Zwei Tage 3D-Druck-Praxis in Stuttgart: Das Anwenderforum Additive Produktionstechnologie 2025 zeigt, wie Unternehmen additive Fertigung wirklich in die Produktion bringen.

Anwenderforum Additive Produktionstechnologie 2025
Am 09. und 10.04.2025 wird Stuttgart wieder zum Treffpunkt der 3D-Druck-Szene: Beim Anwenderforum Additive Produktionstechnologie diskutieren Industrie, Forschung und Maschinenhersteller, wie additive Fertigung in der Praxis funktioniert – und zwar nicht im Labor, sondern in der Produktion.
Warum ist das spannend? Weil genau dort gerade der Kampf um Effizienz, Individualisierung und CO₂-Reduktion entschieden wird. Wer additive Fertigung nur als „Prototyping-Spielwiese“ sieht, verliert in den nächsten Jahren massiv Wettbewerbsfähigkeit – besonders in der deutschen Automobilindustrie.
Dieser Beitrag zeigt, was das Anwenderforum am Fraunhofer IPA so interessant macht, welche Themen 2025 im Fokus stehen und wie Unternehmen – speziell aus Automotive, Maschinenbau und Luft- und Raumfahrt – das Event strategisch für sich nutzen können.
Warum das Anwenderforum fĂĽr Industrieunternehmen jetzt relevant ist
Das Anwenderforum Additive Produktionstechnologie ist kein klassischer Kongress mit Frontalvorträgen, die man nach zwei Tagen wieder vergisst. Es ist eine Praxisplattform, auf der sich drei Gruppen treffen:
- Anwender aus Industrie und Mittelstand
- Forscherinnen und Forscher u. a. vom Fraunhofer IPA, IAO, IGB, DLR und der Universität Stuttgart
- Hersteller von 3D-Druck-Systemen und Peripherie
Gerade 2025 ist der Zeitpunkt gĂĽnstig:
- Die Automobilindustrie steht mitten im Umbau zu E-Mobilität, Software-defined Vehicle und KI-gestützter Produktion.
- Lieferketten bleiben fragil – lokal gedruckte Bauteile reduzieren Risiko und Lagerkosten.
- Individuelle Produkte, kleine Serien und Ersatzteile „on demand“ werden wirtschaftlich interessanter als starre Großserie.
Das Besondere am Forum: Es verbindet Technologie-Deep-Dive (Material, Prozesse, Pre- und Post-Processing) mit konkreten Anwendungsfällen (Straße, Schiene, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik). Genau diese Brücke fehlt in vielen Unternehmen intern: Die einen denken in F&E, die anderen in Taktzeiten und OEE – hier sitzen sie am gleichen Tisch.
Aufbau des Forums: Zwei Tage, zwei Perspektiven
Der Kern des Events sind zwei klar getrennte, aber inhaltlich verzahnte Tage: technologieorientiert und anwendungsorientiert.
Tag 1: Technologien, Materialien und Prozessketten
Am ersten Tag geht es um die Frage: Was ist heute technisch möglich – und wie bekommen wir das in robuste Prozesse?
Die Sessions drehen sich vor allem um:
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Additive Fertigung mit Metall
Typische Themen sind Pulverbettverfahren (z. B. Laser Powder Bed Fusion), Binder-Jetting oder DED-Verfahren. Gerade für Automotive-Zulieferer und den Maschinenbau ist relevant:- Welche Legierungen sind serienfähig?
- Wie sehen realistische Toleranzen und Oberflächen aus?
- Wo liegen aktuell noch Limitierungen in Bauraum, Geschwindigkeit und Qualitätssicherung?
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Additive Fertigung mit Kunststoffen
Von FDM und SLS bis hin zu Hochleistungspolymeren und Verbundwerkstoffen. Spannend für Unternehmen, die Werkzeuge, Vorrichtungen, Gehäuse oder Funktionsbauteile drucken wollen. -
Pre- und Post-Processing
Genau hier entscheidet sich, ob ein Business Case aufgeht. Viele Unternehmen scheitern nicht am Druckprozess, sondern an:- aufwändiger Stützstrukturentfernung
- unklaren Reinigungs- und Oberflächenprozessen
- fehlender Automatisierung beim Handling
- Qualitätssicherung und Dokumentation
Auf Tag 1 werden Keynotes von ausgewählten Referenten eingebettet, die Erfahrungen aus der Praxis teilen – etwa aus Serienfertigung, Werkzeugbau oder der Zertifizierung sicherheitsrelevanter Bauteile.
Wer additive Fertigung ernsthaft in die Produktion bringen möchte, muss Pre- und Post-Processing genauso strategisch planen wie den Druckprozess selbst.
Tag 2: Anwendungen in Mobilität, Luft- und Raumfahrt und personalisierten Produkten
Der zweite Tag liefert Antworten auf die Frage: Wo bringt 3D-Druck heute konkret Mehrwert im Produkt und Geschäftsmodell?
