Personalisierung im Versicherungsmarketing mit GenAI

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

Wie Versicherer mit Generative AI aus Customer Insights echte „Next Best Experiences“ machen – für mehr Abschlüsse, weniger Churn und spürbar bessere Kundenerlebnisse.

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Warum „Next Best Experience“ jetzt über Abschlussquoten entscheidet

78 % der Versicherungskund:innen in Europa erwarten laut aktuellen Studien individuelle Angebote – bekommen aber meist Standard-Mails, generische Landingpages und anonyme Callcenter-Skripte. Das passt nicht mehr zu einem Markt, in dem Vergleichsportale in Sekunden den günstigsten Tarif anzeigen und Kund:innen in wenigen Klicks zur Konkurrenz wechseln.

Hier liegt der Hebel: KI-gestützte Kundenanalyse und Generative AI ermöglichen Versicherern, den nächsten besten Schritt für jede einzelne Person zu erkennen – und ihn automatisch in Marketing, Vertrieb und Service auszuspielen. Genau darum geht es in diesem Beitrag der Reihe „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ – diesmal mit Fokus auf Versicherungen im DACH‑Markt.

Ich zeige, wie Sie Customer Insights so nutzen, dass aus „Next Best Offer“ tatsächlich „Next Best Experience“ wird: spürbare Mehrwerte für Kund:innen, messbarer ROI für Marketing & Vertrieb.


Von Customer Insights zu „Next Best Experience“ – worum es wirklich geht

Der Kern ist simpel: Wer relevante, aktuelle Kundeninformationen mit KI auswertet, kann jedem Kontaktpunkt – ob E‑Mail, Portal, Maklergespräch oder Service-Hotline – eine passende Aktion zuordnen.

Was sich ändert

Früher:

  • statische Zielgruppensegmente
  • starre Kampagnenkalender
  • Bauchgefühl im Vertrieb

Heute – mit KI für Marketing & Vertrieb:

  • dynamische, individuelle Profile auf Basis von Verhaltens- und Bestandsdaten
  • Echtzeit-Empfehlungen („Next Best Action“) während eines Gesprächs oder einer Online-Session
  • Generative AI, die automatisch Inhalte und Angebote personalisiert

Forrester hat das 2023 treffend beschrieben: Viele Unternehmen wollen kundenzentriert sein, scheitern aber an interner Silotrennung und Marketing-Myopie. Man schaut auf Klickzahlen, aber nicht auf die erlebte Qualität des Kontakts.

Die bessere Frage lautet: Wie fühlt sich der nächste Kontakt für die Kundin an? Hilfreich, relevant, wertschätzend – oder wie Spam?


Vier Hebel, wie Generative AI Versicherungsmarketing konkret besser macht

Generative AI ist kein Buzzword, sondern ein Werkzeugkasten. Besonders spannend sind aktuell vier Anwendungsfelder, die auch in der Zelros-Logik gut beschrieben sind und die ich hier auf den DACH-Markt übertrage.

1. KI-gestützte Kampagnen: Customer Journeys automatisch „zusammenbauen“

Was passiert? Ein KI-System kennt Produktportfolio, Tarife, Zielgruppen und bisherige Kampagnenergebnisse. Auf dieser Basis schlägt es optimale Kampagnenelemente vor:

  • passende Produkte pro Segment und Person
  • geeignete Kanäle (E‑Mail, SMS, Portal, App, Makler-Mailings)
  • optimale Frequenz und Kontaktzeitpunkt
  • Varianten für Betreffzeilen, Teaserbilder, Call-to-Actions

Statt Wochen im Kampagnenkonzept zu versenken, sieht Ihr Team konkrete Vorschläge – und entscheidet, was live geht.

Warum das den ROI hebt:

  • Weniger Streuverlust: Kampagnen erreichen nur noch Kund:innen, bei denen die Abschlusswahrscheinlichkeit hoch ist.
  • Schnellere Testzyklen: Varianten entstehen automatisch, A/B-Tests lassen sich kontinuierlich fahren.
  • Bessere Zusammenarbeit Marketing/Vertrieb: Alle arbeiten auf denselben Insights.

Gerade für österreichische Versicherer mit kleineren Marketingteams ist das spannend: Mit derselben Mannschaft lassen sich mehr, besser personalisierte Journeys fahren.

