Ressourcen knapp, CO₂-Ziele scharf: Elektromotoren-Recycling sichert Metalle, senkt Energiebedarf und verbessert Ihre ESG-Bilanz – mit messbarem Business Case.

Elektromotoren-Recycling: Vom Kostenfaktor zum WettbewerbsÂvorteil
90 % der deutschen Industrieunternehmen spüren laut einer aktuellen Befragung die Folgen von Ressourcenknappheit – von Preisexplosionen bis zu Lieferausfällen. Parallel steigen die Anforderungen aus EU-Klimagesetz, ESG-Reporting und Kundenerwartungen. Wer heute noch lineare Wertschöpfungsketten plant, plant an der Realität vorbei.
Hier liegt die Stärke eines konsequent gedachten Recyclings von Elektromotoren. Elektromotoren sind die Herzstücke der Industrie, sie bestehen überwiegend aus hochwertigen Metallen – und genau diese Metalle werden teuer und kritisch. Der Ansatz von ABB Motion zeigt ziemlich deutlich, wie Kreislaufwirtschaft nicht nur Imagepflege, sondern ein handfester Business Case sein kann.
In diesem Beitrag geht es darum,
- warum Elektromotoren-Recycling ein SchlĂĽssel gegen Ressourcenknappheit ist,
- wie ein praxistaugliches Kreislaufmodell – vom Rückbau bis zum Zertifikat – aussieht,
- und wie sich das fĂĽr produzierende Unternehmen in Deutschland konkret in Euro, COâ‚‚ und Versorgungssicherheit auszahlt.
Warum Kreislaufwirtschaft bei Elektromotoren so viel bringt
Elektromotoren eignen sich ideal für eine konsequente Kreislaufwirtschaft, weil sie zu rund 98 % aus wiederverwertbaren Metallen bestehen – vor allem Kupfer, Aluminium und Stahl. Genau diese Materialien sind global hart umkämpft.
Ressourcenknappheit trifft direkt die Produktionsplanung
Die von ABB beauftragte Studie „Circularity: No Time to Waste“ zeigt sehr deutlich:
- 90 % der befragten Industrieunternehmen in Deutschland sind direkt von Ressourcenknappheit betroffen.
- Folgen sind steigende Materialkosten, gestörte Lieferketten und Verzögerungen in der Produktion.
- Knapp zwei Drittel planen, ihre Investitionen in Kreislaufwirtschaft in den nächsten drei Jahren zu erhöhen.
Das ist keine abstrakte Nachhaltigkeitsdebatte, sondern knallharte Standortfrage: Wer Metalle nicht sicher und bezahlbar bekommt, kann Anlagen nicht ausliefern, Baustellen nicht bedienen und Projekte nicht termingerecht fertigstellen.
CO₂-Bremse: Sekundär statt Primärrohstoffe
Die Wiederverwendung von Motorenmetallen bringt einen massiven Energie- und COâ‚‚-Vorteil:
- Aus recyceltem Kupfer, Aluminium und Stahl lassen sich im Vergleich zur Neuproduktion bis zu 95 % Energie einsparen.
- Weniger Energie heiĂźt automatisch: deutlich geringerer COâ‚‚-FuĂźabdruck pro Motor.
FĂĽr Unternehmen mit CSRD-Berichtspflicht (oder solchen, die fĂĽr groĂźe Kunden zuliefern) ist das Gold wert, weil:
- der COâ‚‚-FuĂźabdruck von Produkten messbar sinkt,
- dokumentierte MaĂźnahmen fĂĽr Kreislaufwirtschaft im Nachhaltigkeitsbericht sichtbar werden,
- sich Klimaziele (Science Based Targets, interne COâ‚‚-Preislogik etc.) realistischer erreichen lassen.
So funktioniert ein praxistaugliches Elektromotoren-Recycling-Modell
Der Ansatz von ABB Motion zeigt, wie Kreislaufwirtschaft über den gesamten Lebenszyklus eines Motors gedacht werden kann – von der Entwicklung bis zur letzten Schraube.
1. Design und Nutzung: Effizienz zuerst
Der erste Hebel liegt bereits im Produktdesign:
- Motoren werden materialoptimiert konstruiert,
- auf Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit ausgelegt,
- und nutzen hocheffiziente Technologien, um den Energiebedarf in der Nutzungsphase zu senken.
Je weniger Energie ein Motor im Betrieb verbraucht, desto besser die Gesamt-Ökobilanz – selbst bevor das Thema Recycling überhaupt beginnt.
2. RĂĽcknahme alter Motoren statt Gebrauchtmarkt
Der kritischste Punkt aus Nachhaltigkeitssicht: alte, ineffiziente Motoren landen oft auf dem Gebrauchtmarkt und laufen dann noch jahrelang in irgendwelchen Anlagen weiter.
