Exoskelette & KI: RĂĽckengesund durch die Logistik

KI in der österreichischen Logistik: Supply Chain Excellence••By 3L3C

Exoskelette und KI entlasten den Rücken in Lager und Transport – und stärken zugleich Supply-Chain-Excellence in der österreichischen Logistik.

ExoskelettKI in der LogistikErgonomieSupply Chain ExcellenceBaustelle 4.0LagerlogistikGesundheit am Arbeitsplatz
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Exoskelette & KI: Warum die Logistik jetzt umdenkt

Rund 30–40 % aller Krankenstände in Lager und Transport hängen direkt oder indirekt mit dem Rücken zusammen. In vielen österreichischen Logistikzentren ist das Ladeufer damit zur größten „Kostenstelle Bandscheibe“ geworden.

Die gute Nachricht: Technologie ist endlich an dem Punkt, an dem sie diese Belastung spürbar senken kann – ohne die Produktivität auszubremsen. Das zeigt ein prominentes Beispiel aus Deutschland: Schauspieler und Ex-Bodybuilder Ralf Moeller hat im November 2025 bei Dachser das neue Exoskelett IX BACK VOLTON von Ottobock im Live-Betrieb getestet. Dahinter steckt mehr als ein PR-Termin. Es zeigt sehr klar, wohin sich ergonomische Unterstützung, KI und Supply-Chain-Excellence entwickeln.

In dieser Ausgabe unserer Serie „KI in der österreichischen Logistik: Supply Chain Excellence“ schauen wir uns an, was aus diesem Use Case für Logistik- und Supply-Chain-Verantwortliche in Österreich konkret ableitbar ist – und wie Exoskelette kombiniert mit KI den Arbeitsalltag auf dem Hof, im Cross-Dock oder im Fulfillment-Center verändern.


Was der Fall Dachser/Ottobock fĂĽr Ă–sterreich interessant macht

Der Kern des Dachser-Projekts ist simpel: Rücken entlasten, Produktivität halten oder verbessern. Genau diese Spannung kennen auch österreichische Speditionen, 3PLs und Handelslogistiker.

Bei Dachser kommt seit 2023 eine Exoskelett-Flotte von „SUITX by Ottobock“ im Regelbetrieb an mehreren Standorten zum Einsatz. Das neue Modell IX BACK VOLTON geht einen Schritt weiter:

  • batteriebetriebene, aktive UnterstĂĽtzung
  • Entlastung der RĂĽckenpartie um bis zu 17 kg pro Hebevorgang
  • integrierte Sensorik, die sich automatisch an den Menschen anpasst
  • Nutzung ĂĽber eine komplette Schicht ohne ständiges Nachjustieren

Mitarbeiter wie Fabian Hahn, Fachkraft für Lagerlogistik, berichten von einer „enormen Entlastung“ – spürbar bis in den Feierabend. Das ist genau der Punkt, an dem es für HR, Betriebsräte und Standortleiter spannend wird: Subjektive Entlastung plus objektiv messbare Zahlen (weniger Ausfälle, stabilere Leistung, geringere Fluktuation).

FĂĽr Ă–sterreich passt das sehr gut in das Bild der aktuellen Herausforderungen:

  • Ă„lter werdende Belegschaften im Lager
  • Fachkräftemangel im Schichtbetrieb
  • Hoher Kostendruck in der StĂĽckgut- und Kontraktlogistik
  • Wachsende E‑Commerce-Volumes mit vielen Hebevorgängen pro Paket

Wer hier Supply-Chain-Excellence ernst meint, kommt an ergonomischer Optimierung nicht vorbei. Exoskelette sind dabei kein Gimmick, sondern werden zunehmend Strategie-Baustein – ähnlich wie AutoStore im Lager oder TMS im Transport.


Wie moderne Exoskelette funktionieren – und wo KI ins Spiel kommt

Moderne Exoskelette wie das IX BACK VOLTON sind mehr als „Rucksack mit Feder“. Sie kombinieren Mechanik, Sensorik, Software und in der nächsten Ausbaustufe KI.

Grundprinzip: UnterstĂĽtzung, nicht Ersatz

Ein Exoskelett fĂĽr die Logistik

  • wird am Körper getragen (RĂĽcken, HĂĽfte, teils Schultern)
  • erkennt Bewegungen wie BĂĽcken, Heben, Tragen
  • gibt beim Aufrichten aktiv oder passiv Kraft hinzu
  • reduziert so Lastspitzen auf Muskel- und Bandscheibenbereich

Wichtig: Die Mitarbeitenden bleiben komplett beweglich. Das System unterstĂĽtzt nur dort, wo es biomechanisch sinnvoll ist. Ralf Moeller bringt es im Test auf den Punkt:

„Ein starker Rücken ist die Basis für ein aktives Leben, ob im Sport oder im Beruf.“

Genau da setzt das Exoskelett an: Es macht aus jedem Lagermitarbeiter keinen Bodybuilder, aber es sorgt dafĂĽr, dass der RĂĽcken nicht jeden Tag Spitzenbelastungen aushalten muss.

