GIS und BIM verbinden: Praxisleitfaden fĂĽr Bauprojekte

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

GIS und BIM sauber zu verbinden entscheidet über Qualität, Kosten und Termine moderner Bauprojekte. Der neue buildingSMART-Leitfaden zeigt, wie das praxisnah gelingt.

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GIS + BIM: Warum diese Verbindung jetzt ĂĽber Ihren Projekterfolg entscheidet

Die meisten deutschen Bauprojekte kämpfen noch immer mit einem Bruch zwischen Planung und Realität: Auf der einen Seite präzise BIM-Modelle, auf der anderen Seite Geodaten aus GIS-Systemen – und dazwischen jede Menge Excel, manuelle Importe und Koordinatenchaos.

Genau an dieser Stelle setzt die neue Handreichung „GIS in BIM-Projekten“ von buildingSMART Deutschland an. Sie ist nicht nur ein weiteres PDF, sondern das Ergebnis mehrerer Workshops mit bis zu 60 Praktikern in den Jahren 2023 und 2024 – also geballtes Erfahrungswissen aus realen Projekten im deutschsprachigen Raum.

In diesem Beitrag zeige ich, warum die Integration von GIS und BIM strategisch wichtig ist, welche Fallstricke in der Praxis immer wieder auftreten und wie Sie den buildingSMART-Leitfaden konkret nutzen können, um Ihre Projekte – vom Infrastrukturvorhaben bis zum Quartiersausbau – sicherer, schneller und transparenter zu machen.


1. Warum GIS-BIM-Integration fĂĽr die deutsche Bauindustrie unverzichtbar wird

Die kurze Antwort: Ohne saubere GIS-BIM-Integration werden große Projekte in Deutschland in den nächsten Jahren kaum noch wirtschaftlich planbar sein.

Das hängt mit drei Entwicklungen zusammen, die sich gerade überlagern:

  • Digitalisierungsvorgaben von Bund und Ländern (BIM bei öffentlichen Bauvorhaben, Standardisierung von Datenräumen wie Gaia-X / iECO)
  • Klimaschutz- und Infrastrukturprogramme – etwa beim Ausbau der Schiene, der Wärmewende oder beim Hochwasserschutz
  • Zunehmende Komplexität der Standorte: Verdichtung in Städten, sensible Bestände, Altlasten, Schutzgebiete, Leitungsdichte im Untergrund

Hier spielt GIS seine Stärken aus: Geoinformationssysteme liefern Raumbezug, Kontext und Bestand – von Kataster- und Leitungsdaten bis zu Hochwassergefahrenkarten. BIM bringt Detailtiefe und Lebenszyklusdaten des Bauwerks. Wenn beides sauber zusammenspielt, profitieren alle:

  • Auftraggeber erhalten verlässliche Entscheidungsgrundlagen schon in frĂĽhen Leistungsphasen
  • Planer können Varianten schneller vergleichen und Risiken frĂĽh erkennen
  • AusfĂĽhrende arbeiten mit konsistenten Koordinaten, weniger Konflikten und klaren Baufeldern

Die Realität auf vielen Baustellen sieht aber noch anders aus: falsch georeferenzierte Modelle, widersprüchliche Höhenbezüge, unklare Verantwortlichkeiten und im schlimmsten Fall Nachträge, weil der Untergrund „doch anders“ war als gedacht.

Genau hier setzt der neue buildingSMART-Leitfaden an.


2. Was der buildingSMART-Leitfaden „GIS in BIM-Projekten“ wirklich liefert

Der Leitfaden von buildingSMART Deutschland ist bewusst kompakt gehalten (18 Seiten), fokussiert aber auf die Punkte, an denen Projekte in der Praxis scheitern. Er richtet sich ausdrĂĽcklich an Auftraggeber, Planer und AusfĂĽhrende und beleuchtet die Integration von GIS & BIM entlang des Informationsmanagements.

