Die Allianz von Swiss Fintech Association und Tenity beschleunigt KI-Innovation in Schweizer Banken und Vermögensverwaltung – von Compliance bis Robo-Advisory.

Wie SFTA & Tenity KI-Fintech in der Schweiz voranbringen
2024 wurden in der Schweiz über 400 Fintech-Unternehmen gezählt – Tendenz steigend. Der Engpass ist nicht mehr die Technologie, sondern das Ökosystem: Wer vernetzt Banken, Vermögensverwalter, Start-ups, Regulatoren und Kapital so, dass aus Ideen profitable, regulierungskonforme KI-Lösungen werden?
Genau hier setzt die neue Partnerschaft zwischen der Swiss Fintech Association (SFTA) und Tenity an. Hinter der nüchternen Meldung steckt strategischer Sprengstoff für Banken, Vermögensverwalter und Fintechs, die KI wirklich produktiv einsetzen wollen – von Robo-Advisory über Fraud Detection bis Compliance-Automatisierung.
In diesem Beitrag geht es darum, was diese Allianz konkret bedeutet, wie sie das Schweizer Fintech- und KI-Ökosystem verändert und wie Sie als Bank oder Vermögensverwalter davon profitieren können – ganz praktisch, heute, nicht erst in fünf Jahren.
1. Was die Allianz SFTA–Tenity strategisch so wichtig macht
Die Partnerschaft zwischen SFTA und Tenity ist vor allem eins: ein strukturelles Upgrade fĂĽr den Schweizer Fintech-Standort.
Die Rollen sind klar verteilt:
- Swiss Fintech Association (SFTA): Interessenvertretung, Netzwerk, Regulatorik-Dialog, BrĂĽcke zu etablierten Instituten und Politik.
- Tenity: Incubator & Accelerator, Dealflow, Startup-Formate, Corporate-Innovation-Programme, Zugang zu internationalen Fintech- und KI-Teams.
Wenn sich diese beiden Kräfte bündeln, entsteht eine Plattform, die drei Dinge gleichzeitig ermöglicht:
- Schnelleren Marktzugang für innovative KI-Lösungen
- Bessere Abstimmung mit Regulatoren und Verbänden
- Gezieltere Zusammenarbeit zwischen etablierten Häusern und Start-ups
Für KI in der Schweizer Finanzbranche – insbesondere in Banking & Vermögensverwaltung – ist das entscheidend. Denn die meisten Institute scheitern nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung im regulierten Umfeld.
Die eigentliche Innovation passiert dort, wo Regulatorik, Tech-Know-how und Business-Verständnis an einem Tisch sitzen.
Genau diesen Tisch bauen SFTA und Tenity jetzt gemeinsam.
2. Was das für Banken und Vermögensverwalter konkret bedeutet
Für Schweizer Banken und Vermögensverwalter ist diese Partnerschaft kein abstraktes Branchen-News, sondern eine strategische Abkürzung in Richtung produktiver KI-Nutzung.
2.1 Besserer Zugang zu kuratierten KI-Fintechs
Statt hunderte Pitches zu prüfen, können Institute stärker auf den gefilterten Dealflow von Tenity und das geprüfte Netzwerk der SFTA zurückgreifen.
Typische Anwendungsfelder:
-
Robo-Advisory & Hybrid Advisory
KI-gestützte Portfoliovorschläge, Simulationen, Rebalancing und Risikoanalysen – eingebettet in das bestehende Kernbankensystem. -
Fraud Detection & Transaction Monitoring
KI-Modelle, die Zahlungsverkehr in Echtzeit überwachen und auffällige Muster erkennen – weit über klassische Rule Engines hinaus. -
Compliance-Automatisierung
KI-gestützte Lösungen für KYC/AML, Dokumentenprüfung, regulatorische Berichterstattung und Risiko-Scoring. -
Personalisierte Kundenbetreuung
Next-Best-Action-Empfehlungen, personalisierte Kommunikation, KI-Assistenten fĂĽr Kundenberater.
Die Allianz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Institute lösungsorientierte, lokal regulierungskonforme Anbieter finden, statt in globalem „Tech-Rauschen“ zu versinken.
2.2 Schnellere Proof-of-Concepts und weniger Friktion
Ich habe immer wieder gesehen: PoCs im KI-Umfeld ziehen sich über 12–18 Monate, verlieren intern Sponsoren und sterben politisch.
Mit einem strukturierten Ökosystem lässt sich das deutlich beschleunigen:
- Standardisierte NDAs, PoC-Rahmenverträge und Governance-Modelle
- Zugriff auf Erfahrungen anderer SFTA-Mitglieder („Was hat bei euch funktioniert?“)
- UnterstĂĽtzung bei Datenschutz, FINMA-Erwartungen und Modell-Risiko
Dadurch werden KI-Projekte von „experimentell“ zu industriell planbar.
