Strommarktgesetz 2025: Was es für KMU‑Logistik bedeutet

KI in der österreichischen Logistik: Supply Chain Excellence••By 3L3C

Das neue Strommarktgesetz verändert die Spielregeln für Energie, KI und Logistik. Warum das für österreichische KMU entscheidend ist – und wie Sie jetzt handeln sollten.

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Strommarktgesetz 2025: Signal fĂĽr Energie, KI und Logistik

Während in Wien noch über Formulierungen gefeilscht wird, ist eines bereits klar: Das neue Strommarktgesetz wird für österreichische Unternehmen wichtiger sein als viele glauben. Nicht nur für Energieversorger – sondern ganz konkret für produzierende Betriebe, Speditionen, Lagerlogistiker und andere KMU entlang der Supply Chain.

Die Einigung von Ă–VP, SPĂ–, Neos und GrĂĽnen auf ein gemeinsames Stromgesetz schafft die Grundlage fĂĽr mehr Planungssicherheit im Energiesystem. Genau diese Planungssicherheit brauchen KMU, um in Digitalisierung, Automatisierung und KI in der Logistik zu investieren, ohne Angst vor unkalkulierbaren Energiekosten zu haben.

In diesem Beitrag geht es darum, was dieses Gesetz voraussichtlich für Energiekosten, Flexibilitätsmodelle und Investitionen in KI‑gestützte Logistikkonzepte bedeutet – und wie Sie Ihr Unternehmen 2026ff. strategisch darauf ausrichten können.


1. Was die Einigung politisch bedeutet – und warum KMU das ernst nehmen sollten

Die schnelle Einigung von Regierung und Grünen gemeinsam mit SPÖ und Neos zeigt vor allem eines: Energiepolitik wird zur Infrastrukturpolitik für den Standort. Ohne verlässlichen Strommarkt gibt es keine sinnvolle Digitalstrategie und keine belastbare Klimastrategie.

FĂĽr KMU in Industrie und Logistik ist das relevant, weil:

  • Strompreise ein wesentlicher Kostenblock sind (Staplerflotten, KĂĽhlhäuser, Fördertechnik, IT, Ladeinfrastruktur, Produktion).
  • Elektrifizierung (E‑Lkw, elektrische Flurförderzeuge, Wärmepumpen) massiv zunimmt.
  • KI‑Anwendungen in Lagerverwaltung, Routenoptimierung und Nachfrageprognose mehr Rechenleistung brauchen – oft 24/7.

Kurz gesagt: Ohne stabiles Strommarkt‑Framework ist eine KI‑gestützte Supply Chain Excellence kaum finanzierbar.

Mögliche Ziele des Strommarktgesetzes – praxisnah gedacht

Auch wenn die finalen Details erst am Abend des 11.12.2025 präsentiert werden, lassen sich typische Stoßrichtungen moderner Strommarktgesetze abschätzen:

  • Stärkere Integration von Erneuerbaren (PV, Wind, Wasserkraft)
  • Bessere Rahmenbedingungen fĂĽr Flexibilitätsmärkte (Lastverschiebung, Demand Response)
  • Förderschienen und Regeln fĂĽr Speicher und Mieterstrom / Gemeinschaftsanlagen
  • Klare Regeln fĂĽr Netzentgelte und Abgaben, um Investitionssicherheit zu schaffen

Für Sie als KMU ist entscheidend: Diese Punkte definieren, was Strom künftig wann kostet und wie stark Sie von flexiblen oder smarten Verbrauchsstrategien profitieren können.


2. Energiekosten im Griff: Warum KI ohne Stromstrategie zur Kostenfalle wird

Der wichtigste Hebel des Strommarktgesetzes für KMU‑Logistik ist die Möglichkeit, Kosten aktiv zu steuern, statt nur Rechnungen zu bezahlen.

