CoCounsel Drafting verschiebt die Vertragsarbeit: weniger Copy & Paste, mehr Strategie. So nutzen österreichische RechtsanwÀlte KI produktiv und sicher.
CoCounsel Drafting: Was AnwÀlte wirklich sparen
AnwĂ€ltinnen und AnwĂ€lte verbringen im Schnitt 40â60 % ihrer Zeit mit dem Erstellen und Ăberarbeiten von VertrĂ€gen und SchriftsĂ€tzen. Und genau dort entsteht in Kanzleien und Rechtsabteilungen der meiste Frust â und der gröĂte ProduktivitĂ€tsverlust.
Mit CoCounsel Drafting bringt Thomson Reuters jetzt ein Werkzeug auf den Markt, das genau an dieser Stelle ansetzt: KI-gestĂŒtzte Vertragserstellung direkt in Microsoft Word, eingebettet in vertraute Inhalte wie Practical Law. FĂŒr österreichische RechtsanwĂ€lte im Bereich LegalTech ist das ein deutliches Signal: Die Phase des Experimentierens mit KI ist vorbei, es geht um konkrete Effizienzgewinne.
Dieser Beitrag zeigt, was CoCounsel Drafting kann, wie realistisch die versprochenen Zeitersparnisse sind, wo Risiken liegen â und wie Sie das Thema strategisch fĂŒr Ihre Kanzlei oder Rechtsabteilung in Ăsterreich nutzen.
Was CoCounsel Drafting konkret leistet
CoCounsel Drafting ist kein Spielzeug, sondern eine End-to-End-Lösung fĂŒr das Vertragsdokument direkt in Word. Die Kernidee: Die KI sitzt dort, wo Juristen ohnehin arbeiten, und greift strukturiert auf drei Wissensquellen zu:
- Ihre eigenen Vertragsdatenbanken
- Vorlagen und Klauselbibliotheken (z.B. Contract Express, SEC-Filings)
- Inhalte und Playbooks aus Practical Law
Damit lassen sich fĂŒnf Aufgabenbereiche abdecken, die heute noch viel Zeit kosten.
1. Den richtigen Startpunkt finden statt âCopy & Pasteâ
Statt wieder einmal eine alte Fassung aus dem Filesystem zu ziehen, kann CoCounsel Drafting:
- in der eigenen Vertragsbibliothek suchen,
- Contract-Express-Templates verwenden,
- oder Practical-Law-Standarddokumente vorschlagen.
Die KI hilft, den passenden Vertragstyp und die passende Version auszuwĂ€hlen â etwa: âdeutscher Liefervertrag B2B, langjĂ€hrige Lieferbeziehung, Herstellerperspektiveâ. Der Unterschied zur klassischen Vorlagenverwaltung: Sie suchen nicht mehr in Ordnern, sondern geben in natĂŒrlicher Sprache ein, was Sie brauchen.
2. BewÀhrte Klauseln treffsicher finden
Die Suche nach âdieser einen Klausel, die wir vor zwei Jahren fĂŒr Mandant X formuliert habenâ kostet oft 20â30 Minuten. CoCounsel Drafting durchsucht Klauselbibliotheken und:
- eigene VertrÀge,
- SEC-Exhibits,
- Practical-Law-Klauselsammlungen.
Sie können gezielt anfragen, etwa: âHaftungsbeschrĂ€nkung auf den vorhersehbaren Schaden, geeignet fĂŒr IT-Projektvertrag zugunsten des Auftragnehmersâ. Die KI liefert passende Klauselvarianten, die Sie juristisch prĂŒfen und anpassen.
3. Klauseln formulieren und ĂŒberarbeiten
Der gröĂte Hebel liegt in der sprachlichen Ausgestaltung. Typische Aufgaben:
- umgangssprachliche Vorgaben des Mandanten in saubere Vertragsklauseln ĂŒberfĂŒhren,
- bestehende Klauseln sprachlich straffen,
- Alternativformulierungen (mandantenfreundlich / neutral / gegnerfreundlich) erzeugen.
Sie geben z.B. ein: âFormuliere diese Klausel klarer, aber mit unverĂ€ndert strenger Haftungsbegrenzungâ â die KI schlĂ€gt eine sauber strukturierte Version vor. Basis sind dabei sowohl Ihre Texte als auch das kuratierte Material aus Practical Law.
