Erlebnisgeschenke boomen, Social Media treibt den Trend. So können deutsche Einzelhändler mit KI und Omnichannel-Strategien ihr Weihnachtsgeschäft 2025 neu aufstellen.
Weihnachten 2025: Wie Erlebnisse den Handel umkrempeln
2025 wird in vielen deutschen Innenstädten ein merkwürdiger Kontrast sichtbar: Volle Weihnachtsmärkte, ausgebuchte Escape Rooms, lange Schlangen vor Eislaufbahnen – und gleichzeitig deutlich verhaltener Andrang in klassischen Geschenkabteilungen.
Der starke Trend hin zu Erlebnis-Geschenken verändert das Weihnachtsgeschäft spürbar. Plattformen wie Getyourguide melden Rekorde, während Händler mit steigenden Kosten, zurückhaltenden Konsumenten und einem Shift Richtung „erst erleben, dann besitzen“ kämpfen. Social Media wirkt dabei wie ein Turbo: TikTok-Videos vom Wellness-Wochenende oder Reels vom Konzertbesuch schaffen eine neue Form von Konsum – sichtbar, teilbar, erinnerungsstark.
Für den deutschen Einzelhandel ist das kein Randphänomen, sondern eine klare strategische Weichenstellung. Wer jetzt nicht reagiert, verliert Umsatz und Relevanz. Wer klug agiert und KI-gestützte Omnichannel-Konzepte nutzt, kann diesen Trend für sich drehen – und Kund:innen enger binden als je zuvor.
Der Konsumtrend: Erlebnis statt Dinge – was dahinter steckt
Der Kern des aktuellen Konsumtrends ist einfach: Menschen geben zu Weihnachten weniger Geld fĂĽr materielle GĂĽter und mehr fĂĽr Erlebnisse aus.
DafĂĽr gibt es mehrere Treiber:
- Sättigung bei Konsumgütern: Viele Haushalte sind materiell gut ausgestattet. Noch ein Gadget, noch ein Deko-Artikel bringt wenig Mehrwert.
- Inflation und bewusster Konsum: Wer sein Budget genauer prüft, fragt sich: „Woran erinnere ich mich in drei Jahren noch?“ – die Antwort sind selten Dinge, öfter Erlebnisse.
- Social Media als Bühne: Erlebnisse lassen sich posten, teilen, kommentieren. Das macht sie sozial „wertvoller“ als ein Gegenstand, den niemand sieht.
- Generation Z & Millennials: JĂĽngere Zielgruppen priorisieren Reisen, Konzerte, Events, Workshops. Status wird nicht mehr nur ĂĽber Besitz, sondern ĂĽber Erfahrungen definiert.
Erlebnisse erzeugen Geschichten – und Geschichten sind die neue Währung in Social Media.
Plattformen wie Getyourguide, Eventim, Jochen Schweizer & Co. profitieren massiv davon. Wenn ein CEO offen sagt: „Uns ging es noch nie so gut wie im Moment“, ist klar: Der Markt für Erlebnisgeschenke ist kein Hype, sondern ein Wachstumssegment.
Für deutsche Einzelhändler bedeutet das: Das traditionelle Bild von Weihnachten als Hochsaison für Elektronik, Spielwaren und Fashion ist nicht verschwunden – aber es wird ergänzt und teilweise verdrängt durch einen neuen Schwerpunkt auf Erlebnis, Gemeinschaft und Erinnerung.
Social Media verschiebt Wünsche – und macht Erlebnisse omnipräsent
Social Media ist der Verstärker, der diesen Konsumtrend sichtbar und skalierbar macht.
Wie TikTok, Instagram & Co. Geschenkentscheidungen prägen
Plattformen beeinflussen direkt, welche Geschenke ĂĽberhaupt in Betracht kommen:
- TikTok-Trends: „Things to do in Berlin“, „Date Ideas in München“, „Geschenkideen für Eltern“ – häufig dominieren Erlebnisse die Vorschläge.
- Instagram-Reels & Stories: Konzertvideos, Citytrips, Kochevents. Wer das täglich sieht, hat automatisch Erlebnisse im Kopf, wenn es um Geschenke geht.
- Influencer-Kooperationen: Creator bewerben Escape Rooms, Wellness-Hotels, Food-Tastings, Brewery-Touren – selten ein klassisches Produkt ohne Story.
