HPC, KI & Quantencomputing: Was KMU jetzt wirklich brauchen

KI in der österreichischen Industrie: Leitfaden für KMUBy 3L3C

HPC, KI und Quantencomputing werden für österreichische KMU plötzlich greifbar. Wie Sie Plattformen wie Altair HPC Works 2026 strategisch für Ihr Unternehmen nutzen können.

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Warum Hochleistungsrechnen plötzlich ein KMU-Thema ist

Die Rechenleistung, die heute für KI und Simulationen verfügbar ist, war vor zehn Jahren nur Großkonzernen und Forschungszentren vorbehalten. Inzwischen können selbst kleinere Betriebe in Österreich über die Cloud auf High-Performance Computing (HPC), GPU-Cluster und erste Quanten-Ressourcen zugreifen – ohne eigenes Rechenzentrum.

Für viele österreichische KMU in Industrie, Bauwirtschaft oder Dienstleistung heißt das: Themen wie HPC, GPU-Computing und sogar hybrides Quantencomputing sind nicht mehr „nice to have“, sondern handfeste Wettbewerbsfaktoren. Wer KI-Modelle schneller trainieren, bessere Simulationen rechnen oder große Datenmengen effizient auswerten kann, entscheidet Projekte, Ausschreibungen und Margen zunehmend für sich.

Der Altair-Artikel zu HPC Works 2026 zeigt ziemlich klar, wohin die Reise geht: hin zu Plattformen, die KI-Workloads, klassische Simulation und Quantenexperimente auf einer gemeinsamen Infrastruktur bündeln. In diesem Beitrag ordne ich die technischen Infos aus dem Artikel ein und übersetze sie in eine praxisnahe Perspektive für österreichische KMU – mit Fokus auf unsere Serie „KI in der österreichischen Industrie: Leitfaden für KMU“.


Was hinter modernen HPC-Plattformen für KI steckt

Moderne HPC-Plattformen wie Altair HPC Works 2026 sind im Kern Orchestrierungs- und Managementschichten über leistungsfähiger Hardware – inklusive GPU-Clustern und Cloud-Ressourcen. Sie nehmen Ihnen einen Großteil der Komplexität von Scheduling, Ressourcenplanung und Monitoring ab.

Wichtige Bausteine für KI-Workloads

Die im Artikel genannten Neuerungen sind ein ziemlich gutes Abbild dessen, was eine zukunftsfähige HPC-Plattform heute können muss:

  • GPU-Unterstützung für NVIDIA, AMD und Intel
    Damit können Sie KI-Modelle und Simulationen auf der Hardware rechnen, die am besten verfügbar oder wirtschaftlich ist – egal ob im eigenen Haus oder in der Cloud.

  • Integration von Jupyter Notebook
    Data Scientists und Ingenieur:innen können direkt auf dem Cluster interaktiv entwickeln, Daten analysieren und Modelle trainieren. Für KMU ist das wichtig, weil Sie damit keine parallelen Insel-Lösungen (lokale Notebooks vs. Cluster) pflegen müssen.

  • Kubernetes-Konnektor
    Containerisierte KI-Services (zum Beispiel Inferencing-APIs für Produktionslinien, Bauleitplanung oder Logistikoptimierung) lassen sich direkt in HPC-Workflows einbetten.

  • Engere Integration mit Analyse-Plattformen (z. B. RapidMiner)
    Das senkt die Einstiegshürde für klassische Data-Mining- und Machine-Learning-Projekte, die typischerweise in mittelständischen Unternehmen zuerst umgesetzt werden.

Für österreichische KMU bedeutet das: Sie brauchen nicht selbst eine HPC-Architektur neu zu erfinden. Entscheidend ist, eine Plattform zu wählen, die gut zu Ihren Workflows, Tools und zur vorhandenen IT-Mannschaft passt.


Agentic HPC: KI übernimmt Scheduling & Ressourcenauswahl

Der spannendste Begriff im Artikel ist aus meiner Sicht „Agentic HPC“. Dahinter steckt eine einfache Idee: KI-gestützte Assistenten unterstützen oder automatisieren Entscheidungen, die bisher HPC-Expert:innen treffen mussten.

Was Agentic HPC konkret macht

Agentic HPC nutzt KI-Modelle, um u. a. folgende Aufgaben zu übernehmen:

  • Vorhersage des Speicherbedarfs für Jobs, damit diese nicht wegen zu wenig RAM abstürzen oder Cluster-Ressourcen verschwenden.
  • Intelligentes Scheduling von Jobs in Warteschlangen, abgestimmt auf Rechenzeit, Speicher, GPU-Bedarf und Priorität.
  • Automatische Auswahl geeigneter Speicher- und Rechenressourcen (lokal vs. Cloud, CPU vs. GPU).

