Always-on-KI-Geräte von OpenAI und Jony Ive könnten zum neuen Gatekeeper zwischen Marke und Kund:in werden. So bereiten Sie Marketing & Vertrieb darauf vor.
Always-on-KI: Warum dieses Gerät mehr ist als ein neues Gadget
Die nächsten Milliarden fließen nicht in noch ein Smartphone, sondern in ein Gerät, das im Hintergrund immer mithört, mitdenkt und reagiert. OpenAI und Ex-Apple-Designchef Jony Ive arbeiten an genau so einem „Always-on“-KI-Device – mit massiven 6,4 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital im Rücken.
Für Marketing- und Vertriebsverantwortliche in Deutschland ist das keine Nerd-News, sondern ein Weckruf. Wenn KI nicht mehr nur eine App im Browser ist, sondern als permanenter Begleiter im Alltag Ihrer Kund:innen auftaucht, ändert das, wie Aufmerksamkeit entsteht, wie Kaufentscheidungen fallen – und wie Sie Kommunikation planen müssen.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was hinter dem geplanten Always-on-Gerät von OpenAI und Jony Ive steckt, warum Datenschutz dabei zur Überlebensfrage wird und wie sich Marketing & Vertrieb darauf heute schon vorbereiten können.
Was OpenAI und Jony Ive wirklich vorhaben
Die Kurzfassung: OpenAI und Jony Ive arbeiten an einer Familie von KI-Geräten, deren Kernidee ein „Always-on“-Device ist – ein persönlicher KI-Assistent, der ständig präsent ist, lokal Daten verarbeitet und nur ausgewählt mit der Cloud spricht.
Mehr als ein AI Pin 2.0
Viele erinnern sich an den Humane AI Pin: viel Hype, wenig Alltagstauglichkeit, am Ende Übernahme durch HP. Genau diesen Fehler – hohe Erwartungen, schwache Umsetzung – können sich Altman und Ive nicht leisten.
Die Eckpunkte der aktuellen Pläne:
- Always-on-Präsenz: Das Gerät soll keine Pausen machen – anders als ein Smartphone, das in der Tasche verschwindet oder im Büro liegen bleibt.
- Kontext statt nur Antworten: Weil es permanent „dabei“ ist, kann es über den Tag Kontext sammeln – Gespräche, Orte, Aufgaben, Routinen.
- Lokale Verarbeitung: OpenAI arbeitet an eigenen Chips und „small models“, die direkt auf dem Gerät laufen. Ziel: möglichst viel lokal verarbeiten, nur das Nötigste in die Cloud schicken.
- Gerätefamilie statt Einzelprodukt: 2026 soll noch nicht der große Wurf kommen, sondern zunächst spezialisierte Geräte – etwa für bestimmte Use Cases, die stärker auf die Cloud zurückgreifen.
Das erinnert an einen Strategiewechsel: weg von „eine KI für alles im Browser“ hin zu dedizierten KI-Geräten, die tief in den Alltag integriert sind.
Wie ein Always-on-KI-Gerät den Alltag von Kund:innen verändert
Ein Always-on-KI-Device ist im Kern ein persönliches, digitales Gedächtnis mit Handlungskompetenz. Genau das macht es für Marketing & Vertrieb so spannend – und gleichzeitig heikel.
Mögliche Funktionen – praxisnah gedacht
Aus den bekannten Informationen lassen sich einige realistische Szenarien ableiten:
-
Proaktive Erinnerungen
Die KI hört, wie eine Kollegin sagt: „Ich schicke dir nachher das Angebot.“ – und erinnert die Nutzerin zwei Stunden später daran, nachzufassen. -
Kontextbezogene Vorschläge
Das Gerät registriert Termine, Orte, Gesprächsthemen und kann z. B. vor einem Meeting automatisch Gesprächsnotizen oder letzte E-Mails einblenden. -
Persönliches Wissensarchiv
Statt: „Wo habe ich das noch notiert?“ reicht: „Zeig mir, was der Kunde Müller letzte Woche zur Preisobergrenze gesagt hat.“ – und die KI spielt die relevanten Stellen aus den eigenen Gesprächsaufzeichnungen aus. -
Mikro-Assistenz in Alltagssituationen
Beim Kochen erkennt das System, was noch fehlt, und erstellt direkt eine Einkaufsliste. Im Auto fasst es Telefonate in Stichpunkten zusammen.
