Koralmbahn, Güterzüge und KI: Chance für Österreichs KMU

KI in der österreichischen Logistik: Supply Chain ExcellenceBy 3L3C

Die Koralmbahn beschleunigt nicht nur Personenverkehr. Wer als KMU KI-gestützte Logistik nutzt, kann trotz enger Gütertrassen echte Supply-Chain-Vorteile sichern.

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Warum die Koralmbahn für KMU mehr ist als eine Schnellverbindung

45 Minuten statt knapp drei Stunden zwischen Graz und Klagenfurt – das ist die Zahl, über die seit dem Fahrplanwechsel alle reden. Die neue Koralmbahn gilt als Prestigeprojekt, als Beschleuniger für Pendler und Tourismus. Aber aus Sicht der Industrie steckt der spannendste Teil woanders: im Güterverkehr und in der Art, wie die Kapazitäten zwischen Personen- und Güterzügen geplant werden.

Denn während ab Sonntag die ersten Personenzüge offiziell durch den Koralmtunnel rollen, sind Güterzüge dort schon seit Wochen unterwegs – und genau für diese Züge wird es nun enger. Der Fahrplan ist klar auf den Personenverkehr ausgerichtet. Für KMU, die auf verlässlichen Gütertransport angewiesen sind, ist das kein Randthema, sondern ein Wettbewerbsfaktor.

Hier zeigt sich sehr konkret, warum smarte Logistikplanung und KI-gestütztes Transportmanagement nicht nur für Großkonzerne interessant sind. Wer als kleiner oder mittlerer Betrieb seine Supply Chain im Griff hat, kann aus der Koralmbahn einen echten Standortvorteil machen – statt nur zuzuschauen, wie andere die Trassen belegen.


Koralmbahn als Lehrstück: Infrastruktur ist da – aber wer nutzt sie wie?

Die Koralmbahn verkürzt Wege, senkt Reisezeiten und öffnet neue Korridore zwischen Steiermark, Kärnten und darüber hinaus Richtung Adria. Für die Industrie bedeutet das: kürzere Transportzeiten, potenziell niedrigere Kosten, bessere Anbindung an Häfen und zentrale Absatzmärkte.

Die Realität ist aber:

  • Trassen werden priorisiert – Personenzüge bekommen Vorrang.
  • Güterzüge müssen sich an enge Zeitfenster anpassen.
  • Engpässe verschieben sich von alten Strecken auf neue Knotenpunkte.

Das zentrale Problem: Infrastruktur allein löst keine Logistikherausforderungen. Entscheidend ist, wie Fahrpläne gestaltet, Kapazitäten verteilt und Transporte geplant werden. Genau hier lässt sich viel von der Koralmbahn auf KMU übertragen:

Infrastruktur ist die Bühne. Effiziente, datenbasierte Planung entscheidet, wer darauf erfolgreich spielt.

Für österreichische KMU in Industrie, Handel oder Logistik heißt das: Wer seine Transporte weiterhin „per Bauchgefühl“ und Excel-Liste plant, wird entlang solcher Knotenpunkte ins Hintertreffen geraten.


Güterzug vs. Personenzug: Was KMU daraus lernen können

Die Priorisierung von Personenzügen im Koralmtunnel ist politisch und gesellschaftlich nachvollziehbar. Für Logistiker und produzierende Unternehmen bedeutet sie aber, dass Flexibilität und Planungstiefe im Güterverkehr steigen müssen.

Drei konkrete Herausforderungen im Güterverkehr

  1. Begrenzte Trassenkapazitäten
    Es gibt nur eine bestimmte Anzahl an nutzbaren Slots für Güterzüge – vor allem zu attraktiven Zeiten. Wer diese nicht früh genug plant oder dynamisch umlegt, verliert.

  2. Zeitkritische Lieferketten
    Viele KMU fahren heute noch „just in time“, oft mit sehr knappen Pufferzeiten. Wenn ein Güterzug wegen Personenzügen warten muss, können Liefertermine kippen – mit Pönalen und Kundenunzufriedenheit.

  3. Störanfälligkeit und Umleitungen
    Sperren, Baustellen, Witterung, Engpässe in Knotenbahnhöfen: Die schönste Neubaustrecke hilft wenig, wenn die Gesamtlogistikkette nicht robust geplant ist.

Hier kommt künstliche Intelligenz in der Logistikplanung ins Spiel. Die gleichen Denkweisen, mit denen Infrastrukturbetreiber ihre Fahrpläne optimieren, lassen sich in kleinerem Maßstab auf KMU übertragen.


