Was AWS & Google fĂŒr KI-Marketing-Teams wirklich Ă€ndern

KI fĂŒr Marketing & Vertrieb: Der deutsche Leitfaden‱‱By 3L3C

Trainium3, AWS–Google-Multicloud & Co: Was die aktuellen Tech-News konkret fĂŒr KI-Projekte in Marketing und Vertrieb in Deutschland bedeuten – inkl. Praxisempfehlungen.

KI im MarketingCloud-InfrastrukturAWSGoogle CloudMulticloudVertrieb digitalPersonalisierung
Share:

Was AWS & Google fĂŒr KI-Marketing-Teams wirklich Ă€ndern

Amazon spricht von bis zu vierfacher KI-Performance bei 40 % weniger Stromverbrauch. Parallel dazu schließen AWS und Google Cloud einen Pakt, der Multicloud-Nutzung massiv vereinfachen soll. FĂŒr Technikblogs ist das eine nette Meldung – fĂŒr Marketing- und Vertriebsentscheider ist es ein strategisches Signal.

Die Botschaft: KI wird schneller, gĂŒnstiger und verlĂ€sslicher – und damit zu einem normalen Produktionsfaktor. Wer heute Kampagnen plant, Sales-Prozesse aufsetzt oder Customer Journeys designt, muss diese Entwicklung einpreisen. Sonst kalkuliert man 2026 mit den Kosten und EinschrĂ€nkungen von 2023.

In diesem Beitrag geht es darum, was hinter Trainium3, der AWS–Google-Multicloud-Kooperation und ein paar weiteren Tech-News steckt – und wie Sie das fĂŒr Marketing & Vertrieb in Deutschland konkret nutzen können.


1. Was Amazons Trainium3 fĂŒr KI im Marketing bedeutet

Trainium3 ist Amazons Signal: KI-Training wird skalierbarer und kostengĂŒnstiger – auch fĂŒr Unternehmensanwendungen außerhalb des Silicon Valley.

Technische Eckdaten in Klartext

AWS beschreibt Trainium3 so:

  • 3‑nm-Chip, speziell fĂŒrs Training von KI-Modellen
  • Vierfache Leistung gegenĂŒber der VorgĂ€nger-Generation
  • Gleichzeitig rund 40 % weniger Stromverbrauch
  • Bereits in ersten Rechenzentren im Einsatz, ab sofort fĂŒr Kunden buchbar

Dazu kommt: KĂŒnftig setzt AWS fĂŒr KI-Cluster verstĂ€rkt auf Nvidias NVLink Fusion, also sehr schnelle Verbindungen zwischen vielen Chips. Das klingt nach Rechenzentrumsporn – ist aber geschĂ€ftsrelevant.

Warum das Ihre KI-Kostenkurve verschiebt

FĂŒr Marketing- und Vertriebsteams heißt das nicht: „Wir mĂŒssen jetzt Hardware vergleichen.“ Der Punkt ist ein anderer: Die Grenzkosten zusĂ€tzlicher KI-Leistung sinken.

Das wirkt sich an drei Stellen aus:

  1. Mehr Experimente werden wirtschaftlich
    Wenn TrainingslĂ€ufe und Fine-Tuning gĂŒnstiger werden, lohnt es sich eher, eigene Modelle zu testen:

    • ein deutsches Sprachmodell mit nur Ihren Produkt- und Supportdaten
    • ein Recommendation-Modell fĂŒr personalisierte Angebote
    • ein klassifizierendes Modell, das Leads automatisch nach Abschlusswahrscheinlichkeit scored
  2. Feinere Zielgruppensegmente werden praktikabel
    Statt nur 4–5 Buyer Personas können Sie Modelle trainieren, die Dutzende Mikrosegnmente erkennen und gezielt bespielen – ohne dass das Training Ihr Budget sprengt.

  3. Always-on-Optimierung wird Standard
    KI-gestĂŒtzte Kampagnenoptimierung (Kreativvarianten, Bidding, Platzierungen) wird nicht mehr als „teures Spezialprojekt“ gesehen, sondern als laufender Prozess.

Entscheidend ist: Sinkende Trainingskosten verschieben die Diskussion von „ob“ zu „wie konsequent“ Sie KI in Ihre Marketing- und Vertriebsprozesse integrieren.