Kernnutzen des Dokuments:

  • Klare Orientierung fĂĽr Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) mit Blick auf GIS-Daten
  • Empfehlungen fĂĽr administrative und technische Strategien zur GIS-Integration
  • Leitplanken fĂĽr Georeferenzierung und den Umgang mit Verzerrungen (Stichwort Projektkoordinatensysteme)
  • Hinweise zur korrekten Bestellung und Beschreibung von GIS-Eingangsdaten

Der Leitfaden ist als Buch und E-Book erschienen (September 2025), herausgegeben von buildingSMART Deutschland. Inhaltlich basiert er auf Workshops aus 2023/2024 – also auf Erfahrungen von Anwendern, die mitten in realen BIM-/GIS-Projekten stehen.

Das Entscheidende: Er bleibt nicht theoretisch, sondern formuliert konkrete Empfehlungen, die Sie direkt in Ihren Projekten verwenden können – insbesondere in Ausschreibungen, BIM-Abwicklungsplänen und Leistungsbildern.


3. Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA): Der Hebel fĂĽr saubere GIS-Daten

Wenn GIS-Daten im BIM-Projekt Probleme machen, liegt die Ursache fast immer schon am Anfang des Projekts – bei unklaren oder fehlenden Anforderungen im AIA.

Was im AIA zu GIS und Geodaten geregelt sein sollte

Der Leitfaden zeigt, wie AIA gestaltet werden können, damit die GIS-Integration nicht später mühsam „nachgezogen“ werden muss. Aus Sicht der Praxis gehören mindestens diese Punkte hinein:

  1. Datenquellen und Zuständigkeiten

    • Welche Ă„mter, Versorger oder Betreiber liefern welche Geodaten?
    • Wer ist fĂĽr die Beschaffung verantwortlich – Auftraggeber oder Planer?
  2. Datenformate und Standards

    • GewĂĽnschte GIS-Formate (z.B. Shapefile, Geopackage, WFS)
    • Austauschformate fĂĽr das Zusammenspiel mit BIM (z.B. IFC mit Koordinatenbezug)
  3. Koordinatenreferenzsysteme und Höhenbezüge

    • Verwendetes CRS (z.B. ETRS89 / UTM, GK-Systeme)
    • Höhensystem (z.B. DHHN2016) und gewĂĽnschter Bezug im Modell
  4. Genauigkeiten und Aktualität

    • Welche Lage- und Höhengenauigkeiten sind erforderlich?
    • Stichtage fĂĽr die Aktualität der Bestandsdaten
  5. Nutzungsszenarien

    • WofĂĽr werden die GIS-Daten im BIM-Prozess benötigt? (z.B. Massenermittlung, KollisionsprĂĽfung, Simulationen, Bauablaufplanung)

Auftraggeber, die diese Punkte im AIA sauber regeln, ersparen sich später viel Ärger – und schaffen die Grundlage für verlässliche Standort- und Bestandsmodelle, die sich auch für KI-Auswertungen und digitale Zwillinge eignen.


4. Technische und organisatorische Strategien fĂĽr die GIS-Integration

Die wichtigste Erkenntnis aus vielen Projekten lautet: GIS-BIM-Integration ist kein reines Softwarethema, sondern ein Organisations- und Schnittstellenthema.

Administrative Strategien: Zuständigkeiten klären

Aus meiner Erfahrung funktionieren Projekte besser, wenn diese Punkte frĂĽh festgelegt werden:

  • Rollen definieren: Wer ist GIS-Verantwortliche:r im Projekt? Wer BIM-Koordinator:in? Wer entscheidet bei Konflikten?
  • Prozess beschreiben: In welchem Takt werden Geodaten aktualisiert? Wie flieĂźen Ă„nderungen in das BIM-Modell ein?
  • Dokumentation sichern: Alle Koordinatensysteme, Transformationen und Versionen mĂĽssen nachvollziehbar dokumentiert werden.
  • Verträge sauber formulieren: Verantwortlichkeiten fĂĽr Datenqualität, Aktualität und Nutzung klar in Verträgen und HOAI-/AIA-BezĂĽgen fixieren.

