Entscheidungskompetenz fĂĽr Robotersysteme aufbauen

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Robotik entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie. Wie Sie echte Entscheidungskompetenz für Robotersysteme aufbauen – praxisnah erklärt.

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Entscheidungskompetenz fĂĽr Robotersysteme aufbauen

2024 lag der Roboterdichte in der deutschen Automobilindustrie bei über 1.500 Robotern pro 10.000 Beschäftigte – mehr als in fast jeder anderen Branche. Die Folge: Wer in diesem Umfeld Entscheidungen trifft, kann sich Fehleinschätzungen bei der Robotik nicht mehr leisten.

Viele Unternehmen investieren trotzdem in Roboterzellen, ohne eine klare Entscheidungsgrundlage zu haben. Die Folge sind Anlagen, die technisch funktionieren, wirtschaftlich aber enttäuschen, zu komplex im Betrieb sind oder in der Inbetriebnahme „steckenbleiben“.

Genau hier setzt das Technologieseminar „Entscheidungskompetenz Robotersysteme“ des Fraunhofer IPA an. Aber unabhängig davon, ob Sie am 24.09.2025 in Stuttgart dabei sind: Die Inhalte des Seminars zeigen sehr gut, welche Kompetenzen Fach- und Führungskräfte heute brauchen, um Robotersysteme sinnvoll zu planen, zu bewerten und erfolgreich in Betrieb zu nehmen – gerade in der deutschen Automobilindustrie.

In diesem Beitrag geht es darum,

  • welche Grundlagen Sie beherrschen sollten,
  • wie ein sauberer Planungs- und Entscheidungsprozess fĂĽr Robotersysteme aussieht,
  • welche Rolle Wirtschaftlichkeit, Normen und Sicherheit spielen,
  • und wie Sie sich oder Ihr Team gezielt auf diese Aufgaben vorbereiten können.

1. Warum Entscheidungskompetenz bei Robotern Chefsache ist

Entscheidungskompetenz für Robotersysteme bedeutet: Sie können fundiert beurteilen, ob, wo und wie Robotik in Ihrem Unternehmen sinnvoll ist – technisch und wirtschaftlich.

Typische Fehlentscheidungen in der Praxis

In Projekten der Automobil- und Zulieferindustrie tauchen immer wieder die gleichen Muster auf:

  • Es wird ein „nackter“ Roboter gekauft, ohne das Gesamtsystem (Greifer, Sensorik, Sicherheit, Steuerung) zu durchdenken.
  • Anlagen werden hochautomatisiert geplant, obwohl StĂĽckzahlen, Variantenvielfalt oder Prozessstabilität eher fĂĽr halbautomatische Lösungen sprechen.
  • Die Abstimmung zwischen Produktion, Instandhaltung, IT und Arbeitssicherheit findet zu spät statt.
  • Normen, CE-Prozess und Gefährdungsbeurteilung werden erst am Ende berĂĽcksichtigt – und bremsen dann den Produktionsstart.

Das Ergebnis sind Projekte, die Monate Verzögerung und sechsstellige Mehrkosten verursachen. Die eigentliche Technologie ist selten das Problem – es fehlt die methodische Entscheidungskompetenz.

Was Entscheider wirklich verstehen mĂĽssen

Sie mĂĽssen nicht selbst Roboter programmieren. Aber Sie sollten:

  • Grundbegriffe der Robotik kennen (Achszahl, Nutzlast, Reichweite, Bahn- vs. Punktsteuerung usw.).
  • die wichtigsten Robotertypen und Einsatzbereiche unterscheiden können.
  • wissen, wie Greifer, Sensorik und Steuerungen zusammenspielen.
  • Kostenmodelle verstehen und Szenarien rechnen können.
  • Normen und Sicherheitsanforderungen zumindest auf Management-Ebene einordnen.

Genau diesen Bogen spannt das IPA-Seminar – und genau dieser Mix an Wissen macht Entscheider in der deutschen Automobilindustrie heute wertvoll.