KI als Ergonomie-Turbo

Viele Exoskelette verfügen heute schon über integrierte Sensorik, die Bewegungen und Lasten erkennt und daraus die passende Unterstützung ableitet. Der nächste logische Schritt – und für unsere Serie zentral – ist die Verknüpfung mit KI in der Logistik:

  • Bewegungsanalyse in Echtzeit: KI-Algorithmen erkennen ungĂĽnstige Bewegungsmuster und schlagen Verbesserungen vor.
  • Adaptive UnterstĂĽtzung: Je nach Nutzer, Tagesform und Aufgabe passt sich die UnterstĂĽtzungsstärke automatisch an.
  • Ergonomie-Dashboards: Aggregierte Daten zeigen, wo in der Halle die höchsten Belastungen entstehen.
  • VerknĂĽpfung mit Lagerverwaltung (WMS): Schwere Picks können gezielt Mitarbeitenden mit Exoskelett zugewiesen werden.

Damit wird aus einem „einfachen Hilfsmittel“ ein Baustein einer datengetriebenen Supply Chain: Die Exoskelette liefern Daten, KI bewertet sie, und aus den Erkenntnissen entstehen bessere Prozesse.


Konkrete Einsatzszenarien für österreichische Logistikstandorte

Für die Praxis zählt nur eins: Wo bringt das System im Alltag wirklich etwas? Drei typische Szenarien aus österreichischer Sicht:

1. Container-Entladung und Cross-Docking

Gerade an den Knotenpunkten der Stückgutlogistik liegen die härtesten Jobs:

  • Entladung von Ăśberseecontainern mit Mischwaren
  • Cross-Docking von Paletten und Sperrgut
  • „Handverladung“ bei nicht stapelbaren GĂĽtern

Mitarbeitende wie bei Dachser berichten hier von den größten Effekten. Die Gründe:

  • viele Wiederholungen derselben Bewegung
  • wechselnde Gewichte
  • Zeitdruck durch Slot- und Rampenplanung

Praxis-Tipp: Wer hier Exoskelette einführt, sollte parallel KI-gestützte Rampen- und Tourenplanung nutzen. So lassen sich Zeitfenster entzerren, in denen besonders schwere oder körperlich fordernde Verladungen anstehen. Ergonomie hört nicht am Rücken auf, sie beginnt bei der Planung.

2. E‑Commerce-Fulfillment und Retourenlogistik

Gerade in Wien, Linz, Graz und den umliegenden Regionen wachsen Fulfillment-Zentren fĂĽr Handel und D2C-Brands. Typisch:

  • viele einzelne Picks
  • hohe Varianz der Artikel
  • saisonale Peaks (Black Friday, Vorweihnachtsgeschäft)

Hier können Exoskelette gezielt in High-Load-Zonen eingesetzt werden, etwa:

  • Wareneingang mit schwereren Kartons
  • Retourenaufbereitung mit häufigem Heben
  • Kommissionierbereiche mit GroĂźartikeln (Getränke, Tierfutter, Elektrogeräte)

Gekoppelt mit KI-basierter Routenoptimierung im Lager (slotting, Wegeoptimierung) entsteht ein Gesamtbild:

  • Weniger Wege
  • Weniger unergonomische Bewegungen
  • Kontrollierte Belastung pro Schicht

3. Bau- und Baustofflogistik als Sonderfall

Ob Baumarktlogistik, Baustoffhändler oder Just-in-Time-Belieferung von Baustellen: Hier treffen schwere Güter auf beengte Platzverhältnisse. Viele unserer Leser aus der Bauindustrie kennen das:

  • Zementsäcke, Fliesen, Platten, Dämmstoffe
  • häufiges Umstapeln im Lager und auf dem Lkw
  • manuelles Handling am Bauabschnitt, wo keine Fördertechnik hinkommt

Gerade an der Schnittstelle Logistik – Baustelle 4.0 wird es spannend:

  • Exoskelette unterstĂĽtzen beim Heben und Tragen auf der Baustelle.
  • KI-gestĂĽtzte Bau- und Lieferlogistik sorgt dafĂĽr, dass Material so ankommt, dass unnötige Umlagerungen entfallen.

Wer hier früh Erfahrungen sammelt, verschafft sich einen echten Vorteil im Kampf um Fachkräfte – und im Wettbewerb um sichere, moderne Arbeitsplätze.


Wirtschaftlichkeit: Rechnet sich das wirklich?

Die entscheidende Frage aus Managementsicht lautet nicht „Ist das cool?“, sondern: „Trägt sich das?“

Eine grobe Betrachtung zeigt, warum immer mehr Unternehmen den Schritt gehen:

  • RĂĽckenbedingte Krankenstände: In der Logistikbranche liegen sie häufig bei 5–10 Tagen pro Mitarbeitendem und Jahr.
  • Kosten pro Krankheitstag (inkl. Produktivitätsausfall): konservativ gerechnet 200–300 EUR.
  • Fluktuation: Hohe körperliche Belastung ist ein zentraler KĂĽndigungsgrund.