3. KI-Innovation braucht ein starkes Ökosystem – genau das entsteht hier
KI im Finanzsektor ist kein Solo-Projekt eines einzelnen Start-ups oder einer isolierten Bank-IT. Es ist ein Netzwerk-Thema.
3.1 Die wichtigsten Bausteine eines KI-Fintech-Ă–kosystems
Ein funktionierendes Ă–kosystem rund um KI in Banking & Wealth besteht im Kern aus:
- Talent – Data Scientists, ML-Engineers, Quant-Experten, Product Owner mit Bankverständnis.
- Kapital – VCs, Corporate VCs, Family Offices, die KI-Fintechs verstehen und nicht nur „Buzzwords“ finanzieren.
- Regulatorik & Verbände – Dialog mit FINMA, SROs, Branchenverbänden; Verständnis für Modellrisiko, Outsourcing, Cloud.
- Pilotkunden – Banken und Vermögensverwalter, die POCs und Rollouts wagen – mit klarer Governance.
- Infrastruktur – Cloud-Plattformen, APIs, standardisierte Schnittstellen, Datenräume.
Die Kooperation SFTA–Tenity adressiert genau diese Bausteine:
- Tenity bringt Start-ups, Kapital und internationale Perspektive.
- SFTA bringt Zugang zu Instituten, Politik, Regulatorik und Praxis-Communities.
3.2 Warum das speziell fĂĽr KI so entscheidend ist
KI-Lösungen in der Finanzbranche unterscheiden sich von klassischer Software:
- Datensensitivität: Bank- und Kundendaten unterliegen strengen Schweizer und europäischen Vorgaben.
- Erklärbarkeit: Modelle müssen prüfbar, dokumentiert und auditierbar sein.
- Modellrisiko: FINMA und interne Risk-Funktionen verlangen Validierung, Monitoring und Governance.
Ohne Ökosystem enden viele KI-Projekte als isolierter Pilot in einer Sandbox. Mit einem starken Netzwerk steigt die Chance, dass daraus ein skalierbares Produkt wird – mit sauberem Risikorahmen.
4. Konkrete Chancen für KI in Banking & Vermögensverwaltung
Wer heute in der Schweiz KI im Finanzbereich voranbringen will, sollte sich sehr bewusst fragen: Wo sind die „Low-Hanging Fruits“? Im Kontext der SFTA–Tenity-Allianz sehe ich vier besonders attraktive Felder.
4.1 Compliance-Automatisierung: Von Pflicht zur Effizienzquelle
Compliance ist für Schweizer Institute einer der grössten Kostenblöcke. Genau hier kann KI kurzfristig entlasten:
- Automatisierte Extraktion von Daten aus KYC-Dokumenten
- Intelligente Dossier-PrĂĽfung (Wohnsitz, PEP, Sanktionen)
- KI-basierte Priorisierung von Alerts im Transaktionsmonitoring
- VorbefĂĽllung regulatorischer Reports
Durch strukturierte Zusammenarbeit im Ökosystem können:
- Best Practices geteilt werden (z.B. welche Explainability-Methoden akzeptiert die interne Revision?).
- Modelle schneller validiert werden, weil Erfahrungswerte aus anderen Häusern vorliegen.
- Vendor-Risiken besser eingeschätzt werden – dank Erfahrungen anderer Mitglieder.
4.2 Robo-Advisory & Hybrid Advisory neu denken
Der reine „Robo-Advisor für Endkunden“ hat in der Schweiz nicht die erwartete Marktdurchdringung erreicht. Das heisst aber nicht, dass KI im Anlageprozess gescheitert ist – im Gegenteil.
Spannend sind vor allem:
-
Interne KI-Copiloten fĂĽr Kundenberater
Modelle, die dem Berater auf Knopfdruck passende Portfolios, Szenarioanalysen, steuerliche Aspekte oder Kunden-Insights liefern. -
Mass Customization von Strategien
Statt starr 5–7 Strategien anzubieten, können mit KI sehr fein granulierte Strategien erzeugt werden, ohne dass der Betrieb ausufert. -
Personalisierte Kundenkommunikation
KI unterstützt bei textlicher Aufbereitung, Tonalität, Sprachen und Relevanz der Inhalte – natürlich mit Kontrollschleifen.
Mit SFTA und Tenity entsteht ein Rahmen, in dem Banken gemeinsam mit Start-ups und Vermögensverwaltern realistische, regulierungskonforme Hybrid-Modelle testen können, statt alles selbst zu entwickeln.
