Code Red bei OpenAI: Was Marketer jetzt ĂĽber KI wissen mĂĽssen

KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden••By 3L3C

OpenAI ruft Code Red aus – Google Gemini zieht davon. Was heißt das für Marketing & Vertrieb in Deutschland? Strategische Einordnung und konkrete Handlungsschritte.

OpenAIGoogle GeminiKI im MarketingKI im VertriebPerformance MarketingGEO Generative Engine OptimizationPredictive Analytics
Share:

Code Red bei OpenAI – und was das für Marketing & Vertrieb bedeutet

Ende 2022 löste ChatGPT bei Google einen internen „Code Red“ aus. Jetzt – fast drei Jahre später – ruft Sam Altman selbst Code Red in seinem Unternehmen aus. Der Grund: Google Gemini 3 zieht vorbei, Apple stellt sich an die Seite von Google, und OpenAI legt Nebenprojekte wie Werbung und Shopping vorerst auf Eis.

Für Marketing- und Vertriebsverantwortliche in Deutschland ist das mehr als ein Tech-Gossip. Es entscheidet sich gerade, wer die wichtigste KI-Oberfläche für Suche, Content, Commerce und Customer Experience kontrolliert. Genau dort werden Ihre Leads in den nächsten Jahren gewonnen oder verloren.

In dieser Ausgabe unserer Reihe „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ schauen wir uns an, was hinter Altmans Code Red steckt – und vor allem, wie Sie Ihre Marketing- und Vertriebsstrategie darauf einstellen sollten.


1. Was hinter dem Code Red bei OpenAI wirklich steckt

Der Kern von Altmans Memo ist glasklar: OpenAI verschiebt Ressourcen weg von Werbeformaten, Shopping-Tools und Assistenten – hin zu Produktqualität von ChatGPT. Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, Personalisierung und globale Verbreitung stehen jetzt über allem.

Warum OpenAI plötzlich bremst

Die wichtigsten Auslöser:

  • Google Gemini 3 ĂĽbertrifft aktuelle OpenAI-Modelle in vielen Benchmarks.
  • Die Gemini-App liegt zeitweise vor ChatGPT in den App-Store-Charts.
  • Der Bildgenerator Nano Banana Pro ist direkt in Google Ads und Workspace integriert.
  • Gemini wird HerzstĂĽck eines Mega-Deals mit Apple und soll u.a. Siri antreiben.

Kurz gesagt: Google spielt seine Plattform-Stärke aus. Suchmaschine, YouTube, Android, Workspace – überall ist Gemini eingebaut. OpenAI hat mit ChatGPT zwar ein starkes Produkt, aber keine Plattform mit Milliarden täglicher Touchpoints.

Altman zieht daraus eine strategische Konsequenz, die ich persönlich für konsequent halte: Lieber Produktkern perfektionieren, als mit halbgaren Werbelösungen ein paar Quartalszahlen aufzuhübschen. Für Marketer heißt das aber auch: Das Werbemodell rund um ChatGPT verzögert sich.


2. Gemini vs. ChatGPT: Warum diese Schlacht fĂĽr Marketer entscheidend ist

Für Marketing & Vertrieb ist nicht entscheidend, welcher Benchmark ein paar Prozent besser ausfällt. Entscheidend ist, wo Ihre Kunden später ihre Fragen stellen, Ideen suchen und Kaufentscheidungen vorbereiten.

Drei Ebenen, auf denen sich der KI-Wettbewerb abspielt

  1. Modellqualität

    • Verstehen komplexer Anfragen (z.B. B2B-Kaufentscheidungen)
    • Verlässlichkeit der Antworten
    • Multimodalität: Text, Bild, Video, Audio
  2. Distribution & Ă–kosystem

    • Google verankert Gemini in Suche, Ads, Chrome, Android, YouTube, Workspace.
    • OpenAI ist (noch) primär eine eigenständige App plus API-Ă–kosystem.
    • Apple-Deal verschiebt die mobile KI-Nutzung Richtung Gemini.
  3. Monetarisierung & Werbeflächen

    • Google testet KI-Overviews mit Anzeigen, nutzt bestehende Bidding-Logik.
    • OpenAI verschiebt Ads, Shopping-Formate und den Assistenten ChatGPT Pulse nach hinten.

Die Folge: Kurz- bis mittelfristig wird Google für KI-gestützte Sichtbarkeit im Marketing relevanter bleiben, weil Ads sich organisch in Gemini-Features einfügen. OpenAI bleibt dafür der stärkste Ort für Kreativarbeit, Content-Erstellung und interne Automatisierung.


