Gen AI dominiert 2025 die App-Charts und verschiebt Budgets Richtung iOS. Was das für Mobile Marketing, Creatives und Vertrieb in Deutschland bedeutet – mit konkreten Handlungsempfehlungen für 2026.
Gen AI im Alltag: Was Marketer 2025 nicht mehr ignorieren können
2025 ist ChatGPT in den USA die meistgeladene iPhone-App – noch vor Instagram, TikTok und Google. Parallel schiebt Adobe Photoshop, Express und Acrobat direkt in ChatGPT, kostenlos und per Voice-Steuerung. Währenddessen explodieren die Budgets für Gen-AI-Apps, vor allem auf iOS.
Für Marketing- und Vertriebsverantwortliche in Deutschland heißt das: Mobile Marketing ist ohne KI nicht mehr denkbar. Wer Gen AI jetzt nicht strategisch nutzt, verliert Reichweite, Effizienz – und mittelfristig Kund:innen.
In dieser Ausgabe der Reihe „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ schauen wir uns an, wie die aktuellen Zahlen von AppsFlyer, Apple und Adobe dein Mobile Marketing konkret verändern – und wie du 2026 mit einem klaren KI-Setup in Kampagnen, Creatives und Vertrieb startest.
1. Gen-AI-Apps boomen – und werden Teil deiner Marketing-Infrastruktur
Gen-AI-Apps gehören 2025 zu den wachstumsstärksten Kategorien im App-Markt und wandern tief in Marketingprozesse hinein.
Laut AppsFlyer-Report:
- Installationen von Gen-AI-Apps: +16 %
- Werbeausgaben fĂĽr Gen AI auf iOS und Android: 824 Mio. US-Dollar
- Einsatzschwerpunkt von AI Agents: 57 % technische Automatisierung, 32 % geschäftsorientierte Optimierung
Was heiĂźt das fĂĽr Marketing & Vertrieb in der Praxis?
Gen AI ist nicht mehr „Spielwiese“, sondern operative Infrastruktur. In vielen Unternehmen laufen heute bereits KI-Agents im Hintergrund, die unter anderem:
- CRM-Daten bereinigen und anreichern
- Kampagnen-Setups prĂĽfen (Tracking, Parameter, Budgets)
- Qualitätschecks bei Creatives und Landingpages durchführen
- Traffic-Quellen nach Performance clustern
Der Effekt: Operative Routinearbeit wandert zur KI, während dein Team mehr Zeit für Strategie, Kreativität und Kundengespräche gewinnt.
KI ersetzt nicht dein Marketing-Team. Sie ersetzt die schlecht genutzte Zeit deines Marketing-Teams.
Typische Einsatzmuster nach Branche
AppsFlyer sieht sehr unterschiedliche Muster:
- Gaming: Fokus auf Effizienz und Margen. KI optimiert Gebote, A/B-Tests und Creatives im Stundentakt.
- Retail / E-Commerce: KI skaliert Reichweite und Budgets über Länder, Zielgruppen und Plattformen hinweg.
- Fintech: Agents helfen bei Compliance-PrĂĽfungen, Lead-Qualifizierung und Performance-Forecasts.
FĂĽr den deutschen Markt sehe ich drei schnelle Hebel:
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Lead-Qualifizierung automatisieren
Inbound-Leads aus Formularen, Chat und Telefon zentral in ein KI-gestütztes Scoring-Modell geben (Firmengröße, Intent, Quelle, Interaktionen). Vertrieb bekommt nur noch vorqualifizierte Leads. -
Kampagnen-Reviews durch KI-Agents
Einmal täglich lässt du einen Agenten alle Meta-, Google- und Apple-Search-Ads prüfen: Anomalien, zu hohe CPAs, Ad Fatigue. Ergebnis: Slack- oder Teams-Report für dein Team. -
KI-gestĂĽtzte Content-Pipeline
Gen AI hilft bei Themenrecherche, Entwürfen, Varianten für Headlines und Snippets – finalisiert wird im Team. So bekommst du 3–5x mehr Output bei vergleichbarer Qualität.
2. iOS, China und Europa: Die neue Mobile-Wachstumslogik
Das Wachstum im Mobile Advertising entsteht 2025 fast ausschlieĂźlich auf iOS. Gleichzeitig schieben chinesische E-Commerce-Player wie Temu enorme Budgets nach Europa.
Laut AppsFlyer wächst vor allem das Non-Gaming-Segment auf iOS um 18 % – genau dort, wo kaufkräftige Zielgruppen und hochwertige Leads sitzen.