Der Effekt: Wunschlisten werden erlebnisorientierter. Kinder wünschen sich Freizeitparkbesuche statt dritter Spielkonsole, Paare schenken sich Kurztrips statt Parfum, Freundesgruppen organisieren gemeinsame Aktivitäten statt Einzelgeschenken.
Was das für den stationären Handel bedeutet
Der stationäre Handel verliert nicht automatisch – aber seine Rolle ändert sich:
- Das Geschäft ist nicht mehr nur Ausgabestelle für Produkte, sondern muss Einstiegspunkt für Erlebnisse werden.
- Kund:innen kommen nicht nur, um etwas zu kaufen, sondern auch, um sich inspirieren zu lassen, zu testen, zu teilen.
Händler, die Social Media ernst nehmen, nutzen es deshalb nicht nur für Werbung, sondern als Erweiterung der Filialerfahrung:
- Live-Shopping-Formate mit Erlebnis-Charakter
- Reels & Stories direkt aus der Filiale (z.B. Geschenkberatung, Event-Teaser)
- User-Generated Content fördern (Selfie-Spots, Challenges in der Filiale)
Die Grenze zwischen Online- und Offline-Erlebnis verschwimmt – und genau hier kommt KI-gestützte Omnichannel-Strategie ins Spiel.
Chance für Händler: Erlebnisse in das eigene Weihnachtsgeschäft einbauen
Der wichtigste Punkt: Der Trend zu Erlebnissen ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, das eigene Geschäftsmodell zu erweitern.
1. Produkte mit Erlebnissen koppeln
Statt „nur“ Ware zu verkaufen, können Händler Paketlösungen anbieten:
- Fashion-Store: Outfit + Gutschein fĂĽr professionelles Fotoshooting
- Küchenfachhandel: Küchengerät + Kochkurs in der Filiale oder bei Partner:innen
- Buchhandlung: Buch + Ticket fĂĽr Lesung oder Literatur-Event
- Sporthandel: Laufschuhe + Teilnahme an einem lokalen Lauf-Workshop
So bleibt der Produktumsatz im Haus, aber der Erlebniswunsch der Kund:innen wird bedient.
2. Eigene In-Store-Erlebnisse schaffen
Gerade vor Weihnachten lohnt es sich, das Geschäft selbst zu einem Erlebnis zu machen:
- Workshops: Geschenkverpacken, DIY-Geschenke, Wein- oder Schokoladen-Tastings
- Thementage: „Family Late Night Shopping“ mit Kinderprogramm, „Local Brands Day“ mit Gründer:innen vor Ort
- Micro-Events: Mini-Konzerte, Signierstunden, Live-Demos
Wichtig: Diese Erlebnisse sollten buchbar sein – online, mobil und in der Filiale. Hier zeigt sich, wie aus einem Event ein echter Omnichannel-Prozess wird.
3. Gutscheine neu denken
Klassische Wertgutscheine wirken oft einfallslos. Erlebnis-orientierte Gutscheinformate hingegen funktionieren sehr gut:
- „Brunch für zwei im Café im 2. OG“ statt 25-Euro-Gutschein
- „Persönliche Shopping-Beratung + Getränk“ statt Standard-Gutschein
- „Spielzeug-Entdeckerstunde für Kinder“ im Spielwarenladen
Wer seine Gutscheine im Shop, in der App und in Social Media mit konkreten Geschichten verbindet, macht sie viel attraktiver – und erhöht zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass Kund:innen tatsächlich in die Filiale kommen.
KI-gestützter Omnichannel: So nutzen Händler den Trend strategisch
Der Trend zu Erlebnissen trifft auf eine zweite Entwicklung: KI im Einzelhandel ist 2025 kein Zukunftsthema mehr, sondern operatives Werkzeug. Wer beides kombiniert, baut ein starkes Omnichannel-Modell.
Personalisierte Erlebnis-Empfehlungen statt Standard-Newsletter
Mit KI können Händler auf Basis von Kaufhistorie, Surfverhalten und Filialbesuchen sehr gezielt Vorschläge machen:
- Kund:innen, die letztes Jahr Küchenzubehör gekauft haben, erhalten Angebote für Koch-Workshops.