3. Was der Stopp von Werbung bei OpenAI fĂĽr Ihr Performance-Marketing bedeutet

Altman spielt auf Zeit. Für Marketer stellt sich sofort die Frage: Wo kann ich künftig überhaupt performant in KI-Oberflächen sichtbar werden?

Realistisch betrachtet: Werbepriorität liegt 2026 eher bei Google & Meta

  • Google: KI-Overviews und Gemini-Integration in Google Ads sind der direkte Hebel fĂĽr Performance-Kampagnen. Wer heute SEA und Performance Marketing macht, muss KI-Formate dort aktiv testen – nicht abwarten.
  • Meta: Nutzt KI vor allem fĂĽr Targeting, Creative-Optimierung und eigene Assistenten in WhatsApp & Instagram. Anzeigenprodukte sind stabil, werden aber durch KI „unter der Haube“ deutlich effizienter.
  • OpenAI: Interessant fĂĽr Werbung – aber frĂĽhestens dann, wenn
    • stabile Ad-Platzierungen existieren,
    • Nutzer-Akzeptanz geklärt ist, und
    • ein konsistentes Mess- und Bidding-System steht.

Ich wĂĽrde aktuell jedes Werbebudget so planen:

  1. 70–80 % in etablierte KI-getriebene Plattformen (Google, Meta, ggf. Amazon).
  2. 10–20 % in Experimente rund um neue KI-Formate (z.B. KI-SERP-Overviews, KI-gestützte YouTube-Formate).
  3. 5–10 % als Explorationsbudget für OpenAI-Ökosystem – aber eher für Owned Media, Content-Automatisierung und Sales-Support, nicht für Paid Ads.

4. Strategische Konsequenzen fĂĽr Marketing & Vertrieb in Deutschland

Die große Gefahr für Unternehmen ist nicht, „auf das falsche Modell“ zu setzen. Die Gefahr ist, KI nur als Spielerei in der Kreation zu nutzen – und nicht als strategische Infrastruktur für den gesamten Marketing- und Vertriebsprozess.

Vier Handlungsfelder, die jetzt Priorität haben sollten

4.1 KI-gestĂĽtzte Kundenanalyse und Lead-Scoring

Wer im B2B- oder High-Value-B2C-Umfeld unterwegs ist, sollte KI sofort dort einsetzen, wo heute noch Excel-Listen und BauchgefĂĽhl dominieren:

  • ZusammenfĂĽhrung von CRM-, Web-Analytics- und Kampagnendaten
  • Erkennung von Kauf-Signalen (z.B. wiederholte Produktseiten-Besuche, Whitepaper-Downloads)
  • Predictive Lead Scoring: Welche Leads schlieĂźen mit welcher Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten 90 Tage ab?

Praxisnaher Ansatz:

  • Daten in einem zentralen Warehouse zusammenfĂĽhren (z.B. BigQuery, Snowflake).
  • Ein LLM (z.B. via OpenAI- oder Gemini-API) mit klaren Schemas „fĂĽttern“.
  • Mit einfachen Regeln starten: „Gib mir die 50 Leads mit dem höchsten Abschluss-Potenzial im Dezember und begrĂĽnde deine Auswahl.“

4.2 Content-Automatisierung entlang der gesamten Customer Journey

Viele Unternehmen nutzen KI aktuell nur fĂĽr Blogtexte. Das ist verschenktes Potenzial. Interessant wird es, wenn Sie die gesamte Journey automatisieren:

  • Ideengenerierung fĂĽr Themen auf Basis realer Suchanfragen oder CRM-Fragen
  • Content-Briefings fĂĽr Redaktion und Agenturen
  • Variantenbildung fĂĽr Landingpages, Ads, E-Mail-Betreffzeilen
  • Dynamische FAQ- und Support-Inhalte

Hier ist OpenAI trotz Code Red weiterhin extrem stark – gerade für:

  • Tonalitäts-Anpassung an Ihre Marke
  • schnelle Iteration von Creatives (Copy, Hooks, Claims)
  • Erstellung von Rohtexten, die Sie redaktionell nachschärfen

4.3 KI-Assistenz im Vertrieb: Von ChatGPT-Experiment zu Sales-Playbook

Im B2B-Vertrieb sehe ich aktuell die größten Quick Wins:

  • Anruf- und Meeting-Zusammenfassungen automatisch dokumentieren
  • Einwände clustern und mit passenden Argumentationen verknĂĽpfen
  • Angebots- und E-Mail-EntwĂĽrfe im gewĂĽnschten Stil generieren
  • Pricing- und Paketvarianten durchspielen (inkl. Szenario-Rechnungen)

Wichtig ist, dass Sie unternehmensspezifische Wissensbasis aufbauen:

  • Produktdatenblätter, Preislisten, Service-Level-Agreements
  • Case Studies, Referenzen, Branchenlösungen
  • rechtlich geprĂĽfte Textbausteine

Ob über OpenAI, Gemini oder ein europäisches Modell: Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht im Modell, sondern in Ihren Daten und Prozessen.

