Digitale Frontends: Wie Versicherer endlich Kund:innen gewinnen

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche LeitfadenBy 3L3C

Digitale Frontends entscheiden, ob österreichische Versicherer Leads gewinnen oder verlieren. Wie InsurTechs helfen, Alt-Systeme in starke Kundenerlebnisse zu verwandeln.

digitale FrontendsInsurTechVersicherungen ÖsterreichCustomer ExperienceBestandssystemeLeadgenerierungSelf-Service
Share:

Warum digitale Frontends jetzt über Leads entscheiden

Österreichische Versicherer verlieren heute immer noch zu viele potenzielle Kund:innen an Vergleichsportale, Direktanbieter und Banken – nicht wegen schlechter Produkte, sondern wegen schwacher digitaler Frontends. Der erste Online-Kontakt entscheidet inzwischen oft darüber, wer den Vertrag abschließt.

Während in den USA Kooperationen wie Finys + ManageMy zeigen, wie Versicherer ihre Bestands-IT mit modernen Portalen verbinden, ringen viele Häuser im DACH-Raum noch mit Insellösungen, Alt-Systemen und komplizierten Formularen. Dabei wäre der Weg zu einem besseren digitalen Kundenerlebnis deutlich kürzer, wenn man das Thema richtig aufzieht.

In diesem Beitrag geht es darum, wie digitale Frontends für Versicherungen aussehen müssen, damit sie

  • mehr qualifizierte Leads bringen,
  • Bestandskund:innen binden und Cross-Selling ermöglichen und
  • technisch zur oft jahrzehntealten Bestandssystem-Landschaft passen.

Der Fokus liegt auf österreichischen Versicherern und InsurTech-Kooperationen – also genau dort, wo aktuell die größten Chancen liegen.


Was ein modernes digitales Frontend im Versicherungsbereich leisten muss

Ein digitales Frontend für Versicherungen ist heute viel mehr als ein hübsches Webformular. Erfolgreich ist es nur, wenn es Geschäft, Kundenerlebnis und Bestandssystem gleichermaßen im Blick hat.

Zentrale Anforderungen aus Sicht der Kund:innen

Aus Kundensicht zählt vor allem eines: Reibungslosigkeit.

Ein gutes Versicherungs-Frontend:

  • führt in wenigen Schritten vom Interesse zum Angebot,
  • erklärt komplexe Produkte in klarer, verständlicher Sprache,
  • passt sich an Gerät und Situation an (Smartphone, Tablet, Desktop),
  • ermöglicht Self-Service: Polizzen, Schäden, Zahlungen, Anpassungen,
  • ist 24/7 verfügbar – auch am Sonntag um 23:30 Uhr.

Praktisches Beispiel: Eine junge Familie sucht online nach einer Haushaltsversicherung in Wien. Wenn sie

  1. auf der Website einen Tarifrechner findet,
  2. die Wohnfläche schnell eingeben kann,
  3. direkt einen digitalen Antrag stellen und
  4. bei Fragen über Chat oder Video kurz mit einer Beraterin sprechen kann,

steigt die Abschlusswahrscheinlichkeit massiv. Bricht der Prozess hingegen nach acht Seiten PDF-Formular ab, wandert der Lead zur Konkurrenz.

Anforderungen aus Sicht des Versicherers

Für das Versicherungsunternehmen muss das Frontend vor allem vertrieblich und betrieblich funktionieren:

  • Lead-Qualität: Strukturiert erfasste Daten, klare Einwilligungen, eindeutige Kontaktkanäle.
  • Automatisierung: Daten fließen direkt in das Bestandssystem, keine Doppel-Erfassung.
  • Compliance: Datenschutz (DSGVO), Beratungspflichten, Dokumentationsanforderungen.
  • Skalierbarkeit: Neue Produkte und Tarife ohne monatelange IT-Projekte ausrollen.

Genau hier kommen Partnerschaften wie Bestandssystem-Anbieter + Frontend-Spezialist ins Spiel – so wie im Fall Finys & ManageMy im US-Markt. Ein ähnliches Modell wird im DACH-Raum gerade Standard.


Warum klassische Bestandssysteme allein das Frontend-Problem nicht lösen

Die meisten Versicherer in Österreich sitzen auf soliden, aber historisch gewachsenen Bestandssystemen. Diese Systeme sind stabil, revisionssicher und für die Verwaltung von Millionen Polizzen optimiert – aber nicht für moderne Nutzeroberflächen.

Typische Probleme mit monolithischen Systemen

Ich sehe in vielen Projekten immer wieder dieselben Hürden:

  • Starre Masken: Benutzeroberflächen, die eher für Sachbearbeiter:innen als für Endkund:innen gedacht sind.
  • Lange Release-Zyklen: Änderungen an Formularen dauern Monate statt Tage.
  • Technologische Altlasten: Cobol, Host-Systeme, fehlende APIs.
  • Fehlende Omnikanal-Fähigkeit: Online-Antrag, Agenturberatung und Maklerprozess laufen technisch komplett getrennt.

