Effiziente Energietechnik: So spart der Handel bis 2030

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

Der Einzelhandel senkt seinen Energieverbrauch deutlich. Wo sich Investitionen in effiziente Technologien wirklich lohnen – und wie KI-Energiemanagement dabei hilft.

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Effiziente Energietechnik: So spart der Handel bis 2030

317 auf 289 kWh pro Quadratmeter im Food-Handel, 103 auf 74 kWh im Nonfood: Innerhalb von sechs Jahren hat der Einzelhandel seinen Stromverbrauch deutlich gedrĂĽckt. FĂĽr eine Branche mit Tausenden Filialen ist das kein Randthema, sondern ein massiver Kosten- und Klimafaktor.

Gerade im DACH-Raum, wo Energiepreise, Klimaziele und Regulierung ständig anziehen, entscheidet professionelles Energiemanagement mit, ob ein Standort profitabel bleibt. Die aktuelle EHI-Studie „Energiemanagement im Einzelhandel 2025“ zeigt sehr klar, wohin sich der Markt entwickelt – und worauf sich Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz jetzt einstellen sollten.

In diesem Beitrag geht es weniger um Theorie, sondern um die Frage: Wo lohnt sich welche Investition wirklich – und wie helfen Digitalisierung und KI, Energieeffizienz im Handel skalierbar zu managen?


1. Wo der Handel heute Energie verbraucht – und wo das Sparpotenzial liegt

Energieeffizienz im Einzelhandel beginnt mit einem nüchternen Blick auf die Lasten: Wer seine größten Verbraucher kennt, weiß, wo Investitionen den größten Hebel haben.

Food vs. Nonfood: Zwei Welten beim Energieverbrauch

Laut EHI-Studie gilt fĂĽr das Verbrauchsjahr 2024:

  • Food-Handel (LEH, Supermärkte, Discounter)

    • Stromverbrauch: 289 kWh/qm Verkaufsfläche (2018: 317 kWh/qm)
    • Wärmeenergie: 89 kWh/qm Verkaufsfläche
    • Größte Stromfresser:
      • Kältetechnik: 52 %
      • Beleuchtung: 20 %
      • Klimatisierung/LĂĽftung: 9 %
  • Nonfood-Handel

    • Stromverbrauch: 74 kWh/qm Verkaufsfläche (2018: 103 kWh/qm)
    • Wärmeenergie: 66 kWh/qm Verkaufsfläche
    • Größte Stromfresser:
      • Beleuchtung: 56 %
      • Klimatisierung/LĂĽftung: 29 %

Die Richtung ist klar: Der spezifische Energieverbrauch sinkt, obwohl Verkaufsflächen und Technik komplexer werden. Dahinter steckt kein Zufall, sondern jahrelange Investitionen in effizientere Anlagen – und zunehmend in digitale Steuerung.

Für Schweizer Händler kommt noch ein Punkt dazu: Viele Märkte liegen in Gebäuden mit gemischter Nutzung (Retail, Büros, Wohnungen). Ohne Transparenz über die eigenen Verbräuche in dieser Struktur lassen sich Kosten und Emissionen kaum seriös steuern.


2. Investitionen in Stromeffizienz: Wo sich jeder Franken rechnet

Wer im Einzelhandel Stromkosten senken will, sollte nicht bei Kleingeräten, sondern bei den großen Brocken anfangen. Die EHI-Zahlen zeigen sehr deutlich, wohin die Budgets aktuell fließen – und das ist strategisch sinnvoll.

Food-Handel: Kälte zuerst, dann Licht und eigene Energieerzeugung

Im Lebensmitteleinzelhandel gehen laut Studie:

  • 60 % der Investitionen in Kältetechnik,
  • 16 % in Beleuchtung,
  • 13 % in regenerative Energieerzeugung/-nutzung/-speicherung,
  • 8 % in Klimatisierung/LĂĽftung.

Das ist logisch: Ein Kühlmöbel, das 24/7 läuft, frisst mehr Energie als jede LED-Lampe. Moderne Verbundkälteanlagen, geschlossene Kühlmöbel und Wärmerückgewinnung sind hier die Stellschrauben.