4.4 GEO statt nur SEO: KI-Suchmaschinen mitdenken

Die im Ausgangsartikel erwähnte Verschiebung von SEO zu GEO („Generative Engine Optimization“) ist real. Für 2026/2027 sollten Sie davon ausgehen:

  • Ein signifikanter Anteil der Suchanfragen wird direkt in KI-Interfaces stattfinden (Gemini, ChatGPT, Copilot, Apple).
  • KI-Modelle bevorzugen klare, strukturierte, faktenreiche Inhalte.

Konkrete MaĂźnahmen:

  • Antworten Sie in Ihren Fachartikeln bewusst auf „People also ask“-Fragen (z.B. „Wie setze ich KI im B2B-Vertrieb rechtskonform ein?“).
  • Nutzen Sie klare Struktur: H2/H3, Listen, prägnante Ein-Satz-Erklärungen.
  • Bauen Sie statistische Aussagen und konkrete Zahlen ein, die als Snippet in KI-Antworten auftauchen können.

5. Wie Sie jetzt konkret vorgehen sollten – Fahrplan für 90 Tage

Der Code Red bei OpenAI ist ein gutes Signal, den eigenen KI-Status im Unternehmen zu checken. Statt auf den „perfekten“ Werbekanal zu warten, lohnt sich ein strukturierter 90-Tage-Plan.

Schritt 1 (Wochen 1–2): KI-Inventur und Use-Case-Auswahl

  • Welche Teams nutzen heute schon welche KI-Tools (ChatGPT, Gemini, Copilot)?
  • Wo stecken die größten Zeitfresser in Marketing & Vertrieb?
  • Welche 3–5 Use Cases haben klaren Business-Impact (Umsatz, Leads, Kosten)?

Ergebnis: Eine sortierte Liste mit Priorität, Aufwand, Risiko, Business-Potenzial.

Schritt 2 (Wochen 3–6): Zwei Pilotprojekte mit messbarem ROI

Empfohlene Kombination fĂĽr den deutschen Mittelstand:

  1. Pilot 1: KI-gestĂĽtztes Lead-Scoring und Lead-Nurturing

    • Ziel: Höhere Abschlussquote, weniger Vertriebslecks.
    • KPI: Conversion-Rate MQL → SQL / Deal.
  2. Pilot 2: Content-Automatisierung fĂĽr eine Kampagne

    • Ziel: Mehr Output bei gleichbleibenden Ressourcen.
    • KPI: Zeitersparnis in der Content-Produktion, Kampagnen-Performance (CTR, Leads).

Wichtig: Beide Piloten von Anfang an mit Datenschutz, IT und Legal abstimmen, insbesondere bei US-Tools.

Schritt 3 (Wochen 7–12): Skalierung & GEO-Strategie

  • Erfolgreiche Piloten auf weitere Teams und Märkte ausrollen.
  • GEO-fähigen Content-Standard definieren (Struktur, Daten, Tonalität).
  • FrĂĽhzeitig Tests mit KI-gestĂĽtzten Werbeformaten bei Google & Meta fahren.

Parallel können Sie OpenAI weiter intensiv im internen Stack nutzen – Content, Sales, Produkt – ohne sich auf ein unklares Ads-Produkt zu verlassen.


Ausblick: Die erste KI-Welle ist vorbei – jetzt beginnt der echte Wettbewerb

Der ursprüngliche Artikel endet mit einem treffenden Satz: „Die erste KI-Euphorie ist vorbei. Der Kampf beginnt jetzt.“ Aus Marketing- und Vertriebssicht würde ich das ergänzen:

Die Frage ist nicht, welches Modell gewinnt. Die Frage ist, welche Unternehmen KI konsequent in ihre Wertschöpfungskette einbauen – und welche im Testmodus steckenbleiben.

Für unsere Serie „KI für Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden“ heißt das: Wir konzentrieren uns auf die Dinge, die Sie selbst in der Hand haben – Prozesse, Daten, Content, Skills – und nicht auf das nächste Feature-Rennen im Silicon Valley.

Nutzen Sie den Moment, in dem selbst OpenAI auf „Substanz statt Feuerwerk“ umschaltet, für denselben Schritt in Ihrem Unternehmen. Wer 2026 im Lead- und Kundenmanagement vorne sein will, muss 2025 seine KI-Hausaufgaben machen.