Technische Strategien: Koordinatensysteme und Schnittstellen beherrschen

Auf technischer Ebene nennt der Leitfaden vor allem drei kritische Felder:

  1. Georeferenzierung

    • Festlegung eines konsistenten Projektkoordinatensystems
    • Definition des Nullpunkts, Umgang mit groĂźen Koordinaten und Offsets
    • Dokumentation von Transformationsparametern
  2. Umgang mit Verzerrungen

    • Projektspezifische Entscheidung: Wird im globalen CRS geplant oder via lokaler Projektkoordinaten?
    • Bewertung, wie stark MaĂźstabsverzerrungen die Planung beeinflussen (z.B. beim BrĂĽcken- oder Tunnelbau)
  3. Schnittstellenmanagement

    • Klare Regeln, welche Daten im GIS „fĂĽhrend“ sind und welche im BIM
    • Standardisierte Austauschformate (z.B. IFC + GIS-Formate)
    • Testläufe vor Produktivbetrieb: Pilotmodell mit echten Daten durch den Austauschprozess schicken

Wer das nicht regelt, läuft Gefahr, dass sich kleine Abweichungen in der Georeferenzierung am Ende in reale Bauwerkskonflikte übersetzen – etwa wenn ein Leitungsmodell nicht exakt mit Vermessungsdaten übereinstimmt.


5. Beispiele aus der Praxis: Wo GIS-BIM-Integration den Unterschied macht

Die Vorteile werden besonders deutlich, wenn man typische Projektszenarien betrachtet, wie sie auch in den Workshops von buildingSMART diskutiert wurden.

Beispiel 1: Reaktivierung einer Bahnstrecke

Bei Projekten wie der Reaktivierung stillgelegter Bahntrassen (z.B. Siemensbahn in Berlin) hängt der Erfolg stark von der Bestands- und Umfeldanalyse ab:

  • Exakte Trassierung im vorhandenen StadtgefĂĽge
  • Schnittstellen zu BrĂĽcken, StraĂźen, Leitungen
  • Emissions- und Immissionsbetrachtungen (Lärm, ErschĂĽtterungen)

Mit integrierten GIS- und BIM-Daten lassen sich frĂĽh:

  • Varianten im realen Gelände prĂĽfen
  • Kollisionspunkte mit Bestandsbauwerken identifizieren
  • Bauphasenplanung mit VerkehrsfĂĽhrung und Umleitungen abstimmen

Ohne saubere GIS-BIM-Integration müssten viele dieser Fragen über manuelle Auswertungen und Einzelpläne beantwortet werden – fehleranfällig und zeitaufwendig.

Beispiel 2: Quartiersentwicklung mit Klimaanpassung

Klimaanpassung ist in deutschen Städten inzwischen ein Pflichtprogramm. Für neue Quartiere bedeutet das:

  • BerĂĽcksichtigung von Starkregen, Ăśberflutungsflächen und Versickerungsfähigkeit
  • Analyse von Hitzeinseln, Frischluftschneisen und Verschattung
  • Integration von GrĂĽn- und Blauflächen in die Planung

GIS liefert hier die klimatischen und hydrologischen Grundlagen, BIM beschreibt die Gebäude, Tiefgaragen, Platzflächen, Dachbegrünungen. In Kombination lassen sich z.B. Retentionsräume, Gefälle, Einläufe und Dachflächenabflüsse so planen, dass sie sowohl technisch als auch städtebaulich funktionieren.

Gerade für Kommunen, die derzeit verstärkt auf Wärmewende, Flächenrecycling und Klimaanpassung setzen, ist diese integrierte Sicht ein echter Produktivitätshebel.


