ESG-Säule‑3: Wie Banken 2025 Transparenz wirklich schaffen

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Die ESG-Säule‑3-Offenlegung wird zur Nagelprobe für Banken. Wo die Studie 2024 Fortschritte und Lücken zeigt – und was Institute bis 2025 konkret angehen sollten.

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Warum ESG-Säule‑3 jetzt zur Nagelprobe für Banken wird

Deutsche und europäische Banken veröffentlichen inzwischen jedes Jahr Hunderte Seiten Berichte zu Nachhaltigkeit und ESG-Risiken. Trotzdem sagen mir viele Verantwortliche hinter vorgehaltener Hand: „Wir wissen selbst, dass unsere ESG-Säule‑3-Offenlegung noch weit weg von rund ist.“

Die ESG-Säule‑3-Offenlegungsstudie 2024 zeigt ziemlich klar, wo die Branche steht: Es gibt spürbare Fortschritte, aber auch hartnäckige Transparenzlücken – gerade dort, wo es wirklich wehtut: bei Datenqualität, Vergleichbarkeit und Governance. Für Institute, die ihre Geschäftsmodelle zukunftsfähig ausrichten wollen, ist das keine Nebensache, sondern eine strategische Baustelle.

Dieser Beitrag ordnet die Ergebnisse der Studie ein, zeigt typische Fallstricke in der ESG-Säule‑3-Berichterstattung und skizziert, wie Banken jetzt pragmatisch vorgehen können, um bis zum Reporting für das Geschäftsjahr 2025 deutlich besser aufgestellt zu sein.


ESG-Säule‑3: Was die Studie über den Reifegrad der Branche verrät

Die Offenlegung nach Artikel 449a CRR und DVO (EU) 2022/2453 ist längst kein „ESG-Experiment“ mehr, sondern fester Bestandteil des Bankenaufsichtsrechts. 35 Institute aus 11 Ländern wurden in der aktuellen Studie analysiert – mit über 130 Einzelfragen zu Methodik, Inhalt und Daten.

Die zentrale Botschaft: Der Umfang der ESG-Offenlegung ist gestiegen, die Qualität aber noch nicht überall auf dem gleichen Niveau.

Drei Problemfelder, die sich durch viele Berichte ziehen

  1. Formatfehler
    Vorgaben zu Layout und Tabellenstruktur werden verändert oder verkürzt – teilweise bewusst, teilweise aus Unkenntnis. Folge:

    • Aufseher können Institute schlechter vergleichen.
    • Automatisierte Auswertungen werden erschwert.
    • Das Risiko von Fehlinterpretationen steigt.
  2. Unvollständige Inhalte
    Einzelne Meldebögen fehlen, Erläuterungen sind zu knapp oder fehlen ganz. Typisch sind:

    • Nicht offengelegte Templates ohne begrĂĽndete „not applicable“-Argumentation.
    • LĂĽcken bei Ăśbergängen und Abgrenzungen (z. B. Scope, Portfolioabdeckungen).
    • Fehlende Verbindung zwischen Risiko-Strategie und Kennzahlen.
  3. Inkonsistente Zahlen
    Dasselbe Portfolio taucht in unterschiedlichen Tabellen mit abweichenden Werten auf. GrĂĽnde sind oft:

    • Unterschiedliche Datenstichtage oder Datenquellen.
    • Nur begrenzt abgestimmte Berechnungslogik zwischen Fachbereichen.
    • Fehlende ĂĽbergreifende Daten-Governance.

Wer ESG-Säule‑3 ernst nimmt, muss diese Basisthemen stabil im Griff haben, bevor man über komplexere Kennzahlen wie Green Asset Ratio (GAR) oder Alignment-Metriken spricht.


ESG-Risiken: Wo Banken heute schon gut sind – und wo nicht

Die Studie zeigt deutlich: Klimarisiken sind fachlich angekommen, soziale und Governance-Risiken deutlich weniger. Das ist nachvollziehbar, aber langfristig gefährlich.

Starker Fokus auf Klima – dünne Inhalte bei „S“ und „G“

Viele Institute liefern inzwischen solide qualitative Beschreibungen zu:

  • physischen Klimarisiken (z. B. Ăśberschwemmungen, Hitzewellen),
  • transitorischen Risiken (z. B. COâ‚‚-Bepreisung, regulatorische Veränderungen),
  • Verankerung in Kreditprozessen und Risikostrategie.

Deutlich schwächer sind dagegen:

  • soziale Risiken: Arbeitsbedingungen in Lieferketten, Menschenrechte, Verbraucherbelange,
  • Governance-Risiken: VergĂĽtungsstrukturen, ESG in der Vorstandsverantwortung, Rolle von Aufsichtsgremien.

Hier verschenken Banken eine Chance. Denn gerade fĂĽr Reputation, Kundentreue und aufsichtsrechtliches Vertrauen sind S- und G-Aspekte mindestens so wichtig wie COâ‚‚-Kennzahlen.

