Wie Schweizer Handwerksbetriebe vom DIGITAL FUTUREcongress profitieren können – mit Cloud, Security und digitalen Anwendungen zu mehr Effizienz und neuen Geschäftsmodellen.
DIGITAL FUTUREcongress: Was Schweizer KMU jetzt daraus machen sollten
Die nüchterne Zahl zuerst: Über 90% der Schweizer Unternehmen sind KMU. Und ein grosser Teil davon sind Handwerksbetriebe – vom Elektroinstallateur über den Schreiner bis zum Gebäudetechniker. Genau diese Betriebe stehen aktuell unter Druck: Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, steigende Kundenerwartungen und gleichzeitig ein Technologieangebot, das täglich komplexer wirkt.
Der DIGITAL FUTUREcongress (DFC) in Bochum zeigt jedes Jahr sehr deutlich, wohin die Reise in Sachen Digitalisierung und Cloud Computing geht. Spannend daran: Viele der vorgestellten Lösungen passen perfekt zur Realität in Schweizer Handwerksbetrieben – werden aber von genau diesen Betrieben selten genutzt. Das ist eine verpasste Chance.
In diesem Beitrag geht es darum, was hinter dem DIGITAL FUTUREcongress steckt, welche Themen für Schweizer Handwerker wirklich relevant sind und wie sich das alles konkret in den Alltag eines Betriebs übersetzen lässt – ohne Fachchinesisch, ohne Millionenbudget.
1. Was ist der DIGITAL FUTUREcongress – und warum betrifft das das Handwerk?
Der DIGITAL FUTUREcongress ist eine Kongress- und Messeplattform rund um Digitalisierung, Cloud Computing, Security, Anwendungen, Energie und digitale Transformation. Kurz gesagt: dort trifft sich alles, was in Sachen digitale Zukunft von Unternehmen gerade wichtig ist.
Die spannenden Bereiche für das Schweizer Handwerk lassen sich auf fünf Schwerpunkte herunterbrechen:
- Cloud Computing – technische Basis für digitale Geschäftsprozesse
- Sicherheit & Datenschutz – Voraussetzung für Vertrauen bei Kunden
- Anwendungen (CRM, ERP, xRM, eCommerce) – das digitale Rückgrat des Betriebs
- Digitale Transformation – Organisation, Prozesse, Zusammenarbeit
- Energie & Smart Switzerland – Effizienz und Nachhaltigkeit in Gebäuden und Infrastruktur
Der Punkt ist: Das ist keine Theorie für Konzerne. Viele Lösungen, die auf dem DFC gezeigt werden, skalieren heute problemlos auf einen Betrieb mit 5, 10 oder 30 Mitarbeitern. Und genau dort entsteht gerade der Wettbewerbsvorteil: Wer digitale Werkzeuge smart nutzt, kann mehr Aufträge sauber abwickeln, reagiert schneller auf Kundenanfragen und plant Ressourcen besser.
2. Cloud Computing als Fundament: Was heisst das konkret für Handwerksbetriebe?
Cloud Computing ist keine abstrakte IT-Idee. Für einen Schweizer Handwerksbetrieb bedeutet es sehr greifbar:
Daten, Anwendungen und Prozesse laufen nicht mehr auf einem veralteten PC im Büro, sondern in professionell betriebenen Rechenzentren – sicher, aktuell, von überall nutzbar.
2.1 Typische Cloud-Anwendungsfälle im Handwerk
Einige praktische Beispiele, die ich in Betrieben immer wieder sehe:
-
Digitale Offerten & Auftragsabwicklung
Angebote werden direkt im System erstellt, aus Bauteilkatalogen oder Leistungskatalogen gespeist, per E-Mail verschickt und bei Freigabe automatisch in Aufträge umgewandelt. -
Mobile Einsatzplanung
Monteure sehen ihre Einsätze auf dem Tablet oder Smartphone, inkl. Adresse, Kontakt, Plänen und Checklisten. Änderungen durch den Disponenten sind sofort sichtbar. -
Digitale Rapportierung
Arbeitszeit, Material und Fotos direkt auf der Baustelle erfassen. Nichts geht mehr verloren, Rechnungen können zeitnah gestellt werden. -
Dokumentenablage in der Cloud
Pläne, Schemata, Hersteller-Dokumente: zentral abgelegt, versioniert, von Büro und Baustelle aus verfügbar.