Praxisbeispiele aus dem DACH-Raum:

  • UmrĂĽstung offener KĂĽhlregale auf TĂĽren senkt den Strombedarf fĂĽr Kälte oft um 20–30 %.
  • Verbundanlagen mit COâ‚‚ als Kältemittel können gleichzeitig kĂĽhlen und heizen – und damit fossile Heizsysteme teilweise ersetzen.
  • Eine KI-gestĂĽtzte Regelung von Verdichtern, Abtauzyklen und Nachtbetrieb reduziert Spitzenlasten und glättet Lastprofile – relevant fĂĽr NetzgebĂĽhren und Eigenverbrauch von PV-Strom.

Nonfood-Handel: Licht als größter Hebel

Im Nonfood-Handel sieht die Priorität anders aus:

  • 68 % der Investitionen flieĂźen in Beleuchtung,
  • 13 % in Klimatisierung/LĂĽftung/Heizung,
  • 12 % in regenerative Energieerzeugung/-nutzung/-speicherung.

Das ist konsequent. Warenpräsentation ist im Mode- oder Elektronikhandel zentral für den Umsatz – und gleichzeitig der größte Energiefresser.

Was sinnvoll ist:

  • Umstieg auf LED ist längst Standard, aber viele Filialen nutzen noch keine intelligente Lichtsteuerung (Tageslichtsensoren, Zonensteuerung, Szenen fĂĽr StoĂźzeiten).
  • Eine zentrale, KI-gestĂĽtzte Plattform kann Licht nach Frequenz, Tageszeit und AuĂźentageslicht automatisch anpassen – das spart Energie, verbessert aber auch das Einkaufserlebnis.

Für Handelsunternehmen in der Schweiz, die häufig Mietflächen in Einkaufszentren nutzen, ist Licht oft der einzige voll eigene Hebel im Gebäude. Genau dort lohnt sich ein professionelles Energiemanagement besonders.


3. Investitionen in Wärmeeffizienz: Warum Heizen zur Finanzfrage wird

Bei der Wärme zeigt sich ein anderes Bild: Technisch wären größere Sprünge möglich, finanziell ist es deutlich zäher.

Food-Handel: Wärmerückgewinnung konsequent nutzen

Im Food-Handel sind die Investitionsschwerpunkte für Wärmeeinsparung laut EHI:

  • 35 % in WärmerĂĽckgewinnung/Abwärmenutzung,
  • 25 % in GebäudehĂĽllen (Dämmung, Fenster etc.),
  • 25 % in regenerative Wärmeerzeugung/-speicherung,
  • 11 % in intelligente Steuerung/Regelung.

Gerade in Lebensmittelmärkten liegt das Potenzial auf der Hand: Kälteanlagen erzeugen permanent Abwärme, die sich ideal fürs Heizen oder für Warmwasser nutzen lässt. Wer diese Systeme mit Wärmepumpen und intelligenter Regelung verknüpft, kann fossile Heizkessel deutlich zurückdrängen.

Nonfood-Handel: Steuerung statt Bauschale

Nonfood-Händler setzen ihre Budgets anders ein:

  • 54 % gehen in intelligente Steuerung/Regelung,
  • 25 % in regenerative Wärmeerzeugung/-speicherung,
  • 9 % in WärmerĂĽckgewinnung/Abwärmenutzung,
  • 1 % in GebäudehĂĽlle.

Dass fast nichts in die Gebäudehülle fließt, überrascht nur auf den ersten Blick. Die meisten Nonfood-Flächen sind angemietete Immobilien. Über Dämmung oder Fenster entscheidet der Eigentümer, nicht der Händler. Was der Handel steuern kann, ist die Anlagentechnik und deren Betriebsweise.