4. VertrĂ€ge gegen Playbooks prĂŒfen
Spannend fĂŒr gröĂere Kanzleien und Rechtsabteilungen sind automatisierte Abweichungsanalysen:
- Vergleich eines Drittvertrags mit einem vordefinierten Playbook,
- Hervorhebung von fehlenden Klauseln,
- Kennzeichnung von Abweichungen vom Standard,
- automatisierte VorschlĂ€ge fĂŒr Redlines.
Gerade bei wiederkehrenden Vertragsarten (z.B. NDAs, Standard-LiefervertrÀge, SaaS-AGB) lÀsst sich so die Bearbeitungszeit pro Dokument massiv senken, ohne den Blick auf Risiken zu verlieren.
5. Typische Fehler und Unsauberkeiten ausmerzen
CoCounsel Drafting prĂŒft VertrĂ€ge zudem auf formale und inhaltliche Konsistenz:
- definierte Begriffe ohne Definition,
- widersprĂŒchliche Klauseln,
- Nummerierungs- und Verweisfehler,
- sprachliche Unklarheiten.
Statt eine Stunde lang âFehlerputzâ zu machen, gehen Sie die KI-Hinweise einmal konzentriert durch â und behalten Ihre Zeit fĂŒr die wirklich heiklen Punkte.
Wie viel Zeit lÀsst sich realistisch sparen?
Die von Thomson Reuters zitierten Pilotkunden berichten von 1â2 Stunden Ersparnis pro Vorgang und einer Halbierung der Durchlaufzeit (z.B. von 3â4 auf 1â2 Werktage). Das wirkt zunĂ€chst ambitioniert, ist aber â richtig eingesetzt â durchaus erreichbar.
FĂŒr eine typische österreichische Kanzlei oder Rechtsabteilung lohnt es sich, nĂŒchtern zu rechnen.
Beispielrechnung fĂŒr eine mittelgroĂe Kanzlei
Nehmen wir an:
- 15 BerufstrÀger
- Ă 10 Vertragsmandate pro Anwalt und Monat, bei denen intensiv entworfen wird
- durchschnittliche Zeit pro Vertrag bisher: 4 Stunden
Wenn CoCounsel Drafting im Schnitt 1 Stunde pro Vorgang einspart, ergibt sich:
- 10 VertrÀge à 1 Stunde à 15 AnwÀlte = 150 Stunden pro Monat
- Bei einem internen Stundensatz von 120 EUR: 18.000 EUR monatliches ProduktivitĂ€tsÂpotenzial
Selbst wenn Sie nur die HĂ€lfte davon realisieren, bleibt ein relevanter wirtschaftlicher Effekt â sei es in Form zusĂ€tzlicher abrechenbarer Stunden oder höherer Marge bei Pauschalhonoraren.
Wo die gröĂten Hebel liegen
Aus meiner Sicht bringen drei Einsatzszenarien den schnellsten ROI:
- StandardvertrÀge mit hohem Volumen (NDA, Liefer- und DienstleistungsvertrÀge, SaaS, AGB)
- ErstentwĂŒrfe und Mandanten-âWunschlistenâ strukturiert in belastbare Klauseln ĂŒberfĂŒhren
- Playbook-gestĂŒtzte PrĂŒfung von GegenentwĂŒrfen in wiederkehrenden Verhandlungssituationen
Gerade österreichische Rechtsabteilungen, die mit knappen Ressourcen und hohen Durchlaufanforderungen kĂ€mpfen, können hier sehr schnell spĂŒrbare Verbesserungen erreichen.
Chancen und Risiken fĂŒr österreichische RechtsanwĂ€lte
Wer KI in der österreichischen Anwalts- und Unternehmenspraxis einsetzt, muss Chancen und Risiken sauber abwĂ€gen â rechtlich, organisatorisch und reputationsbezogen.
Chancen: Effizienz, QualitÀt, AttraktivitÀt als Arbeitgeber
1. Messbare Effizienzgewinne
Weniger monotoner Vertragstext, mehr Zeit fĂŒr Strategie, Verhandlung und Beratung. Gerade in Festhonorarâ und Flatrate-Modellen steigt die Marge deutlich.