Die Sessions decken insbesondere folgende Schwerpunkte ab:
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Mobilität Straße und Schiene
FĂĽr die deutsche Automobilindustrie ist das der spannendste Block. Typische Use Cases:- Leichtbaukomponenten zur Gewichtseinsparung
- Funktionsintegration (z. B. Strömungsführung, Kühlkanäle, Sensorintegration)
- Ersatzteilfertigung für Bestandsfahrzeuge und Schienenfahrzeuge „on demand“
- Werkzeuge und Vorrichtungen fĂĽr flexible Produktionslinien
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Personalisierte Produkte
Von Medizintechnik (patientenspezifische Implantate, Orthesen) über Sport- und Lifestyle-Produkte bis hin zu ergonomisch optimierten Bedienkonzepten in Fahrzeugen. 3D-Druck spielt seine Stärken aus, wenn jedes Teil leicht anders sein darf – ohne dass die Prozesskette komplett zusammenbricht. -
Luft- und Raumfahrt
In kaum einer Branche ist der Druck, Gewicht zu reduzieren und Bauteile funktionsoptimal zu gestalten, so hoch. Additive Fertigung ermöglicht hier:- komplexe Topologieoptimierungen
- Bauteil-Integrationen (aus fĂĽnf Teilen wird ein Bauteil)
- neue Kühl- und Strömungskonzepte für Triebwerke und Antriebe
Auch am zweiten Tag sorgen Keynotes externer Referenten für greifbare Praxisbeispiele – etwa Zertifizierungsstrategien, Kostenmodelle oder Lessons Learned aus Serienprogrammen.
Labortouren: ARENA2036 und Fraunhofer IPA hautnah erleben
Ein echtes Highlight sind die Labortouren in die ARENA2036 und ins Fraunhofer IPA. Genau hier wird aus Präsentation echte Umsetzung.
ARENA2036: Zukunftswerkstatt der Mobilität
Die ARENA2036 in Stuttgart ist eine der spannendsten Innovationsplattformen rund um Mobilität und Produktion. Wer sich fragt, wie Fahrzeugproduktion 2036 aussehen kann, bekommt dort sehr konkrete Eindrücke:
- Flexible, wandlungsfähige Produktionszellen
- Zusammenspiel von Robotik, additiver Fertigung und KI
- Demonstratoren fĂĽr neue Fahrzeugkonzepte und Bauweisen
FĂĽr Entscheider aus der Automobilindustrie ist das eine Gelegenheit, in kurzer Zeit Technik, Partner und Ideen zu sehen, die ĂĽblicherweise nur auf Hochglanzfolien auftauchen.
Fraunhofer IPA: Metall- und Kunststoff-3D-Druck im Produktionskontext
Im Fraunhofer IPA selbst liegt der Fokus auf additiver Fertigung mit Metall und Kunststoff im industriellen MaĂźstab. In den Labors sieht man:
- verschiedene Anlagen-Generationen im Live-Betrieb
- Monitoring- und Qualitätssicherungsmethoden
- automatisierte Prozessketten inkl. Handling, Nachbearbeitung und PrĂĽfung
Daraus lassen sich direkt Fragen ableiten, die Unternehmen für eigene Projekte klären sollten:
- Welche Teile aus meinem Portfolio passen technologisch und wirtschaftlich zu additiver Fertigung?
- Welche Prozessschritte kann ich im ersten Schritt manuell lassen – und wo lohnt sich Automatisierung früh?
- Welche Daten brauche ich, um später KI für Prozessüberwachung und Optimierung sinnvoll einzusetzen?
Wer vom Anwenderforum besonders profitiert
Das Event richtet sich gezielt an Anwender, Forscher und Hersteller additiver Produktionstechnologien. Praktisch bedeutet das: Die Mischung der Teilnehmenden ist ideal, um Projekte zu starten statt nur Visitenkarten zu sammeln.
Typische Zielgruppen:
- Automotive & Mobilität: OEMs, Zulieferer, Engineering-Dienstleister, Werkzeugbau
- Maschinen- und Anlagenbau: Funktionsteile, Sondermaschinen, Vorrichtungen
- Medizintechnik: personalisierte Implantate, Instrumente, patientenspezifische Lösungen
- Werkzeug- und Formenbau: konturnahe KĂĽhlung, schnelle Werkzeuganpassungen
- Luft- und Raumfahrt: Leichtbau, hochkomplexe Funktionsbauteile
- Elektronik/Elektrotechnik: Gehäuse, Funktionsintegration, Thermomanagement
Das Spannende ist die Kombination aus technischen Experten, Produktionern, Business-Ownern und Forschern. Wer additive Fertigung im eigenen Unternehmen voranbringen möchte, sollte genau diese Vielfalt nutzen, um:
- technologische Machbarkeit mit Kosten und Business Case abzugleichen
- passende Partner fĂĽr Pilotprojekte kennenzulernen
- intern skeptische Stakeholder mit realen Beispielen zu ĂĽberzeugen
Praxisnutzen: Wie Unternehmen das Anwenderforum strategisch nutzen
Wer das Anwenderforum nur als „interessante Fortbildung“ betrachtet, verschenkt Potenzial. Sinnvoll ist ein geplanter Ansatz – besonders, wenn Sie aus der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau kommen.