Das ist auch aus Sicht des Schweizer Einzelhandels relevant: Viele Filialen befinden sich in Zentren, Bahnhöfen oder Hochhäusern. Dort ist eine gute digitale Schnittstelle zum Gebäude-Management-System (GMS) Gold wert. Wer seine Sollwerte, Zeitprogramme und Auswertungen selbst in der Hand hat, spart Energie, ohne die Gebäudestruktur anzutasten.


4. Klimafreundliche Heizsysteme: Ambitionen vs. Kapitalbedarf

Die EHI-Studie zeigt klar: Die Branche will weg von fossilen Heizsystemen, aber die Umstellung dauert – vor allem aus Kostengründen.

Geplant bis 2030 ist:

  • 41 % der Unternehmen: Umstellung von bis zu 25 % ihrer Heizsysteme auf regenerative Energieträger.
  • 23 %: Umstellung von 26–50 %.
  • 9 %: Umstellung von 51–99 %.
  • Nur 9 % planen, bis 2030 die gesamte fossile Heizungsflotte zu erneuern.

Der Engpass ist nicht Technik, sondern Kapital. Wärmepumpen, neue Hydraulik, Anpassung der Wärmeübergabesysteme, teilweise Netzausbau – das sind Investitionen im sechs- bis siebenstelligen Bereich je Standortverbund.

Was heiĂźt das fĂĽr die Praxis?

Wer nicht alles auf einmal umstellen kann, braucht klare Prioritäten:

  1. Standorte mit hohen Verbräuchen und langer Restlaufzeit zuerst modernisieren.
  2. Kälte und Wärme koppeln (Abwärmenutzung, Verbundanlagen statt Einzellösungen).
  3. Förderprogramme und Steueranreize aktiv nutzen – im DACH-Raum gibt es zahlreiche Programme für energieeffiziente Gewerbegebäude.
  4. Digitale Energieplattform aufsetzen, bevor man Millionen in neue Hardware steckt. Ohne saubere Daten wird jede Investitionsentscheidung zum Ratespiel.

Für den Schweizer Einzelhandel kommt ein weiterer Punkt dazu: Kommunale und kantonale Energiegesetze verschärfen sich. Wer heute plant, sollte sich nicht nur an der aktuellen Regelung orientieren, sondern an den Standards, die 2030 oder 2035 gelten werden.


5. Digitalisierung, KI und Energiemanagement: Vom Monitoring zur Steuerung

Der zentrale Satz der Studie lautet:

„Die Zukunft der Energieeffizienz im Handel liegt in der konsequenten Digitalisierung, verbesserten Transparenz und der strategischen Integration aller energierelevanten Systeme.“

Genau hier liegt der Hebel, der oft unterschätzt wird: Ohne digitale Transparenz werden Investitionen in Technik unter Wert gefahren.

Von Excel zur smarten Plattform

Viele Handelsunternehmen kennen das Muster:

  • Verbräuche werden jährlich aus der Buchhaltung gezogen.
  • Filialleiter:innen melden Störungen telefonisch.
  • EnergiesparmaĂźnahmen werden als Einzelprojekte umgesetzt, ohne konsistentes Monitoring.

Das funktioniert nicht mehr, wenn:

  • Tausende Messpunkte (Zähler, Sensoren, Anlagen) im Spiel sind,
  • Energiepreise stark schwanken,
  • KI-Systeme Lastverschiebung und Optimierung nur mit aktuellen, sauberen Daten sinnvoll berechnen können.

Moderner Ansatz:

  • Zentrale Energie- und Gebäudemanagement-Plattform, die Daten aus Kälte, Heizung, LĂĽftung, Beleuchtung, PV, Speichern und Zählern integriert.
  • KI-gestĂĽtzte Analytik, die Anomalien erkennt (z.B. steigender Grundlastverbrauch, defekte TĂĽrdichtungen, falsch eingestellte Sollwerte).
  • Automatisierte Steuerung: Die Plattform setzt Optimierungen direkt um, statt nur Reports zu generieren.

Gerade für den Schweizer Einzelhandel, der oft standortübergreifend in mehreren Kantonen oder sogar Ländern agiert, wird so eine Plattform zum strategischen Asset. Wer Energieeffizienz mit KI steuert, schafft eine Skalierung, die mit manuellen Prozessen nicht erreichbar ist.

