#keepthepace: Wie KI Ihre Produktion wirklich voranbringt

KI in der österreichischen Industrie: Leitfaden für KMU••By 3L3C

Wie österreichische KMU KI, Daten und Lean aus der #keepthepace-Reihe praktisch nutzen können – von Qualitätsprüfung über Planung bis Matrixproduktion.

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#keepthepace: Wie KI Ihre Produktion wirklich voranbringt

2025 ist für viele Industrieunternehmen ein Wendepunkt: Energiekosten, Fachkräftemangel, Lieferkettenrisiken – und gleichzeitig ein enormer Druck, schneller, flexibler und nachhaltiger zu produzieren. Wer in Österreich heute ein produzierendes KMU führt, merkt das jeden Tag auf der Shopfloor-Ebene.

Genau hier setzt die Webinarreihe „#keepthepace – Game-Changer für die Produktion der Zukunft“ des Fraunhofer IPA an. Die Themen lesen sich wie eine Roadmap für moderne Produktion: KI in der Automatisierung, Daten als Ressource, neue Lean-Ansätze, Matrixproduktion, humanoide Roboter, smarte Auftragsplanung und resilientere Netzwerke.

In dieser Ausgabe unserer Serie „KI in der österreichischen Industrie: Leitfaden für KMU“ schauen wir uns an, was hinter diesen Themen steckt – und vor allem, was davon für österreichische KMU konkret machbar und sinnvoll ist. Sie bekommen keine Theorie-Schlacht, sondern praxisnahe Ansatzpunkte, mit denen Sie in den nächsten 3–6 Monaten starten können.


1. Daten sind kein Nebenprodukt – sie sind Ihr wichtigster Rohstoff

Wer KI ernsthaft in der Produktion nutzen will, muss zuerst seine Datenthemen in den Griff bekommen.

Die Aussage „Daten sind das neue Öl“ wird oft zitiert, aber in vielen Betrieben landen Maschinendaten noch immer im digitalen Nirwana: verstreute Excel-Dateien, Insellösungen an einzelnen Anlagen, nicht gepflegte Stammdaten im ERP. Das bremst jede Form von Automatisierung – ganz besonders KI.

Was „von Rohstoff zu Ressource“ konkret bedeutet

Der Ansatz aus dem #keepthepace-Webinar „Von Rohstoff zu Ressource: Daten optimal nutzen“ passt perfekt zu KMU:

  1. Datenquellen bewusst auswählen
    Statt „wir loggen jetzt alles“ geht es darum, gezielt zu sammeln:

    • Maschinendaten (OEE, Stillstände, Prozessparameter)
    • Auftragsdaten (Termine, RĂĽckmeldungen, Durchlaufzeiten)
    • Qualitätsdaten (PrĂĽfergebnisse, NacharbeitsgrĂĽnde)
  2. Stammdaten aufräumen, bevor KI einzieht
    Falsche Artikelstammdaten, unvollständige Arbeitspläne oder uneinheitliche Bezeichnungen zerstören jede Auswertung. Hier helfen:

    • einfache Plausibilitätsregeln (z. B. Mindest-/Maximalzeiten)
    • Dubletten-Checks
    • klare Verantwortlichkeiten fĂĽr Datenpflege
  3. Mit kleinsten Analysen starten
    Schon drei einfache Analysen bringen erstaunlich viel Transparenz:

    • Durchlaufzeit-Analyse je Produktfamilie
    • Top-10-StillstandsgrĂĽnde je Linie
    • Abweichungen zwischen Plan- und Ist-Zeiten

Für österreichische KMU ist das die wichtigste Botschaft: Bevor Sie teure KI-Projekte starten, sorgen Sie dafür, dass Ihre Daten „brauchbar“ werden – nicht perfekt, aber konsistent.


2. Next Level Automatisierung: Wo KI in der Fertigung wirklich hilft

KI ist für die Produktion dann interessant, wenn sie konkrete Engpässe löst: Personalmangel, Qualitätsprobleme, schwankende Auslastung. Das #keepthepace-Thema „Next Level Automatisierung: KI als Schlüssel“ trifft genau diesen Punkt.

Sinnvolle KI-Einsatzfelder fĂĽr KMU

In produzierenden KMU in Ă–sterreich haben sich vor allem vier Bereiche als realistisch erwiesen:

  1. Visuelle Qualitätsprüfung
    Statt manueller Sichtkontrolle prĂĽfen KI-gestĂĽtzte Kameras:

    • Oberflächenfehler bei Metall- oder Kunststoffteilen
    • Vollständigkeit bei Baugruppen
    • Montagefehler bei Variantenvielfalt

    Vorteile:

    • Entlastung Ihrer Fachkräfte
    • gleichbleibende PrĂĽfqualität ĂĽber alle Schichten
    • Datenbasis fĂĽr Prozessverbesserungen
  2. ProzessĂĽberwachung & Predictive Maintenance
    KI-Modelle erkennen Muster in Schwingungen, Temperaturen oder Druckverläufen und melden früh, wenn ein Prozess „aus der Spur läuft“.

