Disney vs. Google: Was Marketer jetzt über KI-Recht lernen müssen

KI in der Schweizer Finanzbranche: Banking & VermögensverwaltungBy 3L3C

Disney vs. Google zeigt, wie riskant unklare KI-Nutzung ist. Was Banken und Vermögensverwalter jetzt tun sollten, um KI im Marketing rechtssicher einzusetzen.

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Disney gegen Google: Warum dieser KI-Fall Ihr Marketing direkt betrifft

Als Bob Iger, CEO von Disney, Google eine scharfe Unterlassungsaufforderung wegen generativer KI schickt, geht es nicht nur um Mickey Mouse und Lichtschwerter. Es geht um ein Thema, das jede Marketingabteilung und jeden Vertrieb in der DACH-Region berührt – erst recht in stark regulierten Branchen wie der Schweizer Finanzbranche.

Der Vorwurf ist klar: Googles KI-Modelle sollen ohne Erlaubnis auf einem grossen Korpus urheberrechtlich geschützter Disney-Inhalte trainiert worden sein, die Ergebnisse tauchen dann auch noch auf YouTube auf – teilweise mit Google-Branding. Für Disney ist das mehr als ein Ärgernis, es ist ein Angriff auf den Kern des Geschäftsmodells: geistiges Eigentum.

Für Banken und Vermögensverwalter, die KI für Marketing, Content-Produktion oder personalisierte Kundenkommunikation einsetzen, steckt hier eine sehr konkrete Lektion drin: KI kann Ihren ROI massiv steigern – oder Ihnen bei falscher Nutzung juristisch um die Ohren fliegen.

In diesem Beitrag geht es darum:

  • was im Fall Disney vs. Google passiert,
  • warum das rechtlich und ethisch für Marketing & Vertrieb relevant ist,
  • und wie Schweizer Finanzinstitute KI heute schon rechtssicher in Marketing und Vertrieb einsetzen können – statt später mit der Rechtsabteilung Krisenkommunikation zu planen.

Was im Fall Disney vs. Google eigentlich passiert

Kern des Streits: Disney wirft Google vor, urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Erlaubnis für KI-Training und Content-Generierung zu nutzen.

Die wichtigsten Punkte des Konflikts

Disney hat mit OpenAI einen Deal geschlossen: Über 200 Charaktere – von Marvel bis Star Wars – dürfen für drei Jahre im Video-KI-System Sora genutzt werden. Das ist ein klassisches Lizenzgeschäft: klar geregelt, vertraglich abgesichert, wirtschaftlich planbar.

Parallel dazu, so Disney, ignoriert Google entsprechende Bedenken:

„Google verletzt Disneys Copyright in massivem Ausmaß, indem es einen großen Korpus aus Disneys Copyright-geschützten Werken ohne Genehmigung für Training und Entwicklung von KI-Modellen und Diensten kopiert hat.“

Konkret wirft Disney Google vor:

  • Training auf geschützten Werken ohne Erlaubnis
  • Kommerzielle Nutzung der so trainierten Modelle
  • Ausgabe von Bildern und Videos, die Disney-Figuren und -Welten ähneln
  • Verbreitung dieser Inhalte über Google-Plattformen, insbesondere YouTube
  • Und verschärfend: Teilweise tragen die generierten Inhalte Google-Logos – was wie eine Art vermeintliche Co-Branding-Freigabe wirkt.

Disney hat bereits ähnliche Schritte gegen Meta, Character.AI sowie Klagen zusammen mit anderen Rechteinhabern gegen Midjourney und Minimax eingeleitet. Wir sind also mitten in einer Welle von Grundsatzstreitigkeiten rund um Urheberrecht und KI.

Das Spannende daran für Marketer: Die juristischen Leitplanken, die hier auf höchster Ebene verhandelt werden, gelten am Ende auch für Ihr Content-Team und Ihre Kampagnen.


Warum dieser Konflikt ein Weckruf für Marketing & Vertrieb ist

Für Marketingverantwortliche – gerade in Banken und Vermögensverwaltungen in der Schweiz – ist der Fall viel mehr als ein Tech- oder Entertainment-Thema. Er zeigt, worum es im Kern geht: Kontrolle über Inhalte, Lizenzen und Reputation.

Urheberrecht wird zum operativen Marketing-Risiko

Wer heute KI einsetzt, arbeitet oft mit:

  • Textgeneratoren (z. B. für Newsletter, Produktseiten, Blogposts)
  • Bild- und Video-KI (für Social Media, Kampagnen, Präsentationen)
  • Chatbots und digitale Assistenten (z. B. für Kundenservice und Beratungsvorstufen)

Die entscheidende Frage lautet: Worauf wurde das Modell trainiert – und dürfen Sie die generierten Inhalte rechtlich überhaupt nutzen?

Wenn Sie als Bank:

  • ein KI-generiertes Bild in einer Kampagne einsetzen, das stilistisch klar an eine bekannte Marke erinnert,
  • oder einen Video-Clip produzieren, der urheberrechtlich geschützte Elemente aufgreift,

dann liegt das Risiko plötzlich bei Ihnen – nicht beim KI-Anbieter. Und im Banking-Umfeld ist ein Rechtsstreit nicht nur teuer, sondern auch ein massiver Reputationsschaden.