Wie KI KMU hilft, von der Koralmbahn wirklich zu profitieren

Wer als KMU die Koralmbahn nur als „schnellere Schiene“ versteht, lässt Potenzial liegen. KI-gestützte Logistiktools können genau dort ansetzen, wo Engpässe entstehen: bei Routenwahl, Zeitfenstern, Kapazitätsplanung und Risikoabsicherung.

1. Routenoptimierung über Schiene, Straße und Kombiverkehr

Die zentrale Frage lautet nicht: „Nutze ich die Koralmbahn oder nicht?“, sondern:

„Welche Kombination aus Bahn, Lkw und gegebenenfalls Binnenschiff ist für meinen konkreten Auftrag heute die beste – zeitlich und wirtschaftlich?“

KI-basierte Systeme können:

  • aktuelle Fahrpläne, Bauzustände und Trassenverfügbarkeiten berücksichtigen,
  • Straßendaten (Staus, Sperren, Wetter) einbeziehen,
  • verschiedene Szenarien (z. B. direkter Bahntransport vs. Vorlauf per Lkw zum Terminal) durchrechnen,
  • und daraus die optimale Route und Transportkette vorschlagen.

Für ein steirisches Maschinenbau-KMU kann das bedeuten: Statt Standard-Lkw-Route über den Wechsel plötzlich eine Kombination aus Güterzug durch den Koralmtunnel und kurzem Lkw-Zulauf zu nutzen – mit stabileren Laufzeiten und oft geringeren Gesamtkosten.

2. Dynamische Zeitfenster- und Trassenplanung

Trassen auf einer stark ausgelasteten Neubaustrecke sind ein rares Gut. Speditionen und Bahnlogistiker, die mit KI arbeiten, können:

  • wahrscheinliche Auslastungen prognostizieren,
  • frühzeitige Reservierungen für kritische Zeiträume anstoßen,
  • bei Störungen alternative Zeitfenster automatisiert bewerten.

Aus KMU-Sicht zahlt sich das aus, wenn etwa:

  • regelmäßige Sammelzüge geplant werden,
  • Abfahrtszeiten am Werk nicht mehr „fix“, sondern im intelligenten Zeitfenster erfolgen,
  • die Produktion mit den realen Transportmöglichkeiten synchronisiert wird.

So wird aus dem fixen „Lkw fährt jeden Mittwoch 14:00 Uhr“ ein flexibles, datenbasiertes Abholfenster, das sich an tatsächliche Trassenverfügbarkeit und Nachfrage anpasst.

3. Nachfrageprognosen verbinden Produktion und Transport

Viele österreichische KMU planen die Produktion deutlich professioneller als den Transport. Dabei hängen beide eng zusammen.

KI-gestützte Nachfrageprognosen können:

  • saisonale Muster (z. B. Bauwirtschaft, Tourismusspitzen) erkennen,
  • Auswirkungen von Feiertagen, Aktionen oder Konjunkturschwankungen einbeziehen,
  • daraus realistische Produktions- und Versandpläne ableiten.

In Kombination mit einem Transportmanagement-System (TMS), das Bahn- und Straßendaten integriert, entsteht ein durchgängiger Plan:

„Wann produziere ich was – und wann habe ich realistische Slots auf Bahn und Straße, um es zu meinen Kunden zu bringen?“

Das reduziert Lagerbestände, vermeidet Expresssendungen „in letzter Sekunde“ und nutzt günstige Zugtrassen besser aus.


Praxisnah: Ein fiktives Beispiel aus der Region

Stellen wir uns ein mittelständisches Holzverarbeitungsunternehmen in Kärnten vor, das seine Produkte nach Italien und Deutschland liefert.

Ausgangssituation:

  • Lieferungen laufen überwiegend per Lkw über den Brenner.
  • Bahn wird kaum genutzt, weil Fahrpläne als unübersichtlich und unzuverlässig wahrgenommen werden.
  • Planung passiert manuell, basierend auf Erfahrungswerten.

Mit Koralmbahn & KI-gestützter Logistikplanung könnte das so aussehen:

  1. Datenbasis schaffen
    Das Unternehmen erfasst historische Auftragsdaten, Saisonspitzen und aktuelle Transportkosten. Ein KI-Tool analysiert diese Daten und erkennt stabile Muster: z. B. starke Nachfrage im Frühjahr und Herbst.

  2. Routenvarianten kalkulieren
    Für typische Relationen nach Norditalien berechnet das System automatisch Varianten:

    • Lkw direkt Werk → Kunde
    • Lkw Werk → Terminal, dann Güterzug über Koralmbahn und weiter nach Süden
    • Kombination aus Sammelverkehren für mehrere Kunden
  3. Bahntrassen gezielt nutzen
    Statt sporadischer Einzelbuchungen werden regelmäßige Güterzug-Slots über die Koralmbahn in Randzeiten gesichert, in denen weniger Personenzüge unterwegs sind.