Praktischer Ansatz fĂĽr 2025:

  • Mindest-Framework fĂĽr S- und G-Risiken definieren (Definition, Risikotreiber, Beispielportfolios).
  • Zwei bis drei konkrete Fallstudien pro Institut aufnehmen (z. B. Umgang mit Arbeitsrechtsrisiken in bestimmten Sektoren).
  • Governance klarer beschreiben: Wer entscheidet was? Wie werden ESG-Ziele in die VergĂĽtung ĂĽbersetzt?

Datenqualität, EPC & Green Asset Ratio: Der harte Kern der ESG-Offenlegung

Der vielleicht größte Engpass der ESG-Säule‑3-Offenlegung sind Datenverfügbarkeit und Methoden – insbesondere bei Immobilien und der GAR.

Energieausweise (EPC): Fortschritt mit vielen Fragezeichen

2024 ist die Lage bei Energieausweisdaten deutlich besser als 2022, trotzdem bleiben zentrale Probleme:

  • lĂĽckenhafte Datenbestände im Bestandsgeschäft,
  • unterschiedliche Schätzmethoden von Bank zu Bank,
  • unsaubere Dokumentation der Annahmen.

Hier trennt sich langfristig die Spreu vom Weizen. Institute, die jetzt klar dokumentierte und standardisierte EPC-Methoden etablieren, haben später weniger Aufwand bei Anpassungen und Prüfungen.

Was funktioniert aus meiner Sicht gut:

  • Klare Priorisierung nach Risiko und Volumen – zuerst groĂźe gewerbliche Portfolios und energieintensive Segmente.
  • Kombination aus internen Daten, Marktdaten und konservativen Schätzlogiken.
  • Transparente Erläuterung der Limitationen direkt in der ESG-Säule‑3-Offenlegung.

Green Asset Ratio: Kennzahl mit Stolperfallen

Die Green Asset Ratio (GAR) soll zeigen, wie „grün“ das Kredit- und Investmentbuch eines Instituts im Sinne der EU-Taxonomie ist. Theoretisch ein mächtiges Steuerungsinstrument, praktisch aber noch von:

  • heterogenen Methoden,
  • unterschiedlichen Auslegungen des GAR-Nenners,
  • stark variierender DatenverfĂĽgbarkeit

geprägt.

Wer GAR nur als Pflichtkennzahl begreift, schöpft ihr Potenzial nicht aus. Richtig genutzt, kann sie:

  • strategische Steuerung unterstĂĽtzen (Portfolio-Shift Richtung taxonomie-konformer Aktivitäten),
  • Produktentwicklung im Bereich Sustainable Finance fundiert untermauern,
  • die Kommunikation mit Aufsehern und Investoren deutlich vereinfachen.

Konkrete Schritte fĂĽr 2025:

  1. GAR-Berechnung als integrierten Prozess im Risikocontrolling verankern, nicht als einmalige Reporting-Ăśbung.
  2. Silos aufbrechen: ESG, Risiko, Finanzen, Marktbereiche und Datenmanagement gemeinsam an einem Datenmodell arbeiten lassen.
  3. Testläufe mit Szenarien fahren („Was passiert mit unserer GAR, wenn wir Portfolio X um 20 % umbauen?“).

Methodik, Validierung und EBA Q&A: Wie Institute Fehler kĂĽnftig vermeiden

Ein positiver Befund der Studie: Die meisten Banken berücksichtigen die EBA-Q&A von Februar 2023 inzwischen sichtbar. Das hebt die Qualität deutlich – vorausgesetzt, die Erkenntnisse werden wirklich in Prozesse übersetzt.

Warum Validierungen entscheidend sind

Ohne robuste Validierungs- und Abstimmprozesse landen schnell falsche Zahlen im Bericht. Gute Praxis ist aus meiner Sicht:

  • Technische Validierungen:

    • PlausibilitätsprĂĽfungen (z. B. Summencheck, Vorjahresvergleiche, Outlier-Analysen),
    • automatisierte Format-Checks gegen die regulatorischen Templates.
  • Fachliche Validierungen:

    • gemeinsamer Review von Risiko, Controlling und Nachhaltigkeitsteam,
    • Abgleich der Säule‑3-Kennzahlen mit anderen ESG-Berichten (z. B. Lagebericht, CSRD-Berichte).
  • Dokumentation:

    • wer hat wann welche Daten geliefert,
    • welche Annahmen wurden verwendet,
    • wo bestehen bewusste Einschränkungen.

Institute, die schon bei den klassischen Säule‑3-Offenlegungen reifere Prozesse hatten, tun sich hier spürbar leichter. Andere müssen diese Governance-Strukturen jetzt zügig nachziehen.