Die Folge: Marketing und Vertrieb wollen ein neues, digitales Produkt launchen – und scheitern an der IT-Realität des Kernsystems.

Der sinnvolle Ansatz: Entkopplung von Frontend und Backend

Die Lösung ist keine komplette Ablöse des Bestandssystems (das wäre meist wirtschaftlicher Unsinn), sondern eine klare Trennung:

  • Das Backend (Bestandssystem) bleibt das „System of Record“: Verträge, Buchungen, Schadenhistorie.
  • Das digitale Frontend wird als eigenständige Schicht davor gesetzt: Portale, Apps, Berater-Frontends.

Zwischen beiden liegt eine Integrationsschicht (APIs, Middleware), die Daten übersetzt und Prozesse anstößt. Genau diese Art von Architektur verfolgen Anbieter-Kombinationen wie Finys + ManageMy – und viele InsurTechs im DACH-Raum.

Der Vorteil: Das Frontend kann sich in Wochen an Marktanforderungen anpassen, während das Backend in stabilen, gut geplanten Zyklen weiterentwickelt wird.


Wie Versicherer digitale Frontends mit InsurTechs aufbauen können

Wer heute als österreichischer Versicherer nicht bei Null anfangen will, sollte auf InsurTech-Partnerschaften setzen. Das Muster ist fast immer gleich – und erstaunlich pragmatisch.

Schritt 1: Klar definieren, welches Problem gelöst werden soll

Statt „Wir brauchen ein Kundenportal“ lohnt sich eine spitzere Formulierung, etwa:

  • „Wir wollen den Online-Abschluss für Kfz-Versicherungen auf unter 5 Minuten bringen.“
  • „Wir wollen, dass 40 % der Adress- und Bankdatenänderungen über Self-Service laufen.“
  • „Wir wollen Makler:innen einen digitalen Schadenmeldeprozess anbieten, der ohne Papier auskommt.“

Mit einer solchen Zieldefinition lassen sich InsurTech-Angebote sauber vergleichen.

Schritt 2: Den richtigen Frontend-Partner wählen

Ein spezialisierter Anbieter für digitale Versicherungsfrontends bringt in der Regel mit:

  • vorgefertigte Bausteine (Produktstrecken, Schadenformulare, Kundenportal-Module),
  • erprobte UX-Muster, die Kund:innen bereits von anderen Versicherern kennen,
  • Standard-Schnittstellenkonzepte für gängige Bestandssysteme,
  • Know-how zu Beratungspflichten, Protokollierung und Dokumentation.

Worauf ich in Ausschreibungen immer achten würde:

  • Kann der Anbieter ohne großen Custom-Code mehrere Produkte abbilden?
  • Wie konfigurierbar sind Texte, Tarife, Formulare durch die Fachabteilung?
  • Gibt es Rollen- und Rechtemodelle für Kund:innen, Makler:innen, Partner:innen?
  • Wie gut ist die API-Dokumentation, wie ausgereift sind Sandbox-Umgebungen?

Schritt 3: Integration mit dem Bestandssystem planen – nicht improvisieren

Die technische Integration entscheidet darüber, ob das Projekt später skaliert oder steckenbleibt.

Wesentliche Fragen, die früh geklärt sein müssen:

  • Datenfluss: Welche Daten kommen aus dem Backend, welche werden dort neu angelegt?
  • Echtzeit vs. Batch: Was muss live passieren (Tarifberechnung, Policierung), was kann über Nacht laufen (Reporting, Analysen)?
  • Fehlerfälle: Was passiert, wenn das Backend nicht erreichbar ist? Wird der Antrag zwischengespeichert?
  • Security & Compliance: Authentifizierung, Autorisierung, Protokollierung, DSGVO-Anforderungen.

Gut gemachte Partnerschaften – wie man sie im Ausland immer öfter sieht – liefern zu diesen Punkten vorgefertigte Integrations-Blueprints. Das spart Monate.


Konkrete Use Cases: Wo digitale Frontends sofort Wirkung zeigen

Wer Leads generieren und Kosten senken will, sollte mit Prozessen starten, die hohe Volumina und klare Standardisierung haben.

1. Online-Abschlussstrecken für Standardprodukte

Produkte wie Kfz, Haushalts- oder Reiseversicherung eignen sich perfekt für vollständig digitale Journeys.

Ein starker Online-Abschlussprozess umfasst:

  • klare, verständliche Produktinformationen,
  • dynamische Formulare, die sich an Antworten anpassen,
  • eine saubere Risikoprüfung und Tarifberechnung in Echtzeit,
  • digitale Unterschrift und Zahlungsabwicklung,
  • sofortige Anzeige der vorläufigen Deckung.

Hier lassen sich Conversion-Raten oft innerhalb eines Jahres deutlich steigern. In einigen europäischen Märkten sieht man Steigerungen der Online-Abschlüsse um 30–50 %, wenn alte PDF-Strecken durch moderne Portale ersetzt werden.

2. Self-Service-Portale für Bestandskund:innen

Ein gut gemachtes Kundenportal reduziert nicht nur Callcenter-Kosten, sondern öffnet auch neue Cross-Selling-Potenziale.