2.2 Warum Cloud für KMU sinnvoll ist
Die Realität? Die meisten Betriebe haben weder Lust noch Kapazität, selbst IT-Infrastruktur zu betreiben. Genau da spielt Cloud ihre Stärken aus:
- Weniger Investition, mehr Planbarkeit – statt grosser einmaliger IT-Kosten monatliche Abos
- Hohe Verfügbarkeit – professionelle Rechenzentren, Backup, Wartung inklusive
- Flexibilität – Nutzer und Funktionen können schnell angepasst werden
- Besserer Support – Updates und Sicherheitspatches laufen im Hintergrund
Wer heute noch mit Insellösungen, Excel und Papier arbeitet, verspielt mittelfristig Produktivität – und wirkt auf jüngere Fachkräfte nicht besonders attraktiv.
3. Sicherheit & Datenschutz: Ohne Vertrauen keine digitale Schweiz
Sobald Daten nicht mehr im Bundesordner, sondern digital vorliegen, kommt unweigerlich das Thema Sicherheit. Gerade in der Schweiz mit dem revidierten Datenschutzgesetz (revDSG seit 01.09.2023 in Kraft) ist das kein „nice to have“ mehr.
3.1 Sicherheitsrisiken in typischen Handwerks-ITs
Was ich in vielen Kleinbetrieben sehe:
- Ein einziges allgemeines E-Mail-Postfach, Passwort auf einem Post-it
- Angebots- und Kundendaten unverschlüsselt auf Laptops
- Keine getrennten Benutzerkonten, alle arbeiten „irgendwie“ mit
- Backups, die nie getestet werden – wenn überhaupt vorhanden
Das sind offene Türen für:
- Ransomware-Angriffe (Daten werden verschlüsselt und nur gegen Lösegeld freigegeben)
- Datenverlust durch defekte Hardware oder Diebstahl
- Reputationsschäden, wenn Kundendaten abhandenkommen
3.2 Wie Cloud & Security-Plattformen hier helfen
Genau an dieser Stelle sind die im Umfeld des DIGITAL FUTUREcongress aktiven Security-Plattformen spannend. Viele Schweizer Anbieter liefern Bausteine, die auch für kleine Betriebe sinnvoll sind:
- Professionelle E-Mail-Security (Spam-Filter, Phishing-Erkennung)
- Mehr-Faktor-Authentifizierung für kritische Systeme
- Standardisierte Backup- und Recovery-Lösungen
- Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeitenden
Der grosse Vorteil: Moderne Security-Dienste sind heute oft „as a Service“ buchbar – also ohne grosse Anfangsinvestition. Wer seine Kern-IT in die Cloud legt, bekommt viele Sicherheitsfeatures gleich mitgeliefert.
4. Anwendungen: Vom Chaos zur klaren Struktur in CRM, ERP & Co.
Die Erfahrung zeigt: Nicht die Technologie bremst Betriebe aus, sondern fehlende Struktur. Informationen liegen verstreut in E-Mails, WhatsApp-Chats, Notizbüchern und Köpfen einzelner Mitarbeitender. Genau hier setzen Anwendungen wie CRM-, ERP- und xRM-Systeme an – ein Kernfokus des DIGITAL FUTUREcongress.
4.1 CRM für Handwerksbetriebe
Ein CRM-System (Customer Relationship Management) ist deutlich mehr als ein Adressbuch. Es bildet die Beziehung zum Kunden vom ersten Kontakt bis zur Nachbetreuung ab.