Die Realität? Wenn das funktioniert, wandert ein erheblicher Teil der Aufmerksamkeit weg von Display-Apps hin zu kopf- oder körpernahen KI-Interaktionen.
Warum das Marketing massiv betrifft
Wenn ein Gerät immer da ist, werden klassische Touchpoints schwächer:
- Weniger Scroll-Zeit im Social Feed
- Weniger Suchanfragen über Keywords („Frag einfach deine KI“)
- Weniger Klicks auf Newsletter, wenn die KI Inhalte vorsortiert
DafĂĽr entstehen neue Touchpoints:
- Produktempfehlungen durch den persönlichen KI-Assistenten
- Automatisierte Angebotsvergleiche im Hintergrund
- Proaktive Hinweise wie: „Dein Stromvertrag läuft aus, hier sind 3 Optionen, passend zu deinem Verbrauch.“
Wer im Marketing weiter primär in Impressions und Klicks denkt, verliert mittelfristig gegen jene, die ihre Marke KI-kompatibel machen.
Datenschutz als Vertrauenswährung – besonders in Deutschland
Always-on heißt: ein Gerät, das praktisch alles mitbekommt. Genau hier wird klar, warum OpenAI so stark auf lokale Verarbeitung und eigene Chips setzt.
Warum lokale KI-Verarbeitung entscheidend ist
In Deutschland entscheidet der Datenschutz oft, ob eine Technologie angenommen oder boykottiert wird. DSGVO, Schrems-II, die Debatten um US-Clouds – all das sitzt tief.
Ein Always-on-KI-Gerät kann nur funktionieren, wenn Nutzer:innen glauben:
„Meine Daten bleiben weitgehend bei mir – und ich kontrolliere, was rausgeht.“
Das spricht fĂĽr drei zentrale Anforderungen:
- On-Device-Modelle: Sprache, Bilder, Routinen werden direkt auf dem Gerät verarbeitet.
- Granulare Freigaben: Nutzer sehen, was wohin geht, und können auf Ebene von Datenarten zustimmen oder ablehnen.
- Auditierbarkeit: RĂĽckverfolgbare Protokolle, welche Daten zu welchen Entscheidungen gefĂĽhrt haben.
Was das fĂĽr Marketing & Vertrieb konkret bedeutet
Unternehmen, die mit Always-on-KI interagieren wollen, mĂĽssen ihre Hausaufgaben machen:
- Datensparsamkeit wirklich leben statt nur in der Datenschutzerklärung behaupten.
- Klare Mehrwerte für jede Datenfreigabe bieten („Wenn du uns X gibst, bekommst du Y – sofort spürbar“).
- Transparente KI-Logik formulieren: Warum erhält ein Kunde ein bestimmtes Angebot? Was floss in die Entscheidung ein?
Wer hier in Deutschland glaubwürdig auftritt, hat einen Wettbewerbsvorteil, wenn Always-on-Geräte in der Breite ankommen. Marken, die weiter mit Intransparenz arbeiten, werden von persönlichen KI-Assistenten sehr wahrscheinlich „herunterpriorisiert“.
Strategische Auswirkungen auf Marketing & Vertrieb
Die spannende Frage ist nicht, ob solche Geräte kommen, sondern: Wie verändert ein persönlicher Always-on-Assistent die Customer Journey?
Von B2C- zu B2AI-Kommunikation
Heute richten Sie Kampagnen an Menschen. KĂĽnftig wird ein groĂźer Teil Ihrer Kommunikation zuerst von einem KI-Agenten gefiltert:
- Newsletter? Die KI extrahiert nur die relevanten Absätze.
- Angebots-Mail? Die KI prĂĽft Konditionen und vergleicht mit Alternativen.
- Produktseiten? Die KI liest sie schneller, als ein Mensch scrollen kann.
Damit verschiebt sich der Fokus:
Sie müssen Ihre Inhalte so strukturieren, dass sowohl Mensch als auch KI sie verstehen, prüfen und verwenden können.
Praktisch heiĂźt das:
- Klar strukturierte Produktdaten (Preise, Konditionen, Laufzeiten, Zielgruppen)
- Sauber gepflegte FAQs mit konkreten Antworten statt Marketing-Blabla
- Echte Nutzerversprechen mit messbaren Werten (z. B. „spart im Schnitt 23 % Zeit“)
Always-on-KI in Vertriebsteams
Nicht nur Kund:innen werden Always-on-Devices nutzen – auch Vertriebsteams selbst.