Was Sie jetzt konkret tun können

Wenn Sie mit AWS arbeiten oder es in Betracht ziehen, lohnt sich eine klare Roadmap:

  • Use Cases priorisieren:

    • Lead-Scoring
    • Next-Best-Action im Vertrieb
    • Personalisierte Produktempfehlungen im E‑Commerce
    • Automatisierte Text- und Banner-Varianten mit Performance-Feedback
  • Entscheiden: Feintuning vs. Plug-and-Play
    Nicht jedes Unternehmen braucht ein komplett eigenes Modell. Oft reicht:

    • ein großer Basis-LLM als Service
    • Feintuning auf eigene Daten (z.B. FAQs, Produktkataloge, Sales-Mails)
  • Technik mit Fachbereichen koppeln
    Setzen Sie frĂŒh ein Tandem aus Marketing/Sales und IT/Data auf. Der IT-Bereich bucht die richtigen Ressourcen (z.B. Trainium3-Instanzen), die Fachseite definiert, welche Kennzahlen wirklich zĂ€hlen (z.B. SQL-Quote, Warenkorbhöhe, Churn-Rate).


2. AWS + Google Cloud: Multicloud als Versicherung fĂŒr KI-getriebene UmsĂ€tze

Die Kooperation von AWS und Google Cloud fĂŒr eine vereinfachte Multicloud-Infrastruktur ist eine direkte Antwort auf jĂŒngste Cloud-AusfĂ€lle – und eine Chance fĂŒr robustere KI-Workflows im Marketing.

Bisher war es fĂŒr Unternehmen zwar möglich, beide Clouds zu nutzen – aber nur mit erheblichem eigenen Aufwand bei Netzwerk, Sicherheit und Datenabgleich. Genau diese HĂŒrde soll nun fallen.

Was sich technisch Ă€ndert – und warum das fĂŒr Sie zĂ€hlt

Die zwei wichtigsten Punkte:

  • Gemeinsame, vereinfachte Netzwerklösung
    Unternehmen können Services beider Anbieter parallel nutzen, ohne selbst komplizierte Verbindungen aufzubauen.

  • Höhere Ausfallsicherheit durch Redundanz
    FĂ€llt ein Cloud-Anbieter temporĂ€r aus, kann ein Teil der kritischen Workloads ĂŒber den anderen laufen – Stichwort Business Continuity.

FĂŒr KI im Marketing und Vertrieb heißt das:

  • Sie können z.B. Datenspeicher und Kampagnen-Backend in AWS betreiben, aber Analytics oder bestimmte KI-Modelle bei Google laufen lassen – oder umgekehrt.
  • Sie reduzieren das Risiko, dass zentrale Funktionen wie Chatbots, Recommendation Engines oder Lead-Routing stundenlang ausfallen, weil ein Anbieter Probleme hat.

Typische KI-Multicloud-Szenarien fĂŒr Marketing & Vertrieb

Ein paar realistische Setups, die ich fĂŒr 2026 hĂ€ufig sehen werde:

  1. Performance-Marketing mit doppelter Absicherung

    • Tracking- und Attribution-Modelle laufen gespiegelt in zwei Clouds.
    • FĂ€llt einer der Dienste aus, ist nur ein Teil der Rechenpower weg – die Kampagnen bleiben messbar.
  2. Kundensupport & Sales-Chatbots mit Fallback-Modell

    • Haupt-KI lĂ€uft z.B. als Managed Service in Cloud A.
    • Eine einfachere, aber solide Backup-KI liegt in Cloud B und kann automatisch ĂŒbernehmen.
  3. Datenhoheit + Innovation

    • Sensible Kundendaten liegen in einer streng kontrollierten Umgebung (z.B. EU‑Region bei Anbieter X).
    • Experimentelle KI-Features (z.B. Generierung von Creatives) nutzen spezialisierte Dienste des anderen Anbieters – mit anonymisierten Daten.

Handlungsempfehlungen fĂŒr deutsche Unternehmen

  • Cloud-Strategie aktualisieren: Wenn in Ihren KI-Roadmaps bisher „Single Cloud“ gesetzt war, sollten Sie Multicloud jetzt zumindest strategisch prĂŒfen – gerade fĂŒr kritische Umsatzprozesse.
  • Ausfall-Risiko konkret bewerten: Welche KI-basierten Prozesse wĂŒrden bei einem Cloud-Ausfall direkt Umsatz kosten? Beispiele:
    • Bestell- und Abo-Prozesse
    • Lead-Erfassung im B2B
    • Support-Chatbots mit Upselling-Funktion
  • Architektur skizzieren, bevor Projekte starten: Auch wenn Sie 2025/26 nur mit einem Anbieter starten, macht es Sinn, die Architektur so zu planen, dass ein spĂ€terer Multicloud-Schritt kein Totalschaden wird.