Typische Funktionen:

  • Polizzen und Dokumente herunterladen,
  • Adress- und Bankdaten selbst ändern,
  • Schäden melden und den Bearbeitungsstatus einsehen,
  • zusätzliche Deckungen oder Produkte direkt buchen.

Wer das sauber mit dem Backend verbindet, erreicht zwei Ziele:

  1. Weniger manueller Aufwand im Innendienst.
  2. Mehr Kundenkontaktpunkte, an denen passende Angebote platziert werden können.

3. Digitale Prozesse für Makler:innen und Partner

In Österreich spielen Makler:innen eine enorme Rolle. Viele Versicherer unterschätzen, wie sehr digitale Frontends für Vermittler:innen deren Geschäftsentscheidung beeinflussen.

Was hier wirkt:

  • ein zentraler Makler-Login mit allen relevanten Produkten,
  • schnelle Angebots- und Antragsstrecken,
  • digitale Schadenmeldung inkl. Upload von Dokumenten und Fotos,
  • transparente Bestands- und Provisionsübersichten.

Wenn Sie Makler:innen ein Arbeitswerkzeug bieten, das ihnen 30 Minuten pro Tag spart, gewinnen Sie nicht nur mehr Neugeschäft, sondern auch Loyalität.


Erfolgsfaktoren: So wird das digitale Frontend wirklich ein Lead-Motor

Der Unterschied zwischen „Wir haben ein Portal“ und „Unser Portal bringt konstant hochwertige Leads“ liegt nicht in der Technologie allein, sondern im Betriebsmodell.

Fachbereich in die Verantwortung holen

Digitale Frontends dürfen kein reines IT-Projekt sein. Erfolgreich werden Projekte, wenn:

  • Vertrieb & Marketing die fachliche Steuerung übernehmen,
  • es klare KPIs gibt (z.B. Abschlussrate, Abbruchquote, Nutzungsrate im Portal),
  • Frontend-Texte, Produktbeschreibungen und Hinweise laufend getestet und angepasst werden.

Ein A/B-Test bei der Formulierung eines zentralen Hinweises kann die Conversion bereits um mehrere Prozentpunkte erhöhen – das summiert sich über tausende Anträge pro Jahr erheblich.

Messbarkeit und kontinuierliche Optimierung

Ohne Daten bleibt das schönste Frontend ein Blindflug. Mindestens nötig sind:

  • sauberes Tracking der Nutzerstrecken (Abbruchstellen, Klickpfade),
  • Auswertung nach Endgerät, Produkt, Vertriebskanal,
  • regelmäßige Usability-Tests mit echten Kund:innen.

Wer hier konsequent arbeitet, verwandelt das digitale Frontend innerhalb weniger Monate in einen lernenden Vertriebskanal.

KI als nächster Schritt – nicht als Startpunkt

Viele Häuser wollen direkt mit KI-Features starten. Meine klare Meinung: Erst Basishygiene, dann KI.

Sinnvolle, realistische KI-Anwendungen auf einem bestehenden digitalen Frontend wären z.B.:

  • Chatbots, die Standardfragen im Antragsprozess beantworten,
  • KI-gestützte Vorschläge für passende Produkte basierend auf Kundendaten,
  • automatische Vorbefüllung von Formularen aus bestehenden Polizzen,
  • Priorisierung von Leads nach Abschlusswahrscheinlichkeit.

Aber: Ohne stabile Prozesse, saubere Daten und ein funktionierendes Frontend ist jede KI nur eine schöne Demo.


Was österreichische Versicherer jetzt konkret tun sollten

Digitale Frontends sind 2025 kein Nice-to-have mehr, sondern die zentrale Bühne, auf der sich Versicherer, InsurTechs und Banken um Kund:innen streiten. Wer sie vernachlässigt, überlässt Vergleichsportalen und internationalen Playern das Feld.

Sinnvolle nächste Schritte könnten sein:

  1. Bestandsaufnahme: Wo brechen Kund:innen heute ab? Welche Prozesse sind für Self-Service geeignet? Wo hakt es im Maklergeschäft?
  2. Pilot definieren: Ein klar umrissener Use Case (z.B. ein Produkt, ein Kanal), der messbare Effekte bringen soll.
  3. InsurTech-Partner evaluieren: Fokus auf integrierbare, konfigurierbare Frontend-Plattformen mit guter API-Story.
  4. Gemeinsames Zielbild entwickeln: Fachbereich, IT und Partner an einen Tisch, klare KPIs und Roadmap.

Wer diesen Weg konsequent geht, wird merken: Der Sprung vom „Robot Challenge Screen“ – also kryptischen Altmasken – zu einem modernen, kundenzentrierten Versicherungs-Frontend ist kleiner, als es auf den ersten Blick wirkt.

Der Wettbewerb um die digitale Kundenschnittstelle hat längst begonnen. Die Frage ist nicht mehr, ob Versicherer mitziehen sollten, sondern wie schnell – und mit welchen Partnern.

🇩🇪 Digitale Frontends: Wie Versicherer endlich Kund:innen gewinnen - Germany | 3L3C