CSRD, EU-Taxonomie und SAP: Wie Unternehmen ihr ESG-Reporting 2025 prüfungssicher, effizient und strategisch aufstellen können – vom Datenmodell bis zur Steuerung.

Warum ESG-Reporting 2025 zur Chefsache wird
Über 50.000 Unternehmen in der EU fallen schrittweise unter die CSRD – viele deutsche Mittelständler zum ersten Mal. Wer jetzt noch mit Excel-Listen und manuellen Prozessen arbeitet, riskiert Stress mit Prüfern, höhere Finanzierungskosten und Reputationsschäden.
Die Realität: Nachhaltigkeitsreporting ist längst kein „nice to have“ mehr, sondern besitzt denselben Stellenwert wie der Jahresabschluss. Gleichzeitig explodiert die Komplexität – doppelte Wesentlichkeit, EU-Taxonomie, Lieferkette, Klimarisiken, internes Kontrollsystem. Genau hier setzt das neue Fachbuch „ESG-Reporting mit SAP“ von PwC Deutschland und SAP an.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was das Buch besonders macht, wie SAP-Lösungen das Nachhaltigkeitsreporting strukturieren – und wie Unternehmen in Deutschland das Thema praxisnah angehen können, statt sich in Regulierungstexten zu verlieren.
1. CSRD & EU-Taxonomie: Was jetzt wirklich auf Unternehmen zukommt
CSRD und EU-Taxonomie verändern, wie Unternehmen über Nachhaltigkeit berichten – und vor allem wie tief.
Von freiwilligen Kennzahlen zu prüfungsreifen ESG-Daten
CSRD-Berichte müssen künftig:
- nach einheitlichen ESRS-Standards erstellt werden,
- die doppelte Wesentlichkeit abbilden (Impact & Financial Materiality),
- prüfbar sein – ähnlich wie der Finanzabschluss,
- Taxonomie-Quoten und Klimarisiken transparent darstellen.
Das bedeutet: Ein paar CO₂-Kennzahlen im Nachhaltigkeitsbericht reichen nicht. Es geht um eine integrierte ESG-Datenlandschaft, in der Fachbereich, Finance und IT eng zusammenspielen.
Warum ohne saubere IT-Architektur nichts mehr geht
Das Buch von PwC und SAP macht sehr klar: Nachhaltigkeitsreporting ist ein Daten- und Prozessprojekt, kein reines Kommunikations- oder CSR-Thema. Wer die regulatorischen Anforderungen effizient erfüllen will, braucht:
- klare Verantwortlichkeiten im Reportingprozess,
- definierte Datenquellen in ERP, HR, Einkauf, Produktion & Lieferkette,
- eine verlässliche Datenplattform,
- Werkzeuge für Steuerung, Planung und Analyse.
Genau diese Lücke schließt die Kombination aus SAP Sustainability Control Tower, SAP Datasphere, SAP Analytics Cloud, SAP Build, S/4HANA und Green Ledger, wie sie im Buch systematisch beschrieben wird.
2. Der Reporting-Transformationsprozess – Schritt für Schritt mit SAP
Das Herzstück des Buchs ist ein praxisnaher Leitfaden, der den kompletten Sustainability-Reporting-Prozess durchdekliniert. Das ist besonders wertvoll für Unternehmen, die 2025/2026 erstmals CSRD-pflichtig werden.
2.1 Doppelte Wesentlichkeitsanalyse sauber aufsetzen
Am Anfang steht die doppelte Wesentlichkeit. Das Buch zeigt, wie sich dieser abstrakt klingende Begriff in konkrete Arbeitsschritte übersetzen lässt:
- Identifikation relevanter ESG-Themen (z.B. Klima, Wasser, Diversity, Lieferkette)
- Bewertung Geschäftsrelevanz vs. Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft
- Ableitung klarer Reporting-Pflichten und Kennzahlen
Der Mehrwert: Die Wesentlichkeitsanalyse wird nicht nur fachlich erläutert, sondern auch technologisch verankert – also wie die Ergebnisse in SAP-Lösungen und Datenmodelle einfließen.
2.2 Datenquellen identifizieren – mit Fokus auf S/4HANA
Der nächste Schritt: Woher kommen die ESG-Daten eigentlich? Das Buch führt entlang typischer Datenquellen:
- S/4HANA (z.B. Finanz-, Anlagen-, Einkaufs- und Produktionsdaten)
- HR-Systeme (FTE, Fluktuation, Diversity)
- Lieferketten- und Logistiksysteme
- externe Daten (z.B. Emissionsfaktoren, Lieferantenratings)
Hier zeigt sich die Stärke der SAP-Welt: Viele fürs ESG-Reporting relevante Informationen liegen bereits im ERP – werden aber noch nicht gezielt für Nachhaltigkeitszwecke genutzt.