KI braucht Energie – aber intelligent eingesetzt spart sie mehr, als sie verbraucht

Wer KI in der Logistik einsetzt, kennt die typischen Use Cases:

  • Routenoptimierung fĂĽr Lkw, Zustellflotten oder Werksverkehr
  • Dynamische Lagerverwaltung (z.B. Slotting, automatische Nachschubsteuerung)
  • Nachfrageprognosen fĂĽr Produktion, Einkauf und Distribution
  • Transportmanagement‑Systeme mit KI‑gestĂĽtzter Auslastungsplanung

Alle diese Systeme laufen auf Servern – On‑Premises oder in der Cloud. Sie erzeugen zwar zusätzliche IT‑Energiekosten, können aber gleichzeitig den physischen Energieverbrauch massiv senken:

  • Weniger Leerfahrten, weniger Umwege → weniger Diesel/Elektrizität
  • Bessere Laderaumauslastung → weniger Fahrten insgesamt
  • Genaue Prognosen → weniger Ăśberproduktion und unnötige Lagerbestände (KĂĽhlhäuser!)

Der Knackpunkt: Der wirtschaftliche Vorteil solcher KI‑Lösungen steigt, wenn Strompreise planbar und Flexibilitätsoptionen nutzbar sind. Genau hier setzt das Strommarktgesetz an.

Drei konkrete Hebel fĂĽr Ihre Energiekostenstrategie

Sobald die Details des Gesetzes klar sind, sollten KMU vor allem auf drei Hebel schauen:

  1. Zeitvariabler Stromtarif nutzen
    Wenn das Regelwerk klarer zwischen Spitzenlast und Nebenzeiten unterscheidet, lohnt es sich, energieintensive Prozesse zu verschieben:

    • Batterieladung fĂĽr E‑Stapler oder E‑Lkw in gĂĽnstigen Zeitfenstern
    • Nachschubfahrten und interne Transporte in Lasttäler legen
    • KI‑Trainingsjobs (z.B. neue Prognosemodelle) nachts laufen lassen
  2. Lastmanagement vorbereiten
    Viele Netzbetreiber werden – politisch gewollt – stärker auf Demand Response setzen. Wer seinen Verbrauch flexibel steuern kann, bekommt Preisvorteile oder Vergütungen. Voraussetzung ist:

    • Transparente Messung (Submetering fĂĽr Hallen, KĂĽhlhäuser, Ladestationen)
    • Technische Schnittstellen (z.B. Lastmanagementsysteme)
    • Ein KI‑gestĂĽtztes Energiemanagement, das Prognose und Steuerung ĂĽbernimmt
  3. Langfristige Strombeschaffung
    Wenn das Strommarktgesetz längerfristige Verträge mit erneuerbaren Erzeugern erleichtert, werden Power Purchase Agreements (PPA) auch für mittelständische Betriebe interessanter. So sichern Sie sich:

    • Langfristig stabile Preise
    • GrĂĽne Herkunftsnachweise fĂĽr Ihre Nachhaltigkeitsberichte
    • Bessere Argumente in Ausschreibungen groĂźer Auftraggeber

3. KI in der österreichischen Logistik: Warum der Strommarkt zur Basisinfrastruktur wird

Für die Serie „KI in der österreichischen Logistik: Supply Chain Excellence“ ist das Strommarktgesetz mehr als nur ein politischer Fußnotenartikel. Es definiert die energetische Grundlage für datengestützte Logistik in Österreich.

Ohne Energieplanung keine skalierbare KI‑Logistik

Wer heute seine Supply Chain digitalisiert, muss IT‑, Prozess- und Energiewelt zusammen denken. Ein realistisches Zukunftsbild für ein KMU in 2027 könnte so aussehen:

  • Das Lager arbeitet mit KI‑gestĂĽtzter Lagerverwaltungssoftware, die Wareneingänge, Umlagerungen und Kommissionierung optimiert.
  • Eine Routenoptimierung berĂĽcksichtigt nicht nur Fahrzeiten, sondern auch Strompreise an Ladesäulen, CO₂‑Kosten und Lieferzeitfenster.
  • Ein Prognosemodell berechnet, welche Kunden morgen und ĂĽbermorgen welche Mengen benötigen – und gleicht das mit Produktionskapazität und Energiepreiserwartungen ab.
  • Ein Energiemanagementsystem plant, wann PV‑Dachstrom selbst verbraucht, in Speicher geladen oder ins Netz verkauft wird.