Mögliche Einsatzszenarien:
- Automatisierte Gesprächsprotokolle inklusive To-do-Liste nach jedem Kundentermin
- Sofortige Einordnung von Einwänden („Das ist derselbe Einwand wie bei Kunde X, damals hat Angebot Y funktioniert.“)
- Echtzeit-Vorschläge für nächste beste Aktion (Anruf, Mail, Angebot, Upgrade)
Unternehmen, die ihre Prozesse dafür jetzt vorbereiten, haben später weniger Reibungsverluste:
- CRM-Daten sauber halten
- Gesprächsleitfäden in strukturierter Form vorliegen haben
- Vertriebs-KPIs klar definieren, damit eine KI sie sinnvoll optimieren kann
Was Sie 2026 nicht bereuen wollen: 5 Schritte, die Sie heute gehen sollten
Die Hardware von OpenAI & Ive wird frühestens 2026 in ihrer vollen Vision sichtbar. Das ist ein Vorsprung von gut einem Jahr – ein Geschenk, wenn Sie es nutzen.
1. Inhalte KI-freundlich strukturieren
- Produkte und Leistungen in klaren Datenstrukturen (Attribute, Preise, Zielgruppen) abbilden
- Wissensartikel so schreiben, dass eine KI Antwortbausteine leicht extrahieren kann
- Einheitliche Begriffe verwenden (kein Chaos aus Synonymen fĂĽr dieselbe Sache)
2. Datengrundlage im Marketing bereinigen
- Dubletten und veraltete Einträge aus CRM und Newsletter-Systemen entfernen
- Attribute prüfen: Sind die Daten aussagekräftig genug für personalisierte Empfehlungen?
- Einwilligungen DSGVO-sicher dokumentieren – inklusive Herkunft und Zweck
3. Eigene KI-Assistenz im Team etablieren
- Interne KI-Use-Cases aufbauen (z. B. Kampagnen-Briefings, Persona-Zusammenfassungen, Angebotsentwürfe)
- Standards definieren: Was darf automatisiert werden, wo braucht es zwingend menschliches Review?
- Mitarbeitende schulen, wie sie mit KI effizient zusammenarbeiten, statt sie als „Tool nebenbei“ zu sehen
4. Datenschutz-Story schärfen
- Klare, verständliche Texte zu Datennutzung, Speicherdauer und Zweck verfassen
- Kommunikationslinien für kritische Fragen vorbereiten („Was macht Ihre KI genau mit meinen Daten?“)
- FĂĽr sensible Zielgruppen (Healthcare, Finanzbranche, Bildung) besonders hohe Transparenzstandards setzen
5. Voice- und KI-Interaktionen testen
- Erste Voice-Use-Cases entwickeln (z. B. FAQs als Audio-Antworten, sprachgesteuerte Bestellungen)
- Antworten so formulieren, dass sie gesprochen gut funktionieren – kurz, klar, ohne Fachchinesisch
- Messen, wie gut Ihre Inhalte von heutigen Sprachassistenten verstanden und wiedergegeben werden
Wer diese Grundlagen jetzt legt, ist nicht überrascht, wenn 2026 plötzlich Always-on-KI-Assistenten massenhaft auf dem deutschen Markt auftauchen.
Fazit: Always-on-KI wird zum neuen Gatekeeper – bereiten Sie Ihre Marke vor
Das geplante Always-on-KI-Gerät von OpenAI und Jony Ive ist mehr als ein hübsches Gadget. Es ist der Versuch, KI aus dem Browser zu holen und direkt in den Alltag der Menschen zu verlagern – immer präsent, kontextbewusst und datenschutzsensibel.
FĂĽr Marketing und Vertrieb bedeutet das:
- Die eigentliche Konkurrenz ist nicht nur der Wettbewerb, sondern der persönliche KI-Assistent Ihrer Kund:innen.
- Marken, die ihre Daten, Inhalte und Datenschutz-Story rechtzeitig in Ordnung bringen, haben die Chance, von diesen Assistenten empfohlen zu werden – statt herausgefiltert zu werden.
Wer heute startet, kann 2026 sagen: „Wir waren bereit, als Always-on-KI Realität wurde.“ Wer wartet, überlässt die Gesprächsführung über die eigene Marke Algorithmen, die man kaum noch beeinflussen kann.