2. Personalisierte Outbound-Kampagnen mit Generative AI

E‑Mail-Kampagnen im Versicherungsbereich leiden chronisch an Öffnungsraten im Bereich 15–20 % und Klickraten oft unter 3 %. In vielen Fällen, weil der Inhalt austauschbar ist.

So hilft Generative AI:

  • Sie spielen First-Party-Daten (z.B. Bestände, Schadenhistorie, Produktnutzung) oder Leads in eine sichere Umgebung ein.
  • Ein Modell analysiert Muster: Wer reagiert auf welche Themen, welche Ansprachen, welche Trigger?
  • Darauf basierend erzeugt die KI individuelle E‑Mails, SMS oder Portal-Banner, abgestimmt auf
    • Lebenssituation (Familiengründung, Umzug, Firmenwachstum …)
    • Risiko- und Bedarfslage
    • bevorzugte Tonalität

Ein Beispiel aus der Praxis:

  • Statt „Jetzt Kfz-Versicherung wechseln und sparen!“ erhält eine Kundin mit neuem E‑Auto:
    „Ihr neues E‑Auto ist da – aber was passiert im Schadenfall mit Akku und Wallbox? Hier ist ein Tarif, der genau dieses Risiko abdeckt.“

Ergebnis: Mehr Relevanz, mehr Klicks, mehr qualifizierte Leads für den Vertrieb.

3. Mehr Daten, bessere Modelle: Foundation Models als Motor

Generative AI basiert oft auf sogenannten Foundation Models – großen Modellen, die auf gewaltigen Datenmengen trainiert wurden und neue Aufgaben ohne aufwendiges Feintuning lösen können.

Für Versicherer heißt das:

  • Komplexe, unstrukturierte Daten (Beratungsnotizen, E‑Mails, PDFs, Chatverläufe) werden automatisch analysiert.
  • Relevante Inhalte werden extrahiert: Kündigungsabsichten, Cross-Selling-Potenzial, unklare Prozesse, wiederkehrende Einwände.
  • Daraus entstehen strukturiere Insights, die in Kampagnen, Pricing oder Produktentwicklung einfließen.

Es entsteht eine Art Daten-Kreislauf:

  1. KI generiert personalisierte Inhalte.
  2. Kund:innen reagieren darauf – positiv oder negativ.
  3. Diese Reaktionen fließen zurück ins Modell.
  4. Das Modell verfeinert seine Vorhersagen und Empfehlungen.

Je konsequenter Sie Marketing & Vertrieb mit KI unterstützen, desto schneller lernen die Systeme – und desto präziser werden „Next Best Experience“-Empfehlungen.

4. Zero-Party-Data-Strategie: Kunden fragen statt nur zu tracken

Ein oft unterschätzter Hebel im deutschsprachigen Markt ist Zero-Party-Daten: Informationen, die Kund:innen bewusst und freiwillig teilen.

Beispiele:

  • kurze Bedarfstests im Kundenportal („Was ist Ihnen bei Ihrer Altersvorsorge am wichtigsten?“)
  • interaktive Schaden- oder Risiko-Checks
  • Mikroumfragen nach Servicekontakten („Was hat Ihnen gefehlt?“)

Mit Generative AI lassen sich solche Fragebögen, Konfiguratoren oder Chatdialoge individuell formulieren, je nach Profil und Kontext. Der Vorteil gegenüber reinem Tracking:

  • Transparenz: Kund:innen wissen, welche Daten sie teilen.
  • Relevanz: Die Antworten fließen direkt in konkrete Empfehlungen ein.
  • Compliance: Zero-Party-Daten passen gut zu DSGVO- und Einwilligungsanforderungen.

Gerade Versicherungen genießen noch immer ein gewisses Vertrauen – wer das mit klarer Kommunikation verbindet („Wir fragen, damit wir wirklich nur das vorschlagen, was zu Ihnen passt“), stärkt Beziehung und Abschlussquote gleichzeitig.


So setzen Versicherer in DACH KI-gestützte Personalisierung pragmatisch um

Die Theorie klingt attraktiv, der Alltag ist komplex: Legacy-IT, Datensilos, Datenschutz, Fachbereich vs. IT. Aus Projekten mit Versicherern kristallisieren sich drei Erfolgsfaktoren heraus.