Für Schweizer Finanzinstitute kommt noch eine Ebene dazu: Regulierung

Neben Urheberrecht spielen im Finanzmarketing weitere Rechtsrahmen mit hinein:

  • FINMA-Rundschreiben zu Outsourcing, ICT und Cyberrisiken
  • Datenschutzrecht (DSG in der Schweiz, DSGVO für EU-Kunden)
  • Branchenstandards zu Transparenz und Anlegerschutz

Wenn Ihre KI-Lösung Trainingsdaten nutzt, die urheberrechtlich problematisch sind, und Sie damit noch Kundenkommunikation automatisieren, haben Sie eine toxische Mischung: Urheberrechtsrisiko meets Compliance-Risiko.

Die Realität ist aber: Rechtssicher aufgesetzte KI erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die Glaubwürdigkeit gegenüber Aufsicht, Kunden und Partnern.


Rechtssichere KI-Nutzung im Marketing: 5 Prinzipien für Banken

Wer KI heute im Marketing einsetzt, braucht kein Jurastudium – aber klare Leitlinien. Hier sind fünf Prinzipien, mit denen sich Schweizer Banken und Vermögensverwalter gut aufstellen können.

1. Modell-Transparenz einfordern

Nutzen Sie keine KI-Tools „blind“. Fragen Sie Ihre Anbieter gezielt:

  • Auf welchen Datensätzen wurde das Modell trainiert?
  • Gibt es Lizenzvereinbarungen für urheberrechtlich geschützte Inhalte – oder setzt der Anbieter auf „Fair Use“-Argumente, die in Europa kaum Bestand haben?
  • Wie geht der Anbieter mit Anfragen um, die offensichtlich geschützte Marken, Charaktere oder Designs betreffen?

Seriöse Enterprise-Anbieter liefern hier saubere Antworten, teilweise inklusive Entschädigungs- oder Haftungszusagen für Kunden.

2. Klare No-Go-Zonen definieren

Erarbeiten Sie interne Regeln, was Ihre Teams mit KI nicht tun dürfen, zum Beispiel:

  • Keine Aufforderungen an KI, bekannte Marken, Figuren, Filme oder Logos zu imitieren
  • Keine Generierung von Content, der reale Personen (Kunden, Mitarbeitende, CEOs) ohne deren Einwilligung in heikle Kontexte setzt
  • Kein Einsatz von offenen, rechtlich unklaren Bildgeneratoren für Kampagnenmotive – höchstens für interne Mockups

In der Praxis hat sich bewährt, diese Regeln direkt in Prompt-Guidelines und in Ihren Brand-Guides zu verankern.

3. Lizenzierte Daten als Wettbewerbsvorteil sehen

Disney zeigt mit dem OpenAI-Deal die Richtung: Lizensierte Inhalte für KI sind ein Geschäftsmodell. Für Banken kann das heissen:

  • Bestehende Content-Bibliotheken (Whitepaper, Research, Marktberichte) bewusst für KI-Training intern freizugeben
  • Verträge mit Partnern und Datenlieferanten anzupassen („Dürfen diese Inhalte für interne KI-Trainingszwecke genutzt werden?“)
  • Eigene „saubere“ Wissensmodelle aufzubauen, etwa für:
    • Anlageempfehlungs-Templates
    • Produktinformationen
    • rechtlich geprüfte Textbausteine

Wer seine Datenlandschaft strukturiert und rechtlich klärt, kann KI im Marketing viel aggressiver – und trotzdem sicher – nutzen.

4. Governance für KI im Marketing etablieren

In der Schweizer Finanzbranche wird KI-Governance zum Pflichtprogramm. Für Marketing & Vertrieb heisst das:

  • Einbindung von Legal, Compliance und Risk bei der Auswahl von KI-Tools
  • Freigabeprozesse für KI-gestützte Kampagnen (vier Augen: Fachbereich + Recht/Compliance)
  • Dokumentation: Welche KI wurde wofür genutzt? Welche Prompts? Welche Korrekturen wurden manuell vorgenommen?

Das klingt bürokratisch, ist aber ein enorm starkes Signal an Aufsicht und Öffentlichkeit: „Wir nehmen die Verantwortung für KI ernst.“

5. Transparenz gegenüber Kundinnen und Kunden

Gerade im Private Banking und in der Vermögensverwaltung ist Vertrauen das wichtigste Gut. Deswegen lohnt sich eine offene Linie:

  • Kennzeichnen Sie, wo KI in der Kommunikation zum Einsatz kommt (z. B. bei Chatbots oder automatisch erstellten Marktupdates)
  • Betonen Sie, dass alle Inhalte rechtlich geprüft und urheberrechtlich sauber sind
  • Kommunizieren Sie aktiv, dass Sie Datenschutz und geistiges Eigentum respektieren – das zahlt direkt auf Ihre Marke ein

Rechtssicherheit ist kein Bremsklotz, sondern ein Differenzierungsmerkmal. Wer hier vorne ist, wird von anspruchsvollen Kunden als moderner, gleichzeitig solider Partner wahrgenommen.