2. Grundlagen der Automatisierung mit Robotern: Was Sie beherrschen sollten

Gute Entscheidungen in der Robotik beginnen mit einem soliden technischen Grundverständnis.

Robotertypen und Einsatzbereiche

Industrieroboter sind nicht „one size fits all“. In der Praxis spielen vor allem diese Typen eine Rolle:

  • Knickarmroboter: Sehr flexibel, groĂźe Reichweite, ideal fĂĽr SchweiĂźen, Handling, Kleben, Lackieren.
  • SCARA-Roboter: Schnell und präzise in der Ebene, häufig in der Montage- und Elektronikfertigung.
  • Portal- und Linearroboter: Robust, groĂźvolumige Arbeitsräume, ideal fĂĽr schwere Bauteile, Pressenverkettung.
  • Kollaborative Roboter (Cobots): FĂĽr direkte Mensch-Roboter-Kooperation, z.B. bei flexiblen Montageaufgaben.

Wer Entscheidungskompetenz aufbauen will, sollte die Stärken und Grenzen dieser Typen kennen. Cobots etwa wirken attraktiv, sind aber nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung – insbesondere in der Automobilproduktion mit hohen Taktraten und strikten Sicherheitsanforderungen.

Werkzeuge und Greifer als Erfolgsfaktor

Der beste Roboter ist nutzlos, wenn Werkzeuge und Greifer nicht passen. Typische Fragen, die im Seminar adressiert werden und die auch intern geklärt sein sollten:

  • Greifen wir ĂĽber Formschluss, Kraftschluss oder adhäsiv (z.B. Vakuum)?
  • Wie robust ist das Bauteilhandling bei Toleranzen, Ă–l, Verschmutzung, Bauteilvarianten?
  • Werden Sensoren (Kamera, Kraft-Moment-Sensorik) fĂĽr Lageerkennung oder Qualitätskontrolle benötigt?

Gerade in der Automobilindustrie mit hohen Qualitätsanforderungen entscheidet die Greifer- und Werkzeugauslegung oft über OEE, Ausschussquote und Anlagenstillstände.

Steuerungstechnik und Vernetzung verstehen

Für Entscheider reicht es, die Architektur grob einordnen zu können:

  • Robotersteuerung (Controller) als „lokales Gehirn“ der Achsen.
  • Zellensteuerung / SPS, die Peripherie, Fördertechnik, Sicherheitsfunktionen koordiniert.
  • Anbindung an MES oder andere Leitsysteme zur Auftragssteuerung, RĂĽckmeldung von Produktionsdaten und Traceability.

Wer weiß, wie diese Ebenen zusammenspielen, erkennt frühzeitig Schnittstellenrisiken – etwa bei Retrofits, unterschiedlichen Herstellerwelten oder der Integration in bestehende IT-Landschaften.


3. Vom Potenzial zur umgesetzten Anlage: Der Planungsprozess

Erfolgreiche Roboterprojekte folgen einem klaren Planungsprozess. Das IPA-Seminar strukturiert diesen Zyklus sehr praxisnah – ein Vorgehen, das sich in der Automobilindustrie bewährt hat.

1. Prozesse mit Automatisierungspotenzial identifizieren

Gute Kandidaten sind zum Beispiel:

  • ergonomisch ungĂĽnstige, belastende Tätigkeiten
  • stark repetitive Arbeiten mit stabilen Prozessparametern
  • Prozesse mit hohem Qualitätsanspruch, der sich gut sensorisch ĂĽberwachen lässt
  • Engpässe in bestehenden Produktionslinien

Entscheidend: Nicht nur nach Technik, sondern vor allem nach wirtschaftlichem und ergonomischem Nutzen auswählen.

