Allplan 2024 und das BIM Engineering Bundle zeigen, wie digitale Workflows Planung, Tragwerksplanung und Baustellenpraxis in Österreich spürbar effizienter machen können.

Warum BIM 2024 kein Nice-to-have mehr ist
Österreichische Bauunternehmen stehen 2025 unter massivem Druck: steigende Baukosten, Fachkräftemangel, härtere Nachhaltigkeitsvorgaben, dazu Termin- und Qualitätsdruck bei jedem Projekt. Wer da noch mit 2D-Planstand, Excel-Listen und E-Mail-Chaos arbeitet, verliert – Zeit, Marge und Nerven.
Genau hier setzen moderne BIM-Lösungen der nächsten Generation an. Ein gutes Beispiel dafür ist Allplan 2024, das auf der BIM World MUNICH 2023 im Mittelpunkt stand – gemeinsam mit einem neuen BIM Engineering Bundle. Spannend ist daran weniger die Messe selbst, sondern was diese Lösungen ganz konkret für Planung, Fertigteilwerke und Baustellen bedeuten.
In diesem Beitrag geht es darum, wie die neuen Funktionen von Allplan 2024 und die vernetzten Workflows mit SCIA und FRILO helfen, digitale Baustellen in Österreich realistisch umzusetzen – von der Vorplanung bis zur Ausführung.
BIM-Lösungen der nächsten Generation – was steckt wirklich dahinter?
BIM „der nächsten Generation“ heißt nicht nur ein neues Software-Release. Es geht um drei Dinge, die direkt auf Ihre Projektziele einzahlen:
- Mehr Automatisierung statt repetitiver Handarbeit
- Echte Kollaboration statt PDFs hin- und herzuschicken
- Durchgängige Modelle von der Statik bis zur Fertigteilfertigung
Allplan 2024 positioniert sich ganz bewusst als plattformübergreifende Lösung für die gesamte Baubranche – Architektur, Tragwerksplanung, Infrastruktur, Fertigteilwerke und Bauunternehmen. Für die Praxis heißt das: weniger Werkzeugbrüche, weniger Doppelarbeit, mehr gesicherte Datenbasis.
Der Knackpunkt bei BIM ist nicht das 3D-Modell, sondern der durchgängige Workflow im Team.
Gerade in Österreich, wo viele Projekte von konsortialen Teams und mittelständischen Büros abgewickelt werden, ist das entscheidend: Wer BIM nur als „3D-CAD+“ versteht, schöpft das Potenzial nicht aus.
Allplan 2024: Die wichtigsten Neuerungen fĂĽr Planung und Baustelle
Allplan 2024 bringt einige Funktionen, die fĂĽr digitale Baustellen und integrale Planung spannend sind. Drei Bereiche stechen heraus.
1. Content Connector: Standards endlich zentral managen
Der neue Content Connector zielt auf ein Dauerproblem vieler BĂĽros: veraltete oder inkonsistente Bauteile, Symbole und Bibliotheken.
Was sich damit verbessern lässt:
- Zentrale Verwaltung von BIM-Content statt lokaler Insellösungen
- Schnellere Bereitstellung von herstellerspezifischen Bauteilen
- Einheitliche Standards im gesamten BĂĽro und ĂĽber Standorte hinweg
Praktischer Effekt: Wenn alle am selben Content-Stand arbeiten, sinkt die Zahl der Planungsfehler deutlich – und Kollisionsprüfungen liefern verlässlichere Ergebnisse.
2. GIS Connector: Kontextdaten fĂĽr realistische Planung
Mit dem GIS Connector lässt sich das BIM-Modell direkt mit Geodaten verknüpfen. Gerade in Infrastrukturprojekten in Österreich (Hanglagen, Lawinen- und Hochwasserschutz, komplexe Zufahrten) ist das ein echter Vorteil.
Typische Anwendungsfälle:
- Import von Gelände- und Katasterdaten in das BIM-Modell
- Bessere Analyse von Zufahrten, Logistik und Bauphasen
- FrĂĽhe Bewertung von Risiken und Eingriffen in den Bestand
Damit verschiebt sich ein Teil der Baustellenprobleme nach vorne in die Planung – wo sie viel günstiger zu lösen sind.