  4. Produktion und Versand synchronisieren
    Die Produktionsplanung wird so angepasst, dass große Chargen rechtzeitig fertig sind, um fixe Zugfenster zu treffen. Kurzfristige Abweichungen werden automatisiert in alternative Slots verschoben.

Ergebnis: stabilere Laufzeiten, geringere Transportkosten auf der Langstrecke, bessere Planbarkeit – und ein deutlich höherer Auslastungsgrad der Bahn, trotz Konkurrenz der Personenzüge.


Was KMU jetzt konkret tun sollten

Viele österreichische KMU glauben noch, KI in der Logistik sei nur ein Thema für Großkonzerne mit riesigen Datenmengen. Das stimmt so nicht. Der Einstieg kann schlank und pragmatisch sein.

1. Transparenz über heutige Logistik schaffen

Bevor KI ins Spiel kommt, braucht es saubere Grundlagen:

  • Welche typischen Relationen fahre ich (In- und Outbound)?
  • Wie sehen meine aktuellen Laufzeiten, Kosten und Puffer aus?
  • Wo habe ich wiederkehrende Probleme (Verspätungen, Reklamationen, Engpässe)?

Schon diese Analyse zeigt oft, wo Bahn – etwa über die Koralmbahn – sinnvoll ins Konzept integriert werden kann.

2. Mit einfachen KI-Tools starten

Man muss nicht sofort ein eigenes Data-Science-Team aufbauen. Es gibt:

  • TMS-Lösungen mit integrierter Routenoptimierung,
  • Prognosetools für Bedarf und Auftragseingang,
  • Plattformen, die Bahn- und Lkw-Angebote bündeln und algorithmisch bewerten.

Wichtig ist, klein zu starten – zum Beispiel mit einer Fokusrelation, die durch die Koralmbahn besonders interessant wird – und Erfahrungen zu sammeln.

3. Partnerschaften nutzen

Gerade KMU müssen nicht alles alleine können. Sinnvoll sind Kooperationen mit:

  • Speditionen, die bereits KI-gestützte Planungstools einsetzen,
  • Logistikdienstleistern mit Fokus auf Schienengüterverkehr,
  • regionalen Clustern und Netzwerken in Steiermark und Kärnten, die Erfahrungen zur Koralmbahn bündeln.

Wer hier früh dabei ist, sichert sich oft bessere Konditionen, reservierte Kapazitäten und Know-how-Vorsprünge.


Die Koralmbahn als Baustein für „Supply Chain Excellence“

Für die Serie „KI in der österreichischen Logistik: Supply Chain Excellence“ ist die Koralmbahn ein Paradebeispiel: Sie zeigt, wie moderne Infrastruktur Chancen eröffnet – und gleichzeitig neue Komplexität bringt.

Die Kernbotschaft für KMU lautet:

  • Infrastrukturprojekte wie die Koralmbahn sind eine Einladung, die eigene Logistik neu zu denken.
  • Wer KI-gestützte Routenoptimierung, Transportmanagement und Nachfrageprognosen nutzt, kann trotz enger Trassen und Personenzug-Vorrang stabile, effiziente Supply Chains aufbauen.
  • Unternehmen, die weiter passiv planen, werden diese Chancen kaum nutzen.

Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Betriebe die Koralmbahn nur als Schlagzeile wahrnehmen – und welche sie als Hebel für echte Supply Chain Excellence einsetzen. Wer sich früh mit KI in der Logistik beschäftigt, wird eindeutig zur zweiten Gruppe gehören.


FAQ: Häufige Fragen von KMU zur Koralmbahn und KI

Brauche ich große Datenmengen, damit KI in meiner Logistik Sinn macht?
Nein. Schon einige Jahre Auftrags- und Transportdaten reichen, um erste Prognosen und Optimierungen zu fahren. Wichtig ist eher Datenqualität als Datenmenge.

Lohnt sich Schienengüterverkehr über die Koralmbahn für kleinere Volumina?
Oft ja – über Sammelverkehre, Kombiverkehr und Kooperationen mit Logistikdienstleistern. KI-Tools helfen, passende Konsolidierungsoptionen zu finden.

Ist KI-gestützte Logistikplanung teuer?
Es gibt SaaS-Lösungen mit moderaten monatlichen Gebühren. Teuer wird es meist erst, wenn alles individuell entwickelt wird. Für viele KMU reichen Standardlösungen aus.

Wie starte ich konkret?
Mit einer Pilotrelation: eine wichtige Verbindung identifizieren, Daten sammeln, ein geeignetes Tool testen, klare Kennzahlen definieren (Lieferzeit, Kosten, Termintreue) und dann Schritt für Schritt ausbauen.