3. „Tiny Bookshop“ & Cozy Games: Was Marketer davon lernen können

„Tiny Bookshop“ wurde als bestes deutsches Videospiel 2025 ausgezeichnet – unter anderem, weil es Spieler dazu zwingt, ihre Kundschaft wirklich zu verstehen. Genau das wĂŒnschen sich Ihre KĂ€ufer auch.

Das Spielprinzip ist simpel: Man betreibt einen mobilen BĂŒcherwagen, lernt Kund:innen kennen, empfiehlt passende BĂŒcher und gestaltet eine gemĂŒtliche Umgebung. Über 300.000 verkaufte Exemplare in vier Wochen zeigen, wie stark das Konzept „Cozy Game + KundenverstĂ€ndnis“ zieht.

Warum diese Mechanik 1:1 auf KI-Marketing ĂŒbertragbar ist

Im Kern macht „Tiny Bookshop“ drei Dinge, die auch fĂŒr Ihre KI-Strategie gelten:

  1. Kundenbeobachtung statt reine Statistik
    Das Spiel fordert dazu auf, sich mit einzelnen Charakteren zu beschĂ€ftigen. Im Marketing entspricht das der Abkehr von rein abstrakten Zielgruppen – hin zu feingranularen Profilen, die KI aus echten Verhaltensdaten ableitet.

  2. Kontextbasierte Empfehlung
    Nicht jedes Buch passt zu jeder Person. Genauso wenig passt jede Botschaft zu jedem Lead. Algorithmen fĂŒr Next-Best-Offer oder Content-Personalisierung verfolgen genau dieses Prinzip – nur skaliert.

  3. AtmosphÀre zÀhlt
    Im Spiel ist Deko kein Gimmick, sondern Teil des Spielerlebnisses. Übertragen heißt das: Markenerlebnis und TonalitĂ€t sind genauso wichtig wie das „richtige“ Angebot. KI kann beides unterstĂŒtzen – aber sie ĂŒbernimmt nicht die MarkenfĂŒhrung.

Was heißt das praktisch fĂŒr KI in Marketing & Vertrieb?

  • Training mit echten Customer Journeys
    Nutzen Sie nicht nur demografische Daten, sondern reale Journey-Daten (Kanalfolgen, Klickpfade, Kontaktpunkte) fĂŒr Segmentierung und Empfehlung.

  • KI-gestĂŒtzte Beratung statt plumper Personalisierung
    Zielbild: Ein System, das Kunden so gut „kennt“, dass es wie ein guter BuchhĂ€ndler agiert – nicht wie ein aggressives Remarketing-Banner.

  • Storytelling nicht der Maschine ĂŒberlassen
    KI kann Ihnen Varianten, TonalitĂ€tsvorschlĂ€ge und Visual-Ideen liefern. Aber: Narrativ, Werte und Markenversprechen mĂŒssen klar von Menschen kommen.


4. Recht, Vertrauen und Daten – was die Amazon-Prime-Video-Klage signalisiert

Die 1,8‑Milliarden‑Klage der Verbraucherzentrale Sachsen gegen Amazon wegen Werbung in Prime Video ist ein Warnsignal: Deutsche Verbraucher achten genau darauf, ob Änderungen „einfach so“ passieren. Das gilt erst recht bei KI-Anwendungen.

Amazon hatte 2024 Werbeunterbrechungen standardmĂ€ĂŸig eingefĂŒhrt und verlangt seitdem einen Aufpreis, wenn Kund:innen werbefrei streamen möchten. Die VerbraucherschĂŒtzer argumentieren, diese Art der „Preiserhöhung per Info-Mail“ sei nicht rechtens.

Relevanz fĂŒr KI-basierte Services?

Wenn Sie in Marketing und Vertrieb KI-gestĂŒtzte Personalisierung, dynamische Preise oder automatisierte Empfehlungen einfĂŒhren, stellen sich Ă€hnliche Fragen:

  • Wie klar kommunizieren Sie Änderungen?
    Beispiel: Werden Daten plötzlich stĂ€rker fĂŒr Profiling genutzt, weil ein neues KI-System live ist?

  • Gibt es echte Wahlmöglichkeiten?
    Sind Cookie- oder Tracking-Einwilligungen sauber getrennt und verstĂ€ndlich? Kann jemand „nein“ sagen, ohne das komplette Angebot zu verlieren?

  • Wie transparent ist der Mehrwert?
    Wenn KI-basierte Services Zusatzkosten nach sich ziehen, muss der Vorteil klar und spĂŒrbar sein.

Mein Rat: Behandeln Sie Einwilligungen und Transparenz rund um KI wie ein Produktfeature, nicht wie lĂ€stige Compliance. Wer das ernst nimmt, baut Vertrauen auf und gewinnt mittelfristig mehr Datenbasis als der „Grauzonen-Wettbewerb“.