ABB Motion geht einen anderen Weg und bietet ĂĽber Partner wie Remondis ein strukturiertes RĂĽcknahmeprogramm an:
- Unternehmen identifizieren ausgediente oder ineffiziente Niederspannungs- und Mittelspannungsmotoren.
- Diese Motoren werden gesammelt und ĂĽber den Entsorgungspartner abgeholt.
- Die Motoren werden dem Recycling zugeführt; das Unternehmen erhält eine Vergütung für das Material.
Ein Praxisbeispiel: Die Ekato Rühr- und Mischtechnik GmbH hat im Rahmen dieses Programms rund vier Tonnen Motoren in den Kreislauf zurückgeführt – inklusive finanzieller Gegenleistung. Das ist kein „Müll“, das ist ein Metalllager auf dem eigenen Hof.
3. Recyclingkette mit klaren Spielregeln
Remondis verpflichtet sich, die gewonnenen Rohstoffe ausschließlich an ausgewählte Metallaufbereiter zu liefern. Von genau diesen Aufbereitern bezieht ABB wiederum die Metalle für die Produktion neuer Motoren.
Der Effekt:
- Hoher Recyclinganteil in den neuen Produkten
- Kurze, nachvollziehbare Lieferketten
- Geringerer COâ‚‚-FuĂźabdruck der eingesetzten Metalle
Interessant ist auch, dass im Modell nicht nur das Material betrachtet wird, sondern der gesamte Prozess:
- Gesamtgewicht der zurĂĽckgenommenen Motoren
- Transportentfernungen und -häufigkeit
- Transportmittel und deren Emissionen
Damit wird verhindert, dass ein gut gemeintes Recyclingprogramm durch ineffiziente Logistik den COâ‚‚-Vorteil wieder auffrisst.
4. Nachhaltigkeitszertifikat als harter Nachweis
Am Ende des Recyclingprozesses steht ein Nachhaltigkeitszertifikat, das dokumentiert:
- wie viel Primärrohstoff durch das Recycling eingespart wurde,
- wie viel Energie im Vergleich zu Primärproduktion vermieden wurde,
- welche CO₂-Emissionen tatsächlich reduziert wurden.
Für viele Unternehmen ist genau das der „Missing Link“ zwischen Umweltmaßnahme und Reporting:
Statt blumiger Aussagen liegen messbare Kennzahlen vor, die in ESG-Berichte, Ausschreibungsunterlagen und Kundengespräche einfließen können.
Business Case: Warum sich Elektromotoren-Recycling rechnet
Kreislaufwirtschaft wird oft als Kostenblock wahrgenommen. In der Praxis kehrt sich das Bild aber häufig um – richtig aufgesetzt ist es ein Wettbewerbsfaktor.
Direkte finanzielle Effekte
Ein professionelles RĂĽcknahme- und Recyclingkonzept fĂĽr Elektromotoren bietet mehrere wirtschaftliche Hebel:
- VergĂĽtung fĂĽr Altmaterial statt Entsorgungskosten
- Reduzierte Beschaffungskosten durch höhere Recyclingquoten und stabilere Metallpreise
- Vermeidung von Ausfallkosten, weil Lieferketten fĂĽr kritische Metalle weniger volatil sind
Gerade in Branchen wie Maschinenbau, Gebäudetechnik oder Prozessindustrie, in denen tausende Motoren im Feld sind, kann das schnell in die sechsstelligen Bereiche gehen.
Reduzierte Lebenszykluskosten durch Effizienzklassen
Der Austausch alter Motoren gegen hocheffiziente Antriebe (z. B. IE4/IE5) senkt den Energieverbrauch erheblich. Bei vielen Anwendungen machen die Energiekosten ĂĽber 90 % der gesamten Lebenszykluskosten eines Motors aus.
Wer Altgeräte systematisch identifiziert und gegen effiziente Modelle tauscht,
- spart dauerhaft Stromkosten,
- reduziert COâ‚‚-Emissionen in der Betriebsphase,
- und kann diese MaĂźnahmen direkt im Energiemanagement (ISO 50001) und im Nachhaltigkeitsbericht verbuchen.
Reputations- und Akquise-Vorteile
Viele Ausschreibungen – ob im öffentlichen Bauen oder in der Industrie – verlangen inzwischen konkrete Nachhaltigkeitsnachweise:
- COâ‚‚-FuĂźabdrĂĽcke von Komponenten
- Nachweise ĂĽber Recyclingquoten
- Angaben zur Kreislaufstrategie
Unternehmen, die hier belastbare Zahlen vorlegen können, haben schlicht bessere Chancen auf Zuschläge. Wer nur vage „Nachhaltigkeit“ in die Broschüre schreibt, verliert.