2. Stabilere QualitÀt bei RoutinetÀtigkeiten
Mit sauber gepflegten Templates und Playbooks können Sie eine konsistent hohe StandardqualitÀt absichern. Fehlerquellen wie Copy-&-Paste aus falschen Rechtsordnungen oder veraltete Klauseln lassen sich reduzieren.
3. Wettbewerbsvorteil im Kanzleimarketing
Mandanten â insbesondere internationale Unternehmen â erwarten 2025 zunehmend, dass ihre Berater LegalTech und Generative AI sinnvoll einsetzen. Wer zeigen kann, wie man VertrĂ€ge schneller und klarer liefert, punktet im Pitch.
4. Talentgewinnung
JĂŒngere Juristinnen und Juristen wollen nicht mehr tagelang Copy-&-Paste in Word betreiben. Eine moderne, KI-gestĂŒtzte Vertragsarbeit macht Ihre Kanzlei als Arbeitgeber deutlich attraktiver.
Risiken: Haftung, Datenschutz, FehleinschÀtzung der FÀhigkeiten
1. Haftungsfallen durch unkritische Ăbernahme
Generative KI ist kein Ersatz fĂŒr juristische PrĂŒfung. Wer Vertragsklauseln âblindâ ĂŒbernimmt, riskiert Fehlanwendungen, zumal CoCounsel Drafting zunĂ€chst stark auf Common-Law-Material (inkl. Practical Law) aufbaut. FĂŒr österreichisches Zivilrecht braucht es stets einen kritischen Blick.
2. Vertraulichkeit und DSGVO
Vor jeder EinfĂŒhrung sind Fragen zu
- Datenverarbeitung,
- Hosting-Standort,
- VerschlĂŒsselung,
- AuftragsverarbeitungsvertrÀgen
zu klĂ€ren. FĂŒr österreichische RechtsanwĂ€lte kommt zusĂ€tzlich die Verschwiegenheitspflicht nach RAO ins Spiel. Interne Richtlinien mĂŒssen klar regeln, welche Dokumente die KI sehen darf und welche nicht.
3. ĂberschĂ€tzung der KI-Kompetenz
CoCounsel kann âsubstantive legal tasksâ unterstĂŒtzen, ersetzt aber kein österreichisches Rechtsgutachten. Marketingformulierungen wie âsuperhuman speedsâ darf man nicht mit âsuperhuman judgmentâ verwechseln.
So integrieren Sie CoCounsel Drafting sinnvoll in Ihre Praxis
Der Unterschied zwischen âwir haben auch irgendetwas mit KIâ und echtem Mehrwert liegt im Implementierungsplan. Wer das Thema strukturiert angeht, reduziert Risiken und steigert die Akzeptanz im Team.
1. Geeignete Use Cases auswÀhlen
Starten Sie nicht mit dem komplexesten M&A-Share-Purchase-Agreement, sondern mit klar standardisierbaren Situationen:
- Geheimhaltungsvereinbarungen (NDA)
- Standard-Liefer- oder DienstleistungsvertrÀge
- wiederkehrende konzerninterne Vereinbarungen
Definieren Sie 2â3 konkrete AnwendungsfĂ€lle mit hohem Volumen und ĂŒberschaubarem Risiko. Dort können Sie die ProduktivitĂ€tseffekte gut messen.
2. Eigene Templates und Playbooks aufbereiten
CoCounsel Drafting ist nur so gut wie die Inhalte, die Sie einspeisen. Mindestens nötig sind:
- geprĂŒfte MustervertrĂ€ge fĂŒr die wichtigsten Vertragsarten,
- strukturierte Klauselbibliotheken (z.B. Haftung, GewÀhrleistung, Gerichtsstand, Rechtswahl),
- klar definierte Playbooks mit ârote Linieâ-Positionen.
Gerade fĂŒr österreichisches Recht lohnt sich eine einmalige, saubere Aufbereitung massiv â sonst arbeitet die KI zu stark mit anglo-amerikanischen Standards.