Konkrete Einsatzfelder: KI im Marketing von Schweizer Banken – rechtssicher gedacht

Wie sieht das jetzt ganz praktisch aus? Drei typische Szenarien aus der Schweizer Finanzbranche, bei denen die Disney-vs-Google-Learnings helfen.

1. Personalisiertes Content Marketing für Vermögensverwaltung

Sie wollen Ihren Kunden personalisierte Markt-Insights per E-Mail oder im eBanking-Portal bereitstellen.

So nutzen Sie KI sauber:

  • Trainingsbasis: Eigene Research-Berichte, geprüfte Marktdaten, interne Strategiepapiere
  • Output-Kontrolle: Jeder automatisch erstellte Text läuft durch ein Compliance-Review oder wird durch eine geprüfte Prompt-Vorlage in engen Bahnen gehalten
  • Vermeidung von Copyright-Risiken: Keine Zitate aus externen Quellen ohne Lizenz, keine Bilder aus generischen KI-Generatoren mit unklarer Trainingsbasis

2. Social-Media-Kampagnen für Retail Banking

Sie planen eine Kampagne zu neuen Kontomodellen oder nachhaltigen Anlageprodukten.

Empfehlungen:

  • Nutzen Sie KI für Ideation (Slogans, Hook-Ideen, Bildkonzepte), aber setzen Sie für finale Visuals auf:
    • intern produzierte Fotos/Videos
    • stock-lizenzierte Inhalte
    • oder Enterprise-KI mit klaren Nutzungsrechten
  • Verbieten Sie Prompts wie „Mach mir ein Bild im Stil von [bekannter Marke/Film]“ – das ist genau die Zone, in der Disney aktuell juristisch unterwegs ist.

3. KI-Assistent im Kundenkontakt (z. B. Chatbot im eBanking)

Sie setzen einen generativen KI-Assistenten ein, der Fragen zu Produkten, Gebühren oder Prozessen beantwortet.

Worauf Sie achten sollten:

  • Quellenbasis: FAQ, Preis- und Leistungsverzeichnisse, Produktflyer, AGB – alles intern geprüft und freigegeben
  • Logging: Dokumentation der Antworten, um im Streitfall zeigen zu können, wie der Bot „gedacht“ hat
  • Content-Cleanup: Kein Training auf willkürlichen Webinhalten, keine Foren, keine fremden Marken – alles saubere, interne Daten

So kombinieren Sie Effizienzgewinn im Kundenservice mit minimalem urheberrechtlichem Risiko.


Warum Rechtssicherheit den ROI Ihrer KI-Investitionen erhöht

Viele Unternehmen sehen Compliance rund um KI noch als notwendiges Übel. Für mich ist das ein Denkfehler. Rechtssicherheit ist ein ROI-Treiber.

  • Sie reduzieren das Risiko teurer Rechtsstreitigkeiten und Kampagnen-Stopps
  • Sie gewinnen schneller die Zustimmung von Legal, Compliance und Management für neue Use Cases
  • Sie können KI-Offensiven in Marketing und Vertrieb selbstbewusst auch gegenüber Aufsicht und Kunden vertreten

Gerade in der Schweizer Finanzbranche, in der „Vertrauen“ kein Marketing-Slogan, sondern ein Geschäftsmodell ist, kann KI nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn sie rechtlich sauber gestaltet wird.

Der Fall Disney vs. Google zeigt, wohin es führt, wenn dieser Punkt auf Anbieter- oder Anwenderseite ignoriert wird: Frontalkonflikt, öffentliche Kritik, Rechtsrisiko. Für Banken und Vermögensverwalter gibt es einen deutlich klügeren Weg.


Nächste Schritte für Ihr Haus

Wenn Sie für Marketing oder Vertrieb in einer Bank oder Vermögensverwaltung verantwortlich sind, lohnt sich ein nüchterner Check:

  1. Bestandsaufnahme: Wo setzen wir heute schon KI im Marketing und in der Kundenkommunikation ein?
  2. Risikobewertung: Sind Trainingsdaten, Lizenzen und Rechte für diese Tools sauber geklärt?
  3. Governance aufbauen oder schärfen: Wer entscheidet was, und wie dokumentieren wir das?
  4. Pilotprojekte planen: Lieber wenige, rechtssicher aufgesetzte KI-Projekte mit messbarem Mehrwert als „KI überall, aber keiner weiss genau wie“.

Die gute Nachricht: Die Bausteine für rechtssichere, kundenorientierte KI im Marketing sind heute vorhanden – gerade für regulierte Branchen. Wer sie konsequent nutzt, wird vom aktuellen KI-Hype zu stabilen, skalierbaren Ergebnissen kommen.

Die Frage ist also nicht, ob Sie KI im Marketing einsetzen. Sondern: Wie gut Sie vorbereitet sind, wenn der erste kritische Blick von Kunden, Medien oder Aufsicht kommt.