1. Klein starten – aber mit echtem Business Case

Statt „KI-Strategie in 12 Monaten“, besser:

  1. Konkretes Ziel definieren, z.B.
    • +20 % Cross-Selling-Quote in der Bestandskampagne
    • +30 % Klickrate in Kfz-Wechselkampagnen
    • -15 % Churn in jungen Zielgruppen
  2. Einen klar abgegrenzten Use Case wählen:
    • z.B. Personalisierung der E‑Mail-Strecke zur Wohngebäudeversicherung.
  3. Pilot mit Generative AI fahren, Kampagnen A/B testen und Ergebnisse messen.

Wenn dieser Pilot nachweislich mehr Abschlüsse bringt, entsteht intern schnell Rückenwind – auch für größere Integrationsprojekte.

2. Datenqualität und Governance ernst nehmen

KI für Marketing & Vertrieb steht und fällt mit der Datenbasis.

Worauf österreichische und deutsche Versicherer achten sollten:

  • Single Customer View: Alle relevanten Datenpunkte pro Person zusammenführen (Verträge, Schäden, Kontakte, Beschwerden).
  • Einwilligungen sauber dokumentieren: Wer darf wofür kontaktiert werden? Über welche Kanäle? Mit welchen Tracking-Optionen?
  • Ethik & Fairness: Keine diskriminierenden Modelle, klare Regeln für Tarifempfehlungen und Ablehnungsgründe.

Gute Nachricht: Moderne InsurTech-Plattformen bringen oft vorkonfigurierte Data-Governance-Funktionen mit – inklusive Rollenrechten, Audit-Trails und DSGVO-konformer Protokollierung.

3. Mensch & Maschine klug kombinieren

Generative AI nimmt niemandem den Job weg, der wertvolle Kundengespräche führen kann. Sie nimmt vor allem das ab, was Berater:innen und Marketer ohnehin frustriert:

  • manuelles Selektieren von Zielgruppen
  • Textvarianten schreiben
  • Daten aus verschiedenen Systemen zusammensuchen

Der sinnvollste Ansatz:

  • KI schlägt vor (z.B. nächste beste Aktion, Textbausteine, Gesprächsleitfäden).
  • Mensch entscheidet (passt das zum Kunden, zur Situation, zur eigenen Beratungshaltung?).
  • Feedback fließt zurück ins System und verbessert die Modelle.

So wird aus KI kein Black Box-Orakel, sondern ein Co-Pilot für Marketing & Vertrieb.


Warum sich jetzt zu handeln lohnt – und was Ihr nächster Schritt sein sollte

Versicherer, die heute Generative AI für Kundenanalyse, Content-Automatisierung und Predictive Analytics einsetzen, sichern sich einen Vorsprung, der sich schwer einholen lässt. Sie lernen schneller, welche Next Best Experiences Kund:innen wirklich schätzen – und etablieren Prozesse, die skalierbar sind.

Im Rahmen unseres Leitfadens „KI für Marketing & Vertrieb“ stellt dieser Beitrag den Baustein Personalisierung in der Versicherung dar. Ergänzend dazu sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wo in meinem Marketing- und Vertriebsfunnel entstehen aktuell die größten Reibungsverluste?
  • Welche First-Party- und Zero-Party-Daten habe ich schon – und nutze sie noch nicht für Personalisierung?
  • Welche 1–2 Kampagnen könnte ich innerhalb von 90 Tagen KI-gestützt testen?

Wer diese Fragen ehrlich beantwortet und dann konsequent einen Pilot startet, wird schnell merken: Der Schritt von „Next Best Offer“ zu „Next Best Experience“ ist kleiner, als viele denken – aber er macht den Unterschied zwischen reiner Preiswettbewerb-Positionierung und echter Kundenbeziehung.


Kurze Q&A: Häufige Fragen aus der Praxis

Ist Generative AI im Versicherungsmarketing mit der DSGVO vereinbar?
Ja, wenn

  • nur Daten mit Rechtsgrundlage verarbeitet werden,
  • Modelle in sicheren, klar regulierten Umgebungen laufen und
  • Kund:innen transparent über Zwecke und Vorteile informiert werden.

Brauche ich ein eigenes Data-Science-Team?
Nicht zwingend. Viele InsurTech-Lösungen bringen vortrainierte Modelle und No-Code-Oberflächen mit. Ein zentrales Analytics-/IT-Team bleibt wichtig, aber Marketing & Vertrieb können viel mehr selbst in die Hand nehmen.

Wie schnell sehe ich Ergebnisse?
In gut aufgesetzten Piloten sind messbare Effekte nach 8–12 Wochen realistisch – etwa höhere Öffnungs- und Klickraten oder mehr Abschlüsse in Bestandskampagnen.

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