Altair HPC Works 2026 bringt hierfür u. a. eine KI-gestützte Speicherbedarf-Vorhersage mit, die in der Job-Einreichung hilft. Über die Integration mit Plattformen wie RapidMiner können zudem eigene KI-Modelle trainiert werden, die auf Ihre Workloads zugeschnitten sind.

Warum das für KMU relevant ist

Die meisten mittelständischen Betriebe in Österreich haben keinen dedizierten HPC-Administrator. Genau hier wird Agentic HPC interessant:

  • Ihre Entwickler:innen oder Ingenieur:innen müssen keine HPC-Profis sein, um Cluster sinnvoll zu nutzen.
  • Typische Fehlkonfigurationen (falsche Ressourcenzuweisungen, überfüllte Queues) werden durch KI geglättet.
  • Die IT kann sich stärker auf Sicherheit, Integration und Governance konzentrieren, statt Tickets für Job-Resubmits zu bearbeiten.

Oder anders gesagt: Agentic HPC senkt die Eintrittshürde, damit auch kleinere Unternehmen Hochleistungsrechnen sinnvoll einsetzen können.


Hybrid: Klassisches HPC trifft Quantencomputing

Quantencomputing ist 2025 noch weit weg vom Produktionsalltag der meisten KMU. Dennoch ist die Richtung klar: Wir werden in den kommenden Jahren hybride Workflows sehen, bei denen klassische HPC-Cluster bestimmte Teilprobleme an Quanten-Hardware auslagern.

Altair beschreibt im Artikel die Erweiterung von HPC Works 2026 um sogenannte Quantum Frontiers:

  • Hybride Workflows: Ein Großteil der Berechnung läuft klassisch, einzelne Teilaufgaben (z. B. komplexe Mustererkennung) werden an Quantenprozessoren delegiert.
  • Anwendungsfälle: Erkennung sich ändernder Muster wie betrügerischer Kreditkartentransaktionen – verallgemeinerbar auf jede Art von Anomalieerkennung.

Was heißt das für österreichische KMU heute?

Ehrlich: Sie müssen jetzt noch keine Quanten-Hardware einkaufen. Aber Sie sollten zwei Dinge tun:

  1. IT-Architektur „quanten-fähig“ denken
    Wenn Sie in eine neue HPC- oder KI-Plattform investieren, achten Sie darauf, dass:
    • offene Schnittstellen und APIs vorhanden sind,
    • Workflows modular aufgebaut sind,
    • Cloud-basierte Quanten-Services künftig andockbar sind.
  1. Use-Cases identifizieren, bei denen Komplexität stark wächst
    Typische Kandidaten in der Praxis:
    • Routen- und Tourenplanung (Logistik, Baustellenversorgung, Winterdienst)
    • Ressourcen- und Personaleinsatzplanung bei knappen Kapazitäten
    • Finanz- und Risiko-Optimierung (z. B. für Energie- oder Rohstoffpreise)

Wer heute schon HPC für Optimierung und KI nutzt, kann später deutlich leichter Teilschritte auf Quantenservices auslagern, sobald diese ausgereift und kommerziell sinnvoll sind.


Praxis: Wie KMU HPC, KI & Quanten schrittweise nutzen können

Die große Frage für viele Unternehmen lautet nicht „Was kann die Technologie?“, sondern: „Wo fange ich konkret an?“ Hier ein pragmatischer Fahrplan, angepasst auf österreichische KMU.

1. Ausgangslage klären

Bevor Sie an Quanten denken, sollten drei Fragen beantwortet sein:

  1. Wo entstehen heute Engpässe?
    Typisch sind lange Simulationsläufe, langsame Auswertungen von Sensordaten oder stundenlange KI-Trainings.

  2. Welche Daten sind vorhanden und zugänglich?
    Ohne saubere Datenbasis bringt zusätzliche Rechenleistung wenig.

  3. Welche Kompetenzen sind im Haus?
    Haben Sie bereits Data Scientists, Simulationsexpert:innen oder zumindest IT-affine Ingenieur:innen?

2. KI- und HPC-Pilotprojekt starten

Ein sinnvoller Einstieg ist ein konkreter Use-Case mit messbarem Nutzen, zum Beispiel:

  • Fertigungsindustrie (Oberösterreich, Steiermark)

    • KI-gestützte Qualitätsprüfung mit Bilderkennung
    • Optimierung von Bearbeitungsparametern via Simulation und ML
  • Bauwirtschaft (Baustelle 4.0 in Wien, Tirol, Salzburg)

    • Termin- und Ressourcenplanung mit KI-Unterstützung
    • Simulation von Bauabläufen, um Nachträge und Verzögerungen zu reduzieren
  • Tourismus & Dienstleistungen (Tirol, Salzburg, Kärnten)

    • Prognose von Auslastung und Personalbedarf mit ML
    • Dynamische Preisgestaltung basierend auf Nachfrage- und Wetterdaten

In all diesen Fällen können HPC-Plattformen mit GPU-Unterstützung Rechenzeiten massiv senken und damit Experimente beschleunigen.