Europa rückt ins Zentrum – Deutschland profitiert
Die spannendsten Wachstumsraten bei den Mobile-Budgets:
- Spanien: ca. +157 %
- Italien: ca. +143 %
- UK: ca. +92 %
- Frankreich: ca. +52 %
- Deutschland: ca. +43 %
Ein GroĂźteil dieses Wachstums stammt aus chinesischen E-Commerce-Investitionen. Die USA halten zwar noch rund 42 % der weltweiten Ausgaben fĂĽr Nutzer:innenakquise, bestimmen aber nicht mehr allein den Takt.
FĂĽr dich bedeutet das:
- iOS-first wird im Performance Marketing wieder attraktiver. Wer nur „Android-Masse“ einkauft, lässt wertvollen Umsatz liegen.
- In Märkten mit starkem chinesischem Wettbewerb (z. B. Fashion, Home & Living, Elektronik) steigen CPCs und CPMs, aber auch das Bewusstsein der Kund:innen für Mobile Shopping.
Wie du deine Mobile-Strategie darauf ausrichtest
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iOS als Premium-Channel denken
Plane Budgets getrennt nach iOS und Android. Für iOS lohnt sich oft ein höherer CPL/CPA, wenn Warenkorb und Retention stimmen. -
Attribution und ROAS sauber messen
Gerade im iOS-Umfeld mit Privacy-Beschränkungen brauchst du ein klares Setup: SKAN, MMM, First-Party-Tracking. Ohne das steuerst du im Blindflug. -
Creative-Strategie an TikTok- und Temu-Logik anlehnen
Kurz, direkt, Angebot vorne. Deutsche Marken sind hier oft noch zu „brav“ und verlieren gegen aggressive Player. -
Lokale Relevanz ausspielen
Chinesische Apps punkten mit Preis, aber weniger mit Vertrauen und Service. Nutze KI, um hyperlokale Botschaften, personalisierte Angebote und Servicekommunikation zu skalieren.
3. Adobe + ChatGPT: Kreativproduktion wird zur Konversation
Adobe verlagert seine wichtigsten Kreativ-Tools direkt in ChatGPT – kostenlos, per Sprache, für alle.
Konkret sind jetzt integriert:
- Photoshop: Bildbearbeitung im Chat (Belichtung, Kontrast, lokale Anpassungen, Effekte) mit interaktiven Reglern.
- Adobe Express: Social Posts, Poster, Einladungen, Animationen auf Basis professioneller Templates.
- Acrobat: PDF-Bearbeitung, Textextraktion, Tabellenexport, Komprimierung, Konvertierung – alles per Prompt oder Voice.
Die technische Basis: agentische KI und das Model Context Protocol (MCP). Du kannst jederzeit in die nativen Adobe-Apps springen, wenn du präzise Pixelarbeit brauchst.
Warum das fĂĽr deinen Marketing-ROI entscheidend ist
Die Wahrheit: Dein Engpass ist nicht mehr das Tool, sondern der Prompt.
FrĂĽher brauchtest du fĂĽr performante Creatives:
- eine Designerin mit Photoshop-Skills
- einen Grafiker fĂĽr Animationen
- jemanden fĂĽr PDF-Layouts
Heute kannst du als Marketer im Chat sagen:
„Erstelle drei Varianten eines Instagram-Ads für unsere Winterkampagne: Fokus auf Versandkostenfrei, Bildstil skandinavisch-minimalistisch, Zielgruppe Frauen 25–40, Farben passend zu unserem CI in Blau und Beige.“
Die KI baut dir fertige EntwĂĽrfe in Express, die du nur noch feinjustierst. Das senkt:
- Time-to-Market (Tage → Stunden)
- Produktionskosten pro Creative
- Abhängigkeit von knappen Design-Ressourcen
Wie du die neue Kreativlogik konkret nutzt
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Standard-Creatives auslagern
Hero-Kampagnen bleiben beim Design-Team. Alles andere – Varianten, Formatadaptionen, saisonale Anpassungen – laufen über ChatGPT + Adobe. -
Prompt-Playbooks bauen
Erstelle fĂĽr dein Team Prompt-Vorlagen:- Always-on-Performance-Ads
- Retargeting-Creatives (Preisanker, Social Proof, Dringlichkeit)
- B2B-Whitepaper-Visuals und PDF-Cover
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Testing-Rhythmus erhöhen
Wenn Creatives günstig sind, lohnt sich echtes Testing: 10–20 Varianten pro Woche statt 2–3 pro Monat. KI-Assistants helfen dir bei Auswertung und Priorisierung. -
Sales-Unterlagen automatisieren
Vertrieb braucht aktualisierte One-Pager, Cases, Produktblätter. Mit Acrobat + ChatGPT generierst du aus einem Master-Dokument schnell branchenspezifische Varianten.
4. ChatGPT an der Spitze der App-Charts: KI wird zum „Betriebssystem“ deiner Kundenreise
ChatGPT ist 2025 in den USA die Nummer 1 im App Store – vor TikTok, Instagram und Google-Apps. Zudem schafft es Gemini in die Top 10. Das ist mehr als ein Ranking-Gag: Es zeigt, wie sich das Informations- und Suchverhalten deiner Kund:innen verschiebt.