1. Vorab: Zieldefinition und Bauteilauswahl
Vor der Anmeldung lohnt sich eine interne Mini-Vorbereitung:
- 3–5 konkrete Bauteile identifizieren, die für 3D-Druck interessant sein könnten
- grobe Ziele definieren, z. B.:
- Gewicht um 20–30 % reduzieren
- Vorlaufzeiten fĂĽr Prototypen halbieren
- Vorrichtungen innerhalb weniger Tage statt Wochen bereitstellen
Mit diesen Beispielen im Hinterkopf lassen sich Vorträge, Aussteller und Gespräche viel gezielter auswählen.
2. Während des Forums: Netzwerk aktiv nutzen
Die Veranstaltung ist bewusst so gestaltet, dass Networking leichtfällt:
- Pausen zwischen den Sessions
- Begleitausstellung mit Maschinen- und Softwareanbietern
- Abend- und Abschlussveranstaltungen
Was erfahrungsgemäß gut funktioniert:
- Konkrete Fragen stellen („Wir haben Bauteil X mit Losgröße Y – wer hat ähnliche Anwendungen umgesetzt?“)
- Kontakte zu mindestens einem Forschungsinstitut und einem Industriepartner knĂĽpfen
- Kurz-Notizen machen: „Was könnte ich zu Hause in 90 Tagen testen?“
3. Nach dem Forum: Schnell in Umsetzung gehen
Der Fehler vieler Unternehmen: Sie kommen inspiriert zurück – und drei Monate später ist nichts passiert.
Besser ist ein klarer 90-Tage-Plan:
- Ein Bauteil auswählen, das sich für einen Pilotversuch eignet.
- Mit einem der Kontakte aus dem Forum einen Proof of Concept definieren (Ziel, Zeitrahmen, Budget).
- Interne Stakeholder einbinden: Konstruktion, Produktion, Einkauf, Qualität.
- Ergebnisse dokumentieren – und im Idealfall intern vorstellen.
Gerade in der Automobilindustrie ist es entscheidend, den Weg von „nice to have“ zu „serienrelevant“ strukturiert zu gehen. Das Forum liefert dafür Ideen, Partner und Best Practices.
Organisatorische Eckdaten im Ăśberblick
FĂĽr die Planung im Unternehmen sind die Rahmenbedingungen klar strukturiert:
- Datum: 09.04.2025–10.04.2025
- Uhrzeit: jeweils ca. 10:30–15:30 Uhr
- Ort: Fraunhofer-Institut fĂĽr Produktionstechnik und Automatisierung IPA, NobelstraĂźe 12, 70569 Stuttgart
- Tickets:
- 1 Tag: 139 € zzgl. MwSt.
- 2 Tage: 249 € zzgl. MwSt.
- Veranstalter: Konradin Mediengruppe in Zusammenarbeit mit Fraunhofer IPA und weiteren Forschungspartnern
Für viele Unternehmen ist ein Zwei-Tage-Ticket sinnvoll, weil Technologie- und Anwendungssicht zusammengehören. Wer erst am zweiten Tag in Use Cases denkt, ohne Tag 1 verstanden zu haben, verpasst oft die Stellschrauben in der Prozesskette.
Fazit: Warum sich das Anwenderforum 2025 lohnt
Das Anwenderforum Additive Produktionstechnologie 2025 in Stuttgart ist mehr als eine Fachveranstaltung zum 3D-Druck. Es ist eine Arbeitsplattform, auf der sich entscheidet, wie ernst Unternehmen additive Fertigung tatsächlich nehmen.
Gerade für die deutsche Automobilindustrie, aber auch für Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt und Medizintechnik gilt: Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann in den nächsten Jahren schneller entwickeln, flexibler produzieren und resilienter gegen Lieferkettenrisiken werden.
Wer teilnehmen möchte, sollte sich nicht nur als Besucher sehen, sondern als aktiver Projektstarter: mit vorbereiteten Fragen, konkreten Bauteilen im Kopf und der klaren Absicht, nach dem Event innerhalb von 90 Tagen einen Pilot umzusetzen.
Die eigentliche Frage ist also weniger, ob sich das Anwenderforum lohnt, sondern: Welche Bauteile und Prozesse aus Ihrem Unternehmen werden beim nächsten Mal schon serienreif additiv gefertigt sein?