Wie Unternehmen praktisch in die Kreislaufstrategie einsteigen
Die gute Nachricht: Man muss nicht sofort den kompletten Maschinenpark umkrempeln. Ein sinnvoller Einstieg ist fokussiert und pragmatisch.
1. Bestandsaufnahme der Elektromotoren
Der erste Schritt ist eine strukturierte Ăśbersicht:
- Welche Motoren sind im Einsatz (Leistung, Baujahr, Effizienzklasse)?
- Wo laufen besonders viele Betriebsstunden (Pumpen, Lüfter, Kompressoren, Fördertechnik)?
- Welche Motoren sind bereits auffällig in Wartung oder Ausfall?
Hier lohnt sich meist ein Motoren-Audit in kritischen Anlagenbereichen. Die größten Hebel finden sich dort, wo Motoren dauerhaft unter Volllast laufen.
2. Altbestand identifizieren und Prioritäten setzen
Nicht jeder Motor muss sofort ersetzt werden. Sinnvoll ist eine Priorisierung nach:
- Energieeinsparpotenzial,
- Betriebsrelevanz (Kritikalität),
- Verfügbarkeit effizienter Ersatzlösungen.
So entsteht eine Umbau-Roadmap, die sich mit Stillständen, Wartungsfenstern oder geplanten Modernisierungen kombinieren lässt.
3. Recyclingpartner und Prozess definieren
Parallel wird geklärt:
- Wer ĂĽbernimmt RĂĽcknahme und Recycling der Motoren?
- Wie läuft Sammeln, Kennzeichnen, Abholung organisatorisch ab?
- Welche Informationen werden für Zertifikate und Reporting benötigt?
Wichtig ist, den Prozess intern einfach zu halten: Klare Ansprechpersonen, definierte Container oder Sammelstellen, einfache Dokumentation.
4. Kommunikation und Reporting
Wer Aufwand betreibt, sollte den Nutzen auch sichtbar machen:
- Integration der Recyclingzahlen in Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht
- Verwendung der Zertifikate in ESG-Reporting und bei Kundenpräsentationen
- Schulung von Vertrieb und Projektteams, damit sie den Nachhaltigkeitsvorteil aktiv nutzen können
Gerade für Unternehmen in der deutschen Bau- und Anlagenbranche ist das ein starkes Verkaufsargument: „Wir liefern Antriebe mit nachweislich geringem CO₂-Fußabdruck und geschlossener Kreislaufkette.“
Was das für „Baustelle 4.0“ konkret bedeutet
Für die Kampagne „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ ist Elektromotoren-Recycling mehr als ein Nischenthema. Es zahlt direkt auf zentrale Trends ein:
- Elektrifizierte Baustellen (E-Maschinen, elektrische Krane, Pumpen) brauchen sichere Metall- und Antriebslieferketten.
- Digitale Planung und BIM ermöglichen es, Lebenszykluskosten und CO₂ von Motoren schon im Entwurf zu berücksichtigen.
- KI-gestĂĽtzte ZustandsĂĽberwachung hilft, den optimalen Zeitpunkt fĂĽr Austausch und Recycling von Antrieben zu bestimmen.
Wer hier heute sauber aufsetzt, hat morgen messbare Vorteile – in Ausschreibungen, Betriebskosten und Klimabilanz.
Fazit: Elektromotoren-Recycling als strategische Entscheidung
Elektromotoren-Recycling ist kein Nebenprojekt fĂĽr die Umweltabteilung. Es ist eine strategische Antwort auf drei zentrale Herausforderungen gleichzeitig:
- knapper und teurer werdende Rohstoffe,
- verschärfte Klimavorgaben und Berichtspflichten,
- zunehmenden Preisdruck und Wettbewerbsintensität.
Der Ansatz von ABB Motion zeigt, wie sich mit einem durchdachten RĂĽcknahme- und Recyclingmodell
- bis zu 95 % Energie bei der Metallgewinnung einsparen,
- alte, ineffiziente Motoren systematisch aus dem Feld nehmen,
- und belastbare Nachhaltigkeitskennzahlen erzeugen lassen.
Wenn Sie aktuell vor der Frage stehen, wie Sie Ressourcenknappheit, CO₂-Ziele und Kostendruck gleichzeitig adressieren können, ist Ihr Motorenpark ein sehr guter Startpunkt. Prüfen Sie, welche Altbestände sich eignet, welche Partner Recycling und Zertifizierung abdecken – und bauen Sie darauf eine klare Kreislaufstrategie auf.
Die Unternehmen, die ihre Antriebe schon heute in einen echten Kreislauf überführen, werden bei der nächsten Rohstoff- oder Energiekrise deutlich ruhiger schlafen.