All das funktioniert nur wirtschaftlich, wenn der Strommarkt klare Spielregeln für Einspeisung, Bezug, Speicher und Flexibilität definiert. Genau hier kann das neue Gesetz den entscheidenden Rahmen setzen.

Praxisbeispiel: Mittelständischer Logistiker im Zentralraum

Stellen wir uns einen Logistikdienstleister mit 80 Mitarbeitenden im Zentralraum Oberösterreich vor:

  • 15.000 m² Lagerfläche
  • Teilweise temperaturgefĂĽhrte Bereiche
  • Gemischte Flotte aus Diesel‑Lkw und ersten E‑Lkw
  • Elektrische Staplerflotte

Mit einem modernen Strommarktgesetz kann dieses Unternehmen:

  • Eine größere PV‑Anlage am Dach wirtschaftlicher betreiben.
  • Die E‑Staplerflotte automatisiert in gĂĽnstigen Zeitfenstern laden.
  • Mittelfristig komplett auf E‑Lkw fĂĽr den Regionalverkehr umstellen, weil die Netzentgelte und Fördermechanismen kalkulierbarer sind.
  • Ăśber ein KI‑gestĂĽtztes Routen‑ und Energiekostenmodell entscheiden, wann welcher Lkw welche Tour fährt – unter BerĂĽcksichtigung von Energiepreis, Auslastung, Fahrzeit und CO₂‑FuĂźabdruck.

Der Effekt: bessere Marge pro Tour, sauberere Bilanz, stabilere Planung.


4. Konkrete Schritte für KMU: So machen Sie Ihr Unternehmen strommarkt‑ und KI‑ready

Die politischen Details können Sie nicht steuern. Was Sie steuern können, ist Ihre Vorbereitung. Wer 2026 vorne dabei sein will, sollte in den nächsten 6–12 Monaten folgende Hausaufgaben erledigen.

Schritt 1: Energie- und Lastprofil verstehen

Bevor Sie an KI oder neue Tarife denken, brauchen Sie Transparenz:

  • Wie hoch ist Ihr jährlicher Stromverbrauch – und wofĂĽr genau?
  • Welche Anlagen oder Prozesse verbrauchen am meisten Energie (Kälte, IT‑Server, Förderbänder, Beleuchtung, Ladeinfrastruktur)?
  • Wie sieht Ihr Lastgang aus: Wann sind Spitzen, wann Täler?

Einfacher Start:

  • Lastgangdaten vom Energieversorger anfordern
  • Interne Messpunkte nachrĂĽsten (z.B. fĂĽr KĂĽhlhäuser, Ladestationen)

Schritt 2: Pilotprojekte fĂĽr KI in Logistik und Energiemanagement

Viele KMU warten „bis die Politik fertig ist“. Das ist ein Fehler. KI‑Projekte brauchen Vorlaufzeit. Starten Sie klein, aber konkret:

  • Pilot zur Routenoptimierung fĂĽr einen Teil der Flotte
  • KI‑basierte Nachfrageprognose fĂĽr ausgewählte Kunden oder Produktgruppen
  • Einfache Anomalieerkennung im Energieverbrauch (z.B. erkennt das System ungewöhnliche Mehrverbräuche in KĂĽhlhäusern oder Kompressoren)

So bauen Sie Datenbasis, Know‑how und Akzeptanz auf – und können nach Inkrafttreten des Strommarktgesetzes gezielt auf neue Tarife oder Förderungen reagieren.