6. Wie Sie den buildingSMART-Leitfaden konkret in Ihren Projekten nutzen

Der Leitfaden „GIS in BIM-Projekten“ ist kurz genug, um ihn an einem Nachmittag durchzuarbeiten – und trotzdem substanziell. So holen Sie das Maximum heraus:

Schritt 1: AIA und BAP gegen den Leitfaden prĂĽfen

  • Bestehende Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und BIM-Abwicklungspläne (BAP) durchgehen
  • PrĂĽfen, ob GIS-Aspekte wie Datenquellen, CRS, Genauigkeiten und Nutzungsszenarien ausreichend geregelt sind
  • LĂĽcken markieren und mit Textbausteinen ergänzen, die sich an den buildingSMART-Empfehlungen orientieren

Schritt 2: Rollen und Verantwortlichkeiten schärfen

  • In laufenden Projekten eine:n GIS-Verantwortliche:n offiziell benennen
  • Rollenprofil und Schnittstelle zum BIM-Management definieren
  • Im Projektteam kommunizieren, wer bei Fragen zu Georeferenzierung, Quellen und Aktualität zuständig ist

Schritt 3: Pilotprojekt „GIS-BIM sauber“ definieren

  • Ein laufendes oder bevorstehendes Projekt als Pilot fĂĽr saubere GIS-BIM-Integration ausweisen
  • Einen klaren Use Case definieren, z.B.: Bestandstrassenmodell, Bauphasenplanung im Stadtmodell, Hochwasseranalyse
  • Den Prozess von der Datenbestellung bis zum integrierten Modell anhand des Leitfadens aufsetzen

Schritt 4: Lernen dokumentieren und standardisieren

  • Erkenntnisse aus dem Pilot strukturiert dokumentieren
  • Standardtexte fĂĽr AIA/BAP, Checklisten und Vorlagen ableiten
  • Diese Standards im Unternehmen oder in der Verwaltung verbindlich machen

Wer so vorgeht, baut nicht nur Projektkompetenz, sondern auch Organisationskompetenz auf – eine zentrale Voraussetzung für echte „Baustelle 4.0“ und den Einsatz von KI entlang des gesamten Asset-Lebenszyklus.


7. Ausblick: GIS, BIM und KI – Datenqualität entscheidet

Für viele klingt „KI in der Bauindustrie“ nach automatischer Mengenberechnung, smarten Bauzeitenprognosen oder Fotodokumentation mit Objekterkennung. Das alles ist sinnvoll – aber ohne sauberen Raumbezug und konsistente Bestandsdaten bleibt der Nutzen begrenzt.

GIS-BIM-Integration sorgt genau fĂĽr diese Grundlage:

  • KI kann Konflikte zwischen Planung und Bestand automatisch erkennen, wenn beide Datenwelten sauber georeferenziert sind.
  • Digitale Zwillinge von Infrastrukturen oder Quartieren brauchen verlässliche Geometrie, Lage und Kontext, um Wartung, Betrieb und Szenarien abzubilden.
  • Ă–ffentliche Auftraggeber können Bau- und Infrastrukturprogramme besser steuern, wenn GIS- und BIM-Daten standardisiert und auswertbar vorliegen.

Der buildingSMART-Leitfaden ist damit nicht nur ein Nischendokument fĂĽr GIS-Spezialisten, sondern ein Baustein auf dem Weg zu einer datengetriebenen Bauwirtschaft in Deutschland.

Wer jetzt beginnt, GIS und BIM strukturiert zu verbinden, verschafft sich einen echten Vorsprung – bei Qualität, Terminsicherheit und der Fähigkeit, KI sinnvoll einzusetzen.


Fazit:

Die Verbindung von GIS und BIM ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein zentrales Element moderner Bauprojekte – vom kommunalen Tiefbau bis zum Großprojekt der Deutschen Bahn. Der neue Leitfaden „GIS in BIM-Projekten“ von buildingSMART Deutschland liefert dafür praxistaugliche Orientierung.

Wenn Sie als Auftraggeber, Planer oder Bauunternehmen Ihre nächsten Projekte robuster aufstellen wollen, lohnt sich ein sehr genauer Blick: Starten Sie mit Ihren AIA, definieren Sie klare Verantwortlichkeiten für Geodaten – und nutzen Sie den Leitfaden als Blaupause, um aus zwei Datenwelten eine gemeinsame, belastbare Planungsgrundlage zu machen.