn konkrete Learnings für die Unternehmenspraxis
Die im Summit diskutierten Key Takeaways lassen sich gut in zehn handfeste Handlungsfelder übersetzen.
1. Globale Zusammenarbeit aktiv gestalten
Unternehmen sollten sich nicht nur anpassen, sondern aktiv Allianzen mit anderen Firmen, Städten, Forschung und Zivilgesellschaft aufbauen. Praktisch heißt das:
- Teilnahme an Brancheninitiativen
- Gemeinsame Standards und Datenaustausch
- Kooperation bei Pilotprojekten zu grünen Technologien
2. Klimaziele mit Investitionsentscheidungen verknüpfen
Ein Klimaziel ohne Investitionsplan ist reines Wunschdenken. Notwendig sind:
- Capex-Planung, die Dekarbonisierung priorisiert
- klare interne CO₂-Preise für Business Cases
- Ausstiegspfade aus besonders emissionsintensiven Aktivitäten
3. Biodiversität als Risikofaktor ernst nehmen
Der Verlust an Artenvielfalt bedroht Rohstoffe, Wasserverfügbarkeit und ganze Geschäftsmodelle. Unternehmen sollten:
- Abhängigkeiten von Ökosystemleistungen analysieren
- naturbezogene Risiken im Risikomanagement verankern
- Ziele zu Flächenverbrauch, Wasser und Landnutzung definieren
4. Soziale Gerechtigkeit in Geschäftsmodelle integrieren
Nachhaltigkeit ohne soziale Dimension bleibt instabil. Relevante Hebel sind:
- faire Löhne entlang der Lieferkette
- Zugang zu Weiterbildung für Mitarbeitende im Wandel
- Produkte, die nicht nur für zahlungskräftige Zielgruppen funktionieren
5. Krisen als Beschleuniger nutzen
Der Summit hat deutlich gemacht: Krisen treiben Umsetzung, wenn Führung sie konsequent dafür nutzt. Das heißt:
- Entscheidungen entbürokratisieren
- Transformationsziele in Bonus- und Vergütungssysteme einbauen
- in Krisenzeiten bewusst weiter in Zukunftsthemen investieren
6. Governance und multilaterale Zusammenarbeit stärken
Unternehmen profitieren von stabilen Regeln. Deswegen lohnt es sich, sich konstruktiv in Konsultationen, Verbänden und Initiativen einzubringen – statt nur auf Regulierung zu reagieren.
7. Inklusives Wachstum als Leitprinzip
Wachstum, das nur wenige profitieren lässt, erzeugt politische und gesellschaftliche Spannungen. Unternehmen können gegensteuern durch:
- lokale Wertschöpfung statt reiner Verlagerung
- faire Teilhabe der Mitarbeitenden am wirtschaftlichen Erfolg
- Angebote für Kundengruppen mit geringerem Einkommen
8. Datenbasiert entscheiden – nicht aus dem Bauch
Ein wiederkehrender Punkt: Ohne verlässliche Nachhaltigkeitsdaten bleibt jede Strategie blind. Wichtig sind:
- robuste ESG-Datenarchitektur
- KI-gestützte Analysen und Szenarien
- transparente Berichte, die intern als Steuerungsinstrument dienen
9. Bildung als Daueraufgabe begreifen
Transformation ist kein Projekt, sondern ein Lernprozess. Sinnvoll sind:
- verpflichtende Trainings zu Nachhaltigkeit und KI für Führungskräfte
- Learning Journeys für Schlüsselbereiche (z.B. Beschaffung, Produktentwicklung)
- Kooperationen mit Hochschulen und Start-ups
10. Alle Mitarbeitenden als Teil der Lösung sehen
Eines der stärksten Learnings aus Berlin: Transformation gelingt nur, wenn sie im Alltag ankommt. Praktische Schritte:
- Ideenplattformen für Verbesserungsvorschläge
- Zeitbudgets für Mitarbeitende, um Nachhaltigkeitsideen zu testen
- klare Kommunikation, wie jede Rolle zur Nachhaltigkeit beiträgt
6. Was Entscheider:innen jetzt konkret tun sollten
Der Global Solutions Summit 2024 war kein Wohlfühl-Event, sondern ein klarer Weckruf: Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen transformieren, sondern wie schnell und wie konsequent.
Wer Verantwortung trägt, kann jetzt drei direkte Schritte setzen:
- Ehrliche Standortbestimmung: Wo stehen wir bei Klimazielen, sozialer Wirkung, Governance und Daten? Wo sind die größten Lücken?
- Priorisierte Roadmap: Drei bis fünf Hebel definieren, die in den nächsten 12–24 Monaten wirklich Wirkung zeigen – mit Budgets, Verantwortlichkeiten und messbaren Zielen.
- Partner suchen: Kaum ein Unternehmen schafft die Transformation allein. Externe Expertise, Kooperationen und Allianzen beschleunigen den Weg enorm.
Unternehmen, die diese Fragen 2025 klar beantworten können, werden bei Kunden, Investor:innen und Talenten die Nase vorn haben. Der Summit hat gezeigt: Die Lösungen sind da, die Technologien existieren, die Ideen sind reichlich – es fehlt selten an Möglichkeiten, meist nur an Entschlossenheit.
Wer diese Entschlossenheit jetzt aufbringt, gestaltet nicht nur seine eigene Zukunft, sondern trägt aktiv zu stabileren Märkten und einer lebenswerteren Gesellschaft bei. Die eigentliche Frage ist daher: Wie lange wollen wir noch warten, bis wir konsequent handeln?