Schritt 3: IT‑ und Energiepartner auswählen

Für viele KMU ist der entscheidende Engpass nicht Geld, sondern Kapazität und Know‑how. Suchen Sie sich frühzeitig Partner:

  • Energieberater:innen, die Stromtarife, PV‑Modelle und Förderungen verstehen
  • IT- und KI‑Dienstleister, die Logistikprozesse kennen und nicht nur Technik verkaufen
  • Netzbetreiber und Stromlieferanten, die offen fĂĽr Lastmanagement‑Modelle sind

Mein Rat: Holen Sie sich mindestens einen Partner ins Haus, der Energie- und Datenwelt verbinden kann. Genau da entscheidet sich, ob aus einem Strommarktgesetz ein echter Wettbewerbsvorteil wird.


5. Politischer Wandel als Chance: Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Kundenerwartungen

Die Einigung auf das Strommarktgesetz ist auch ein Signal an die Märkte: Energiepolitik wird auf Stabilität statt Dauerkrisenmodus ausgerichtet. Für KMU bedeutet das mehr als „nur“ Preisfragen.

Versorgungssicherheit als Standortfaktor

Für Logistik und Industrie zählt nicht nur, wie teuer Strom ist, sondern ob er zuverlässig verfügbar ist. Ausfälle legen:

  • Fördertechnik und Lagerverwaltung lahm
  • IT‑Systeme und KI‑Plattformen still
  • Ladeinfrastruktur und KĂĽhlketten auĂźer Betrieb

Ein klar geregelter Strommarkt unterstützt Netzbetreiber und Investoren, das System robuster zu machen – von Übertragungsnetzen über Verteilnetze bis zu Speichern. Das senkt Ihr Betriebsrisiko.

Nachhaltigkeit und Kundenerwartungen

Gleichzeitig wird der Druck durch Auftraggeber steigen. GroĂźe Industrieunternehmen und Handelsketten fragen bereits heute:

  • Wie hoch ist der CO₂‑FuĂźabdruck pro Transport?
  • Welchen Anteil haben erneuerbare Energien im Strommix des Dienstleisters?
  • Welche Daten können zur Emissionsberechnung bereitgestellt werden?

Mit einem fortgeschrittenen Strommarktrahmen können Sie:

  • Systematisch auf GrĂĽnstrom umstellen
  • Ăśber KI‑gestĂĽtzte Systeme exakte Emissionen pro Sendung berechnen
  • Nachhaltigkeit nicht nur im Bericht, sondern in der Marge sichtbar machen

Das Strommarktgesetz ist damit ein Baustein fĂĽr jene KMU, die Logistik nicht mehr nur als Kostenstelle, sondern als digitalen und nachhaltigen Leistungsbaustein fĂĽr ihre Kunden begreifen.


Fazit: Jetzt Energie- und KI‑Strategie verbinden – nicht nacheinander denken

Die politische Einigung auf das Strommarktgesetz ist kein abstraktes Ereignis in Wien, sondern ein Startsignal für Investitionsentscheidungen in den Betrieben. Für österreichische KMU in Industrie und Logistik heißt das:

  • Energiekosten werden planbarer – aber aktives Management entscheidet ĂĽber die Höhe.
  • KI in der Logistik wird zur SchlĂĽsseltechnologie, um Transporte, Lager und Energieverbrauch zu optimieren.
  • Wer Energie- und Digitalstrategie verbindet, kann seine Supply Chain robuster, gĂĽnstiger und nachhaltiger aufstellen.

Wenn Sie sich fragen, wo Sie beginnen sollen: Starten Sie mit Daten – zu Energie, Transport und Lagerprozessen. Darauf aufbauend lässt sich eine KI‑gestützte Supply Chain‑Strategie entwickeln, die vom neuen Strommarktgesetz nicht überrascht wird, sondern profitiert.

Die zentrale Frage für die nächsten zwei Jahre lautet nicht: „Brauchen wir KI?“ sondern: „Wie verbinden wir KI, Logistik und Energie so, dass unser Geschäftsmodell in Österreich auch 2030 noch wettbewerbsfähig ist?“