Was kurzfristig machbar ist

Nicht jedes Unternehmen muss sofort zur High-End-KI greifen. Drei pragmatische Schritte bringen schnell Wirkung:

  1. Submetering ausbauen
    Strom, Wärme, Kälte und Zonen getrennt messen. Ohne diese Trennung bleibt jede Analyse vage.

  2. Standardisierte Kennzahlen einfĂĽhren
    kWh/qm Verkaufsfläche, kWh/Umsatz, Lastspitzen, CO₂ pro Filiale – und diese Kennzahlen monatlich tracken.

  3. Regelwerke digitalisieren
    Ă–ffnungszeiten, Sollwerte, Nachtabsenkung, Feiertagskalender zentral verwalten und automatisch ausrollen.

Wer diese Basis geschaffen hat, kann KI sehr gezielt einsetzen – etwa zur Prognose von Lastspitzen oder zur optimalen Nutzung eigener PV-Erzeugung.


6. Konkrete Schritte für Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Viele Unternehmen wissen: Wir mĂĽssen etwas tun, aber nicht: Wo fangen wir an? Der Weg muss nicht kompliziert sein.

Empfohlene Roadmap bis 2030:

  1. Status bestimmen

    • Aktuelle Verbräuche je Filiale und m² erheben.
    • Größte Verbraucher klassifizieren (Kälte, Licht, HLK).
    • Reifegrad der Digitalisierung im Energiemanagement bewerten.
  2. Sofortmaßnahmen umsetzen (0–12 Monate)

    • Beleuchtung auf effiziente Systeme + Steuerung bringen.
    • Einfache Regelanpassungen (Nacht- und Wochenendbetrieb, TĂĽrkontakte, Temperaturbandbreiten).
    • Quick-Wins durch Wartung (Dichtungen, Filter, Hydraulikabgleich).
  3. Mittelfristig investieren (1–3 Jahre)

    • Kälteanlagen modernisieren und mit WärmerĂĽckgewinnung koppeln.
    • Energieplattform einfĂĽhren, Messkonzept ausrollen.
    • Pilotprojekte fĂĽr klimafreundliche Heizsysteme an ausgewählten Standorten.
  4. Langfristige Dekarbonisierungsstrategie (bis 2030 und darĂĽber hinaus)

    • Klare Ausbaupfade fĂĽr erneuerbare Wärmeerzeugung definieren.
    • Investitionsplanung an COâ‚‚-Zielen und Regulierung ausrichten.
    • KI-gestĂĽtztes Energiemanagement in der Fläche ausrollen.

Wer diesen Weg strukturiert geht, wird nicht nur regulatorisch „fit“ für 2030, sondern senkt Jahr für Jahr seine Energie- und Betriebskosten – und stärkt damit direkt die Standortprofitabilität.


Fazit: Energieeffizienz ist Chefsache – und Datenprojekt

Die EHI-Zahlen zeigen deutlich: Der Einzelhandel hat beim Energieverbrauch in den letzten Jahren bereits geliefert. Trotzdem bleibt viel Potenzial liegen – vor allem dort, wo Technik zwar effizient ist, aber nicht intelligent betrieben wird.

Für Handelsunternehmen in der DACH-Region, insbesondere in der Schweiz, heißt das: Wer Investitionen in effiziente Anlagen mit konsequenter Digitalisierung und KI-gestütztem Energiemanagement verbindet, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil – wirtschaftlich und klimapolitisch.

Die entscheidende Frage für die nächsten Jahre lautet weniger: Welche Pumpe oder welches Kühlmöbel kaufen wir? sondern:
Wie gut kennen wir unsere Daten – und wie smart steuern wir unsere Technik über alle Filialen hinweg?

Wer darauf eine klare Antwort hat, wird im Jahr 2030 nicht von Energiepreisen oder Regulierungen ĂĽberrascht. Er gestaltet sie aktiv mit.