3. Verbesserte Modellierung fĂĽr Fassaden, BrĂĽcken und StraĂźenbau
Allplan 2024 legt klaren Fokus auf Infrastruktur und komplexe Geometrien:
- Präzisere Modellierung von Brücken – inkl. Detaillierung für Bauablauf und Fertigteilbau
- Erweiterte Werkzeuge fĂĽr StraĂźen- und Verkehrswegeplanung
- Neue Funktionen fĂĽr Fassaden, etwa bei der parametrischen Definition
Für österreichische Infrastrukturprojekte und städtische Verdichtungsprojekte bedeutet das: Weniger Speziallösungen, mehr durchgängige Modelllogik – und damit eine bessere Basis für Ausschreibung, Kosten und Terminplanung.
BIM Engineering Bundle: Tragwerksplanung ohne MedienbrĂĽche
Das gemeinsam mit den Schwesterunternehmen SCIA und FRILO präsentierte BIM Engineering Bundle adressiert ein altbekanntes Problem: Tragwerksplanung und Modellplanung laufen oft nebeneinander her.
Die Idee dahinter: Analyse, Entwurf und Detaillierung werden zu einem durchgängigen Gesamtprozess. Statt Modelle zu exportieren, zu vereinfachen und separat zu berechnen, werden Daten deutlich enger gekoppelt.
Was ändert sich für Ingenieurbüros?
- KĂĽrzere Iterationen zwischen Modell und Berechnung
- Weniger manuelle Nacharbeit nach jeder Planänderung
- Bessere Nachvollziehbarkeit gegenüber Bauherrschaft und Behörden
Typisches Szenario:
- Architektur- und Tragwerksmodell werden in Allplan erstellt.
- Relevante Bauteile wandern ins Statikmodell von SCIA/FRILO.
- Änderungen aus der Berechnung fließen zurück ins BIM-Modell.
Gerade bei Projekten mit vielen Varianten (Aufstockungen, Umbauten im Bestand, Brückeninstandsetzungen) ist das ein echter Produktivitätshebel.
Warum das fĂĽr digitale Baustellen entscheidend ist
Digitale Baustellen brauchen verlässliche, detaillierte und konsistente Modelle. Wenn Statik, Ausführung und Fertigteilplanung auf unterschiedlichen Datenständen arbeiten, bricht jede digitale Kette.
Mit dem BIM Engineering Bundle rückt das Ziel näher, dass:
- Statikmodelle nicht mehr „weggeworfen“ werden, sobald die Genehmigung da ist
- Bewehrungs- und Detaillierungsinformationen ins ausfĂĽhrungsreife Modell integriert werden
- Fertigteilwerke und Bauunternehmen direkt mit verwertbaren Daten arbeiten können
Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert ganz handfest Nachträge, weil Planungsfehler früh auffallen.
Kollaborative BIM-Workflows: Vom Büro auf die österreichische Baustelle
Die auf der BIM World MUNICH präsentierten Workflows zielen klar auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die zentrale Frage lautet: Wie kommen wir von einem schönen Koordinationsmodell zu einem wirklich digitalen Bauprozess?
Typische Sollkette fĂĽr ein BIM-Projekt
Ein praxistauglicher Workflow – wie er mit Allplan 2024 und den cloud-basierten Prozessen gedacht ist – sieht in etwa so aus:
- Architektur- und Tragwerksmodell entstehen in einem gemeinsamen Datenumfeld.
- Fachplaner (TGA, Infrastruktur, Brückenbau) ergänzen ihre Modelle.
- Kollisionsprüfung und Qualitätskontrolle laufen modellbasiert.
- Mengen- und Kostenermittlung greifen direkt auf das Modell zu.
- Fertigteilwerke nutzen das Modell fĂĽr Schal- und Bewehrungsplanung.
- Bauunternehmen verwenden modellbasierte Daten fĂĽr Bauablauf, Logistik und Abrechnung.
Jeder dieser Schritte ist heute technisch möglich – die Realität scheitert oft an fehlenden Standards, Verantwortlichkeiten und Schulungsgrad.