Vom Pflichtdokument zum Steuerungsinstrument: Wie Banken ESG-Säule‑3 strategisch nutzen

Die spannendste Entwicklung rund um ESG-Säule‑3 ist aus meiner Sicht: Wer nur Berichtspflichten erfüllt, lässt Wertschöpfung liegen. Die Offenlegung kann zum echten Steuerungsinstrument werden – für Aufsicht, Markt und interne Entscheidungen.

Drei Hebel, die sich 2025 lohnen

  1. Verknüpfung mit Geschäftsstrategie und Produktentwicklung
    ESG-Säule‑3-Daten zeigen, wo ein Institut bereits stark in nachhaltigen Geschäftsfeldern ist – und wo nicht. Darauf lässt sich aufbauen:

    • gezielte Entwicklung von grĂĽnen Kreditprodukten fĂĽr Branchen mit hohem Transformationsbedarf,
    • Priorisierung von Sektoren, in denen die Bank aufgrund ihrer Datenlage einen Vorsprung hat,
    • aktive Kommunikation gegenĂĽber Unternehmenskunden, wie die Bank sie bei Dekarbonisierung und Transformation unterstĂĽtzt.
  2. Risikosteuerung konkretisieren
    Anstatt nur qualitative Klimarisikoeinschätzungen zu liefern, können Institute:

    • Portfolio-Grenzwerte und Limits an ESG-Kennzahlen knĂĽpfen,
    • frĂĽhzeitig „braune“ Konzentrationsrisiken identifizieren,
    • Stresstests und Szenarioanalysen in die Offenlegung integrieren.
  3. Transparenz als Vertrauensfaktor nutzen
    Investoren, Ratingagenturen und auch groĂźe Corporates schauen inzwischen sehr genau hin.

    • Je klarer Methoden offengelegt werden, desto glaubwĂĽrdiger wirkt das Institut.
    • Ehrlicher Umgang mit DatenlĂĽcken wirkt oft besser als „geschönte“ Vollständigkeit.
    • Konsistenz zwischen ESG-Säule‑3, CSRD-Reporting und Marketingmaterial ist Pflicht.

Gerade für deutsche Häuser, die im europäischen Wettbewerb um nachhaltige Mandate wieder stärker mitspielen wollen, kann eine saubere ESG-Offenlegung zum Differenzierungsmerkmal werden.


Was Banken bis zum Reporting 2025 konkret angehen sollten

Wer jetzt noch mitten im Aufbau der ESG-Säule‑3-Offenlegung steckt, braucht einen klaren Fokus. Aus den Studienergebnissen lassen sich fünf sehr praktische To-dos ableiten:

  1. Format- und Vollständigkeits-Check etablieren
    Vor Abgabe jedes Berichts: Vollständigkeit aller Templates prüfen, Format mit den regulatorischen Vorgaben abgleichen, „not applicable“-Entscheidungen begründen.

  2. S- und G-Risiken nachschärfen
    Mindestens ein schlankes, aber klares Rahmenwerk fĂĽr soziale und Governance-Risiken definieren und im Bericht sichtbar machen.

  3. EPC-Methodik standardisieren
    Einheitliche Schätzlogik entwickeln, zentrale Annahmen dokumentieren und deren Auswirkungen auf die Kennzahlen transparent darstellen.

  4. GAR-Prozess professionalisieren
    GAR nicht als isolierte Rechenschaftskennzahl behandeln, sondern in Steuerung, Produktentwicklung und Risikomanagement einbinden.

  5. Validierungen ausbauen und dokumentieren
    Technische und fachliche Checks institutionalisieren, Verantwortlichkeiten klar zuordnen und Lessons Learned nach jedem Berichtszyklus festhalten.

Wer diese Punkte in den kommenden Monaten angeht, reduziert nicht nur Aufsichtsrisiken, sondern schafft die Grundlage, ESG-Daten auch geschäftlich zu nutzen – von Sustainable-Finance-Produkten bis hin zur internen Steuerung.


Fazit: ESG-Transparenz ist kein Nice-to-have – sie entscheidet über Glaubwürdigkeit

ESG-Säule‑3-Offenlegung nach Artikel 449a CRR wirkt auf den ersten Blick wie eine weitere regulatorische Pflicht mit hoher Detailtiefe. In Wahrheit ist sie ein Stresstest für die ESG-Kompetenz einer Bank – fachlich, organisatorisch und datenseitig.

Die Studie 2024 zeigt: Der Weg ist steinig, aber der Fortschritt spürbar. Institute, die jetzt konsequent an Datenqualität, Methodik und Governance arbeiten, werden ab 2025 nicht nur regulatorisch sicherer unterwegs sein, sondern auch im Markt glaubwürdiger auftreten können – gegenüber Aufsicht, Investoren, Kund:innen und Mitarbeitenden.

Wer ESG nicht nur berichten, sondern gestalten will, sollte ESG-Säule‑3 als Chance begreifen: für mehr Klarheit im eigenen Portfolio, für bessere Entscheidungen und für eine transparente Rolle im nachhaltigen Finanzsystem Europas.