2.3 SAP Datasphere: Die Datenbasis für ESG-Reporting
Für konsistentes Nachhaltigkeitsreporting braucht es eine zentrale Datenplattform. Laut Buch spielt SAP Datasphere dabei eine Schlüsselrolle:
- Integration heterogener Datenquellen
- Aufbau eines einheitlichen ESG-Datenmodells
- Sicherstellung von Datenqualität und Transparenz
Für IT-Teams besonders hilfreich: Das Buch beschreibt fachlich und technisch, wie ein ESG-Datenmodell in Datasphere aufgebaut, dokumentiert und gepflegt wird – und wie es später vom SAP Sustainability Control Tower genutzt werden kann.
2.4 SAP Sustainability Control Tower: Vom Datenfriedhof zur Steuerungslogik
Der SAP Sustainability Control Tower (SCT) ist das Frontend für Fachbereiche, Nachhaltigkeitsteams und das Management. Laut Buch deckt er mehrere Aufgabenfelder ab:
- Konfiguration von Metriken (z.B. CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Taxonomie-KPIs)
- Einrichtung von Datenerfassungs-Workflows für Standorte und Fachbereiche
- Aufbau von Dashboards für Management und Aufsichtsrat
Spannend ist der durchgängige Blick: Jede SCT-Konfiguration wird fachlich (Welche Kennzahl? Welche CSRD-Anforderung?) und technisch (Welche Felder? Welche Quelle?) beschrieben. Das macht das Buch besonders praxisnah.
2.5 SAP Analytics Cloud und Planung: ESG in die Steuerung holen
Reporting allein reicht nicht. Banken, Investoren und Ratingagenturen schauen zunehmend darauf, ob ESG-Kennzahlen aktiv gesteuert werden.
Hier setzt die SAP Analytics Cloud (SAC) an:
- interaktive Analysen zu Emissionen, Ressourcen, Kosten
- Verknüpfung von Finanzplanung und ESG-Zielen
- What-if-Szenarien (z.B. CO₂-Preissteigerungen, Energieeffizienzmaßnahmen)
Das Buch zeigt anhand von Beispielen, wie Unternehmen aus reinen Compliance-Kennzahlen echte Steuerungsgrößen machen – etwa, indem CO₂-Kosten in Investitionsentscheidungen einfließen.
3. ESG, IKS und Abschlussprüfung: Was Prüfer wirklich sehen wollen
Wer nur an den Bericht denkt, vergisst die Prüfbarkeit. CSRD-Berichte unterliegen einer Prüfungspflicht, deshalb widmet das Buch dem Thema Governance und IKS ein eigenes Gewicht.
3.1 Internes Kontrollsystem (IKS) für ESG-Daten
Für Unternehmen bedeutet das: Die gleichen Prinzipien, die für Finanzdaten gelten, müssen auch auf ESG-Daten angewendet werden.
Dazu zählen:
- klare Rollen und Verantwortlichkeiten für Dateneingaben
- dokumentierte Prozesse und Kontrollpunkte
- Freigabe- und Vier-Augen-Prinzip im System
Die Autoren zeigen, wie sich solche IKS-Anforderungen technisch in SAP-Lösungen abbilden lassen – etwa über Workflows in SAP Build, Berechtigungskonzepte oder automatisierte Plausibilitätschecks.
3.2 Klimarisiken und Lieferkette systematisch analysieren
Ein weiterer Schwerpunkt des Buches liegt auf zwei Themen, die Prüfer zunehmend in den Fokus rücken:
- Klimarisiken (physische und transitorische Risiken)
- Risiken in der Lieferkette
Im Buch wird erläutert, wie Unternehmen Klimarisiken in Szenarien abbilden und Lieferketteninformationen mit ESG-Daten verknüpfen können. Der rote Faden: Risiken nicht nur beschreiben, sondern anhand von Daten bewerten, priorisieren und steuern.
4. Für wen ist „ESG-Reporting mit SAP“ besonders wertvoll?
Das Buch richtet sich klar an Unternehmen, die das Thema Nachhaltigkeitsreporting professionalisieren wollen – nicht nur formal abhaken.