Selbst wenn ein Exoskelett „nur“

  • 20–30 % der rĂĽckenbedingten Ausfälle reduziert,
  • die Verbleibedauer im Unternehmen um 1–2 Jahre verlängert,
  • und gleichzeitig die Leistung pro Stunde leicht stabilisiert,

ist die Investition fĂĽr viele Standorte schnell amortisiert. Dazu kommen weiche, aber relevante Effekte:

  • besseres Employer Branding („Wir investieren in eure Gesundheit“)
  • höhere Motivation in belastenden Schichten
  • bessere Ausgangslage bei Verhandlungen mit Betriebsrat und Versicherungsträgern

Aus meiner Erfahrung scheitern Projekte weniger an den Zahlen, sondern an zögerlicher Einführung und schlechter Einbindung der Mitarbeitenden.


So fĂĽhren Sie Exoskelette und KI-Ergonomie sinnvoll ein

Wer Exoskelette in der österreichischen Logistik einführen will, sollte strukturiert vorgehen. Ein pragmatischer Fahrplan umfasst fünf Schritte.

1. Belastung transparent machen

Bevor „Hardware“ kommt, braucht es Daten:

  • Welche Bereiche haben die höchste körperliche Belastung?
  • Wo häufen sich rĂĽckenbedingte Krankenstände?
  • Welche Tätigkeiten sind besonders repetitiv und schwer?

Hier können bereits heute KI-Analysen aus WMS- und TMS-Daten helfen (Anzahl Picks, Handlings, Gewichte, Aufenthaltsorte in der Halle).

2. Pilotbereich definieren

Statt den ganzen Standort umzukrempeln:

  • einen klar abgegrenzten Bereich auswählen (z.B. Container-Entladung)
  • 5–10 Freiwillige aus unterschiedlichen Altersgruppen einbeziehen
  • „Vorher/Nachher“-Messung planen (Subjektives Empfinden, Ausfalltage, Leistung)

3. Mitarbeitende konsequent einbinden

Der größte Fehler ist, Exoskelette „von oben“ zu verordnen. Besser:

  • gemeinsam mit Lager- und Betriebsrat auswählen und testen
  • Schulungen mit Praxisbezug, nicht nur PPTs
  • Feedback-Schleifen in den ersten Wochen einplanen

Gerade starke Persönlichkeiten wie ein Ralf Moeller als Markenbotschafter zeigen, wie wichtig Role Models sind. In Ihrem Standort können das Schichtführer sein, die selbst mit Exoskelett arbeiten und offen über Vor- und Nachteile sprechen.

4. KI-Daten aktiv nutzen

Viele Systeme liefern bereits aussagekräftige Daten. Nutzen Sie sie:

  • Heatmaps der Belastung erstellen
  • Spitzenzeiten identifizieren
  • Lagerlayout und Picking-Routen anpassen

So wird aus einem reinen „Hilfsmittel am Körper“ ein Baustein einer ganzheitlichen Supply-Chain-Excellence-Strategie.

5. Skalieren – aber gezielt

Wenn der Pilot funktioniert, heißt es skalieren – jedoch nicht blind:

  • Standorte priorisieren mit hoher Belastung und hoher Mitarbeiterzahl
  • Kombination mit anderen Initiativen (Routenoptimierung, Automatisierung, Schulung)
  • klare Zielgrößen definieren (z.B. -25 % rĂĽckenbedingte Ausfälle in 24 Monaten)

Fazit: Exoskelette, KI und Supply Chain Excellence gehören zusammen

Der Test von Ralf Moeller bei Dachser zeigt eindrucksvoll, wohin die Reise geht: Ergonomie wird messbar, steuerbar und strategisch. Exoskelette wie das IX BACK VOLTON von Ottobock sind dabei nur die sichtbare Spitze eines Trends.

Für österreichische Logistik- und Bauunternehmen heißt das:

  • Wer RĂĽckengesundheit ernst nimmt, entlastet nicht nur Menschen, sondern stabilisiert aktiv seine Supply Chain.
  • Exoskelette entfalten ihren vollen Nutzen erst dann, wenn sie mit KI-gestĂĽtzter Lagerverwaltung, Routenoptimierung und Transportmanagement zusammenspielen.
  • FrĂĽhstarter bauen einen Vorsprung auf – bei Produktivität, Kosten und der Attraktivität als Arbeitgeber.

Wenn Sie in Ihrer Organisation gerade über „Baustelle 4.0“ oder „Supply Chain Excellence“ sprechen, dann gehört eine klare Antwort auf diese Frage dazu:

Wie unterstützen wir unsere Mitarbeitenden ergonomisch – und wie nutzen wir Daten und KI, um das systematisch zu verbessern?

Genau daran wird sich in den nächsten Jahren entscheiden, welche Logistikstandorte in Österreich nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig gesund arbeiten.