2. Anforderungen und Rahmenbedingungen sauber definieren

Schon frĂĽh sollten Sie die wichtigsten Parameter fixieren:

  • Taktrate, StĂĽckzahlen, Varianten und RĂĽstkonzept
  • Toleranzen, Bauteilvarianten, Prozessfenster
  • Layoutvorgaben, Materialfluss, vorhandene Infrastruktur
  • Sicherheitsanforderungen, Zugänglichkeit, Wartungskonzepte

Diese „Vorfeldarbeit“ entscheidet darüber, ob Angebote von Integratoren vergleichbar sind und ob spätere Änderungen teuer werden.

3. Simulation und Programmierung sinnvoll einsetzen

Das Seminar behandelt sowohl Online-Programmierung (Teachen) als auch Offline-Programmierung und Simulation.

Meine Erfahrung: Unternehmen in der Automobilindustrie verschenken hier oft viel Potenzial. Wer frĂĽh mit 3D-Simulation arbeitet,

  • erkennt Kollisionen und Reichweitenprobleme, bevor Stahl bestellt wird,
  • plant Takte und Puffer realistisch,
  • kann Varianten und spätere Erweiterungen besser berĂĽcksichtigen.

Entscheider müssen keine Simulationssoftware bedienen, aber verstehen, wann Simulation sinnvoll ist – und wann nicht.


4. Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Betrieb: Wo Projekte häufig kippen

Technisch anspruchsvoll ist Robotik längst beherrschbar. Die Probleme entstehen meist bei Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und später im Betrieb.

Wirtschaftlichkeit industrieller Robotersysteme

Ein seriöses Kostenmodell umfasst mindestens:

  • Investitionskosten: Roboter, Greifer, Peripherie, Sicherheitstechnik, Integration.
  • Betriebskosten: Energie, Wartung, VerschleiĂźteile, Softwarepflege, Schulungen.
  • Personaleffekte: Wegfall, Verlagerung oder Qualifizierung von Tätigkeiten.
  • Effekte auf Qualität und Ausschuss: reduzierte Fehler, Nacharbeit, Reklamationen.

Im IPA-Seminar wird mit Beispielrechnungen gezeigt, wie sich Return on Investment (ROI) und Amortisationszeit realistisch bewerten lassen. Für die Automobilindustrie gilt: Kurze Produktlebenszyklen und Variantenvielfalt machen flexible Lösungen oft wirtschaftlicher als maximal automatisierte Spezialanlagen.

Normen, CE und Anlagensicherheit

Sicherheit ist kein „Anhängsel“, das man kurz vor Produktionsstart erledigt. Sie beeinflusst Layout, Sensorik, Zugänge, Taktzeiten und damit direkt die Wirtschaftlichkeit.

Entscheidungskompetenz heiĂźt hier:

  • den grundsätzlichen Ablauf einer Gefährdungsbeurteilung zu kennen,
  • zu wissen, welche Normen fĂĽr Industrieroboteranlagen typischerweise relevant sind,
  • den CE-Prozess als Projektphase mit Zeit- und Kostenbedarf einzuplanen.

Besonders bei Mensch-Roboter-Kollaboration ist das entscheidend: Kollaborative Roboter sind nicht automatisch „sicher“, nur weil sie so heißen. Die konkrete Anwendung entscheidet – und die muss sauber bewertet werden.

Inbetriebnahme, Abnahme und stabiler Betrieb

Viele Roboterprojekte scheitern nicht im Pflichtenheft, sondern in den Wochen davor und danach.

Das IPA-Seminar adressiert daher explizit:

  • Organisation der Inbetriebnahme (Verantwortlichkeiten, Checklisten, Testszenarien).
  • realistische Zeitplanung inklusive Ramp-up, Schichtbetrieb und Anlaufkurven.
  • typische Fehlerquellen: unklare Zuständigkeiten, unvollständige Daten, fehlende Schulungen.
  • Abnahmeprozesse mit klaren Kriterien: Takt, VerfĂĽgbarkeit, Qualität, Dokumentation.