4.1 Zielgruppen im Unternehmen
Besonders profitieren laut Beschreibung:
- Nachhaltigkeitsabteilungen, die ihre Anforderungen in IT-Logik übersetzen müssen
- Finance & Controlling, die ESG-Daten in Planung und Steuerung integrieren wollen
- IT-Teams und SAP-Architekten, die für Umsetzung, Integration und Betrieb verantwortlich sind
- Management & Aufsichtsrat, die Transparenz über ESG-Risiken und -Chancen brauchen
Spannend ist die Interdisziplinarität: Das Buch ist weder reines IT-Handbuch noch nur ESG-Fachliteratur, sondern verbindet beide Perspektiven – ein Punkt, der in vielen Projekten fehlt.
4.2 Was der deutsche Mittelstand konkret mitnehmen kann
Gerade für deutsche Mode-, Konsumgüter- und Industrieunternehmen, die stark in globalen Lieferketten hängen, liefert das Buch Entscheidendes:
- Wie sich Lieferkettenrisiken und Nachhaltigkeitsanforderungen systematisch abbilden lassen
- Wie bestehende SAP-Landschaften (z.B. S/4HANA) für ESG genutzt werden können, statt alles neu aufzubauen
- Wie sich Transparenzanforderungen von Handel, Kunden und Finanzmarkt effizient bedienen lassen
Wer aktuell vor der Frage steht, wie sich ein CSRD-Projekt technisch aufsetzen lässt, findet hier einen strukturierten Fahrplan.
5. So starten Unternehmen pragmatisch in die ESG-Transformation
Viele Unternehmen fühlen sich vom Umfang der CSRD erschlagen. Der Ansatz im Buch zeigt: Man muss nicht alles gleichzeitig lösen – wichtig ist ein klarer Fahrplan und die richtige Reihenfolge.
5.1 Ein möglicher 6-Schritte-Ansatz
Ein praxisnaher Start könnte so aussehen:
- Scope klären: Welche Gesellschaften, Standorte, Geschäftsbereiche fallen unter CSRD?
- Doppelte Wesentlichkeit durchführen und priorisierte Themenliste definieren.
- Zielbild der ESG-Systemarchitektur festlegen (S/4HANA, Datasphere, SCT, SAC).
- Datenquellen analysieren und ein erstes ESG-Datenmodell in Datasphere aufbauen.
- Pilot-Kennzahlen im Sustainability Control Tower konfigurieren (z.B. CO₂, Energie, Taxonomie-Umsatz).
- Prozesse und Kontrollen etablieren, dann schrittweise um weitere Themen erweitern.
Dieser Fahrplan spiegelt den Aufbau des Buches – nur eben kondensiert.
5.2 Warum sich Investitionen in ESG-Technologie lohnen
ESG-Reporting mit SAP ist kein reines Kostenprojekt. Unternehmen, die ihre Datenlandschaft jetzt professionell aufstellen, gewinnen:
- schnellere Berichterstattung statt hektischer Datensammlungen zum Jahresende,
- bessere Kredit- und Ratingkonditionen, weil Daten belastbar sind,
- effizientere Prozesse, durch Automatisierung und zentrale Datenhaltung,
- strategische Vorteile, weil ESG-Ziele in Steuerung und Produktentwicklung einfließen.
Oder kurz gesagt: Wer Nachhaltigkeitsdaten wie Finanzdaten behandelt, wird vom Pflichtprogramm zur echten unternehmerischen Steuerung kommen.
Fazit: ESG-Reporting mit SAP als strategische Chance nutzen
„ESG-Reporting mit SAP“ zeigt auf 596 Seiten, wie Unternehmen die wachsenden Anforderungen aus CSRD und EU-Taxonomie strukturiert, prüfungssicher und technologisch sauber umsetzen können. Der besondere Wert liegt in der Verbindung von Fachlichkeit (ESG, Reporting, Prüfung) und Technologie (SAP Sustainability Control Tower, Datasphere, Analytics Cloud, S/4HANA, Green Ledger).
Wer jetzt vor der Frage steht, wie er sein Nachhaltigkeitsreporting auf das nächste Niveau hebt, findet in diesem Buch einen Leitfaden von der doppelten Wesentlichkeit bis zur Integration von ESG in Planung, Steuerung und IKS. Der richtige Zeitpunkt zum Start ist nicht „irgendwann“, sondern mit dem nächsten Berichtsjahr.
Die eigentliche Frage ist daher nicht mehr, ob Sie ESG-Reporting professionell aufsetzen – sondern wie konsequent Sie Technologie, Daten und Governance zusammendenken. Genau dabei kann der im Buch beschriebene Ansatz den entscheidenden Unterschied machen.