4.3 Fraud Detection & Cyber Security
Zahlungsverkehr und E-Banking sind ein ideales Feld fĂĽr KI-gestĂĽtzte Anomalieerkennung:
- Erkennung von Social-Engineering-Fällen
- Ungewöhnliche Login-Muster oder Gerätewechsel
- Verdächtige Zahlungen, die nicht zu historischen Mustern passen
Im Netzwerk können:
- Use Cases standardisiert werden (z.B. gemeinsame Fraud-Typologien).
- Trainingsdaten anonymisiert geteilt werden, wo rechtlich möglich.
- Benchmarks fĂĽr Modell-Performance definiert werden.
Wer hier früh pilotiert, kann im Wettbewerb glaubhaft mit Sicherheit und Vertrauensschutz punkten – ein zentrales Argument im Schweizer Markt.
4.4 Personalisierte Kundenbetreuung über alle Kanäle
Viele Häuser sammeln seit Jahren Daten, nutzen sie aber kaum. KI-gestützte Kundenbetreuung kann hier der Hebel sein, um echte Mehrwerte zu schaffen:
- Relevante Produktempfehlungen statt Massenmailings
- Erkennung von Abwanderungsrisiken (Churn Prediction)
- Bessere Priorisierung im Relationship Management
Mit dem Ökosystem im Rücken lassen sich solche Projekte schneller aufsetzen – inklusive Ethik- und Datenschutzrahmen, der in der Schweiz besonders ernst genommen wird.
5. Wie Banken und Vermögensverwalter jetzt konkret einsteigen sollten
Die Partnerschaft SFTA–Tenity ist eine Einladung an etablierte Institute, aus „wir beobachten den Markt“ herauszukommen und aktiv Mitgestalter der KI-Zukunft in der Schweizer Finanzbranche zu werden.
5.1 FĂĽnf sofort umsetzbare Schritte
-
KI-Roadmap schärfen
Klar definieren: Welche 3–5 Prioritäts-Use-Cases (z.B. KYC, Advisory, Fraud) stehen im Fokus 2026–2027? -
Ă–kosystem-Rolle definieren
Wollen Sie Pilotkunde, strategischer Partner, Investor oder Co-Entwickler sein? Verschiedene Rollen eröffnen unterschiedliche Chancen. -
Kontakt zu SFTA / Tenity aktiv nutzen
Teilnahme an Arbeitsgruppen, Events, Matching-Formaten. Dort entstehen die Projekte, die später den Unterschied machen. -
Interne KI-Governance aufsetzen
Frühzeitig Richtlinien zu Modellrisiko, Datennutzung, Ethik, Vendor-Management etablieren – damit Projekte nicht auf der Zielgeraden scheitern. -
Ein bis zwei „Leuchtturm-Use-Cases“ starten
Nicht alles gleichzeitig. Lieber 1–2 KI-Projekte mit klaren KPIs (z.B. -30 % Bearbeitungszeit im KYC, +15 % Berater-Produktivität) durchziehen.
5.2 Warum Abwarten die riskanteste Option ist
Viele Häuser setzen immer noch auf „Follower-Strategie“: Erst handeln, wenn andere vorgegangen sind. Das funktioniert bei generischer IT, bei KI im hochkompetitiven Schweizer Finanzmarkt aber nur begrenzt.
Wer jetzt aktiv das Ă–kosystem nutzt,
- baut organisatorische Kompetenz auf,
- schafft Daten- und Governance-Fundamente,
- und positioniert sich als attraktiver Partner fĂĽr Fintechs.
Und genau dieser Zugang zu den richtigen Partnern wird durch die Allianz SFTA–Tenity deutlich einfacher.
Fazit: KI-Erfolg in der Schweiz ist ein Teamsport – SFTA & Tenity setzen den Rahmen
Die Kooperation zwischen Swiss Fintech Association und Tenity ist weit mehr als eine Branchenmeldung. Sie ist ein Baustein dafür, dass KI in der Schweizer Finanzbranche nicht nur in PowerPoint-Folien existiert, sondern in produktiven Lösungen: in Robo-Advisory, Fraud Detection, Compliance-Automatisierung und personalisierter Kundenbetreuung.
Wer als Bank oder Vermögensverwalter jetzt klug handelt, nutzt dieses Ökosystem aktiv:
- fĂĽr schnellere, sicherere KI-Piloten,
- fĂĽr Zugang zu geprĂĽften Fintech-Partnern,
- und fĂĽr einen belastbaren Rahmen gegenĂĽber Regulatoren und Aufsicht.
Die Frage ist weniger, ob KI Ihre Geschäftsmodelle verändert, sondern mit wem Sie diesen Weg gehen. SFTA und Tenity haben den Startschuss für ein stärker vernetztes KI-Fintech-Ökosystem in der Schweiz gegeben. Die spannende Frage für 2026 lautet: Welche Rolle wollen Sie darin spielen?