5. Technologietrends, die Ihre KI-Roadmap beschleunigen oder ausbremsen

Neben den großen Schlagzeilen gab es noch einige Meldungen, die fĂŒr Ihre Planung relevant sind.

Hybride Prozessoren: Mehr Leistung fĂŒrs Gleiche Budget

Prozessoren mit Performance- (P) und Effizienz-Kernen (E) setzen sich auch im PC- und Notebook-Markt durch. FĂŒr Sie heißt das schlicht:

  • Mehr KI-Power auf Standard-Hardware (Sales-Laptops, Marketing-Workstations)
  • Lokale Modelle (z.B. kleinere Sprachmodelle fĂŒr vertrauliche Daten) werden realistischer.

Je mehr Ihre Teams lokal ausfĂŒhren können, desto besser können Sie sensiblere Use Cases testen, ohne sofort in die Cloud zu mĂŒssen.

Sicherheit & Compliance: Android-Patches, Schufa-Transparenz, ePA-Kritik

Mehrere Meldungen drehen sich um Sicherheit und Datenkontrolle – vom Patchday fĂŒr Android ĂŒber die ab 03/2026 einsehbaren Schufa-Scores bis zur Kritik an der E‑Patientenakte.

Aus Marketing- und Vertriebssicht kann man das so lesen:

  • Security ist kein IT-Nebenthema mehr. Wenn Sie Kundendaten fĂŒr KI auswerten, mĂŒssen Updates, Patches und Zugriffskonzepte sitzen – sonst kippt das Vertrauen schneller, als jede Kampagne wirken kann.
  • Transparenzanforderungen steigen. So wie der Schufa-Score einsehbar wird, werden Kunden auch bei KI-basierten Entscheidungen (Scoring, Pricing, Angebotseinblendung) mehr Einblick erwarten.

6. Was Sie bis Ende 2026 konkret aufbauen sollten

Die nĂ€chsten zwei Jahre entscheiden, ob KI in Ihrem Unternehmen eine nette Spielerei oder ein echter Umsatztreiber wird. Die Infrastruktur-VorstĂ¶ĂŸe von AWS, Google & Co. nehmen Ihnen viele technische HĂŒrden – die Strategie-Arbeit bleibt bei Ihnen.

Aus meiner Sicht sollten Marketing- und Vertriebsorganisationen in Deutschland bis Ende 2026 vier Dinge erreicht haben:

  1. Klar definierte KI-Use-Case-Landkarte
    Mindestens 5–10 priorisierte Use Cases mit grobem Business Case, z.B.:

    • +15 % Conversion im Online-Shop durch Personalisierung
    • −20 % Churn-Rate durch KI-basiertes Risk-Scoring
    • +30 % Effizienz im Inside-Sales durch automatisierte Vorqualifizierung
  2. Datengrundlage fĂŒr Training und Feintuning
    AufgerÀumte, rechtssicher nutzbare DatenbestÀnde, z.B.:

    • saubere CRM-Daten mit dokumentierten Einwilligungen
    • strukturierte Kampagnendaten (KanĂ€le, Creatives, KPIs)
    • Support- und Sales-Kommunikation in auswertbarer Form
  3. Architektur, die Multicloud nicht verbaut
    Selbst wenn Sie noch Single-Cloud sind: Trennen Sie wo möglich

    • Datenhaltung
    • Modell-Services
    • Applikationen / Frontends Damit halten Sie sich die Option offen, kritische Komponenten spĂ€ter zu verteilen.
  4. Governance fĂŒr KI im Marketing & Vertrieb
    Dazu gehören:

    • interne Leitplanken fĂŒr den Einsatz von generativer KI
    • Freigabeprozesse fĂŒr KI-generierte Inhalte
    • Richtlinien fĂŒr Transparenz gegenĂŒber Kund:innen

Wer diese Hausaufgaben macht, kann die neuen Chips, Multicloud-Angebote und Tools proaktiv nutzen – statt 2027 hektisch aufzuholen, wenn der Wettbewerb lĂ€ngst KI-gestĂŒtzte Kundenerlebnisse als Standard anbietet.


Wenn Sie Ihre KI-Roadmap in Marketing und Vertrieb strukturieren wollen, starten Sie mit einer einfachen Frage: Welche drei Prozesse wĂŒrden Ihrem Umsatz am meisten helfen, wenn sie smarter, schneller oder persönlicher wĂ€ren? Genau dort lohnt sich der Einstieg – die Infrastruktur dafĂŒr wĂ€chst gerade schneller mit, als viele denken.