Für Entscheider in der Automobilindustrie heißt das: Den Produktionsstart eines Robotersystems wie einen Mini-Produktanlauf behandeln – mit klaren Kennzahlen, Lessons Learned und strukturiertem Übergang in den Regelbetrieb.


5. Wie Sie als Unternehmen Entscheidungskompetenz systematisch aufbauen

Ein einzelnes Seminar macht noch keine Robotikstrategie – aber es kann der Startpunkt sein.

Rollen klar definieren

In erfolgreichen Unternehmen sind die Rollen rund um Robotik klar zugeordnet:

  • Fach- und FĂĽhrungskräfte: definieren Ziele, Anforderungen und Wirtschaftlichkeitsvorgaben.
  • Projektverantwortliche: steuern Ausschreibung, Integratorenauswahl, Termine und Budgets.
  • Spezialisten fĂĽr Automatisierung und Robotik: bewerten technische Konzepte, Validierung, Simulation.
  • Sicherheitsfachkräfte: begleiten Normen, Gefährdungsbeurteilung und CE-Prozess.

Das Fraunhofer-Seminar richtet sich genau an diese Gruppen. Der Mehrwert entsteht aber erst, wenn das Wissen hinterher im Unternehmen verankert wird.

Wissen aus Trainings sinnvoll nutzen

Wenn Mitarbeitende an Qualifizierungen wie „Entscheidungskompetenz Robotersysteme“ teilnehmen, sollten Sie im Anschluss:

  • eine kurze interne Wissenssession organisieren („Brown Bag“, Lunch&Learn),
  • Checklisten oder Templates fĂĽr kĂĽnftige Robotikprojekte ableiten,
  • das Gelernte in Ihre Investitionsrichtlinien und Lastenheft-Standards einbauen.

So wird aus einem einzelnen Seminartag ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil in der Automatisierung.

Besonderheit Automobilindustrie: Takt, Varianten, Lieferkette

Im Kontext der Kampagne „KI in der deutschen Automobilindustrie: Produktion und Innovation“ spielt Robotik eine doppelte Rolle:

  • als klassische Automatisierungstechnologie fĂĽr stabile, hochgetaktete Prozesse,
  • und als Plattform, um KI-gestĂĽtzte Funktionen (z.B. visuelle Qualitätskontrolle, adaptive Bahnplanung) in die Produktion zu bringen.

Ohne solide Entscheidungskompetenz bei Robotersystemen wird KI oft nur „oben draufgesetzt“, ohne dass das Gesamtsystem robust läuft. Wer dagegen Robotik, Steuerungstechnik, Normen und Wirtschaftlichkeit verstanden hat, kann KI gezielt ergänzend einsetzen – etwa für flexible Greifer, Bauteilidentifikation oder prädiktive Wartung.


Fazit: Jetzt die Grundlage für KI-fähige Robotersysteme legen

Entscheidungskompetenz bei Robotersystemen ist heute eine Kernqualifikation für Fach- und Führungskräfte in der Automobilindustrie. Wer die Grundlagen der Robotik, den Planungsprozess, Wirtschaftlichkeit, Normen und den stabilen Betrieb versteht, reduziert Projektrisiken massiv – und schafft die Basis, um später KI gewinnbringend zu integrieren.

Das Technologieseminar „Entscheidungskompetenz Robotersysteme“ des Fraunhofer IPA am 24.09.2025 in Stuttgart bündelt genau dieses Wissen herstellerneutral und praxisnah. Wenn Sie Verantwortung für Automatisierungsprojekte tragen – auf Lieferanten- oder Kundenseite – ist so ein Format ein sehr effizienter Weg, Ihre eigenen Entscheidungen abzusichern.

Nutzen Sie 2025, um im Thema Robotik nicht mehr nur „mitzureden“, sondern fundiert zu entscheiden. Die Frage ist weniger, ob Sie Robotersysteme einsetzen, sondern wie gut vorbereitet Sie es tun.