Typische Funktionen, die sich für das Handwerk bezahlt machen:
- Zentrale Kundendaten (Objekte, Ansprechpartner, Historie)
- Übersicht über laufende Offerten, Projekte und Serviceaufträge
- Wiedervorlagen und automatische Erinnerungen
- Auswertungen: Welche Kunden bringen welchen Umsatz?
4.2 ERP & Branchensoftware
Ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) verknüpft Finanzen, Lager, Einkauf, Projekte und Personal. Speziell für Handwerk und Bau existieren in der Schweiz zahlreiche Branchenlösungen, die etwa bieten:
- Offert- und Rechnungsstellung mit NPK- oder eigenen Leistungspositionen
- Projekt- und Baustellencontrolling
- Lager- und Materialverwaltung
- Schnittstellen zur Buchhaltung
Wer das sauber aufsetzt, merkt schnell: Die Gewinnzone liegt nicht nur bei mehr Umsatz, sondern vor allem bei besserer Transparenz und weniger Leerlauf.
4.3 Wie man das Thema Anwendungen pragmatisch angeht
Statt mit dem grossen Wurf zu beginnen, bewährt sich ein schrittweises Vorgehen:
- Status aufnehmen – Wo liegen heute welche Informationen? Wer arbeitet wie?
- Engpässe identifizieren – Wo gehen Zeit und Nerven verloren?
- 2–3 Kernprozesse priorisieren – z.B. Offerte → Auftrag → Rechnung
- Branchentaugliche Lösung wählen – kein Bastelprojekt, sondern etablierte Software
- Klein starten, dann ausbauen – zuerst Kernteam, dann schrittweise weiteren Funktionen
Anbieter, wie sie im Umfeld des DIGITAL FUTUREcongress gelistet sind, können hier mit Fallbeispielen und Referenzen aus dem DACH-Raum unterstützen – das reduziert das Risiko von Fehlentscheidungen deutlich.
5. Digitale Transformation: Mehr als nur neue Software
Digitale Transformation ist eines dieser grossen Worte, das viele abschreckt. Die Realität ist deutlich bodenständiger:
Digitale Transformation im Handwerk bedeutet, Abläufe so zu organisieren, dass Menschen und Software zusammenarbeiten – statt gegeneinander.
5.1 Typische Stolpersteine in Schweizer KMU
Bei Projekten in Handwerksbetrieben tauchen immer wieder ähnliche Hürden auf:
- „Das haben wir immer schon so gemacht.“
- Angst vor Kontrollverlust bei Inhabern oder Projektleitern
- Fehlende Zeit im Tagesgeschäft, um sauber zu migrieren und zu schulen
- Zu viele Funktionen auf einmal einführen
5.2 Erfolgsfaktoren für eine pragmatische Transformation
Erfolgreiche Betriebe machen vor allem drei Dinge richtig:
- Top-down-Rückendeckung – Geschäftsführung steht klar hinter dem Projekt
- Einfacher Start – ein Pilotteam, ein klar definierter Prozess
- Konsequente Schulung & Begleitung – nicht nur Technik, sondern auch neues Arbeiten
Hilfreich ist ein digitaler Fahrplan, der grob folgende Elemente enthält:
- Zielbild festlegen (z.B. „in 18 Monaten sind 90% der Rapporte digital“)
- Verantwortlichkeiten und Rollen definieren
- Etappen mit messbaren Zwischenergebnissen planen
- Mitarbeitende früh einbeziehen und Feedback ernst nehmen
Anbieter aus dem Ökosystem von Plattformen wie „Smart Switzerland“ oder spezialisierten IT-Consultants bringen nicht nur Tools, sondern vor allem Erfahrung aus ähnlichen Projekten mit – ein echter Beschleuniger.
6. Energie & Smart Switzerland: Warum das Handwerk hier eine Schlüsselrolle spielt
Spätestens seit den Energiepreis-Sprüngen und der Diskussion um Versorgungssicherheit ist klar: Energieeffizienz und smarte Gebäude sind kein Nischenthema mehr. Und genau hier kommt das Schweizer Handwerk ins Spiel.