  3. Dynamische Feinplanung
    KI-gestützte Planungsalgorithmen schlagen Reihenfolgen vor, die Rüstzeiten reduzieren und Termine besser einhalten – besonders spannend für Variantenfertiger.

  4. Assistenzsysteme fĂĽr Mitarbeitende
    KI-basierte Systeme können Montageanleitungen anpassen, Prüfpläne vorschlagen oder bei Störungen Handlungsempfehlungen geben.

Der entscheidende Punkt: Starten Sie mit einem klar abgegrenzten, wirtschaftlich relevanten Use Case – nicht mit einer „KI-Strategie im luftleeren Raum“.


3. Von Lean zu #NewLean: Wie KI und Daten das Lean-Denken erweitern

Viele österreichische Produktionsbetriebe haben in den letzten 10–15 Jahren Lean-Methoden eingeführt: 5S, Wertstromanalyse, Kanban, Shopfloor-Boards. Das hat gewirkt – aber die Potenziale sind oft ausgeschöpft.

Das #keepthepace-Webinar „#NewLean: Was kommt nach Lean Management, Wertstrom und Co.?“ stellt die richtige Frage: Wie verbinden wir Lean-Logik mit Daten und KI?

Was #NewLean in der Praxis bedeutet

#NewLean heiĂźt nicht, Lean ĂĽber Bord zu werfen, sondern es zu erweitern:

  • Digitale Wertströme statt Papier-Plakate
    Wertströme werden laufend aus ERP-, MES- und Maschinendaten aktualisiert, nicht nur alle zwei Jahre im Workshop.

  • Verschwendung mit Daten sichtbar machen
    Anstatt „gefühlt“ zu diskutieren, wo Engpässe liegen, zeigen Daten:

    • An welcher Anlage sich Aufträge wirklich stauen
    • Wo Nacharbeit entsteht und warum
    • Welche Produktfamilien die größte Margenvernichtung verursachen
  • Umweltwirkung mitdenken (Green Lean)
    Durchlaufzeitverkürzung reduziert nicht nur Kosten, sondern oft auch Energie- und Materialverbrauch. KI kann z. B. helfen, Ausschussmuster zu erkennen und zu vermeiden.

Für KMU ist das eine Chance: Lean-Projekte werden messbarer, schneller und attraktiver für Förderprogramme, wenn sie mit Daten und KI verknüpft werden.


4. Produktionsorganisation neu denken: Matrixproduktion & resiliente Netzwerke

Die Webinarreihe greift mit „Was kann die Matrixproduktion?“ und „Gestaltung resilienter Produktionsnetzwerke“ zwei Themen auf, die auf den ersten Blick eher nach Großkonzern klingen. Aber auch kleinere und mittlere Betriebe können davon profitieren.

Matrixproduktion – Flexibilität für Variantenfertiger

Die Matrixproduktion verbindet die Effizienz der Linienfertigung mit der Flexibilität der Werkstatt. Für österreichische Variantenfertiger ist das hochinteressant:

  • Statt starrer Linien gibt es Produktionseinheiten (Module), die flexibel kombiniert werden.
  • Aufträge „wandern“ nicht zwingend in einer festen Reihenfolge, sondern wählen die jeweils freie, passende Station.
  • KI-gestĂĽtzte Planung entscheidet, welche Route fĂĽr ein Teil am sinnvollsten ist.

Ergebnis:

  • besserer Ausgleich von Schwankungen
  • geringere Wartezeiten
  • höhere Auslastung bei kleineren Losgrößen

Für ein KMU kann das schon im Kleinen starten, z. B. mit zwei identischen Montageinseln, die flexibel zugeordnet werden.

Resiliente Netzwerke – auch für Mittelständler relevant

Das Thema resiliente Produktionsnetzwerke betrifft nicht nur globale Konzerne mit Fabriken auf mehreren Kontinenten. Viele österreichische KMU sind Teil eines regionalen oder internationalen Verbunds:

  • eigene Standorte in AT/CEE
  • verlängerte Werkbank zu Partnerbetrieben
  • enge Kooperationen mit Lohnfertigern

Mit klar definierten Standortrollen und einer datenbasierten Sicht auf Kapazitäten und Risiken können Sie:

  • Alternativrouten im Krisenfall definieren
  • kritische Teile frĂĽhzeitig identifizieren
  • Make-or-Buy-Entscheidungen fundierter treffen

KI kann hier Szenarien bewerten und Vorschläge machen, z. B.: „Was passiert, wenn Standort X zwei Wochen ausfällt?“ oder „Welcher Partner kann diese Kapazität kurzfristig übernehmen?“


5. Auftragsabwicklung & Arbeitsvorbereitung: Der unterschätzte Hebel

Viele Unternehmen investieren zuerst in Maschinen, Roboter oder neue Hallen. Die größten Produktivitätshebel liegen aber oft in den indirekten Bereichen: Arbeitsvorbereitung, Planung, Auftragsabwicklung.