3. Agentic HPC gezielt einsetzen

Statt gleich das gesamte Unternehmen auf HPC umzustellen, bietet sich an:

  • Ein kleines Cluster oder Cloud-Kontingent aufzusetzen, das via Plattform wie Altair HPC Works gesteuert wird.
  • Agentic-Funktionen zu aktivieren, z. B. automatische Speicherbedarf-Vorhersage und Job-Scheduling.
  • Ein Team von 3–5 „Power Usern“ aus IT, Fachbereich und Management zu definieren, das erste Workflows aufbaut.

Ich habe in Projekten immer wieder gesehen: Wenn dieses Kernteam produktiv arbeiten kann und Mehrwert zeigt (kürzere Rechenzeiten, mehr Varianten, stabilere Planung), fällt es leicht, weitere Use-Cases nachzuziehen.

4. Früh Erfahrung mit hybriden Workflows sammeln

Auch wenn Quantencomputing noch im Aufbau ist, können Sie heute schon „hybrid denken“:

  • Workflows modularisieren (z. B. Datenaufbereitung, Modelltraining, Optimierung, Deployment).
  • Teilprobleme identifizieren, die besonders kombinatorisch komplex sind.
  • Proof-of-Concepts mit simulierten Quanten-Algorithmen testen (viele Frameworks bieten das bereits an).

Wer seine Prozesse so aufbaut, kann in einigen Jahren relativ reibungslos Quantenservices anstelle simulierten Backends einsetzen.


Was Altair HPC Works 2026 speziell für IT & Admins bringt

Neben den KI- und Quanten-Themen kommen im Artikel noch einige Details, die für IT-Leitung und Admins in KMU entscheidend sind:

  • Erweiterte Berichte und Cluster-Dashboards
    Bessere Transparenz über Auslastung, Engpässe, GPU-Nutzung und Kosten – wichtig für Budgetgespräche und Investitionsentscheidungen.

  • Engere Integration zwischen den Komponenten
    Weniger Schnittstellen-Brüche zwischen Solver, Datenanalyse und Orchestrierung, was den Betriebsaufwand reduziert.

  • Neuer Desktop-Client für Windows-Nutzer:innen
    Gerade in österreichischen Betrieben, wo Windows-Arbeitsplätze Standard sind, senkt ein nativer Client die Einstiegshürde deutlich.

  • Streaming-API für IT-Automatisierung
    IT-Teams können in Echtzeit auf Änderungen in der Cloud reagieren, z. B. automatische Skalierung, Kostenwarnungen oder Richtlinien-Checks.

Für ein KMU, das nicht dutzende Spezialist:innen im Betriebsteam hat, ist entscheidend: Wenig manuelle Pflege, viel Automatisierung, klare Transparenz. Genau das adressieren diese Funktionen.


Fazit: HPC, KI und Quanten – jetzt strategisch, nicht später hektisch

Hochleistungsrechnen, GPU-Computing und Quantenansätze sind längst nicht mehr nur Thema für Konzerne und Forschung. Österreichische KMU, gerade im industriellen Umfeld, können heute mit geeigneten Plattformen konkret messbare Vorteile erzielen: schnellere Simulationen, robustere KI-Modelle, bessere Planung.

Der Weg muss dabei nicht mit Quanten-Hardware beginnen. Sinnvoll ist ein gestufter Ansatz:

  1. Datenlage und Engpässe analysieren.
  2. Einen klar umrissenen KI- oder Simulations-Use-Case wählen.
  3. Eine HPC-/KI-Plattform mit Agentic-Funktionen einführen.
  4. Workflows modular und „quanten-fähig“ gestalten.

Wer diesen Weg jetzt startet, verschafft sich nicht nur einen Vorsprung im Tagesgeschäft, sondern auch eine strategische Ausgangsposition, wenn hybride quanten-klassische Workflows in einigen Jahren tatsächlich Standard werden.

Wenn Sie als österreichisches KMU vor der Frage stehen, wie Sie konkret anfangen sollen, ist der nächste Schritt simpel: Wählen Sie einen Use-Case mit klarem Business-Nutzen – und prüfen Sie, wie HPC und KI die Rechenzeit halbieren und die Entscheidungsqualität verdoppeln können. Genau dort entsteht der echte Mehrwert.