6.1 Wo sich Energie- und Digitalthemen treffen
Ein paar konkrete Schnittstellen, die sehr aktuell sind:
- PV-Anlagen & Speichersysteme – Monitoring, Fernwartung, intelligente Steuerung
- Wärmepumpen & Heizsysteme – vernetzte Regelungen, Lastmanagement
- Gebäudeautomation – Licht, Beschattung, Klima per Sensorik und App
- E-Mobilität – vernetzte Ladeinfrastruktur, Abrechnungssysteme
Hier greift das Zusammenspiel aus Energie-Know-how, Cloud-Plattformen und Security:
- Mess- und Steuerdaten laufen in der Cloud
- Kunden erhalten Portale oder Apps für Transparenz
- Installateure können aus der Ferne Diagnosen stellen
- Sicherheitskonzepte schützen vor Zugriffen von aussen
6.2 Neue Geschäftsmodelle für Handwerksbetriebe
Wer diese Themen ernst nimmt, kann sein Geschäftsmodell erweitern:
- Wartungsverträge mit Monitoring statt einmaliger Installationsumsatz
- Energie-Reports und Optimierungsvorschläge als Dienstleistung
- Remote-Support-Pakete mit klar definierten Reaktionszeiten
Gerade im Hinblick auf 2026–2030 werden Betriebe, die Energie und Digitalisierung kombinieren, deutlich attraktiver für Bauherren, Investoren und die öffentliche Hand.
7. Konkrete nächste Schritte für Schweizer Handwerksbetriebe
Statt sich von der Fülle der Themen erschlagen zu lassen, hilft ein sehr pragmatischer Dreischritt:
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Ist-Analyse auf einer A4-Seite
- Wie werden Offerten erstellt?
- Wie werden Einsätze geplant?
- Wo und wie werden Kundendaten gespeichert?
- Wie läuft die Rapportierung?
- Was passiert beim Thema Backup & Security?
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Prioritäten für die nächsten 12 Monate festlegen
- Ein Kernprozess digitalisieren (z.B. Einsatzplanung + Rapportierung)
- Ein Sicherheitsbasis-Paket etablieren (Backups, Zugänge, E-Mail-Schutz)
- Einen ersten Energie- oder Smart-Building-Service definieren
-
Geeignete Partner auswählen
- Anbieter, die Cloud, Security und Branchensoftware kombinieren
- Lokale oder regionale Ansprechpartner, die die Schweizer Rahmenbedingungen kennen
- Referenzen aus vergleichbaren Betrieben prüfen
Wer so vorgeht, nutzt den Geist des DIGITAL FUTUREcongress, ohne selbst an jedem Event teilnehmen zu müssen: Klar definierte Schritte, konkrete Lösungen, messbare Effekte.
Fazit: Digitale Zukunft des Handwerks – gestalten statt abwarten
Die digitale Schweiz entsteht nicht nur in Zürich, Bern oder in Konzernen, sondern in Werkstätten, auf Baustellen und in Servicefahrzeugen. Cloud Computing, Security, Anwendungen, digitale Transformation und Energie sind dabei keine abstrakten Schlagworte, sondern sehr konkrete Stellhebel für jeden Handwerksbetrieb.
Der DIGITAL FUTUREcongress zeigt, welche Bausteine verfügbar sind. Die eigentliche Kunst besteht darin, diese Bausteine zielgerichtet für den eigenen Betrieb zu kombinieren – Schritt für Schritt, mit Augenmass, aber klarer Ambition.
Wer jetzt beginnt, seine Prozesse gezielt zu digitalisieren, sichert sich nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch attraktivere Arbeitsplätze, stabilere Margen und einen spürbaren Vorsprung im Wettbewerb. Die Frage ist weniger, ob Sie den nächsten Schritt gehen, sondern welchen Sie bis Ende dieses Jahres konkret umsetzen wollen.