- Sportkund:innen bekommen Event-Empfehlungen zu Laufkursen oder Fitness-Challenges.
- Familien mit Kindern sehen zuerst familienfreundliche Aktionen und Events.
Wichtig ist, dass diese Empfehlungen in allen Kanälen konsistent sind:
- Website / Onlineshop
- App oder Kundenportal
- Newsletter und Marketing-Automation
- Beratung am PoS (z.B. über ein Verkäufer-Tablet)
VerfĂĽgbarkeiten und Buchungen in Echtzeit
Erlebnisse funktionieren nur, wenn Kund:innen sofort buchen können – ohne Medienbruch. Omnichannel-Architekturen sollten deshalb:
- Termine und Plätze für In-Store-Events in Echtzeit anzeigen
- Buchungen aus Social Media, Website und Filiale in einem System bĂĽndeln
- KI-gestützt Vorschläge machen („Nur noch 3 Plätze am 22.12., passende Geschenksets verfügbar“)
So entsteht ein durchgängiges Erlebnis: Inspirierender Social-Media-Post → Landingpage mit Angebot → Sofortbuchung → Abholung von ergänzenden Produkten in der Filiale.
KI im Laden: Beratung, die Erlebnisse mitdenkt
Mit KI-gestützten Tools können Verkäufer:innen besser beraten:
- Ein kurzer Blick ins Kundenprofil zeigt: „Hat letztes Jahr Erlebnisgutscheine gekauft, reist oft.“ → Empfehlung: Reisetasche + Städtetrip-Gutschein.
- Ein KI-Chat im Onlineshop schlägt zu jedem Produkt passende Erlebnisgutscheine vor.
Die Realität ist: Kund:innen erwarten 2025, dass Händler sie verstehen. Wer ihnen passende Erlebnisse vorschlägt, statt nur den nächsten Rabatt, wirkt moderner und relevanter.
Konkreter Aktionsplan fĂĽr Weihnachten 2025
Damit aus der Theorie messbarer Umsatz wird, hilft ein klarer Fahrplan. Hier ein pragmatischer 5-Punkte-Plan für deutsche Händler:
- Sortiment analysieren: Welche Produkte eignen sich, um sie mit Erlebnissen zu kombinieren (Workshops, Events, Services)?
- Partner suchen: Regionale Anbieter von Erlebnissen (Kochschule, Fotostudio, lokale KĂĽnstler:innen, Sportvereine) ansprechen und Kooperationspakete schnĂĽren.
- Omnichannel-Buchung einfĂĽhren: Ein einfaches, aber zentrales System, ĂĽber das Events und Gutscheine online, mobil und in der Filiale buchbar sind.
- KI für Personalisierung nutzen: Bestehende Kundendaten nutzen, um segmentierte Kampagnen zu fahren: „Erlebnis-Weihnachten für Familien“, „Genuss-Erlebnisse für Paare“, „Aktiv-Geschenke für Sportfans“.
- Social Media storytelling-first denken: Jede Erlebnis-Idee in Stories, Reels und Posts übersetzen – mit Gesichtern, Emotionen und klarer Handlungsaufforderung.
Wer diesen Plan umsetzt, wird nicht nur kurzfristig mehr Weihnachtsumsatz generieren, sondern auch langfristig loyalere Kund:innen gewinnen – weil Erlebnisse Bindung erzeugen, die über den Kauf hinausgeht.
Fazit: Weihnachten wird erlebnisorientiert – der Handel auch
Der Konsumtrend ist klar: Erlebnisse verdrängen Dinge als Lieblingsgeschenke. Social Media verstärkt diesen Effekt, Plattformen wie Getyourguide sind die offensichtlichen Gewinner. Aber der stationäre Handel muss nicht zusehen – er kann Teil dieses Marktes werden.
Wer Erlebnisse in sein Weihnachtsgeschäft integriert, KI für personalisierte Empfehlungen nutzt und seine Kanäle wirklich omnichannel denkt, bleibt für Kund:innen relevant – gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten.
Die Frage ist nicht, ob Erlebnisse den deutschen Einzelhandel verändern. Das passiert bereits. Die spannende Frage lautet: Welche Händler nutzen Weihnachten 2025, um aus dem Trend ein tragfähiges Geschäftsmodell zu machen – und wer verkauft in drei Jahren immer noch nur „Dinge“?