Mehrere #keepthepace-Webinare greifen genau das auf:

  • „In Minuten statt Stunden: Automatisierte Auftragsplanung mit der DesignChain“
  • „Smartes Arbeiten im Office durch Data Management“

Warum gerade KMU hier schnell punkten können

  • Planungsprozesse sind oft historisch gewachsen und stark personenabhängig.
  • Termine sind im ERP hinterlegt, aber die Datenqualität ist fragil.
  • Viele Abstimmungen laufen per E-Mail, Telefon oder in Excel-Listen.

Mit relativ ĂĽberschaubarem Aufwand kann ein KMU:

  1. Auftragsplanung teilweise automatisieren

    • Regelwerke definieren (z. B. RĂĽstfamilien, bevorzugte Maschinen)
    • Varianten automatisch zu Standardprozessen zuordnen
    • Kapazitätsengpässe frĂĽh erkennen
  2. Datengetriebene Transparenz schaffen

    • Standardisierte Auswertungen zur Termintreue
    • FrĂĽhwarnsysteme fĂĽr kritische Aufträge
  3. Fehler in Stammdaten gezielt bereinigen
    Die im Webinar genannten drei Analysen lassen sich in vielen ERP-Systemen ohne Zusatzsoftware umsetzen.

Wer hier anfängt, schafft die Grundlage für KI-gestützte Planung – und entlastet gleichzeitig die eigenen Fachkräfte.


6. Humanoide Roboter & „Made in Austria“: Was ist realistisch?

Themen wie „Humanoide Roboter in der Industrie: Gamechanger oder Irrweg?“ sorgen für Aufmerksamkeit. Für österreichische KMU ist die ehrliche Antwort:

Humanoide Roboter sind aktuell eher ein Technologieradar-Thema als ein Investitionsprojekt für das nächste Jahr.

Spannender – und deutlich näher am Alltag – ist das #keepthepace-Webinar „Made in Germany: Qualitätsprüfung neu gedacht“. Übertragen auf Österreich heißt das:

  • Automatisierte PrĂĽfstände fĂĽr Serien- und Variantenfertigung
  • Kombination aus Bildverarbeitung, Sensorik und KI
  • Integration in bestehende Anlagen und MES-Systeme

Das passt hervorragend zu exportorientierten österreichischen Betrieben, die „Made in Austria“ nicht nur als Herkunftslabel, sondern als Qualitätsversprechen verstehen.


7. Wie österreichische KMU von Formaten wie #keepthepace konkret profitieren

Der vielleicht größte Mehrwert der Reihe #keepthepace – Game-Changer für die Produktion der Zukunft: Sie zeigt, dass moderne Produktion kein Privileg der Konzerne ist. Viele der vorgestellten Methoden lassen sich in österreichischen KMU mit vertretbarem Aufwand umsetzen.

Wenn Sie das Thema KI in der Industrie strukturiert angehen wollen, empfiehlt sich eine einfache Reihenfolge:

  1. Ziele klären

    • Kostensenkung?
    • Liefertermintreue?
    • Qualitätsverbesserung?
    • COâ‚‚-Reduktion?
  2. Daten-Basis schaffen

    • Stammdaten prĂĽfen
    • 2–3 zentrale Datenquellen identifizieren
  3. Einen Pilot-Use-Case auswählen
    Typische Kandidaten:

    • visuelle QualitätsprĂĽfung
    • Engpassmaschine ĂĽberwachen
    • Feinplanung teilweise automatisieren
  4. Mitarbeitende frĂĽh einbinden
    KI-Projekte scheitern selten an der Technik, sondern an Akzeptanz. Einbindung der Fachkräfte ist Pflicht.

  5. Externes Know-how nutzen
    Institute wie das Fraunhofer IPA oder lokale Partner in Österreich bringen Erfahrung aus vielen Projekten mit – das verkürzt Lernkurven enorm.


Fazit: KI in der Produktion – machbar, wenn Sie die Reihenfolge einhalten

Die Inhalte der Webinarreihe #keepthepace zeigen ziemlich klar: Produktions-KI ist kein Science-Fiction-Projekt mehr, sondern ein Werkzeugkasten, aus dem gerade österreichische KMU gezielt Bausteine herausgreifen können.

Wer zuerst seine Datenbasis verbessert, Lean mit digitalen Methoden erweitert und dann sehr gezielt in KI-Use-Cases wie Qualitätsprüfung, Planung oder Prozessüberwachung einsteigt, wird 2026 deutlich besser dastehen als heute – wirtschaftlich und organisatorisch.

Wenn Sie Teil unserer Serie „KI in der österreichischen Industrie: Leitfaden für KMU“ sind, überlegen Sie jetzt: Welcher der genannten Bereiche ist in Ihrem Unternehmen der größte Schmerzpunkt – und wo könnte ein kleiner, klar umrissener KI-Pilot in den nächsten sechs Monaten starten?