3. Schulung: Technik, aber vor allem Methodik
Die Bedienung in Word ist schnell gelernt. Entscheidend ist ein gemeinsames VerstÀndnis im Team:
- Welche Aufgaben ĂŒbernimmt CoCounsel, welche bleiben menschlich?
- Wie dokumentieren wir Anpassungen und Abweichungen?
- Wer trĂ€gt Verantwortung fĂŒr die Endfassung?
Ich empfehle, fĂŒr jeden Fachbereich einen âLegalTech-Championâ zu benennen, der Best Practices sammelt und kollegial weitergibt.
4. Governance und QualitÀtskontrolle
Ohne Regeln wird aus LegalTech schnell Legal-Roulette. Sinnvolle MaĂnahmen:
- Leitlinien zur Nutzung (z.B. Vertraulichkeitsstufen, Freigabeschwellen)
- stichprobenartige QualitÀtskontrollen durch Senior-AnwÀlte
- klares Verbot, KI-Ausgaben ungeprĂŒft an Mandanten weiterzuleiten
So bleibt die Verantwortung dort, wo sie hingehört: bei den RechtsanwÀltinnen und RechtsanwÀlten.
Was die EinfĂŒhrung von CoCounsel fĂŒr LegalTech in Ăsterreich bedeutet
Tools wie CoCounsel Drafting stehen fĂŒr einen Trend, der auch den österreichischen Markt in den nĂ€chsten 12â24 Monaten deutlich prĂ€gen wird:
- Mandanten fragen aktiv nach KI-gestĂŒtzter Vertragsarbeit.
- Internationale Konzerne erwarten vergleichbare Effizienzstandards in allen Jurisdiktionen.
- Kanzleien ohne klare LegalTech-Strategie geraten bei Preis und Geschwindigkeit ins Hintertreffen.
CoCounsel Drafting ist dabei nur ein Baustein. Weitere Bausteine einer modernen, KI-gestĂŒtzten Kanzlei sind etwa:
- KI-gestĂŒtzte Recherche in Kommentaren und Datenbanken,
- automatisierte Dokumentenanalyse im Litigation-Bereich,
- Workflow-Tools fĂŒr Fristen, Aufgaben und Freigaben.
Wer das Thema ganzheitlich angeht, kann sein GeschÀftsmodell gezielt weiterentwickeln: weniger abrechenbare Zeit mit Routinearbeiten, mehr wertschöpfende Beratung, Projektsteuerung und Streitvermeidung.
FĂŒr österreichische RechtsanwĂ€lte heiĂt das im Dezember 2025: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um konkret zu planen, nicht mehr nur zu diskutieren.
Fazit: KI in der Vertragsarbeit â vom Buzzword zur Pflichtaufgabe
CoCounsel Drafting zeigt sehr klar, wohin sich die Vertragsarbeit bewegt: Standardisierbare TĂ€tigkeiten werden von spezialisierter KI unterstĂŒtzt, Juristinnen und Juristen konzentrieren sich stĂ€rker auf Strategie, Verhandlung und RisikoabwĂ€gung.
FĂŒr Kanzleien und Rechtsabteilungen in Ăsterreich eröffnen sich damit echte wirtschaftliche Chancen â aber nur, wenn sie
- geeignete Use Cases identifizieren,
- eigene Inhalte (Templates, Playbooks) professionell aufbereiten,
- klare Governance-Regeln schaffen,
- und die Verantwortung fĂŒr die QualitĂ€t nicht an die Technik abgeben.
Wer 2026 noch ausschlieĂlich mit klassischem Copy-&-Paste in Word arbeitet, wird im Wettbewerb spĂŒrbar unter Druck geraten. Wer KI-gestĂŒtztes Contract Drafting jetzt strukturiert einfĂŒhrt, verschafft sich einen Vorsprung â in Effizienz, QualitĂ€t und AttraktivitĂ€t fĂŒr Mandanten und Talente.
Wenn Sie ĂŒberlegen, wie Sie CoCounsel Drafting oder Ă€hnliche KI-Tools sinnvoll in Ihrer österreichischen Kanzlei oder Rechtsabteilung einsetzen können, dann ist der nĂ€chste logische Schritt: Use Cases definieren, Pilotprojekt planen, echte Zahlen messen â und daraus Ihre LegalTech-Strategie ableiten.