Immer häufiger starten Nutzer:innen ihre Journey nicht mehr bei einer klassischen Suchmaschine, sondern direkt bei einem Chatbot. Das verändert:
- wie Menschen sich ĂĽber Produkte informieren
- wie sie Angebote vergleichen
- welcher Content ĂĽberhaupt noch gesehen wird
Was bedeutet „KI wird zum Betriebssystem“ konkret?
Wenn KI zur zentralen Interaktionsschicht wird, dann:
- wird dein Content von KI-Systemen vorgefiltert, bevor Kund:innen ihn sehen,
- wandern Standardanfragen (VerfĂĽgbarkeit, Preise, Features) zu KI-Assistants,
- werden Kaufentscheidungen stärker dialogisch („Welches Tool passt besser zu mir?“ im Chat statt Vergleichstabellen).
FĂĽr Marketing & Vertrieb heiĂźt das:
- Du musst KI-friendly Content produzieren: klar strukturierte Antworten, präzise Nutzenargumente, konsistente Produktdaten.
- Deine Service- und Sales-Teams brauchen eigene KI-Assistants, die auf eurem Wissen, euren Produktdaten und eurem CRM aufsetzen.
Praxis: Wie du deine Customer Journey „KI-fähig“ machst
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Fragenkataloge systematisch erfassen
Sammle die 50 häufigsten Fragen aus Vertrieb, Support, Messen, Social Media. Nutze sie als Basis für:- strukturierte FAQ-Seiten
- Wissensdatenbank fĂĽr euren eigenen KI-Assistant
- Content-Formate (Blog, Video, Whitepaper)
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Produkt- und Preisdaten strukturieren
KI kann nur sauber antworten, wenn deine Daten konsistent sind. Pflege Produktfeeds, Preislisten, Feature-Tabellen und nutze sie als „Single Source of Truth“. -
KI im Sales-Team verankern
Aus der Leitfaden-Perspektive sehe ich drei Must-haves:- KI-Co-Pilot fĂĽr Angebote und E-Mails
- Meeting-Assistent fĂĽr Notizen, Zusammenfassungen und Next Steps
- Live-Unterstützung im Call (z. B. Argumentationsvorschläge, Referenzen, Case Studies)
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Conversational Experiences testen
Statt klassischer Formulare kannst du in Ads, Landingpages oder Apps mit Chat-basierten Einstiegen arbeiten. KI fĂĽhrt durch Needs-Analyse, Produktwahl und Einwandbehandlung.
5. Was du 2026 konkret angehen solltest
Die Daten von AppsFlyer, die iOS-Rankings und die Adobe-Integration in ChatGPT zeichnen ein gemeinsames Bild: Gen AI ist kein Add-on mehr, sondern der Kern moderner Marketing- und Vertriebsstrukturen.
Wenn du 2026 vorne mitspielen willst, wĂĽrde ich folgendes Minimum-Setup empfehlen:
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KI-Strategie fĂĽr Marketing & Vertrieb definieren
- Welche Prozesse automatisieren wir 2026? (z. B. Reporting, Lead-Scoring, Content-Varianten)
- Wo brauchen wir menschliche Exzellenz? (Positionierung, Kreatividee, Key-Account-Vertrieb)
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Zwei bis drei KI-Anwendungsfälle sauber implementieren
Lieber wenige, aber durchdachte Use Cases:- KI-gestĂĽtztes Performance-Monitoring
- Creative-Produktion mit ChatGPT + Adobe
- Lead-Qualifizierung und Sales-Co-Pilot
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Team fit machen: Schulung statt Widerstand
Nicht jeder muss Prompt-Guru werden, aber:- klare Guidelines, wie KI genutzt werden soll
- interne Showcases mit echten Erfolgszahlen
- regelmäßige Refresh-Workshops zu Tools und Prompts
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Messbarkeit sicherstellen
FĂĽr jeden KI-Einsatz braucht es einen klaren Business-Effekt:- eingesparte Stunden
- verbesserter ROAS
- höherer Abschlussrate im Vertrieb
- verkĂĽrzte Sales-Cycles
Mobile Marketing, Kreativproduktion und Vertrieb wachsen 2026 enger zusammen – und die verbindende Schicht ist KI. Wer es schafft, Gen AI nicht als Hype, sondern als Betriebssystem für Kundenanalyse, Content-Automatisierung, Predictive Analytics und personalisierte Kampagnen zu verstehen, wird davon jahrelang profitieren.
Die eigentliche Frage ist also nicht mehr, ob du KI im Marketing einsetzt, sondern: Wie schnell bekommst du sie strukturiert in deine Prozesse – bevor deine Wettbewerber es tun?