Wo österreichische Unternehmen anfangen sollten
Meine Erfahrung: Wer versucht, BIM auf einen Schlag „komplett“ einzuführen, scheitert meist. Sinnvoller ist ein fokussierter Einstieg:
-
Phase 1 – Planung stabilisieren
Gemeinsames Datenumfeld, klare Modellstruktur, definierte BIM-Rollen im Projekt. -
Phase 2 – Mengen, Kosten, Termine anbinden
Erste modellbasierte Ausschreibungen, Abgleich mit LV, Terminplanung anhand von Bauteilen. -
Phase 3 – Baustelle und Fertigteilwerk integrieren
Modelle auf Tablets, digitale Übergaben an Fertigteilwerke, modellbasiertes Mängelmanagement.
Tools wie Allplan 2024 sind dann nicht nur „Software“, sondern Infrastruktur für diese Entwicklung.
Ausbildung, Zertifizierung und Change Management – der unterschätzte Hebel
Die besten BIM-Lösungen laufen ins Leere, wenn die Teams nicht darauf vorbereitet sind. Genau deshalb spielt das Thema BIM-Schulungen und Zertifizierungen eine so große Rolle im Umfeld von Allplan.
Für österreichische Unternehmen, die ernsthaft Richtung digitale Baustelle gehen wollen, haben sich drei Ansätze bewährt:
1. Pilotprojekte bewusst auswählen
- Nicht das komplexeste Projekt nehmen, sondern ein mittelgroĂźes mit ĂĽberschaubaren Risiken.
- BIM-Ziele klar definieren: z.B. „modellbasierte Mengenermittlung“ oder „digitale Bewehrungsplanung“.
- Ergebnisse dokumentieren und anschlieĂźend standardisieren.
2. BIM-Kompetenz im eigenen Haus aufbauen
- Ein kleines Kernteam als „BIM-Multiplikatoren“ ausbilden.
- Rollen klären: BIM-Manager, BIM-Koordinator, Fachmodellierer.
- Schulungen nicht als Einmal-MaĂźnahme sehen, sondern als laufenden Prozess.
3. Partner frĂĽhzeitig einbinden
- Fertigteilwerke und Bauunternehmen in die Modellstrategie einbeziehen.
- Gemeinsame Standards fĂĽr Austauschformate, Modelltiefe und Verantwortlichkeiten festlegen.
- Auch kleinere Partner mitnehmen – notfalls mit reduzierter Tiefe, aber klarer Struktur.
Wer das konsequent angeht, wird merken: BIM ist weniger Technik- als Organisationsprojekt. Software wie Allplan 2024 bildet dann „nur“ den Rahmen, in dem diese Organisation sinnvoll arbeiten kann.
Was heißt das jetzt konkret für Ihr nächstes Projekt?
Die auf der BIM World MUNICH 2023 vorgestellten Lösungen sind kein Messespielzeug. Sie adressieren sehr konkrete Alltagsthemen in österreichischen Projekten:
- Wie reduziere ich Nachträge durch bessere Koordination?
- Wie bekomme ich meine Mengen und Kosten verlässlich in den Griff?
- Wie ĂĽbergebe ich digitale Informationen so, dass sie auf der Baustelle und im Fertigteilwerk wirklich genutzt werden?
Allplan 2024, der Content Connector, der GIS Connector und das BIM Engineering Bundle liefern dafĂĽr einen praxisnahen Werkzeugkasten. Entscheidend ist, ob Ihr Unternehmen bereit ist, Workflows und Verantwortungen anzupassen.
Wenn Sie gerade vor der Frage stehen, wie Sie Ihr nächstes Projekt BIM-basiert aufsetzen oder eine bestehende Arbeitsweise weiterentwickeln wollen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt:
- Starten Sie mit einem klar definierten Pilotprojekt.
- Legen Sie BIM-Ziele fest, die messbar sind (z.B. weniger Planungsänderungen nach Baustart, schnellere Mengenermittlung).
- PrĂĽfen Sie, welche Funktionen von Allplan 2024 und dem BIM Engineering Bundle dazu passen.
Die österreichische Bauindustrie ist gerade dabei, den Schritt von „BIM auf dem Papier“ zu wirklich digitalen Baustellen zu machen. Die Frage ist weniger, ob Sie mitgehen, sondern wie schnell – und wie strukturiert.